Sonntag, 28. Mai 2006
Multiversalgeschichte
"Multi" ist ja jetzt scheiße: Multitude ist verquast, Multikulti ist naiv, Multinationale Unternehmen des Teufels. Und die radikale Rechte redet zwar schon länger - und nach zwanzig Jahren gar nicht mehr so neu - von Ethnopluralismus; aber innerhalb der Ethnie ist dann doch nix mit Multi. Von rechts bis links trifft man sich mit: "Postmoderne Beliebigkeit", "Naivität", "weltanschaulicher Supermarkt". Das ist natürlich nur die halbe Wahrheit: "Einheit in Vielfalt" ist auf dem röm.-kath. Weltjugendtag klasse, und beim Weltsozialforum auch. Die Wahrheit soll eine sein, der Träger viele - dazwischen faselt man was von "unterschiedlichen Erfahrungen", man will ja nicht unhöflich sein. Oder besser: Ein paar Wahrheiten, ein Oligopol, in dem man sich vertraut im Kreise reigen kann. Deshalb fand ich die tausendfache Kritik an Fukayama nicht nur langweilig, sondern auch bigott. Das Ende der Geschichte, das wurde schon lange vor ihm herbeigesehnt, es atmet aus jeder Pore der geistigen Spießbürger, deren es heute nicht weniger gibt als im 19. Jahrhundert. Ich mag große Auswahl und ich mag es, Produkte unterschiedlicher Marken in meinen Einkaufswagen ...
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Julio Lambing - Zettelkasten: Polytheismus
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