Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Charakterologie - Tugendlehre 1

"Das Verständnis menschlichen Verhaltens als Ausdruck eines bestimmten Charakters kann in der theologischen und philosophisch-ethischen Tradition bereits in der Tugendlehre, und zwar in der des Aristoteles und vor allem in der als Habitur-Lehre gefaßten Tugendlehre des Thomas von Aquin gefunden werden. Besonders wo es um die sittliche Beurteilung menschlichen Verhaltens ging und man moralpädagogsiche Kritierein und Inhalte brauchte, vermochte die Tugendlehre - ohne ausdrückliche empirische Methode - ein tieferes Verstehen des Menschen zu vermitteln. (...)

Die Charakterlehre Erich Fromms kann als ein versuch angesehen werden, das Anliegen der traditionellen Tugendlehre mit den Mitteln der moderen Human- und Sozialwissenschaften neu zu begründen. Eine Affinität der Frommschen und des thomanischen Menschenverständnisses ist offensichtlich. Das Verdienst Erich Fromms ist die wissenschaftliche Explikation dieses Menschenverständnisses mit Hilfe seiner sozialpsychologischen Methode. Er übernimmt den dynamischen Charakterbegriff Sigmunds Freuds und mit ihm die Einsicht, daß die verschiedenen Charakterzüge eines Subjekts strukturiert sind, entwickelt ihn aber dadurch weiter, daß er ihn aus dem Rahmen der instinktivistsichen Libido-Theorie befreit."



Rainer Funk: "Mut zum Menschen"; Stuttgart 1978; S. 209


Auch in diesem Standardwerk zu Erich Fromms Denken gibt's nicht mehr als diese kleine Bemerkung zum Verhältnis zwischen Tugendlehre und Charakter. Dass Fromm sich von der Libido-Theorie verabschiedet hat, macht seinen Ansatz partiell "anschlussfähig" an eine Tugendlehre, doch sein humanistisch-psychoanalytisches Begriffsinsturmentarium ist weiter ein pathologisierendes. Dass seine Charakterlehre Tugendkataloge favorisiert, die zum Kanon der jüdisch-christlichen Weisheitslehre gehören, ist wiederum nicht problematsich. Jeder arbeitet für das Lager, dem er sich verschrieben hat.

Dennoch kommt vermutlich nicht viel originelles dabei heraus, wenn man die Tugendlehre direkt an seine Sozialpsychologie anschliesst, indem man die Begrifflichkeit des Charakters durch den der Tugend ersetzt. Aber ein Versuch ist es wert ;-)

Der letzte Ausflug zu Tugendhat, der Erich Fromm an Tugendlehren anschliessen wollte, war nicht hilfreich. Er bezieht sich lediglich auf die allgemeinere anthropologische Konzept von Fromm, mit dem dieser Freuds Libido-Mechanismus ersetzen will ("Objekt der Hingabe" / "Rahmen der Orientierung").

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