Montag, 8. Mai 2006
Ein paar Gedanken zum "Lob des Polytheismus"
1978 veröffentlichte Odo Marquard sein viel rezipiertes "Lob des Polytheismus". Für die einen ein Beispiel für die Verquickung konservativen Denkens mit den Irrationalismen der Postmoderne, war er für die anderen ein zeittypisches Phänomen der Liderlichkeit der Spätaufklärung, die die Verdienste der mosaischen und christlichen Religion um die Urspünge von Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit nicht mehr wahrhaben wollte. Marquard sieht den Polytheismus als Garanten für die "Freiheitschance, eine je eigene Vielfalt zu haben, d.h. ein Einzelner zu sein". Dies vermittels der Vielheit zugleich existierender Mythen , der "Polymythie": "So gab es im Polytheismus deswegen so viele Mythen, weil es dort viele Götter gab, die in vielen Geschichten vorkommen und von denen viele Geschichten erzählt werden konnten und mußten. Jene Gewaltenteilung im Absoluten, die der Polytheismus war - eine Gewaltenteilung durch Kampf und noch nicht durch Rechtsregeln - brauchte und brachte die Gewaltenteilung der Geschichten durch Polymythie. Das Ende des Polytheismus ist der Monotheismus; er ist das erste Ende der Polymythie: er ist eine ganz ...
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Julio Lambing - Zettelkasten: Polytheismus
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