Montag, 28. Februar 2005
Charles Taylors Gedanken über den Karneval 1
Von Charles Taylor gibt es einen interessanten Gedankengang zum neuzeitlichen Zeitverständnis, in dem er unter anderem auch Konsequenzen des Verlustes der "Zeit zwischen den Zeiten" für die modernen Kulturen thematisiert. Die Zeiten alter Kulturen, die die gewöhnliche Ordnung der Dinge umkehren wie jene Festivitäten des Mittelalters (Karneval, die Feste der Missregierung, der Knabenbischöfe), die Saturnalien oder die obszönen Riten indigener Kulturen waren für Taylor in die Strukturen ihrer Kulturen fest eingebaut: Sie bestätigen durch ihre Zeit der Unordnung gerade die Ordnung und stellten "so die Herrschaft der Obrigkeit und der Sitten nicht ernsthaft in Frage." Sie bestätigen die herrschenden sittlichen Werte und den kulturellen Kodex. Taylor erwähnt in diesem Zusammenhang Viktor Turners funktionalistische Erklärung, dass solche Feste dazu dienen die bestehende Struktur, den Verhaltenskodex einer Gesellschaft, durch eine zeitweilige Gegenstruktur ausser Kraft zusetzen, nur um den Kodex dadurch immer wieder neu zu bestätigen und seine Geltung als ursprüngliche Ordnung wieder neuzubeleben. Die Gegenstruktur ermöglicht ...
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Julio Lambing - Zettelkasten: Das System
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