Samstag, 1. April 2006
Gesellschaftscharakter als soziale Tugendstruktur1
Wenn die Tugendstruktur des Menschen durch die sozio-ökonomischen Verhältnisse geprägt wird, dann ist zu fragen, in welchem »Medium« sich die Vermittlung zwischen sozio-ökonomischen Verhältnissen und seelisch-geistigen Erscheinungen vollzieht. Einen ersten Impuls zur Lösung dieser Frage bekam Erich Fromm durch die Marxsche Unterscheidung zwischen »konstanten Trieben« (nach Karl Marx fallen in diese Kategorie der Geschlechtstrieb und der Hunger), die von den gesellschaftlichen Bedingungen nur in Form und Richtung geändert werden können, und den »relativen Trieben« oder »Begierden« , die ihren Ursprung nur einem bestimmten Typ der gesellschaftlichen Organisation verdanken. »Marx verband hier bereits die relativen Begierden mit der Gesellschaftsstruktur und mit den Bedingungen von Produktion und Kommunikation und schuf so die Grundlage für eine dynamische Psychologie, die die meisten menschlichen Begierden – und damit einen großen Teil der menschlichen Motive – als durch den Produktionsprozeß bestimmt begreift.« Um die gemeinsamen psychischen Haltungen ...
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Julio Lambing - Zettelkasten: Tugend
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Charakterologie - Tugendlehre 1
"Das Verständnis menschlichen Verhaltens als Ausdruck eines bestimmten Charakters kann in der theologischen und philosophisch-ethischen Tradition bereits in der Tugendlehre, und zwar in der des Aristoteles und vor allem in der als Habitur-Lehre gefaßten Tugendlehre des Thomas von Aquin gefunden werden. Besonders wo es um die sittliche Beurteilung menschlichen Verhaltens ging und man moralpädagogsiche Kritierein und Inhalte brauchte, vermochte die Tugendlehre - ohne ausdrückliche empirische Methode - ein tieferes Verstehen des Menschen zu vermitteln. (...) Die Charakterlehre Erich Fromms kann als ein versuch angesehen werden, das Anliegen der traditionellen Tugendlehre mit den Mitteln der moderen Human- und Sozialwissenschaften neu zu begründen. Eine Affinität der Frommschen und des thomanischen Menschenverständnisses ist offensichtlich. Das Verdienst Erich Fromms ist die wissenschaftliche Explikation dieses Menschenverständnisses mit Hilfe seiner sozialpsychologischen Methode. Er übernimmt den dynamischen Charakterbegriff Sigmunds Freuds und mit ihm die Einsicht, daß die verschiedenen Charakterzüge eines Subjekts strukturiert ...
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Julio Lambing - Zettelkasten: Tugend
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