"Wie im Himmel" und "Bleep": Zwei Filme zum Recht auf Glück
Eine der tragenden Säulen unserer westlichen Verfassungsgeschichte, die US-amerikanische Unabhängigkeitserklärung, spricht in ihrer berühmten Einleitung von dem unveräußerlichen Recht des Menschen nicht nur zu Leben und Freiheit, sondern auch zu dem Streben nach Glück. Sie spricht von dem Recht des Volkes jene Regierungsform abzuschaffen, die diese Endzwecke zerstören und eine Regierungsform einzusetzen, wie es ihm zu seiner Sicherheit und seinem Glück am zweckdienlichsten erscheint. Bis heute ist die Frage nach der Glück damit beiseite gelegt wurden, dass die Idee der verfassungsmäßig garantierten Glückseligkeit die Gefahr einer totalitären Vereinnahmung des Menschen beinhaltet.
In den letzten Wochen hatte ich das Glück gleich zwei Filme sehen zu können, die sich in unterschiedlicher Weise mit dem Recht des Menschen auf Glück und seine Befähigung dazu befassen. „Wie im Himmel“ von Kay Pollak und
der Dokumentarfilm "What the bleep do we (k)now!?". Ich will mich nicht über die Schwächen des letzteren hermachen, das wird die intelligentere Mainstream-Presse jenseits von Cosmopolitain, TV Movie und Stuttgarter Nachrichten noch bis zum Anschlag tun - der Film ist für die anti-esoterischen Hyänen leichte Beute. (1) Der andere wird nicht nur vom Publikum, sondern auch von der Kritik gefeiert.
Beide preisgekrönte Filme glauben an das Glück des Menschen, mit dem sie sich befassen, an seine Fähigkeiten und Möglichkeiten, es für sich zu erschaffen. In beiden Filmen lacht man viel und nach beiden Filmen fühlt man sich wohl und zieht beschwingt zum nächstgelegenen Restaurant - eine gute Leistung für Kinofilme. Der zentrale Unterschied scheint mir in dem ausgesprochenen Individualismus zu liegen, der "What the bleep do we (k)now!?" zugrunde liegt. Der Film konzentriert sich auf das Glück der Einzelnen. Soziale Einbindung und wie das Glück im Miteinanderleben ensteht, thematisiert er letztendlich nur durch einen Appell an eine abstrakte, kosmische Verbundenheit mit allem. Das Ideal hinter diesem Film ist der Magier, der sein Universum selbst erschafft.
"Wie im Himmel" thematisiert auch die Kraft der Einzelnen zu ihrem Glück, die Fähigkeit, ihr Leben so zu gestalten, wie es ihr gut tut. Aber der Film erzählt eben auch die Geschichte einer Gruppe, und die Veränderungen und Bedingungen, die notwendig sind, damit die Menschen glücklich werden. (2)
Diesen Unterschied sollte man nicht darauf zurückführen, dass man den amerikanischen Individualismus und die schwedische Sozialstaatsgesellschaft bemüht. Es gab auch immer kommunitäre Strukturen in den USA und Schweden ist schon lange nicht mehr das heile Paradies, das von der Individualisierungsmotivik des sogenannten "Neo-Liberalismus" unberührt geblieben wäre. Eher haben diese Unterschiede damit zu tun, dass die paradigmatische Person des einen Films eben ein Großstadt-Single ist, und die des anderen ein Mensch, der sich bewusst dem Dorf seiner Vergangenheit stellt.
(1) Mir gefielen übrigens Amit Goswami, Stuart Hameroff und William Tiller am besten. Und wie wohl den meisten Zuschauern gingen mir die "spirituellen Dozenten" Dr. Joseph Dispenza, Ramtha-Botschafterin JZ Knight und Theologe Miceal Ledwith auf die Nerven.
(2) Er ist auch weniger platonisch: Jenseits der Gedanken und Idden haben auch andere Kräfte wie z.B. die Musik soziale und individuelle Gestaltungsmacht.
In den letzten Wochen hatte ich das Glück gleich zwei Filme sehen zu können, die sich in unterschiedlicher Weise mit dem Recht des Menschen auf Glück und seine Befähigung dazu befassen. „Wie im Himmel“ von Kay Pollak und
der Dokumentarfilm "What the bleep do we (k)now!?". Ich will mich nicht über die Schwächen des letzteren hermachen, das wird die intelligentere Mainstream-Presse jenseits von Cosmopolitain, TV Movie und Stuttgarter Nachrichten noch bis zum Anschlag tun - der Film ist für die anti-esoterischen Hyänen leichte Beute. (1) Der andere wird nicht nur vom Publikum, sondern auch von der Kritik gefeiert.
Beide preisgekrönte Filme glauben an das Glück des Menschen, mit dem sie sich befassen, an seine Fähigkeiten und Möglichkeiten, es für sich zu erschaffen. In beiden Filmen lacht man viel und nach beiden Filmen fühlt man sich wohl und zieht beschwingt zum nächstgelegenen Restaurant - eine gute Leistung für Kinofilme. Der zentrale Unterschied scheint mir in dem ausgesprochenen Individualismus zu liegen, der "What the bleep do we (k)now!?" zugrunde liegt. Der Film konzentriert sich auf das Glück der Einzelnen. Soziale Einbindung und wie das Glück im Miteinanderleben ensteht, thematisiert er letztendlich nur durch einen Appell an eine abstrakte, kosmische Verbundenheit mit allem. Das Ideal hinter diesem Film ist der Magier, der sein Universum selbst erschafft.
"Wie im Himmel" thematisiert auch die Kraft der Einzelnen zu ihrem Glück, die Fähigkeit, ihr Leben so zu gestalten, wie es ihr gut tut. Aber der Film erzählt eben auch die Geschichte einer Gruppe, und die Veränderungen und Bedingungen, die notwendig sind, damit die Menschen glücklich werden. (2)
Diesen Unterschied sollte man nicht darauf zurückführen, dass man den amerikanischen Individualismus und die schwedische Sozialstaatsgesellschaft bemüht. Es gab auch immer kommunitäre Strukturen in den USA und Schweden ist schon lange nicht mehr das heile Paradies, das von der Individualisierungsmotivik des sogenannten "Neo-Liberalismus" unberührt geblieben wäre. Eher haben diese Unterschiede damit zu tun, dass die paradigmatische Person des einen Films eben ein Großstadt-Single ist, und die des anderen ein Mensch, der sich bewusst dem Dorf seiner Vergangenheit stellt.
(1) Mir gefielen übrigens Amit Goswami, Stuart Hameroff und William Tiller am besten. Und wie wohl den meisten Zuschauern gingen mir die "spirituellen Dozenten" Dr. Joseph Dispenza, Ramtha-Botschafterin JZ Knight und Theologe Miceal Ledwith auf die Nerven.
(2) Er ist auch weniger platonisch: Jenseits der Gedanken und Idden haben auch andere Kräfte wie z.B. die Musik soziale und individuelle Gestaltungsmacht.
Julio Lambing - Mo, Feb 13, 2006 - Zettelkasten: Ethik des guten Lebens
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Jeder kann sich glücklich machen
auch an der Einstellung der Amerikaner zu diesem Thema. In der englischen Sprache unterscheidet
man zwischen "luck" und "happiness" , während wir den Begriff Glück sehr hoch hängen. Wir assoziieren
"Glück" mit einem Lottogewinn oder dem Prinzen.
Ein guter Freund von mir hat gerade dazu eine Plattform im Internet eröffnet. (Siehe: http://www.gluecksnetz.de)
Er vertritt die These, dass Glück lernbar ist.
Obwohl sich inzwischen unheimlich viele User auf der Website tummeln, ist kaum einer bereit, durch Übungen,
seinen Glückspegel zu erhöhen. Ist für mich absurd: Jeder will glücklich sein, aber kaum einer ist bereit, für sein
persönliches Glück etwas zu tun. Eigenartig!
Würde mich interessieren,was Du zu der Plattform sagst.
Elita
Meine Meinung?
Ich finde es nicht toll, wenn daraus immer wieder kommerzielle Angebote werden, weil ich mittlerweile glaube, dass soziale Fähigkeiten und Lebenskunst-Fertigkeiten in den sozialen Netzwerken vor Ort gelernt werden sollen, nicht durch Experten, nicht durch Seminare und nicht durch Schulungen. Nicht dass ich 60,- EUR Jahresgebühr für ein Schulungsystem unanständig finde, aber generell setzte ich mich dafür ein, dass diese Bereiche wieder entkommerzialisert werden und Expertenkulturen und -strukturen, die damit Geld verdienen, entzogen werden.
Gleiches gilt für dieses unsäglich abgegriffene Marketingspeech: "Du lernst, welche Prinzipien zu mehr Glück führen. Du erfährst durch eigene Übung, welche Verhaltensweisen glücklich machen. Praktisch und direkt!" Und unabhängig von der Frage, ob sowas vielleicht aus Markenrecht nötig ist, finde ich ein "Copyright"-Zeichen über dem Wort "GlücksNetz" geschmacklos.
Ich finde es okay, das man ausspricht, dass Lebenskunst-Fertigkeiten auch anhand von expliziten Regeln und Unterweisung eingeübt werden, das machen Kulturen schließlich schon seit Jahrtausenden. Das man sie aber anpreist und beschreibt, als wären Menschen ein technisches Gerät ("Glückspegel", "Optimierung"), zeigt mir ein großes, ein eklatantes Unverständnis, wie solche Fertigkeiten funktionieren. Penetrante Versprechungen in "du wirst" - Form sind in der Kunst des Lebens zudem peinlich.
Ich möchte, dass Menschen in ihrem Alltag keinen Cent dafür zahlen, wenn sie lernen wollen glücklicher zu werden. Und dass ihnen jemand schon mit 6 Jahren beibringt, dass es zwar viele kluge Weisheiten gibt (von mir aus auch "53 Glücksprinzipien"), die man beherzigen sollte, und so manche kluge Übung, aber das es in Sachen Glück noch eine Menge mehr gibt, was sich nicht in Übungen und Rezepten fassen lässt.
Dankeschön