Europa ein Gewächs aus römisch-griechisch-arabischem Samen
Das Amalgam wurde im Mittelalter philosophisch vertieft. Führend waren nun islamische Gelehrte von al-Farabi bis Ibn Rushd (Averroes), gefolgt von jüdischen Gelehrten wie Moses Maimonides. Den islamischen, jüdischen und christlichen Denkern machte dasselbe Problem zu schaffen, die Vereinbarkeit der Lehren ihrer Offenbarungsschriften mit den Theorien der hellenischen Philosophen. Die Lösungsstrategien der muslimischen Gelehrten wurden dann wegleitend für ihre jüdischen und christlichen Leser. Johann Gottfried Herder nennt die Kultur Europas folgerichtig "ein Gewächs aus römisch-griechisch-arabischem Samen". Er schreibt sogar, Mohammed sei, indirekt natürlich, für die Philosophie in Europa ebenso richtungweisend gewesen wie Aristoteles. Keiner der Politiker und Kirchenmänner, die darauf drängten, das christliche Erbe Europas in der Verfassung der EU festzuschreiben, hatte Herders Geschichtshorizont vor Augen."
Quelle: Elmar Holenstein: "Der Nabel der Welt"; in: "du - Zeitschrift für Kultur" Ausgabe November - Dezember 2005
via: Eurozine
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