Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Der Einfluss des Christentums auf die Emanzipation der römischen Frau 1

Auch das Christentum hatte einen Einfluss auf die Stellung und Rechte der römischen Frauen; allerdings zweischneidig. Auf der einen Seite vertrat es die Auffassung, dass Frauen und Männer die gleiche Würde in der Ehe hatten:
"Wegen der Gefahr der Unzucht soll aber jeder seine Frau haben, und jede soll ihren Mann haben. der Mann soll seine Pflicht geegnüber der Frau erfüllen wie die frau gegenüber dem Mann. Nicht die Frau verfügt über ihren Leib, sondern der Mann. Ebenso verfügt nicht der Mann über seinen Leib, sondern die Frau."
(Paulus im ersten Korintherbrief 7,2-4)(1).


und löst als Glaubensgemeinschaft die sozialen Schranken:
"Ihr seid alle durch den Glauben Söhne Gottes in Chrsitus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus gettauft seid, habt Chrsitus als Gewand angelegt. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr ale seid "einer" in Christus Jesus."
(Paulus im Galaterbrief 3,26-28).(2)


Die neue Würde führte zu einem neuen Verständnis, wie die Ehe zwischen Mann und Frau arrangiert werden sollte: (3) Durch den freien Willen der zukünftigen Partner - auch wenn in der Realität die von Eltern arrangierten Ehen weiterhin gang und gebe waren. Aufgrund der Vorstellung von Jesus, dass eine Ehe zwischen Mann und Frau niemals wieder geschieden werden kann (Mk 10,2-12), wurde dieser freie Wille nun jedoch in einem Akt der Willensbekundung kondensiert: Das Ehegelöbnis markierte den initialen Willen der beiden Ehepartner, in alle Zukunft verheiratet zu sein und konservierte diesen Willen in alle Zukunft. Ein solches Konzept löste die alte Ehe durch affectio maritalis ab, in der allein der stetige Wille der Ehegatten zusammenzubleiben, die Ehe begründete und kein Akt der Eheschließung eine rechtliche Konstituierung der Ehe beinhaltete. In der Konsequenz war auch kein formaler Akt zur Auflösung der Ehe zwingend notwendig, es reichte der fehlende Willen eines der beiden Ehepartner, nicht mehr mit dem anderen zusammenleben zu wollen.

In der nachklassischen Zeit bemühten sich die Kaiser, langsam aber sicher das Ehesystem der neuen Staatsreligion anzupassen: Für die Auflösung der Ehe wurde ein eigener schriftlicher Akt (Libellus repudii) üblich, Kaiser Justinian machte ihn obligatorisch. Zugleich wurde die Lösung der Ehe in der späteren Kaiserzeit von bestimmten zulässigen Gründen abhängig gemacht, die vorliegen mussten, um eine Ehe ohne Schwierigkeiten zu scheiden. Die Frauen schnitten dabei erwartungsgemäß schlechter ab: Bereits der Besuch eines Bades oder eines Banketts mit Nichtverwandten, der Besuch von Vorführungen ohne Erlaubnis des Ehepartners, auch vollzogener Ehebruch war ein hinreichender Scheidungsgrund "ex justa causa" für den Mann. Umgekehrt lag ein solcher bei Frauen nur bei schwerwiegende Vergehen des Mannes, wie z.B. versuchte Tötung der Ehefrau, der versuch, die Ehefrau zur Prostitution zu zwingen oder das Konkubinat (nicht der einmalige Ehebruch). Scheidungen jenseits solcher Gründe allein aufgrund des Willens einer der beiden Personen oder sogar im gegenseitigen Einvernehmen (Communi consensu) wurden mit einer Abgabe bestraft. Selbst wenn Justin II aufgrund des übergroßen Drucks diese Abgabe für die Scheidung communi consensu wieder aufhob, hatte sich doch das christliche Prinzip Zug um Zug durchgesetzt, die Heirat als auf Lebenszeit geschlossenes Bündnis zu verstehen, das nicht mehr ohne weiteres gelöst werden konnte.

In der christlichen Lehre war ein Kind - und auch ein ungeborener Embryo - bereits ein vollwertiger Mensch. Seine Tötung kam einem Mord gleich. Dies hatte sowohl Folgen für die moralsiche Bewertung der Abtreibung, die aus christlicher Sicht nun im jeden Fall verwerflich war und nicht nur wie in der patriachalen Kultur Roms, wenn sie die Macht des Ehemannes über den Körper seiner Frau hinterging. (4) Doch es schränkte auch die Macht des Mannes ein: Justinian stellte das Töten eines Kindes unter dieselbe Strafe als für jede andere Tötung eines Menschen. (5)

Jesus war in der Lage auch eine der im römischen Verständnis schlimmsten Verfehlungen von Frauen zu verzeihen, er verhinderte die Steinigung der Ehebrecherin (Joh. 7,53 - 8,11) Doch die römische Gesellschaft kannte an diesem Punkt keine Nachlässigkeit: "Female emancipation, the greater participation of women in cultural and social life, had been tolerated on condition that the family morality remained unquestioned. And the laws protecting family morality were unchanged for hundreds of years.“ (6)

Sexualität war im Christentum nicht geachtet, die Ehe nur ein Notanker für diejenigen, die dem Ideal der Keuschheit nicht entsprechen konnten. (1 Kor 7,8-9). Doch diese Trutzburg wieder die Sünde musste auch geschützt werden:

Mochte sich Juvenal noch beschweren, dass das lex Iulia nicht angewendet wurde, so setzten die christlichen Herrscher wieder eine strenge Handhabung des Problems durch. Konstantin und Konstans etablierten 339 nach Chr. die Todesstrafe für eine Ehebrecherin und ihren Liebhaber. Im Kaisereich wurde die durch das Lex iulia untersagte Tötung der untreuen Ehefrau – der Ehemann wurde des Mordes angeklagt - mit der Zeit wieder möglich: Von Antonius Pius an über Marc Aurel und Commodus bis Alexander Severus wurde die Strafe für einen solchen Ehemann immer harmloser, bis er schließlich (z.B. lex Romana Visigothum, 506 n. Chr.) straffrei ausging. Unter Justinian wurde jedoch die alte Rechtsprechung wieder eingeführt: Straffreiheit galt nur für die Tötung des Liebhabers, und mehr sogar noch, sie betraf nur eine stetige Beziehung nicht eine einmalige Affäre: Der Ehemann war gezwungen dreimal einen warnenden Brief, unterzeichnet mit glaubwürdigen Zeugen, an den Liebhaber zu senden, bevor er zur tat schreiten konnte. Justinian schuf auch eine Möglichkeit für die untreue Ehefrau, der Todesstrafe zu entkommen: Sie wurde in ein Kloster abgeschoben, dem sie nur entkommen konnte, wenn der Ehemann ihr innerhalb von zwei Jahren verzeih. Ehebruch war das erste Verbrechen in der römischen Geschichte, dass mit lebenslanger Haft sanktioniert wurde. (7)

Das Gebot der Keuschheit, angelegt durch eine Interpretation von Matt. 19,11-12, führten zu einem Misstrauen gegenüber dem Fleisch, dass sich durch neoplatonischen Einfluss zu einem Abscheu vor den sexuellen Gelüsten, als Ausfluss der Sünde, steigerte. Da die angeblich Schwäche der Frauen sie für die Versuchungen besonders empfänglich machte, wurden sie durch die Kirchenväter immer mehr dämonisiert.

Im Byzantinischen Reich nahmen die christlichen Kaiserinnen eine ganz besondere Stellung ein, da sie für ihre verstorbenen, unpolitischen oder kranken Ehemänner oder für ihre Söhne oder Brüder regierten. Doch dies bedeutet nicht, dass die Existenz von starken byzantinischen Herrscherinnen auch die Situation gewöhnlicher Frauen verbesserte. Im Gegenteil: Die Gesetzgebung wurde für sie immer nachteiliger. (8) Leo VI setzte durch, dass Frauen, ausgenommen waren sogenannte Frauenangelegenheiten, als Zeugen vor Gericht auftreten konnten. Die in der Peira von Eustatius Romanus gesammelte Rechtssprechung machte klar, dass Frauen bis auf wenige Ausnahmen keine juristische Aktivitäten unternehmen konnten, dass Entscheidungen von Frauen, die eines Verhältnis mit einem bestimmten Mann verdächtigt wurden, nicht als gültig angesehen werden mussten, wenn sie zugunsten dieses Mannes ausfielen; dass die Vormundschaft einer Witwe über ihre Kinder endete, sobald sie wieder verheiratet war etc. Paulus hatte unmissverständlich klargemacht, dass in der Famile der Mann das Haupt der Frau war und die christliche Rechtsprechung orientierte sich an dieser praktisch relevanten Überordnung - mochte auch theoretisch die Würde der Frau der des Mannes gleichgestellt sein.

(1) Übersetzung nach der Einheitsübersetzung des Neuen Testaments, Katholische Bibelanstalt, Stuttgart 1972
(2) Übersetzung nach der Einheitsübersetzung des Neuen Testaments, Katholische Bibelanstalt, Stuttgart 1972
(3) Eva Cantarella: “Pandora's Daughters. The Role and Status of Women in Greek and Roman Antiquity”; London 1981; S. 161
(4) Eva Cantarella: “Pandora's Daughters. The Role and Status of Women in Greek and Roman Antiquity”; London 1981; S. 149
(5)Eva Cantarella: “Pandora's Daughters. The Role and Status of Women in Greek and Roman Antiquity”; London 1981; S. 136
(6) Eva Cantarella: “Pandora's Daughters. The Role and Status of Women in Greek and Roman Antiquity”; London 1981; S. 162
(7) Eva Cantarella: “Pandora's Daughters. The Role and Status of Women in Greek and Roman Antiquity”; London 1981; S. 165
(8) Eva Cantarella: “Pandora's Daughters. The Role and Status of Women in Greek and Roman Antiquity”; London 1981; S. 172 ff.

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