Samstag, 6. Mai 2006
Zwei Auguren können sich nicht treffen, ohne übereinander zu lächeln
Es ist im heutigen kulturdiagnostischen Jammern der christlichen Kreise, aber auch in der "wissenschaftlichen" antireligiösen Polemik ausgelutschte Floskel geworden, über den Supermarkt der Beliebigkeit zu klagen oder über die Verunsicherung des Menschen zu schwafeln, weil ihm nach dem Mittelalter angeblich verbindliche und übergreifende Wertehorizionte abhanden gekommen seien. Neben der Esoterik als beliebtes Nörgelobjekt, an dem sich jeder Erstsemester seine Zähne für zeitkritische Bemerkungen schleifen lassen darf, sind es Neue Religiöse Bewegungen, die so irritieren. Dass Neue Soziale Bewegungen auftauchen, geht ja noch an. Nach der ersten Unruhe über Schwule, Latzhosentträgerinnen, Friedensapostel und Müslifresser haben selbst die Kirchen erkannt, dass dort ein Teil ihres bürgerlichen Auditoriums abgeblieben ist, das die wertkonservative Grundstimmung teilt. Die weltanschauliche Linke freute sich, das der Spätkapitalismus Strömungen und Milieus hervorbrachte, die für Reform oder gar Revolution zu gebrauchen waren. Aber wieso müssen immer noch Neue Religiöse Bewegungen sich verbreiten? Ein Spuk, ...
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Julio Lambing - Zettelkasten: Polytheismus
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