Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Frauenemanzipation in der römischen Antike 2

Im Vergleich zur römischen Königszeit, hatte sich die Situation der römischen Frau im Herbst der Republik und am Beginn der Kaiserzeit Zug um Zug verbessert, ganz besonders beobachtbar auf der juristischen Ebene.(1) Die väterliche Gewalt über Frau und Kinder, das für Frauen nachteilige Scheidungsrecht und die Vormundschaft über Frauen wurde in einem langen Prozess sukzessive eingeengt.

Die Eheform („cum manu“), bei der die Frau aus der väterlichen Gewalt in die des Ehemannes mehr oder weniger als Besitz überführt wurde, wurde durch eine Eheform abgelöst, in der das schlichte, willentlich von beiden aufrechterhaltene Zusammenleben (also durch einfach „affectio martialis“ bestätigt) die Ehe bereits begründete. Eine Ehe wurde bereits dadurch beendet, dass die Ehepartner aneinander verließen. Eheschliessungszeremonien und Ehescheidungszeremonien („tuas res tibi habeto“) waren nicht der formale Vollzugsakt, der den jeweiligen Zustand gültig machte, sondern diente lediglich als öffentliche Handlung zur rechtlichen Absicherung, falls die Gültigkeit der Ehe oder der Scheidung später von irgendjemand in Frage gestellt werden sollte.

Die Kontrolle, die der Ehemann über die Mitgift innehielt, die die Frau in die Rehe einbrachte, wurde immer mehr eingeschränkt. Das Recht auf Wiedererhalt der Mitgift bei Scheidung, ursprünglich nur gültig wenn durch einen Vertrag zwischen den Eheleuten der Frau explizit eingeräumt, wurde selbstverständlich.

Die Vormundschaft über die Frau wurde immer mehr ausgehöhlt. Unter Claudius wurde sie für freigeborene Frauen abgeschafft, unter Konstantin verschwand sie ganz. Und vom 4. – 6. Jahrhundert setzte sich die Tendenz durch, auch Frauen die Vormundschaft über ihre Kinder zu geben.

Auch das Erbrecht und Abstammungsrecht wurde langsam zugunsten einer gleichberechtigteren Situation angepasst.


Eva Cantarella konstatiert in "Pandora's Daughters": "The centuries between the Principate and the Empire saw the “emancipation” of Roman women. The new righgts (except of course political rights, which in Rome as in Greece were reserved for men) allowed women, it has been said, to instruct themselves and cultivate their intellectual interests, to attempt many activities that had been for men only, and to make full use of the law to end unhappy marriages and contract new ones. They practiced birth control and abortion, formed freely chosen amorous bonds, lived outside of matrimony, and enjoyed a new liberty that had been absolutely unthinkable – sexual freedom.”(2)

Der distanzierende Ton bei Cantarella kommt nicht von ungefähr: Selbstverständlich gibt es die Berichte über Frauen, namentlich bei Juvenal, die in öffentliche Bäder gingen, Kampf und Jagd trainierten und sich so oft scheiden liessen, als sie es wünschen. Ein weiblicher Anwalt („Afrania“ oder „Carfania“) wird in der Geschichtsschreibung erwähnt, erfolgreiche Dichterinnen wie Sulpicia oder Melinno ebenso. Iulia Soemia, die syrische Mutter des Elagabalus (Heliogabalus), dem jungen Hohepriesters des syrischen Sonnengottes von Emasa, erreichte gemeinsam mit ihrer Großmutter Julia Maesa, dass ihr Sohn 218 vom Heer zum Kaiser ausgerufen wurde. Sie gründete einen „Minisenat“ für Frauen, dessen Anliegen es was die rechtlichen Priviligien zu sichern, falls sie Männer heirateten, die nicht dem Senat angehörten und Großmutter Julia Maesa und Mutter nahmen wie selbstverständlich im Senat ihren Platz neben den Konsuln ein. Nachdem der Kulturschock durch den importierten, seltsamen syrischen Sonnenkult (3) und die Ausschweifungen den jungen Kaiser beim Heer untragbar machten, setzte nach seiner frühen Ermordung´die Großmutter gemeinsam mit der zweiten Tochter Iulia Mamaea einen weiteren Enkel, Severus Alexander, als neuen Kaiser ein. "Von 218 bis 235 hatten die drei kaiserlichen Damen für ihre unbedeutenden Söhne und Enkel die Anhänglichkeit des Heeres und der Führungsschichten für die Familie der Severer im Interesse einer kontinuierlichen regierung nutzen können."(4)

Auch später nahmen christliche Kaiserinnen wie Galla Placida, Ailia Eudocia oder Pulcheria eine bedeutende Stellung in den politischen Auseinandersetzungen und bei den Regierungsgeschäften Roms ein. Doch darf dies nicht zu dem Trugschluss verleiten, dass ihre Rolle der der männlichen Herrscher ebenbürtig war: "(...)Keine Kaiserin konnte in eigenem Namen herrschen. Als Mutter, Ehefrau oder Schwester konnten sie aber wenigstens zeitweilig beherrschenden Einfluss auf politische Entscheidungen ausüben, vor allem wenn ihre Gatten oder Brüder oder Söhne nahezu politische bedeutungslos, regelrechte Versager in der Politik waren."(5)

Und Cantarella macht zurecht darauf aufmerksam, dass selbst wenn die Anzahl der „emanzipierten Frauen“ zwischen dem ersten und zweiten Jahrhundert deutlich anwuchs, all diese Beispiele von Privilegiengewinne dennoch ausschließlich Mitglieder des Adels betreffen. Wir wissen zuwenig über Frauen anderer Klassen, um hier von einem klassenüberschreitenden Phänomen sprechen zu können. (6)

Der Konsens der Männerwelt war zudem keineswegs von einem neuen Frauenverständnis geprägt, wie das Beispiel der satirischen Schriften des Martial oder Juvenal zeigen. Sie schwelgen in konservativen Leitbildern, und klagen das unkeusche, unweibliche, dominante Verhalten der zeitgenössischen Frauen an, die fähig sind, selbst ihre Kinder aus Geldgier ermorden. Während Martial noch einige der gelehrten Frauen respektiert, sind Juvenal dabei jene neue Gruppe der intellektuell gebildeten Frauen ein Gräuel. In der ethischen Diskussion der Abtreibung wurden Frauen von den männlichen Denkern vorgeworfen, diese wahllos und aus niederen Beweggründen zu vollziehen: „ They accused them of trying to hide the fruit of illicit reklations, undulging in unbridled sexual activity or not wanting to lose their figures.“

Das Vorbild, dass männliche Autoren ihren Müttern, Frauen und Töchtern ans Herz legten, was z.B. das der ehrenvollen Arria, die es als selbstverständlich Pflicht von Treue und Unterordnung ansah, dem Ehemann, der einer politischen Verschwörung überführt wurde, in den Selbstmord zu folgen, und die Ehefrau eines Mitverschwörers entsprechend anklagte, bevor sie selbst sich vor den Augen des eigenen Mannes das Leben nahm. (7)



(1) Eva Cantarella: “Pandora's Daughters. The Role and Status of Women in Greek and Roman Antiquity”; London 1981; S. 135 -140
(2) Eva Cantarella: “Pandora's Daughters. The Role and Status of Women in Greek and Roman Antiquity”; London 1981; S. 140
(3) Prudence Jones und Nigel Pennick: "A History of Pagan Europe"; London und New York 2000; S. 62; Prudence Jones und Nigel Pennick: "Heidnishces Europa"; Engerda 1997; S. 90
(4) Rigobert Günther: "Römische Kaiserinnen. Zwischen Liebe, Macht und Religion"; Leipzig 2003; S. 17
(5) Rigobert Günther: "Römische Kaiserinnen. Zwischen Liebe, Macht und Religion"; Leipzig 2003; S. 19
(6) Eva Cantarella: “Pandora's Daughters. The Role and Status of Women in Greek and Roman Antiquity”; London 1981; S. 141 ff
(7) Eva Cantarella: “Pandora's Daughters. The Role and Status of Women in Greek and Roman Antiquity”; London 1981; S. 150 f

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