Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Samstag, 1. April 2006

Gesellschaftscharakter als soziale Tugendstruktur1


Wenn die Tugendstruktur des Menschen durch die sozio-ökonomischen Verhältnisse geprägt wird, dann ist zu fragen, in welchem »Medium« sich die Vermittlung zwischen sozio-ökonomischen Verhältnissen und seelisch-geistigen Erscheinungen vollzieht. Einen ersten Impuls zur Lösung dieser Frage bekam Erich Fromm durch die Marxsche Unterscheidung zwischen »konstanten Trieben« (nach Karl Marx fallen in diese Kategorie der Geschlechtstrieb und der Hunger), die von den gesellschaftlichen Bedingungen nur in Form und Richtung geändert werden können, und den »relativen Trieben« oder »Begierden« , die ihren Ursprung nur einem bestimmten Typ der gesellschaftlichen Organisation verdanken. »Marx verband hier bereits die relativen Begierden mit der Gesellschaftsstruktur und mit den Bedingungen von Produktion und Kommunikation und schuf so die Grundlage für eine dynamische Psychologie, die die meisten menschlichen Begierden – und damit einen großen Teil der menschlichen Motive – als durch den Produktionsprozeß bestimmt begreift.« Um die gemeinsamen psychischen Haltungen ...
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Charakterologie - Tugendlehre 1


"Das Verständnis menschlichen Verhaltens als Ausdruck eines bestimmten Charakters kann in der theologischen und philosophisch-ethischen Tradition bereits in der Tugendlehre, und zwar in der des Aristoteles und vor allem in der als Habitur-Lehre gefaßten Tugendlehre des Thomas von Aquin gefunden werden. Besonders wo es um die sittliche Beurteilung menschlichen Verhaltens ging und man moralpädagogsiche Kritierein und Inhalte brauchte, vermochte die Tugendlehre - ohne ausdrückliche empirische Methode - ein tieferes Verstehen des Menschen zu vermitteln. (...) Die Charakterlehre Erich Fromms kann als ein versuch angesehen werden, das Anliegen der traditionellen Tugendlehre mit den Mitteln der moderen Human- und Sozialwissenschaften neu zu begründen. Eine Affinität der Frommschen und des thomanischen Menschenverständnisses ist offensichtlich. Das Verdienst Erich Fromms ist die wissenschaftliche Explikation dieses Menschenverständnisses mit Hilfe seiner sozialpsychologischen Methode. Er übernimmt den dynamischen Charakterbegriff Sigmunds Freuds und mit ihm die Einsicht, daß die verschiedenen Charakterzüge eines Subjekts strukturiert ...
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