Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Euroweb - eine Spurensuche

Ich habe in einem meiner letzten Beiträge davon gesprochen, dass die Firma Euroweb Internet GmbH der Gegenstand einer ethischen Prüfung werden kann. Grund für eine solche Prüfung könnten die Berichte sein, die über das Unternehmen in der letzten Zeit veröffentlicht worden sind. Denn die entscheidende Frage ist jene, die Jens einmal beiläufig in einem Kommentar gestellt hat: Warum ist jemand überhaupt so übermäßig darauf erpicht, dass auf keinen Fall im Internet etwas Negatives über ihn berichtet wird - so erpicht sogar, dass er nicht einmal bestimmte Emails versendet wissen will.

Prüfungen verlangen Informationen. Nun bin ich kein Wirtschaftsjournalist und maße mir auch nicht die Kompetenzen eines Wirtschaftsjournalisten an. Andere können das sicherlich besser. Aber wenn Menschen Angst haben und um Hilfe bitten, dann muss man die Bücher zur Seite zu legen und selbst jene Informationen beschaffen oder kolportierte Informationen überprüfen. Mittels jenen Instrumenten, die jedem mit klarem Verstand zur Verfügung stehen: Die Weiten des Internets, Handelsregisterauszüge und Zeugen, die man über Telefon befragen kann. Zudem wurde mir von betroffener Seite umfangreichere weitere Informationen zur Verfügung gestellt.

Ich möchte deshalb einige der Erkenntnisse, die ich in den letzten Wochen sammeln konnte, hier vorstellen. Anfangen möchte ich mit einem anonymen Bericht von jemandem, der von den Aktivitäten der Firma Euroweb betroffen ist. Die Person, die hier anonym schreibt, genießt aus Gründen, die ich hier nicht näher ausführen möchte, mein vollstes Vertrauen.

Ich werde auch in loser, aber zügiger Reihenfolge eigene Rechercheergebnisse hier vorstellen. Sie sind sicher nicht der "große Knaller", aber enthalten vielleicht doch die eine oder andere interessante Information. Dennoch gehe ich ein Risiko ein, denn wie gesagt: Ich bin kein Wirtschaftsjournalist, und beim Recherchieren können Fehler passieren, die einem Profi nicht unterlaufen. Manche Details werden trotz Nachprüfung vermutlich nicht stimmen. Ich würde mich freuen, wenn andere, die in solchen Dingen wesentlich versierter sind, diese Dingen auf den Grund gehen könnten und mich auch korrigieren. Die Texte stehen zur Disposition. Material kann jeder erhalten, der eigene Nachforschungen anstellen will. Da aber im Fall Holznagel bekannt wurde, wie die Firma Euroweb Internet GmbH unter falschem Namen Unterlagen erschlichen hat, gehen diese Unterlagen ausschließlich an nachweisliche Journalisten und an Blogger (Betreiber solcher Fakes gehören nicht dazu).

Ein solches Thema wie "Problematisches Verhalten in der Wirtschaft" verführt schnell zu Selbstgerechtigkeit und dazu, vom hohen Ross ethisches Verhalten einzuklagen. Das ist eine Fallgrube, die einsam macht. Ich bin nicht der große Moralprediger und auch kein Mensch von herausgehobener ethischer Eignung. Der Umstand, dass ich einen der Betroffenen persönlich kenne, ist einer der wichtigsten Gründe, warum ich mich intensiver damit beschäftigt habe. Daneben spielen Überlegungen, wie sie Wetterdistel veröffentlicht hat, eine wichtige Rolle.

Ich will niemanden der Blogger drängen, sich der folgenden Geschichte aus den Grauzonen wirtschaftlichen Handelns genauer anzunehmen, denn ich habe den Eindruck, dass man sich in der Welt der Blogs legitimerweise wieder anderen Themen zuwenden will. Außerdem gibt es viele andere Geschichten merkwürdiger Wirtschaftspraktiken in der Welt, auf die Weblogs zurecht aufmerksam machen - z.B. jener Fall des Jugendlichen Mario, dessen Problematik "Basic Thinking" auf den Punkt genau beschrieben hat.

Aber vielleicht interessiert sich ja jemand für die Fortsetzungsgeschichte rund um Euroweb, die heute mit einem ganz persönlichen, anonymen Bericht begint und die in wenigen Tagen bei einem Unternehmen mit mehr als Hundert Millionen EUR Jahresumsatz enden wird. Vielleicht interessiert sich ja jemand dafür? Es wäre klasse. Denn ich bin mir sicher, ein paar Menschen in Europa (ja richtig Europa, nicht Deutschland - doch davon später) würden sich freuen, wenn jemand dies tun würde. Und ich würde mich freuen, wenn alle Recherchen ihren Weg in die Öffentlichkeit finden. Drücken Sie uns die Daumen.


Andere Beiträge zu dem Thema:

"Weil sie einzigartig sind..." - Sicherheitstechnologie in den Händen eines obskuren Geschäftsmilieus?
Neue Erkenntnisse um die Firmen Easydentic, Adhersis, Compagnie Européenne de Télésécurité (CET), Eurotec, Euroweb Marketing und Euroweb Asset Managing

Wenn die Butterbrote den Souverän satt gemacht haben
Heinrich Heine, die Blogger und der Riese hinter Euroweb
(Recherchen über die europäischen Aktivitäten der Firmen PARFIP und PROXIMEDIA)

"Insbesondere bevorzugen wir Bewerber von Euroweb"
In welcher Beziehung stehen die Beschwerden über die Adhersis AG zu denen über die Euroweb Internet GmbH?

PROXIMEDIA - wiederholt sich Geschichte? Nun, manchmal vielleicht schon
Recherchen über die Firmen PROXIMEDIA Deutschland, PROXimedia Service und Euroweb Internet GmbH

"Ich sah keinen Grund für Mißtrauen und unterschrieb."
Ein Erfahrungsbericht eines Betroffenen

Euroweb - eine Spurensuche
Die Ankündigung einer Textreihe und mir wichtige Vorbemerkungen
rene (anonym) - Sa, Apr 15, 2006

euroweb bleibt auf meinem radar

ich bin sehr gespannt auf die serie und werde sie auch auf meinem blog begleiten und kommentieren. warum das interesse? ich bin vom fach und weiß, wie man die erstellung einer website abwickelt. das vorgehen von euroweb ist mir fremd und erscheint mir sehr dubios. wir werden sehen.
xyz (anonym) - Mi, Dez 27, 2006

Auch ich bin ein Geschädigter und kenne die aufgeführten Vorgehendsweisen aus eigener Erfahrung. Was hier mit einem getrieben wird ist echt schlimm. Warum ist man nicht in der Lage solche Votgehendsweisen gerichlich verbieten zu lassen?
Mary (anonym) - Di, Jan 30, 2007

Ich bin erschüttert ..

... dass es so etwas in unserem Berufsstand geben muss.

Als professionelle Interagentur, die 10 Jahre existiert habe ich gelernt, Überzeugungsarbeit zu leisten. Mal kämpft man gegen die Nichten und Neffen, die kostenlos semiprofessionelle Webauftritte erstellen oder aber den Profiauftritt zum Selberpflegen übernehmen, mal gegen ein Heer von umgeschulten "Webdesigner" und "ITlern", die motiviert sind, denen aber jedwedes Grundlagenwissen um die Themen Kundenutzen und Onlinemarketing fehlen (Ausnahmen seine ausgenommen), dafür die Preise dumpen, mal gegen die selbstverliebten Designer, die aus dem Printbereich kommen und dem Internet Ihre Erkenntnisse 1:1 überstülpen, und oft genug gegen Kunden, die keinerlei Einsicht haben, dass gute Arbeit auch gutes Geld wert sein muss usw.

Und nun kämpfen wir auch noch um unseren Ruf, weil wir mit Anbietern wie diesem verglichen werden?

Ein Trost für die Geschädigten, ich hab an anderen Stellen schon davon gehört, es spricht sich also rum.

Beste Grüße
Marietta Anton

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