Donnerstag, 9. August 2007
Die eingepferchten und ausgerichteten Götter
Der Polytheismus im alten Ägypten ist ganz und gar nicht geeignet, Individualismus und Pluralismus durch Gewaltenteilung zu lehren. Man muss also sehr vorsichtig sein, die Idee der Moira auf alle polytheistischen Kulturen zu übertragen. In der orientalischen Polytheismen wird die diffuese Vielheit der Mächte zu Panthea geordnet, die verwandschaftlich, hierarchisch und funktional organisiert sind. Über ihnen steht als Höchstes Wesen ein Schöpfergott, der zugleich als Herrscher die Verantwortung über Leben und Gedeihen der Geschöpfe und des theokratisch organisierten Gemeinwesens trägt. Mit der Ausbildung eines solchen theokratischen "Summodeismus" und eines Pantheons geht die Anthropomorphose der Mächte einher, die nicht nur genealogisch, sondern auch mythologisch aufeinander bezogen werden. Sie gehen Handlungskonstellationen ein, in denen sie Rollen spielen, Profil gewinnen und zum personalen Kern eines spezifisch Schicksal (Mythos) werden. In Ägypten ist dieser mythogene Prozeß allerdings stark gebändigt. Die Götter bleiben eingebunden in die festen Handlungskonstellationen eines dramatischen und rituellen Weltbilds, ...
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Julio Lambing - Zettelkasten: Polytheismus
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