Einhegung des Reichtums als Bedingung der Polis
Die Einhegung des Reichtums war der Mörtel, der das Gefüge der attischen Polis bei ihrem Aufbau stabil machte. Als der Handel den Horizont erweiterte, ließ sich die Aristokratie des 7. Jahrhunderts durch die Prunkliebe des Orients beeindrucken und inspirieren. Eris, der adelige Streit griff auch auf das Feld des Reichstums über. Die Adelshäuser fangen an, im großen Stil Reichtümer zu horten, freie Bauern geraten in Abhängigkeiten, Gemeingüter, die bisher noch nicht von den Dorfgemeinschaften urbar gemacht worden waren, werden nun zur Beute expansionswilliger Aristokraten. (1) Solons Staatsreformen waren zu einem bedeutenden Teil Interventionen, die die Macht des Reichtums und das freie Spiel der Reichen einzudämmen versuchten. Damit stand er nicht allein: Die Hybris des Reichtums wird ein wichtiger Bestandteil des moralische Diskurs des sechsten Jahrhunderts. Der konservative Adel, der durch die sozialen Veränderungen den Begriff des „agathos“ zerrinnen sah, und die hilflos klagende Stimme Theognis von Megara vertreten wird, kann Solons Warnungen vor dem Reichtum nur beipflichten: „Diejenigen, die heute das meisten haben, trachten danach, es zu verdoppeln. Der Reichtum, ta chremata, wird beim Menschen zum Wahnsinn, zur aphrosyne.“(2)
Der überbordende Reichtum schuf neue Mittel, wie die gene sich auf Kosten des demos ausbreiten konnten. Und jener neue alte Adel, der aktiv an den sozialen Veränderungen mitwirkte und von ihm profitierte, konnte den nun umgedeuteten (homerischen) Edlenbegriff weiterhin für sich als Elitenauszeichnung nutzen.
Wie gehen wir damit um, wenn heute wieder ein Megareichtum einzelner Personen entsteht? Wie damit, dass die Anzahl der Millionäre und der Abstand der oberen 1 % zum Rest der Bevölkerung immer weiter zunimmt? Wir sehen, dass zugleich die Armut weiter zunimmt und das die öffentlichen Haushalte sich immer mehr verschulden. Oder sind die aktuellen Reichtumsgruppen nur deshalb ein Problem, weil sie zur Zeit Träger einer Ideologie sind, die ihnen nicht nur weitere Vorteile bringt, sondern erstmals seit dem Marxismus auch die Formung der Gesamtgesellschaft wieder im Blick hat ?
(1) Jean-Pierre Vernant: "Die Entstehung des griechischen Denkens"; Frankfurt/M. 1982; S.70 f.
(2) zitiert nach: Jean-Pierre Vernant: "Die Entstehung des griechischen Denkens"; Frankfurt/M. 1982; S.71
Der überbordende Reichtum schuf neue Mittel, wie die gene sich auf Kosten des demos ausbreiten konnten. Und jener neue alte Adel, der aktiv an den sozialen Veränderungen mitwirkte und von ihm profitierte, konnte den nun umgedeuteten (homerischen) Edlenbegriff weiterhin für sich als Elitenauszeichnung nutzen.
Wie gehen wir damit um, wenn heute wieder ein Megareichtum einzelner Personen entsteht? Wie damit, dass die Anzahl der Millionäre und der Abstand der oberen 1 % zum Rest der Bevölkerung immer weiter zunimmt? Wir sehen, dass zugleich die Armut weiter zunimmt und das die öffentlichen Haushalte sich immer mehr verschulden. Oder sind die aktuellen Reichtumsgruppen nur deshalb ein Problem, weil sie zur Zeit Träger einer Ideologie sind, die ihnen nicht nur weitere Vorteile bringt, sondern erstmals seit dem Marxismus auch die Formung der Gesamtgesellschaft wieder im Blick hat ?
(1) Jean-Pierre Vernant: "Die Entstehung des griechischen Denkens"; Frankfurt/M. 1982; S.70 f.
(2) zitiert nach: Jean-Pierre Vernant: "Die Entstehung des griechischen Denkens"; Frankfurt/M. 1982; S.71
Julio Lambing - So, Feb 26, 2006 - Zettelkasten: Wirtschaft







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