Samstag, 29. Januar 2005
Kritik am Kommunitarismus 1
Eine knappe Kritik von Chester Brown an dem Unsinn, wie rechte Theoretiker den Kommunitarismus instrumentalisieren: "Der Schwachpunkt des Kommunitarismus liegt darin, daß er sich zum großen Teil auf eine völkische Argumentation stützt.(97) Er suggeriert eine Homogenität, die gegenüber der demographischen und politischen Wirklichkeit nicht haltbar ist. Es ist offensichtlich, daß politische und ethnische Gemeinschaften in der überwiegenden Mehrheit der Staaten einfach nicht zusammenfallen. Die territorialen Realitäten von politischen Staaten decken sich zudem oft nicht mit den Grenzen ethnischer Nationen (oder Volksgemeinschaften) &emdash; sie sind nicht inhaltsgleich, sondern voneinander getrennt, und geraten oft miteinander in Konflikt.(98) Heute lassen sich kollektive Identitäten nicht mehr so einfach durch den Rekurs auf eine solche gemeinsame Herkunft legitimieren.(99) Habermas hat an den Beispielen multikultureller Gesellschaften wie der Schweiz und den USA erkannt, daß sich eine politische Kultur, in der die Verfassungsgrundsätze Wurzeln schlagen können, keineswegs auf eine allen Staatsbürgern gemeinsame ...
[Zettel auffalten...]
Julio Lambing - Zettelkasten: Traditionen
0 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
Nussbaums aristotelischer Sozialdemokratismus
Um die politischen Implikationen ihres aristotelischen Ansatz im Kontrast zu anderen einflussreichen moralphilosophsichen Konzepten zu beschreiben, wählt Martha Nussbaum das Schicksal jenes idealtypischen Arbeiters, dessen Entfremdung von seiner Arbeit Karl Marx in den Pariser ökonomischen Manuskripten eindringlich beschrieb: „Wir haben bisher die Entfremdung, die Entäusserung des Arbeiters nur nach der einen Seite hin betrachtet, nämlich sein Verhältniß zu den Produkten seiner Arbeit. Aber die Entfremdung zeigt sich nicht nur im Resultat, sondern im Akt der Produktion, innerhalb der producirenden Thätigkeit selbst. (...) Worin besteht nun die Entäusserung der Arbeit? Erstens, daß die Arbeit dem Arbeiter äusserlich ist, d. h. nicht zu seinem Wesen gehört, daß er sich daher in seiner Arbeit nicht bejaht, sondern verneint, nicht wohl, sondern unglücklich fühlt, keine freie physische und geistige Energie entwickelt, sondern seine Physis abkasteit und seinen Geist ruinirt. Der Arbeiter fühlt sich daher erst ausser der Arbeit bei sich und in der Arbeit ausser sich. Zu Hause ist er, wenn er nicht arbeitet ...
[Zettel auffalten...]
Julio Lambing - Zettelkasten: Ethik des guten Lebens
0 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks
Martha Nussbaums Konzept der Grundfähigkeiten
Die aristotelische Philosophin Martha Nussbaum greift bei ihrer Betrachtung dessen, was ein gutes Leben ist, weniger die Tugendlehre von Aristoteles auf, sondern jene Überlegungen zur Verpflichtung eines Staates oder eines Gemeinwohls, zum Gedeihen menschlichen Lebens umfassend beizutragen. In diesem Sinne antwortet sie also eher auf die Frage, was "in der Gesellschaft" verändert werden muss. Die zentrale Frage, die Martha Nussbaum stellt, lautet dabei: Geht einem Wesen diese Eigenschaft oder Eigenart ab, würden wir es dann noch als "Mensch" bezeichnen? Oder weniger streng gefragt, was würden wir sagen, ist irgendwie typisch für "die Menschen"? Damit will Nussbaum nicht sagen, dass es nicht Extremfälle in der Vielfalt menschlicher Lebenentwürfe gibt. Aber sie möchte die Klasse der Menschen als Spezies beschreiben gleichsam so wie wenn frau fremden Wesen die Menschen beschreiben würde. In diesem Sinne ist das von ihr beschriebene Grundgerüst eine Annäherung etwa in der Art, wie wenn wir sagen, dieses oder jenes Lebewesen hat "in der Regel" diese Bedürfnisse und Fähigkeiten. Nussbaum nennt folgende Punkte für ...
[Zettel auffalten...]
Julio Lambing - Zettelkasten: Ethik des guten Lebens
0 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks






