Montag, 27. März 2006
Antike Geschichtsschreibung als Reportage
Paul Veyne beschreibt den Unterschied zwischen moderner und antiker Geschichtsschreibung. Nach ihm sah sich der antike Geschichtsschreiber nicht wie heute als Teilnehmer einer (wissenschaftlichen) Kontroverse, sondern als als Ermittler (siehe der Sinn des Wortes griechischen „Historia“ - "histor": Zeuge ): „Wenn man Ermittlungen durchführt (sei es als Reisender, Geograph, Ethnograph oder Reporter), kann man nur sagen: dies habe ich festgestellt, dies habe ich von Seiten gewöhnlich gut unterrichteter Kreise erfahren; es erübrigt sich, die Namen der Informanten zu nennen: wer ginge hin und prüfe nach? (...) Um nichts würde ein Reporter bei uns glaubwürdiger erscheinen, wenn er überflüssigerweise die Identität seiner Informanten klarstellte; wir beurteilen seinen Wert nach internen Kriterien; es reicht uns, ihn zu lesen, um zu wissen, ob er klug und unparteiisch ist, ob er genau berichtet und eine gründliche Allgemeinbildung besitzt; und genauso be-und verurteilt Polybios in seinem XII. Buch seinen Vorgänger Timaios; (...) Doch kocht der Geschichtsschreiber seine Mahlzeit nicht vor den Augen seiner Leser. Er tut ...
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Julio Lambing - Zettelkasten: Fremde Kategorien
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