Montag, 23. Januar 2006
Tugendhat über anthropologische Wurzeln der Mystik
Die „Monde diplomatique“ veröffentlichte in ihrer Januar-Ausgabe eine gekürzte Version die Dankesrede, die Ernst Tugendhat anlässlich der Verleihung des Meister Eckart Preises durch die Identity Foundation am 5. Dezember hielt. Tugendhat geht es seit längerem darum, die anthropologischen Wurzeln der Mystik freizulegen und diese zugleich von denen der Religion zu unterscheiden. Für Tugendhat ist es nämlich die verbreitete Einstellung indiskutabel, mystische Haltungen entweder als irrational oder als Ausdruck einer kulturellen Tradition zu verstehen, die nur innerhalb dieser Tradition verstanden werden kann. Zwischendurch macht er der Religion einen kurzen Prozess: Alles kontingente Geschehen lässt sich kausal erklären, und Gott erweist sich als Projektion einer Wunschvorstellung, die Moral lässt sich nur noch als intersubjektiv begründet verstehen, ihre Absolutsetzung war ihrerseits eine Projektion. Das Merkwürdige ist, dass man das auch schon in der Religion immer geahnt hat, denn sonst hätte sie sich nicht auf besondere, geheiligte Traditionen berufen müssen. Religiöse Wahrheit ist immer nur entweder ...
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Julio Lambing - Zettelkasten: Rationalitaet
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