Montag, 7. März 2005
Charles Taylors Gedanken über den Karneval 2 (Randbemerkung)
Nun ist neuheidnische Apologetik ausgesprochen langweilig. Umkehrfeste wie sie Taylor anspricht finden ohnehin nicht im Neuheidentum statt - zumindest nicht im deutschsprachigen Raum. Unter einem Fest versteht man hier entweder die neopagan eingekitschte Version eines Pfarrfestes (Bier und Würstchen dürfen nicht fehlen; abends spielt das Liedermacher-Duo) oder das ausgelutschte Revival eines Hippietreffens (Rastalocken und schwarzer Afghane dürfen nicht fehlen, nachmittags spielt das Kasperltheater). Gerade das Vorbild christlicher Events (1) hat es den Neuheiden ja angetan: Die Riten, die bei ihnen zelebriert werden, sind schlechte Kopien christlicher Veranstaltungen. Sie schwanken zwischen einem beschwingten Ringelpitz ähnlich den Besinnungsfestchen der evangelischen Pfarrjugend oder einem Mumenschanz, der wahlweise auf altnordisch-germanisch oder keltisch-hexisch katholische Hochämter nachstellt. Wer nicht an Biertischen sitzt oder christliche Riten nachmacht, macht auf schamanisch und geht in die Schwitzhütte. Allerdings muss man bei letzterem wenigstens zugute halten, dass sich die Leute mal ausziehen - unter Neuheiden bis heute eine revolutionäre ...
[Zettel auffalten...]
Julio Lambing - Zettelkasten: Das System
0 Kommentare - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks






