Mittwoch, 21. November 2007
Verlassene Götter
"(...) Ich hab' euch niemals geliebt, ihr Götter! Denn widerwärtig sind mir die Griechen, Und gar die Römer sind mir verhasst. Doch heil'ges Erbarmen und schauriges Mitleid Durchströmt mein Herz, Wenn ich euch jetzt da droben schaue, Verlassene Götter, Tote, nachtwandelnde Schatten, Nebelschwache, die der Wind verscheucht - Und wenn ich bedenke, wie feig und windig Die Götter sind, die euch besiegten, Die neuen, herrschenden, tristen Götter, Die schadenfrohen im Schafspelz der Demut - O, da fasst mich ein düsterer Groll, Und brechen möcht' ich die neuen Tempel, Und kämpfen für euch, ihr alten Götter, Für euch und eu'r gutes, ambrosisches Recht, Und vor euren hohen Altären, Den wiedergebauten, den opferdampfenden, Möcht' ich selber knieen und beten, Und flehend die Arme erheben - Denn immerhin, ihr alten Götter, Habt ihr's auch eh'mals in Kämpfen der Menschen Stets mit der Partei der Sieger gehalten, So ist doch der Mensch grossmüt'ger als ihr, Und in Götterkämpfen halt' ich es jetzt Mit der Partei der besiegten Götter. Also sprach ich, und sichtbar erröteten Droben die blassen ...
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Julio Lambing - Zettelkasten: Polytheismus
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