Samstag, 18. Dezember 2004
Ist der Polytheismus toleranter?
Feyerabend sieht in dem heidnischen Polytheismus generell ein höheres Potential für weltanschauliche Toleranz. Er beschreibt die archaische Heldenwelt Homers: "In religiösen Dingen herrscht eine Toleranz, die späteren Generationen moralisch und theoretisch unannehmbar war und die selbst heute noch als Ausdruck von Oberflächlichkeit und Naivität gilt. Er archaische Mensch ist ein religiöser Eklektiker, er hat nichts gegen fremde Götter und Mythen, er fügt sie dem vorhandenen Inventar der Welt hinzu, ohne eine Synthese oder die Beseitigung von Widersprüchen zu versuchen. Es gibt keine Priester, kein Dogma, keine kategorischen Aussagen über Götter, Menschen und die Welt. (Die Toleranz findet sich noch bei den ionischen Naturphilosophen, die ihre Gedanken in enger Verbindung mit dem Mythos entwickeln, ohne zu versuchen, diesen zu beseitigen.) Es gibt keine religiöse Moral in unserem Sinne, auch sind die Götter keine abstrakten Verkörperungen ewiger Grundsätze. Das wurden sie erst später, im archaischen Zeitalter, und als Folge davon »verloren sie ihre menschlichen Eigenschaften. So tendierte die ...
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Lambing - Zettelkasten: Polytheismus
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