Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Ein Brief aus Neukölln

Liebe Leserin, lieber Leser!

Sie haben zweifellos etwas von der derzeitigen Auseinandersetzung um die Rütli-Schule in Neukölln mitbekommen, nicht zuletzt darum, weil Politiker und Medien – nun, ich will nicht sagen: Sich wie die Aasgeier auf die Angelegenheit gestürzt haben – aber Sie wissen sicher, was ich meine.

Für mich ist all das schon allein darum höchst faszinierend, weil ich hier lebe. Von meiner Wohnung zur Rütli-Schule ist es nur ein kurzer Fußweg. Vielleicht können Sie sich vorstellen, was für ein eigenartiges Erlebnis es ist, die eigene Nachbarschaft und Orte, die man oft aufsucht, in den Medien portraitiert zu sehen. Es ist, versichere ich Ihnen, noch viel eigenartiger, wenn es sich um Neukölln handelt. Gewöhnlich interessiert sich nämlich niemand zum Beispiel für die Sonnenallee und für den Bus, der diese entlang fährt und sozusagen das Shuttle für das größte Jobcenter Deutschlands darstellt. Ich benutze ihn recht oft – nebenbei: Ich bin nicht arbeitslos und trotzdem Neuköllner. Ich kenne diesen Bus zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten, ebenso die Sonnenallee und die Nachbarschaft der Rütli-Schule. Das können die Journalisten, die Ihnen bisher Neukölln vorgestellt haben, nicht von sich sagen. Man merkt es auch an ihrer Berichterstattung. So meinte jemand, die Besucher der Neuköllner Bundesagentur für Arbeit würden sich zu einer bestimmten Tageszeit zu den nahegelegenen Imbissen "zerstreuen" und nennt Ihnen diese korrekt beim Namen. Es stimmt trotzdem nicht. Erstens, wenn auch nur ein Bruchteil der Besucher sich dorthin "zerstreuen" würde, käme der Verkehr auf einer wichtigen Durchfahrtsstraße zum Erliegen. Zweitens überlegen sich Hartz-IV-Empfänger und Ein-Euro-Jobber zweimal, ob sie an einem Imbiss etwas essen oder trinken. Dafür reicht es nämlich nicht, wissen Sie. Aber es kommt vor, dass sich ein Mitarbeiter der Arbeitsagentur an einem dieser Imbisse Luft macht, und wenn Sie hören könnten, was dieser Mensch sagt, dann wären Sie bei der nächsten Demo gegen Hartz IV dabei.

Vielleicht wundern Sie sich, warum ich Ihnen einen Brief schreibe statt eines Artikels. Der Grund ist ganz einfach: Wenn ich der Artikelflut noch einen weiteren hinzufüge, nutzt das gar nichts. Artikel über Neukölln schreiben kann jeder, auch jemand, der den Bezirk nie betreten hat – es ist bestimmt sogar leichter.

Stattdessen möchte ich Ihnen ein bisschen von Neukölln erzählen, weil Sie dann vielleicht die Sache mit der Rütli-Schule ein wenig anders sehen als bisher.

Ich fange mit einem kleinen Vorfall an, der sich letztes Jahr abspielte, und der für mich der Neuköllner Vorfall ist – ich werde noch erklären, warum.

In einer Nebenstraße, ganz in der Nähe der Rütli-Schule, stolperte eine alte Dame auf dem Kopfsteinpflaster des Gehwegs und schlug der Länge nach hin. Etwa zehn Sekunden später waren drei türkische Jugendliche, ein afrikanischer Hüne und meine bescheidene Wenigkeit herbeigeeilt. Während der Afrikaner und ich uns der weinenden und blutenden alten Frau annahmen, rief ein junger Türke mit seinem Handy den Krankenwagen. Eine junge Türkin durchkramte ihre Handtasche und die ihrer Freundin nach Papiertaschentücher, selbige Freundin tröstete die alte Dame liebevoll in gebrochenem Deutsch – wofür ich ihr bis heute dankbar bin, denn weder der Afrikaner noch ich sahen so aus, wie man sich einen rettenden Engel vorstellt, besonders nicht nach Einbruch der Dunkelheit. Auf ihr Bitten hin leisteten wir der alten Dame Gesellschaft, bis der Krankenwagen kam, wischten ihr Blut und Tränen ab und sammelten ihre Habseligkeiten ein. Ich möchte bei dieser Gelegenheit nicht versäumen, zu erwähnen, dass die Berliner Unfallsanitäter – die, die bald eintrafen und, so weit ich weiß, alle – äußerst kompetent, freundlich und hilfsbereit sind. Wir jedenfalls, die zufällig Zusammengekommenen, nickten uns zu und zerstreuten uns, als wir nicht mehr gebraucht wurden. Ende der Geschichte.

Für mich ist diese Begebenheit typisch für Neukölln, eben gerade weil außer der alten Dame und den Unfallsanitätern kein einziger "normaler Deutscher" an der Sache beteiligt war. Ob die türkischen Jugendlichen aber die Rütli-Schule besuchten, kann ich Ihnen nicht sagen.

Ich lebe nun schon seit einigen Jahren hier und habe immer wieder erlebt, wie Türken, Araber, Libanesen und Afrikaner mit völliger Selbstverständlichkeit Menschen in akuter Not beistehen, und das völlig ohne Ansehen der Person. Ich habe mindestens genauso oft erlebt, hier und anderswo, dass meine deutschen Landsleute nicht helfen, besonders dann nicht, wenn der Mensch in Not unkonventionell oder arm aussieht. Zum Beispiel werden die Verkäufer der Berliner Straßenmagazine, die übrigens lesenswert sind, nur von Deutschen aufgefordert, gefälligst arbeiten zu gehen, ungeachtet der Tatsache, dass sie arbeiten. Wer glaubt, es sei keine Arbeit, ein Straßenmagazin in U- und S- Bahnen zu verkaufen, kann es ja gern selbst einmal versuchen.

Bleiben wir kurz bei den öffentlichen Verkehrsmitteln. Diese sind ein ideales Studienobjekt für das, was die Rassismusforschung interaktiven, Alltags- oder stummen Rassismus nennt. Viele deutsche Passagiere verhalten sich so, als ob "Ausländer" ansteckende Krankheiten hätten – vielleicht glauben sie das ja auch wirklich. Ich kann zwar nicht überall sein, und schon gar nicht gleichzeitig, aber mir kommt es so vor, dass es in Neukölln mehr Fahrscheinkontrollen gibt als irgendwo sonst in Berlin. Ist der Waggon zu voll, um alle Mitreisenden zu kontrollieren, konzentrieren sich die Kontrolleure – hauptsächlich Deutsche – auf die "Ausländer", das ist zumindest mein Eindruck. Auch das Sicherheitspersonal mustert besonders sie.

Der alte Besitzer eines türkischen Cafés in Neukölln erzählte mir einmal, dass er sich schon vor Jahrzehnten angewöhnt hat, die Schlagzeilen an den Kiosken zu lesen, um rechtzeitig zu erfahren, ob wieder einmal ein "Ausländer" etwas angestellt hat. Für die deutschen Passanten in der Straße, in der das Café steht, waren es dann nämlich "die Türken" gewesen. Aber wenn er es einmal nicht mitbekäme, sagte er, wäre das auch nicht so schlimm, denn wenn die Deutschen vor seinem Café ausspuckten oder auf die andere Straßenseite gingen, dann war es wieder einmal passiert, und er könne dann immer noch herausfinden, was er und seine Gäste diesmal verbrochen hatten.

Ganz in der Nähe war ein türkischer Altwarenladen. Dessen Besitzer kannte meine Leidenschaft für Bücher. Manchmal, wenn ich den Laden aufsuchte, war er nicht da, und auch sonst niemand war im Laden. Es störte überhaupt niemanden, wenn ich völlig unbeaufsichtigt im Laden herumstöberte und kramte, um dann mit Büchern unter dem Arm auf der Straße nach jemandem zu suchen, dem ich sie bezahlen konnte.

Ein deutscher Leiter der Buchabteilung eines Kaufhauses im Süden von Neukölln wusste hingegen nicht, wer Homer war.

Ich kenne zwei türkische Männer gut, die ich Ihnen gern vorstellen würde, wenn das möglich wäre. Der eine verwendet seine Freizeit darauf, ehrenamtlich mit Kreuzberger Jugendlichen zu arbeiten. Der andere hilft beruflich behinderten Menschen bei der Bewältigung ihres Alltags. Der eine ist gläubiger Moslem, der andere nicht. Beide sind Musiker.

Erinnern Sie sich an den Anschlag auf das World Trade Center – ich meine, an den Tag, an dem er stattfand, und die Tage danach? Ich jedenfalls werde diese Tage nie vergessen, und zwar hauptsächlich wegen dem, was sich hier in Neukölln abspielte. Haben Sie je Mütter mit Angst in den Augen ihre Kinder von der Straße holen sehen? Ich schon, und zwar hier und damals. Wie oft ich in diesen Tagen auf die Straße gelaufen bin, um nach dem Rechten – oder vielmehr: den Rechten – zu sehen, weiß ich nicht mehr. Bekanntlich kam es damals nicht zur Reichkristallnacht, aber ohne Zweifel wussten meine türkischen und arabischen Nachbarn genau, was die Glocke geschlagen hatte.

Da wir gerade beim Thema sind: Wussten Sie eigentlich, dass der Bürgermeister von Neukölln, Heinz Buschkowsy (SPD), vor längerer Zeit der "Jungen Freiheit" ein Interview gegeben hat, in dem es nicht zuletzt um "Ausländer" ging? Jedenfalls wissen Sie es jetzt, interessante Informationen hierzu finden Sie hier.

Sie werden sehen, dass Heinz Buschkowsky gesagt hat, er hätte nicht gewusst, was für ein Magazin die "Junge Freiheit" ist. Aber wer auch nur oberflächlich über Rechtsextremismus bescheid weiß, muss das einfach wissen. Sollte nicht der Bürgermeister von Neukölln wenigstens oberflächlich über Rechtsextremismus bescheid wissen? Über die große Anzahl von Menschen in seinem Bezirk, die dem Feindbild von Rechtsextremisten entsprechen, beklagt er sich ja gerade der "Jungen Freiheit" gegenüber. Weiß Heinz Buschkowski vielleicht auch nicht, dass er Rechtsextremisten in seinem Bezirk hat, und zwar gar nicht so wenige?

Aber Heinz Buschkowski ist nicht der einzige, der schlecht informiert ist bzw. war. Sein Intermezzo mit der "Jungen Freiheit" ist den Berichterstattern, die Ihnen Neukölln vorgestellt haben, offenbar völlig entgangen. Hier wissen viele davon. Das Signal ist angekommen. Á propos: Erinnern Sie sich, dass die CDU das Antidiskriminierungsgesetz im Bundesrat abgeblockt hat? Hier erinnern sich viele, dieses Signal ist auch angekommen. Aber genug von Bundespolitik, dazu gibt es ja schon von berufener Seite Kommentare, die ja jetzt oft zitiert werden.

"Deutschland und seine Zuwanderer - Die zweite Deutsche Einheit" von Heribert Prantl.

"Wie die Konservativen die zweite deutsche Einheit verspielen" von Claus Christian Malzahn.

Aber das „Junge Freiheit-“Interview von Heinz Buschkowski ist freilich nur die Spitze des Eisberges. Sie sollten einmal sehen, was hier los ist, wenn wir einmal wieder mit einem Wahlkampf beglückt werden. In meiner Nachbarschaft gibt es Häuserblocks, in denen die Mehrheit der Menschen nicht wählen darf, weil sie keine deutschen Staatsangehörigen sind. Um ihre Stimmen muss man also nicht werben, aber als Wahlkampfthema bieten sie sich freilich an.

Demnächst ist es ja wieder soweit. Wetten, dass dann die Berichterstatter längst weg sind?

Neukölln ist selbstverständlich keine Insel – und wenn ich bisher von Neukölln gesprochen habe, dann meinte ich Neukölln im engeren Sinne, den nördlichen Teil. Im tiefen Süden von Neukölln, wo die Menschen meist etwas wohlhabender sind und sogar Eigenheimkolonien stehen, würden Sie massenweise NPD-Aufkleber finden, wenn Sie dort wären. Dort, so wurde mir erzählt, kann es geschehen, dass eine türkische Familie, die sich ein kleines Haus leisten kann, von einigen guten Deutschen sofort als erfolgreiche Drogendealerbande identifiziert wird. Selbstverständlich weiß man das alles im Norden von Neukölln, man weiß auch, dass es in anderen Himmelsrichtungen nicht weit ist zu den nächsten "national befreiten Zonen", wo es bei Blicken, Beleidigungen und alltäglicher Ausgrenzung nicht bleibt, wenn man "ausländisch" aussieht.

Es klingt vielleicht seltsam, aber ich mag Neukölln. Ich kann in türkischen und arabischen Imbissen essen und in türkischen und arabischen Geschäften einkaufen, in dem angenehmen Wissen, dass kein deutscher Rassist mit mir im selben Raum ist. Die selben meist – aber nicht immer – stummen Attacken auf "Ausländer" beobachte ich anderswo auch, aber die "Ausländer" fühlen sich allein aufgrund ihrer Anzahl hier sicherer. Aus dem selben Grund fühle ich mich hier auch sicherer. Außerdem sind nicht alle deutschen Bewohner Neuköllns Rassisten, ganz im Gegenteil. Erfreulicherweise vermehren sich hier nichtrechte und anti-rechte Subkulturen durch Zuzug, und auch viele der "Normalen" haben hier inzwischen einiges kapiert. Es gibt hier Menschen, die mit Fremdwörtern Schwierigkeiten haben, aber wissen, dass bei "Integration" beide Seiten sich bewegen müssen. Leider reißen Kampagnen wie die um die Rütli-Schule Gräben wieder auf, die allmählich hie und da zu erodieren begonnen hatten.

Es gibt hier noch andere Probleme, und zwar brennende. Das vordringlichste ist die Armut. Neukölln leidet überdurchschnittlich stark unter Hartz IV und den Folgen. Seit Inkrafttreten der Hartz-Gesetze grassieren nicht nur Armut und Verzweiflung, auch vermehren sich permanent Fahrscheinkontrollen, Sicherheitspersonal auf Bahnhöfen und öffentlichen Verkehrsmitteln, Ordnungsamt-Patroillen und Polizeipräsenz. Ist der Gedanke so abwegig, dass die Rütli-Schule einigen Herrschaften recht gut in den Kram passt... – und ich meine jetzt ausnahmsweise nicht die Rechtsextremisten. Beziehungsweise: Nicht nur.

Frau Merkel hat angesichts der Diskussion um die Rütli-Schule zu mehr Nationalstolz aufgefordert. Der will sich bei mir irgendwie nicht einstellen. Herr Schäuble hat sinngemäß gesagt: Wer nicht leben will wie ein Deutscher, soll ausgewiesen werden. Ich will dann auch ausgewiesen werden, denn nach Herrn Schäubles Definition lebe ich bestimmt nicht wie ein Deutscher. Vor einem Land, in dem ausschließlich Deutsche nach der Definition der CDU/CSU leben, graut mir. Ich habe mir auch schon einen Trick ausgedacht, um ausgewiesen zu werden: Ich tue einfach so, als wüsste ich nicht die Namen dreier deutscher Mittelgebirge.

Herzlichst

Arne Gangrad
Georg (Gast) - Sa, Apr 08, 2006

Der Neuköllner Brief hat mir sehr gefallen. Du triffst da den Nagel auf den Kopf. Bravo, das sollten bestimmte Herrschaften zuerst lesen, bevor sie ihr unmaßgebliches rechts angehauchtes Gesülze in den Talkshows verbreiten. Danke für diesen Artikel.

Viele Grüße
Mela (Gast) - Sa, Apr 08, 2006

Mit haben die - sich im Moment häufenden - Berichte aus Neuköln auch befremdet. Gut, ich bin vor nun fast 10 Jahren aus Berlin weggezogen.. und in zehn Jahren könnte sich viel verändern.. aber ich hatte mich in Neuköln immer sehr wohlgefühlt.

Dort wurde ich immer freundlich behandelt, gerade in türkischen und anderen Läden, obwohl ich eine deutsche Frau bin, obwohl ich sichtlich nicht viel Geld in der Tasche hatte und obwohl ich entsprechen schräg aussah.

In anderen Teilen Berlins sah das ganz anders aus. Da wurde mir von 'guten deutschen' Handwerkern auf der Straße an den Busen gefasst, weil eine die so aussieht, vor der muß man ja keinen Respekt haben und willig ist sie auch. Oder mit wurde von 'normalen' deutschen Männern ins Gesicht geschlagen, mit der einzigen Begründung das ich violette Haare hatte..

In Neuköln dagegen habe ich mich immer wohl und sicher gefühlt.
hertzchen - Sa, Apr 08, 2006

Danke!

12/10 !!!

(ich werd mal verlinken)
Sara (Gast) - Sa, Apr 08, 2006

Das ist ein spannender Brief.

Mich hat die Einseitigkeit der Berichterstattung - sofern ich sie verfolgen konnte - ebenfalls gestört. Ich habe selber 9 Jahre lang ein Hauptschule und Gymnasium integrierendes Schulzentrum im Ruhrgebiet besucht und in multikulturell-geprägten Stadtteilen gewohnt. Jetzt lebe ich in Finnland, wo Nationalstolz gefördert (was mir gefällt) und Integration weitestgehend verhindert wird (was mir nicht gefällt). Gewaltverbrechen, Drogenmissbrauch, Betrug etc. lasten hier ausschließlich auf den Schultern der sehr kleinen somalischen Minderheit, die optisch identifizierbar und an den Rand der Gesellschaft gedrängt ist.
Probleme (Gewalt, Frauenhass) dürfen nicht verschleiert und toleriert, aber sicherlich auch nicht oberflächlich behandelt werden, wie dies momentan der Fall ist.
grunt (Gast) - Sa, Apr 08, 2006

danke

das ist mal eine andere sichtweise. guter text.
kranich05 - Sa, Apr 08, 2006

Danke

sven (Gast) - So, Apr 09, 2006

Bravo.
Anonym (Gast) - Fr, Apr 21, 2006

Antwort

Find ich auch
Internetliebe - Mo, Apr 10, 2006

Ein wirklich guter Beitrag... leider wollen die meisten nur das sehen, was sie sehen wollen und wählen dann auch dementsprechend ihre Sündenböcke aus... es ist schön zu lesen, dass es noch Menschen gibt, die nicht diesen scheinbar allgegenwärtigen Tunnelblick aufgesetzt haben!
Hans (Gast) - Mo, Apr 10, 2006

Jawohl

Ich muss zugeben, dass ich mich leider viel zu leicht beeinflussen lasse von der konservativen sprich: immer gegen das Fremde gerichteten Berichterstattung.

Umso wichtiger ist es, dass ich immer wieder über Artikel stoße wie diesen, die ohne viel Aufhebens und Anklagens beschreiben, wie man die Realität eben auch sehen könnte, so man sich die Mühe machte, nachzuschauen!

Vielen Dank!
bambi (Gast) - Mo, Apr 10, 2006

jawoll!

integrationskurse zuerst fuer deutsche. die imigranten haben sich mehr bewegt als alle deutschen zusammen. auslaender waren schon immer gastfreundlicher und aufgeschlossener, da habe ich rassismus noch nie wirklich erleben koennen. letztens in kreuzberg am mariannenplatz haben tuerkische kids fussball gespielt und die deutsche nationalhymne dabei gesungen. wieviel mehr sollen die sich noch integrieren? die deutschen brauchen kurse um integration zu lernen, ihre verdammten vorurteile abzubauen ... wenn sie das nicht schaffen, abschieben nach bayern und ne mauer drumherum.
Sina (Gast) - Mo, Apr 10, 2006

Auch ich wohne in Neukölln ganz in der Nähe der Rütlischule. Wie die Zustände dort tatsächlich sind, kann ich nicht beurteilen. Ich bin jedoch zeitweilig in Neukölln zur Grundschule gegangen, und das war die schrecklichste Zeit in meinem Leben. Wenn der Alltag in der Rütlischule auch nur annähernd so aussieht, sind Klagen durchaus berechtigt. Trotzdem sehe ich darin kein kulturelles, sondern ein soziales Problem. In meiner Grundschulklasse waren durchaus einige Deutsche. Es geht also nicht darum sich an eine wie auch immer definierte deutsche Kultur anzupassen, die es meiner Meinung nach nicht gibt, sondern eine Form des Zusammenlebens zu finden, die für alle Seiten okay ist. Hier von Nationalstolz anzufangen ist einfach nur gefährliche Augenwischerei.Ich fühle mich in Neukölln wohl, kann, was Sie schreiben, auch zumindest teilweise bestätigen, trotzdem weiß ich, dass mein kleiner Bruder Angst hat bestimmte Straßen zu benutzen, weil er für manche Prolls egal welcher Herkunft ein begehrtes Abziehobjekt ist. Mich betrifft das nicht. Ich bin eine Frau, sehe nicht reich aus, habe keine abziehenswürdigen Statusobjekte und bin auch schon zu alt. Für mich ist Neukölln beides nicht, weder das multikulturelle Paradies, als das sie es schildern, noch Gangsterhölle. In Neukölln sind Armut und soziale Ausgrenzung Alltag und dagegen müsste dringend etwas getan werden.
Jürgen Siebert (Gast) - Mo, Apr 10, 2006

Großartiger, sachlicher Brief ...

... den müssen die Leser meines Blogs lesen.
Thomas (Gast) - Mo, Apr 10, 2006

Verklärte Sicht

Ja sicher kann man das so betrachten, wie in oben stehendem Brief. Doch ich finde es eine etwas verklärte, sozialromantische Sichtweise. Die Wahrheit ist doch, dass der, der es sich leisten kann, aus Neukölln wegzieht. Niemand will dort seine Kinder in die Schule schicken und kaum einer hat Lust auf das Umfeld. Die Leute dort haben keine Zukunft - das liegt an der Tatsache, dass hunderttausende nach Deutschland einwandern, aber niemand weiß warum. Die Wahrheit ist doch, dass die meisten es selbst nicht wissen (von Asylbewerbern mal abgesehen) und mit völlig unklaren Vorstellungen von Wohlstand, Arbeit und Leben nach Deutschland kommen. Das ist höchst verantwortungslose Politik, die seit Jahrzehnten gemacht wird und Stadtbezirke wie Neukölln und Wedding sind das Ergebnis. Man kann es zwar schön reden, wie Politiker das schon seit Jahren tun, aber einer Lösung der Probleme kommt man dadurch nicht näher. Diejenigen die etwas wollen, haben ihre Chancen und Möglichkeiten und der ganze Rest fällt eben hinten runter.
Fazit: Alles bleibt so wie es ist, die Migranten bleiben unter sich und das einzige was den Politikern einfällt ist den Druck zu erhöhen und wegzuschauen.
maloXP - Di, Apr 11, 2006

Verklärte Sicht?

"Die Wahrheit ist doch, dass der, der es sich leisten kann, aus Neukölln wegzieht."

Wahrheit ensteht erst in uns, eine objektive Wahrheit gibt es nicht. Möglicherweise, Thomas, solltest Du erstmal eine Zeit in Neukölln wohnen, bevor Du Dir dein von den Medien diktiertes Bild bildest.
Ich habe es für ein Jahr getan (Grund des Wegzugs war kein finanzieller) und kann dem Verfasser dieses Briefs nur danken, der auch meine Erfahrungen wiedergibt.
Ständig erlebe ich Meinungsäußerungen dieser (Thomas') Art, und zwar überwiegend von Leuten, die wenig bis gar nicht mit Migranten und sozial problematischen Stadtgebieten in Berührung kommen. All denen möchte ich mal folgendes an den Kopf werfen: DIE RÜTLISCHÜLE HAT KEIN MIGRANTENPROBLEM! Die Rütlischule hat das Problem, dass sie eine Hauptschule in einem sozialen Problemgebiet ist. Und nichts anderes stand in diesem Brief. Wer ständig die von SPIEGEL, FAZ und BILD propagierten Parolen runterbetet (sinngemäß zusammenfassend: "Die naive Vorstellung von Multikulti-Strassenfesten ist gescheitert!", bitte innerlich mit Goebbelsscher Intonierung lesen), muss sich nicht wundern, wenn er/sie ohne es zu wissen enpfänglich für vereinfachte Feindbilder, neonazistischem Gedankengut und Kriegspropaganda wird. Ja, so fatal sehe ich das.

m.
Thomas (Gast) - Di, Apr 11, 2006

Verklärte Sicht?

@maloXP

Da hast Du recht, Wahrheit entsteht erst in uns. So ist auch meine Wahrheit in mir entstanden. Auch wenn Du mir etwas anderes unterstellst. Aber das ist typisch, erst einmal etwas Unterstellen, ohne eine Ahnung zu haben. Und natürlich gebe ich nur die Meinung weiter, die mir von den Medien diktiert wurde, klar. Aber Du hast keine Vorurteile, oder? ((-:
Ich habe ca. 5 Jahre im Berliner Wedding gewohnt und kenne Neukölln und einige Neuköllner ganz gut. Meine Meinung habe ich mir ganz alleine gebildet und die Zeitungsartikel auf die Du anspielst gar nicht gelesen, sondern nur den besagten Brief.
Für mich ist Multi Kulti eine künstliche Kopfgeburt von Ideologen, die nun die Konsequenzen sehen und damit fertig werden müssen. Die Vorstellung von Multi Kulti Strassenfesten ist nicht naiv, es ist reine Dummheit und Unwissenheit.
Kulturelle Identität kann man nur dann bewahren wenn man sich abgrenzt, das kann man in jedem Ethnologie Standardwerk nachlesen. Neukölln, Wedding und alle anderen Siedlungen in Deutschland sind ein klarer Beleg dafür. Da gibt es keinen Anlass zu romantisieren. Letztlich sind es die Migranten, die hier auf der Strecke bleiben und keine Zukunft haben, wenn sie nicht zu den wenigen gehören, die sich hier integrieren wollen und eigene Ziele verfolgen. Das hat die Politik zu verantworten, die diese soziale Problemgebiete geschaffen hat.
RixR (Gast) - Mo, Apr 10, 2006

Das Böse

Schäuble will NAZI-Gesetze wieder einführen - ist dieser Mann Das Böse?
Simon (Gast) - Mo, Apr 10, 2006

Klasse Brief.

Ich war mal eine Weile in Neukölln, und ich kann deine Erfahrungen voll bestätigen. Vielleicht für Otto Normalbürger nicht unbedingt der wohnlichste Ort, aber doch ein Ort, an dem Integration gelebt wird. Nicht nur für Deutsche, Türken oder Araber, sondern gegenüber allen Minderheiten.

(und ich stehe voll drauf, dass es da für 2 Euro Riesendöner gibt, yeah)
Erik (Gast) - Di, Apr 11, 2006

Leidenschaftlich zustimmende Grüße

... aus Hamburg Ottensen. Die beiden ZEIT Artikel haben es für mich auch auf den profesionellen Punkt gebracht. Dein Artikel zeigt mir, wie wichtig Lebenszeugnis-Blogger wirklich sind.
matze (Gast) - Di, Apr 11, 2006

Immer das gleiche: Schuldige statt Lösungen

Hallo Arne,

der Brief ist sehr interessant, den Schlußfolgerungen stimme ich jedoch nicht zu.

Die positiven Ausländer in Neukölln, die Du beschreibst zeichnen sich doch vor allem durch gesunden Menschenverstand und Charakter aus. Ich glaube, das kann jeder Mensch haben, egal, ob er nun aus Grönland, der Arktis oder eben Neukölln kommt.

Ich möchte vielmehr dem Kommentar von Sina zustimmen, die darüber berichtet, daß ihr kleiner Bruder sich nicht mehr in einige Straßen traut, weil er dort von "Prolls" abgezogen wird.

Ähnliches ist ja auch in den Trabantenstädten im Osten zu bobachten. Dort sind es halt nicht türkische Hauptschüler sondern glatzköpfige Realschüler.

Hier zählen die Medien einfach nicht 1und1 zusammen.

Ich finde, es sollte gar nicht um Neukölln oder Ausländer gehen, Gewalt an Schulen hats auch an Ostdeutschen Bildungsbunkern, wo Lonsdale und Störkraft den Ton angeben.

Hier machen Medien, wie auch Politik denselben Fehler, sie suchen Schuldige statt Lösungen.
Klar, ist ja auch einfacher, zu sagen: Es waren die Nazis, es waren die Ausländer.

Nun ja, vielleicht können ja die Blogger etwas erreichen.

Mfg
Matze
Julio Lambing - Di, Apr 11, 2006

Vielen Dank für die vielen interessanten Rückmeldungen

Hallo allerseits,

Vielen Dank für die vielen interessanten Rückmeldungen. Von der Resonanz (1575 Zugriffe!) waren sowohl ich, der dieses kleine Blog betreibt, als auch der Autor dieses Briefes überrascht.

Man würde letzterem Unrecht tun, wenn man ihm unterstellt, dass er Neukölln als ein "multikulturelles Paradies" schildern wollte. Er ist zwar ein leidenschaftlicher Mensch, aber keiner, der seine analytischen Fähigkeiten oder seine Wahrnehmung verloren hat. Dies hier ist, wie ich zuvor schon schrieb, keine ausgewogene Erörterung der sozialen und kulturellen Situation Neuköllns. Es ist nichts weiter als eine persönliche Reaktion auf eine bestimmte Medienberichterstattung und der Versuch, ebendieser eine andere Sichtweise gegenüber zu stellen. Dass das einige sowohl hier als auch an anderen Orten aufmerksam registriert haben, freut uns beide.

Bemerkenswert an den Kommentaren hier (und auch ansatzweise in jener interessanten Diskussion dort) finde ich, wie schnell der Begriff "Multikulti" und seine diversen Derivate in die Auseinandersetzung eingebracht werden. An keiner Stelle des Briefes taucht dieses Wort auf. Dennoch verwenden ihn einige ganz so als wäre es eine Selbstverständlichkeit. Meiner Meinung nach spiegeln sie damit die Schachzüge derjenigen wieder, die es geschafft haben den Begriff in einer bestimmten Weise zu besetzen und medienweit zu streuen. Derzeit wird dieses Wort ja hauptsächlich verwendet, um eine bestimmte integrations- und migrationspolitische Position zu beschreiben und sie mit dem Geruch der Naivität, Blauäugigkeit und Verantwortungslosigkeit zu versehen. In diskussionsstrategischer Hinsicht ein gelungenes Unterfangen, denn kaum jemand macht sich ja die Mühe, die Aussagen derjenigen, die den Begriff in den 80ger Jahren ins Feld geführt haben, mit dem abzugleichen, wie er heute (in negativer Abgrenzung) verwendet wird.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Dies soll kein Plädoyer für die Seite derjenigen sein, die man derzeit als "Multikultis" abfällig bezeichnet. Abgesehen davon, dass jemand, der diesen Begriff freiwillig auf sich bezöge, derzeit im gleichen scheelen Licht wie "Müslifresser", "verbitterte Feministinnen" oder "Blumenkinder" stände, trennen mich von dieser Seite grundsätzliche, wenn auch nicht ausgereifte Erwägungen. Aber ich glaube, dass es für eine Diskussion hilfreich wäre, ersteinmal zu bestimmen, was "Multikulti" überhaupt bedeutet, wenn man den Begriff verwendet. Dann kann man auch real überprüfen, ob dieses Konzept in der Integrationspolitik überhaupt vertreten wurde, ob es je umgesetzt wurde, ob es ein Irrläufer war - und was der obige Text damit zu tun haben soll.

Ein letztes vorsorgliches Anliegen habe ich noch: Ich finde gut gemachte Polemik klasse. Gut gemachte. Ein pampiger Tonfall, den ich hier bei zwei Kommentatoren ansatzsatzweise aufziehen sehe, wird zwar auf vielen Boards als begrüssenswertes USP gewertet - hier nicht.. ;-)

Herzliche Grüsse
Julio Lambing
Thomas (Gast) - Mi, Apr 12, 2006

Muli Kulti

Der Begriff bedeutet Multikulturelle Gesellschaft und ist "ein Modell". Also etwas, was sich jemand oder mehrere ausgedacht haben. Wer das war, ist nicht bekannt. Laut Wikipedia tauchte das Wort 1957 in der Schweiz das erste mal auf. Später wurde es im Rahmen der Migrationspolitik in Deutschland verwendet.
Es ist also kein natürlicher Zustand, der aus sich selbst gewachsen ist, sondern eine herbeigeführte Situation, die initialisiert und sich selbst überlassen wurde. Dabei wurden soziale Prinzipien wie Toleranz und Respekt angestrebt, die eine nebeneinander geführte Existenz mehrer Kulturen ermöglichen sollen. Dabei wurde leider vergessen, dass es auf das "Miteinander" ankommt, um Entwicklung und ein Zusammenleben sinnvoll zu gestalten. Doch wie können verschiedene Kulturen ein "Miteinander" entwickeln, wenn sie grundsätzlich verschiedene Ziele, Ansichten, Lebensvorstellungen, Bedürfnisse und überhaupt keine Ambitionen dazu haben?
Laut dem Multi Kulti Modell, soll Assimilation nicht notwendig sein. Es bleibt die 64 000 Dollar Frage: Was ist dann Integration? Ein Spagat zwischen Miteinander und Nebeneinander. Etwas wofür es keine Definition gibt - und wenn, dann ist sie so schwammig, dass sie alles mögliche bedeuten kann. Im Augenblick sind die "Integrierer" der Ansicht, dass die deutsche Sprache Vorraussetzung ist, um hier Leben zu können. Das fällt den Politikern nach 50 Jahren Migrationspolitik ein und ist meiner Ansicht das Eingeständnis der totalen Ahnungslosigkeit und Handlungsunfähigkeit, im Angesicht einer Situation die von Jahr zu Jahr angespannter wird. Angespannter deswegen, weil die große Mehrheit der Migranten erkennt, dass sie zwar "neben" der deutschen Kultur leben können, aber eben als Aussenseiter und nicht mit denselben Möglichkeiten und deswegen nicht gleichberechtigt. Das ist der eigentliche Sprengstoff der Situation. Die Reaktion der Grünen auf diese Problematik war, ein Antidiskriminierungsgesetz zu schaffen. Vor soviel Kompetenz kann man nur den Hut ziehen.
Jeder der sich die Situation mal klar vor Augen führt, kann sich ausrechnen, wohin das geht.
Wiseguy (Gast) - Mi, Apr 12, 2006

Ähnliche Erfahrungen gemacht

Ich wohne zwar in Kreuzberg, aber eine gute Freundin von mir mitten in Nord-Neukölln. Nun fuhr ich mit dem Fahrrad dort eines Abends weg, es war dunkel und ich fuhr dummerweise auf dem Bürgersteig. Auf dem Weg kamen mir drei vielleicht 14-16jährige Jungs entgegen, einer mit dem Rad. Ich bremste, verkantete das Vorderrad und stürzte auf die Seite. Muss ziemlich spektakulär ausgesehen haben - den Dreien blieb der Mund einen Moment lang offen stehen. Fahrradlampe samt Akkus zerschellt, Portemonnaie aufgegangen und Geld verstreut. Und da ich erst eine Woche zuvor einen deutlich heftigeren Radunfall hatte, sortierte ich erst einmal meine Knochen. Nach einer Schrecksekunde kümmerten sich die drei wirklich rührend um mich - einer wollte den Krankenwagen rufen, bestand fast darauf, die beiden anderen sammelten meine Habseeligkeiten wieder zusammen. Nachdem mir aber nichts groß passiert war außer noch einer Verstauchung war zum Glück der Krankenwagen nicht nötig. Nach dem Austausch guter Wünsche trennten wir uns wieder. Ich hätte niemals damit gerechnet, dass mir geholfen bzw. sich so besorgt um mich gekümmert wird. Fiel mir bei Ihrer Geschichte ein und hat mein kleines Bild von Neukölln, wo mir noch nie irgendwas negatives passiert ist, wirklich in einen schönen Rahmen gesteckt.
Thomas (Gast) - Mi, Apr 12, 2006

Erlebnisberichte

Das was hier an Erfahrungen wiedergegeben wird, ist schon sehr komisch. Die Reaktionen und Situationen, die hier von ausländischen oder imigrierten Mitbürgern so schön dargestellt werden, sind wohl das normalste der Welt, weil menschlich. Würdet ihr auch über solche Erlebnisse berichten, wenn ihr in Mitte unterwegs wärt und Rheinländer anstatt Türken daran beteiligt wären? Allein die Tatsache, dass solche Erfahrungsberichte gepostet werden, spricht Bände. Die andere Seite, dass die meisten Straftaten in Deutschlands Städten auch von Migranten verübt werden, wird seit Jahrzehnten totgeschwiegen. Da sind dann alle plötzlich ganz medienkonform. Und wenn jemand darauf aufmerksam macht, wird er als ausländerfeindlich oder sogar als Nazi hingestellt. In aller erste Linie muss man mal der Wahrheit ins Gesicht sehen um die Ursachen zu finden.
Ich wurde mal von zwei Arabern in Kreuzberg ausgeraubt. Die sind mir nachgerannt, es gab eine kurze Prügelei und ich habe eingesehen, dass ich keine Chance habe. Einer hatte plötzlich ein Messer in der Hand, also habe ich ihnen mein Geld gegeben. Und die waren so nett, mir meine Brieftasche mit Kreditkarten, Ausweis usw. wiederzugeben, weil ich sie sonst hätte anzeigen müssen. Das habe ich aber nicht getan und damit gehört der Fall zu den tausenden Fällen, die nicht statistisch erfasst werden.
Das fiel mir so ein, wo ich gerade über Kreuberg, Neukölln und Wedding nachdenke und es passt auch in diesen schönen Rahmen ...
Julio Lambing - Do, Apr 13, 2006

Hallo Thomas,

ich denke, wir sollten das sein lassen. Für mich ist das, was Sie hier von sich geben, das im politschen Schlagabtausch übliche Gerede. Ich finde so etwas hochlangweilig - ebenso wie Ihre (meines Erachtens wenig soliden) Ausführungen zu "Multikulti". Und weil ich es so langweilig finde, möchte ich aus zeitökonomischen und stilistischen Gründen auch gar nicht weiter darauf eingehen - noch Ihnen hier ein Forum bieten. Dafür haben Sie sicher Verständnis.
Ich denke es gibt viele politische Weblogs und Foren, in denen Sie sich wohlfühlen können und in denen Sie auch besser aufgehoben sind.

Freundliche Grüsse
Julio Lambing
Thomas (Gast) - Fr, Apr 14, 2006

Hallo Julio

Ich verstehe schon, solche Gedanken sind hier nicht forenkonform. Hier noch etwas zum Schluss: Ich wollte keinen Schlagabtausch, sondern auf das Problem hinweisen, das bekanntlich auch Konsequenzen zeigt wenn man es nicht wahrnimmt.

"Das Problem zu erkennen ist wichtiger, als die Lösung zu erkennen, denn die genaue Darstellung des Problems führt zur Lösung"
Albert Einstein

Vielleicht sollte ich noch hinzufügen, dass es Mut und Courage erfordert, ein Problem überhaupt als solches zu benennen und darzustellen. Es erfordert nämlich einen "eigenen Standpunkt".
Tschau
Julio Lambing - Fr, Apr 14, 2006

Vielen Dank für die Einsicht.

Dann hoffen wir, dass wir alle die Gelassenheit erwerben, die Relativität unserer Erkenntnis zu akzeptieren, den Mut aufbringen, die Probleme, die unser Wohl gefährden, zu benennen, und die Weisheit an den Tag legen, das letztere zu tun ohne das erstere aus den Augen zu verlieren.

Mach's gut.
Richard (Gast) - Fr, Sep 21, 2007

Rechthaberei.

Leider. Die Sache verdient mehr als die hier manchmal anklingende Selbstgerechtigkeit. Wer etwas erreichen möchte, sollte der Diskussion nicht aus dem Wege gehen. Auch wenn das manchmal mühsam ist.
barmyarmy (Gast) - Mi, Apr 12, 2006

Kann mich den anderen Kommentaren nur anschliessen. Das Lesen hat Freude bereite...
Stefan (Gast) - Di, Apr 18, 2006

Nicht ganz richtig

Einerseits freut es mich, über Neukölln auch mal Positives zu lesen. Andererseits scheint mir das hier gezeichnete Bild etwas schön gefärbt.
Ich kam vor sieben Jahren nach Berlin, in Neukölln fand ich damals eine zugleich günstige und schöne Wohnung (in Gegend zwischen Richardplatz und S-Bahnhof Sonnenallee). Dort habe ich fünf Jahre lang gelebt. In unserem Haus wohnten überwiegend Deutsche, dazu ein paar Ausländer aus Ex-Jugoslawien und der Türkei. Die Türken waren die einzigen, die sich absonderten und z.B. im Sommer nicht mit im Hof saßen und plauderten. Aber das mag Zufall sein.
Als ich vor gut zwei Jahren aus Neukölln wegzog, geschah das, weil ich näher an meinem Arbeitsplatz in Steglitz wohnen wollte. Dass ich auch von Neukölln genug hatte, wurde mir erst hinterher klar. Rückblickend bin ich schon ein bißchen erleichtert, weggezogen zu sein.
Ich habe noch viele Bekannte in Neukölln und bin dort regelmäßig unterwegs. Ich verbinde mit dem Stadtteil viele positive Erinnerungen, habe mich dort nie unsicher gefühlt, war nie Opfer einer strafbaren Handlung, bekomme auch aus meinem Bekanntenkreis nichts Derartiges zu hören. Ich würde es dem Stadtteil wünschen, dass er die Kurve kriegt und sein schlechtes Image verliert. Aber Tatsache ist doch: Es wird dort ungemütlicher. Der Stadtteil verkommt, wird von seinen Einwohnern vernachlässigt. Nirgendwo sonst sehe ich so häufig Sperrmüll herum liegen, man schmeißt Dinge, die man nicht mehr braucht, einfach vor die Tür. Eine schleichende Verwahrlosung greift um sich, mit dem räumlichen Abstand merke ich das immer deutlicher. Und so sympathisch sich die "Liebeserklärung" in diesem Blog auch liest, so gibt sie die Wirklichkeit meiner Meinung nach nur unzureichend wieder.
raffel (Gast) - Mi, Apr 19, 2006

Soviel zum Thema Neukölln:13.04.2006
Brutaler Überfall in Berlin

Berlin (queer.de) - Eine Gruppe junger Männer hat in einer Berliner S-Bahn ein schwules Freundespaar überfallen und brutal zusammengeschlagen. Demnach hat bereits am Sonntagmorgen gegen 3 Uhr eine Gruppe von sieben jungen Männern südländischer Herkunft einem 34-Jährigen und dessen Begleiter in der S 42 aufgelauert. "Seid ihr schwul?", sollen die Täter nach Angaben des Überfalltelefons "Maneo" gesagt haben. Außerdem hätten sie die beiden mit den Worten "Schwule sind das letzte Pack" und "Der schwule Wowereit, der hilft euch hier auch nicht. Wir sind hier in Neukölln" bedroht. Zunächst konnten die beiden Angegriffenen in den Nachbarwagen fliehen, bei der Haltestelle Treptower Park sind die zirka 18 bis 25 Jahre alten Männer auf sie zugestürmt und haben auf ihre Opfer eingeschlagen. Ein Täter filmte das Geschehen mit seinem Handy. Bei einem der Opfer wurde die Nase gebrochen, außerdem hatte er Hämatome im Gesicht und am Körper. Der Geschädigte leidet noch immer unter starken Kopfschmerzen. Der andere erlitt Hämatome im Gesicht sowie Prellungen an Rippen und Beinen. Zeugen alarmierten sofort die Polizei und halfen den Opfern. Die Bundespolizei fahndet nun nach den Tätern. (dk)
a Neukölln:
Marcel Meusel (Gast) - Di, Apr 25, 2006

Deutsche sind also übles Pack und Ausländer sind galante Ritter ?

Hallo,

ich habe den Brief gelesen und stimme Dir diesbezüglich zu, daß Rassismus durch auch ebensolche Berichterstattungen, wie sie die letzten Wochen von statten ging, produziert wird. Aber den letzten Kick dazu, aus einem Komplexbeladenen rechten einen Kahlköpfigen "Bimboklatscher" zu machen, geben meiner Meinung nach Linksnazis, die mit Publikationen (gleich ob Brief oder Artikel) in denen sie erklären, daß deutsche das dreckigste und unmenschlichste Gesindel sind, das diese Welt je erlebt hat. Ich selber mußte feststellen, daß ich auch ein deutscher bin, und von Dir (der Du ja kein "typischer deutscher bist" erklärt zu bekommen, was ich für ein schrecklicher Mensch bin, lässt mich doch glatt überlegen, in den Suizid zu flüchten, um die Welt wenigstens von einem dieser Mistmaden zu befreien. Vielleicht kam es ja ausschließlich bei mir so an, bzw. Du hast das was Du da geschrieben hast ganz anders gemeint. Aber so wie Du über "die Deutschen" spricht, sprechen Scheitelträger über "die Ausländer". Würde ich nOIkölln nicht besser kennen, würde mir der Bezirk spätestens jetzt unheimlich sein. So Marzahn nur andersrum. Ich hoffe das hier ist nicht zu ausfallend. Obwohl es sich vielleicht so anhört, sollte dies hier keine Zurückbeleidung sein, sondern mal zum Nachdenken anregen.

mfg, FledermOIsel
Julio Lambing - Mi, Apr 26, 2006

Nicht hier

Sehr geehrter Herr Meusel,

schauen Sie sich mal hier um. Ja, der Blick kann gerne zur rechten Kosole schweifen. Dort finden sie viele weitere Artikel. Die müssen nicht Ihr Fall sein, aber sie machen den Stil dieses Weblogs deutlich. Und den setze ich durch.

Dazu gehört, dass eine bestimmte Sorte an undifferenziertem Schmuh hier keine Chance hat. Ich hab z.B. gehörig was gegen Andeutungen, mit denen der Autor dieses Briefes in die Nähe der Bezeichnung "Linksnazi" gerückt wird. Ich habe zudem was gegen Andeutungen, in dem Brief würde erklärt, "dass deutsche das dreckigste und unmenschlichste Gesindel sind, das diese Welt je erlebt hat". Oder gegen die Unterstellung, dass durch den Text ein Deutscher zu einem "schrecklichen Menschen" abgestempelt würde.

Ich verstehe, dass Sie vielleicht ähnlich emotional reagieren wie der Brief eine aufgebrachte Seite des Autors zum Ausdruck bringt. Aber das ist keine Rechtfertigung für Stammtischreaktionen. Solche können Sie gerne auf Ihrer Website zelebrieren, hier nicht. Ich bitte Sie deshalb, sich den Text und die Diskussion nocheinmal durchzulesen und sich eine angemessene Entschuldigung zu überlegen. Sollten Sie dem nicht nachkommen, wofür ich kein Verständnis hätte, werde ich Sie für dieses Weblog sperren. Denn es gibt sicherlich viele Diskussionsorte im Internet, die dann für Sie geeigneter sind.

Mit freundlichen Grüßen
Julio Lambing
Marcel Meusel (Gast) - Mi, Apr 26, 2006

Für den Tonfall entschuldige ich mich

Sperren können Sie mich allerdings ruhig trotzdem. Wenngleich ich mich nun Frage welchen Stein Sie mir damit in den Weg legten, sollte ich vorhaben Ihren blog wieder zu besuchen. Ich wüßte auch nicht was mich daran hindern könnte unter was weiss ich für einem Pseudonym jeden erdenklichen Müll in ihren blog zu schreiben. Aber haben Sie keine Angst deshalb Herr Lambing, so wichtig sind Sie mir bei Leibe nicht, nur sollten Sie künftig andere Sanktionen androhen(sonst ists unglaubwürdig). Auch bedanke ich mich auch recht herzlich dafür, daß Sie mir die Freiheit lassen, "Meine Stammtischreaktionen auf meiner website zu zelebrieren". Sie haben recht damit, daß diese Antwort sehr emotional war, und auch nicht den rechten Ton hatte. Dieser Brief enstand jedoch unabhängig von einer folgenden Diskussion. Ebenso unabhängig von dieser Diskussion war meine Antwort darauf. Und wenn Sie mir unterstellen, ich hätte den Brief vorher nicht gelesen, frage ich mich, woher Sie zumindest ahnten, daß ich emotional reagierte.

Ich wünsche Ihnen noch hohe Zugriffszahlen und ihren Lesern hin und wieder etwas weitblick.
Julio Lambing - Mi, Apr 26, 2006

Danke

Ich sehe keinen Grund jemand zu sperren, der die obigen Formulierungen zurückzieht und sich zukünftig an den hiesigen Stil hält. Für die gut gemeinten Wünsche hinsichtlich der Zugriffszahlen (es lässt mich schmunzeln, aber das konnten sie ja nicht wissen) und dem leserischen Weitblick danke ich ebenfalls.

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