Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Polis - Tugend und Gesetz z.B. bei Reichtum

Interessant ist an der Eindämmung des Reichtums in der frühen attischen Polis: Solons Staatsreformen waren legislativer Art, seine Angriffe gegen den Reichtum aber auch harte moralische Urteile über die Verdorbenheit des Charakter. Jenseits von Erwägungen über strukturelle Regelungen wird in der griechischen Debatte die Verantwortung über das individuelle Handeln thematisiert – allerdings auf der Blaupause von Handlungsdispositionen – den Tugenden:

“An der Wurzel des Reichtums entdeckt man daher eine Verdorbenheit des Charakters, einen fehlgeleiteten schlechten Willen: die pleonexia, den Wunsch mehr als die anderen zu haben, mehr als den eigenen Teil, das Ganze. Plutos bedeutet in den Augen der Griechen eine verhängnisvolle Macht; doch sie ist nicht ökonomischer Natur. Vielmehr ist sie die innere Logik einer Charakterhaltung, eines ethos, die zwangsläufige Folge eines bestimmten Typs von Verhalten. Koros, hybris und pleonaxia sind die Formen der Unvernunft, die im Eisernen Zeitalter der aristokratische Dünkel annimmt – jener Geist der Eris, der nicht mehr der des edlen Wettstreits ist, sondern nur mehr Unrecht, Unterdrückung, dysnomia hervorzubringen vermag.“(1)

Wer nur die Bedeutung des Ethos sieht, der wird wie Anacharsis Solon dafür kritisieren, dass dessen Regeln nicht die pleonexia eindämmen können,

„sie seien ja nichts anderes als Spinnweben, welche zwar die Schwachen und Kleinen, die sich darin fingen, festhalten, von den Mächtigen und Reichen aber zerrissen werden würden. Solon soll hierauf erwidert haben, die Menschen hielten ja auch Verträge, wenn es für keinen der beiden Partner vorteilhaft wäre, sie zu brechen, und er richte seine Gesetze so auf die Bürger ein, daß allen klar würde, es sei besser, nach dem Recht zu handeln als die Gesetze zu übertreten.“(2)

(1) Jean-Pierre Vernant: "Die Entstehung des griechischen Denkens"; Frankfurt/M. 1982; S.70
(2) Plutarch: „Große Griechen und Römer“; eingeleitet und übersetzt von Konrat Ziegler, VI Bde., Zürich, Stuttgart 1954 ff. Hier: Bd. I, S. 209 - 250. Zitiert nach: Wolfgang Leidhold: „KOSMOPOLIS 04: Antike“, Onlinekurs; (Printversion hier)

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