Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

PROXIMEDIA - wiederholt sich Geschichte? Nun, manchmal vielleicht schon

Wie ich schon in der Ankündigung schrieb, ist dies ein Versuch, nach dem anonymen Bericht eines Betroffenen ein paar erste Recherchen über den Fall Euroweb Internet GmbH zusammen zu tragen. Die in der Ankündigung vorgetragenen Präliminarien sind mir wichtig und weiterhin gültig.

Fangen wir an. Damit, was die Handelsregisterauszüge uns verraten und was doch alle wissen: Geschäftsführer der Euroweb Internet GmbH ist Herr Christoph Preuß. Daß er auch 43% der Gesellschaftsanteile hält, überrascht nicht. Neugierig macht höchstens die Preuß Beteiligungs GbR, welche 42% hält und für die als GbR keine Eintragung ins Handelsregister notwendig ist. Jedenfalls hat sie an der Privatadresse von Christoph Preuß ihren Geschäftssitz. Die restlichen Euroweb-Anteile von 5% und 10% werden von Herrn Dieter Haberland bzw. von Herrn Siegfried Friedrich gehalten. Dieter Haberland war bis November 2004 Geschäftsführer, dann übernahm der Hauptteilhaber Christoph Preuß die Unternehmensführung. Alles nicht besonders aufregend.

Interessanter ist schon die Tatsache, daß die scheinbar unverwechselbare Art der Euroweb Internet GmbH, mit ihren Kunden umzugehen, in Deutschland durchaus schon ihresgleichen hatte.

Die Geschäfte der PROXIMEDIA Deutschland

Es gab da nämlich schon mal eine andere Firma, die für die Marketing-Tools „Kulanz“ und „Kundenzufriedenheit“ ähnlich wenig Verwendung fand: die PROXIMEDIA Deutschland GmbH, mit der wohl eine ganze Reihe von Kunden Erfahrungen machen konnte, die jenen, welche Kunden der Euroweb Internet GmbH heute machen, erstaunlich gleichen:

Die PROXIMEDIA Deutschland wurde am 18.04.2000 als 80%ige Tochter der belgischen proximedia S.A. gegründet, einer Unternehmensgruppe, die inzwischen an die Börse ging und 2005 über 14 Mio EUR Umsatz machte. Mutter wie Tochter führ(t)en als Firmenlogo das Proximedia-Haus und verkauf(t)en Internet-System-Verträge - ähnlich wie die Euroweb Internet GmbH es heute so erfolgreich tut. Geschäftsführer war Daniel Fratzscher, später der gebürtige Franzose Francois Gaillard.

Die Firma über sich selbst:„Als junges, schnell expandierendes Dienstleistungsunternehmen im Bereich Internet und Multimedia haben wir es uns zur Aufgabe gemacht kleine bis mittelständige Unternehmen erfolgreich im Internet zu präsentieren.“ Man versprach „professionellen Full-Service“ ( proximedia.de-Homepage Stand 2002, Menupunkt Firma). Das Geschäftsmodell sah längere Vertragslaufzeiten vor, hin- und wieder wurden Angebote auch mit einem PC oder ähnlichem als Add-On garniert.

Die PROXIMEDIA Deutschland GmbH residierte in der Schiess-Strasse 55 in Düsseldorf. An der gleichen Adresse residierte ursprünglich auch die Firma PARFIP Deutschland GmbH, die ihrerseits eine deutsche Dependance der in Belgien ansässigen, über halb Europa verbreiteten PARFIP-Gruppe ist. Die PARFIP-Firmen sind Finanz-bzw. Verwaltungsdienstleister. Vereinfacht gesagt: Sie kaufen von verschiedenen Unternehmen Verträge, die diese Unternehmen mit Kunden abgeschlossen haben und die meist über mehrere Jahre laufen. Damit hat der Produkt-Anbieter sein Geld sofort in der Kasse, und die PARFIP übernimmt es nun an seiner Stelle, sich die vertraglich vereinbarten Beträge vom Kunden zu holen - was nicht gerade selten mit Gerichtsverfahren endet. Die PARFIP Deutschland GmbH fungierte als Buchungsstelle, die bis zur Liquidierung der PROXIMEDIA Deutschland GmbH den Geldeinzug für Verträge derselben erledigte.

Die renegaten Handwerker

Allerdings war die PROXIMEDIA Deutschland GmbH nicht ganz so erfolgreich, wie man es von einem aufstrebendem Unternehmen erwarten konnte, denn nach ihrer Gründung hielt sie keine 3 Jahre auf dem deutschen Markt durch und ließ am 01.02.2003 das Insolvenzverfahren einleiten. Ein möglicher Grund dafür könnten unzufriedene Handwerker gewesen sein, die sich zusammentaten.

Anruf bei einem Handwerksbetrieb - ein langes Gespräch. Auch zu dieser Firma kam vor mehreren Jahren per telefonischer Kontaktanbahnung ein Vertriebsmitarbeiter, der die Erstellung einer Internet-Website durch die PROXIMEDIA Deutschland GmbH anbot. Von Referenzkunden war die Rede, von längeren Vertragslaufzeiten etc. Man unterschreib einen Vertrag und freute sich auf die neue Internet-Präsenz. Mit dem anschliessenden Ergebnis war der Betrieb jedoch mehr als unzufrieden. Kunden sprachen das Unternehmen an und meinten, dass die Firmen-Website doch eher unglücklich gestaltet sei. Mit anderen Worten: "Die haben rechten Scheiss geliefert. Ein Kunde traute sich nicht, uns weiter zu empfehlen, da seiner Meinung nach die Website auf keinen seriösen Betrieb schließen liess.“ Doch nach einem Gespräch mit dem Anwalt war dem Kleinbetrieb klar, dass eine Auflösung des Vertrages vermutlich sehr, sehr schwierig gewesen wäre. Versuche, die Firma zu jenem Leistungsniveau zu zwingen, das man als leidlich angemessen betrachtete, waren ein eher aussichtsloses Unterfangen, wie man frustriert feststellen musste.

Erst als die PROXIMEDIA Deutschland GmbH insolvent wurde, bot sich eine Chance. Nach Insolvenz und Liquidierung der PROXIMEDIA Deutschland GmbH löste sich die vertragliche Bindung zu den Kunden und eine ganze Reihe von Handwerkern wollte die Chance nutzen und lieber früher als später aus den ihnen verhassten Verträgen raus – eine Angelegenheit, die der PARFIP Deutschland anscheinend nicht behagte: Sie versuchte „Ansprüche aus dem Vertragsverhältnis über den Tod unseres Vertragspartners hinaus durchzusetzen“, wie es z.B. auch die ehemalige Kundin Frau Enk bündig zusammenfasste. Doch wer zäh war und einen langen finanziellen Atem hatte konnte freikommen: Manch einem kleinen Betrieb gelang dies in einem zermürbenden und langwierigen Rechtsstreit.

Warum die Firma PROXIMEDIA Deutschland GmbH in die Insolvenz ging, ist nach den bisherigen Recherchen nicht klar. Was auch immer der Grund für die Insolvenz gewesen war, sie muss den Geschäftsführern nicht unbedingt geschadet haben. In Chemnitz regte sich auf jeden Fall besonderer Widerstand unter den dortigen Handwerkern. Da Berichte darüber, was in einem Verkaufsgespräch mündlich vereinbart worden ist, in einem Urkundenprozess angesichts unterschriebener Verträge jegliche Relevanz verlieren, versuchte man der Firma über den eleganten Weg von wettbewerbsrechtlichen Fragen (Stichwort: „Kaltakquise“) beizukommen. Ein engagierter Mitarbeiter der Handwerkskammer Chemnitz sammelte in Sachen PROXIMEDIA Deutschland GmbH eine ganze Reihe von Eidesstattliche Versicherungen von Handwerkern und reichte sie beim "Deutschen Schutzverband gegen Wirtschaftskriminalität" ein. Die Sache verlief im Sand, der Fall war nach Auskunft von Involvierten anscheinend nicht eindeutig, gab nicht genug her.

Dennoch bleibt der Eindruck: Die Fälle häufen sich, je weiter man recherchiert. Auf einer Website der Schreinerei Enk, ansässig in Fürth, ist in der Rubrik „Rechtliches“ gleich der ganze Rechtsstreit des Handwerksbetriebs rund um die Dienstleistungen der PROXIMEDIA Deutschland GmbH veröffentlicht, der das Bild mit interessanten Details abrundet. Nach Auskunft von Frau Enk wird diese Rubrik seit ihrem Start im Dezember 2004 fast 600 mal im Monat aufgerufen. Mehr als 80 betroffene Personen hätten sie schon wegen diesem Fall angerufen.

Und was hat das nun mit der Euroweb Internet GmbH zu tun?

Bei der PROXIMEDIA Deutschland GmbH gab es 2001 unter anderem zwei nette junge Mitarbeiter, der eine kümmerte sich unter anderem als Admin-C um die Webpräsenz des Unternehmens, der andere betreute die Kunden im Service Center. Der eine hieß Christoph Preuß (auch zuständig für die proximedia-kunden.de, Stand: 05.04.2002), der andere Amin El Gendi.

Neben ihrer Tätigkeit für die PROXIMEDIA Deutschland GmbH bereiteten sich die beiden jungen Herren anscheinend zielstrebig darauf vor, sich beruflich weiter zu entwickeln. Christoph Preuß blieb im Internet-Geschäft: Im Frühjahr 2001 wurde in Bad Homburg die Euroweb Internet GmbH gegründet. Wenige Monate später übernahm sie die Kunden der angeblich in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratenen Viscomp GmbH, einem Unternehmen, das für mittelständische Unternehmen Websites erstellte. Die Preise waren moderater als jetzt bei Euroweb, die Vertragslaufzeiten kürzer. Das günstigste Angebot gab es für 39,- DM (rund 20,- EUR) bei eine Laufzeit von 12 Monaten. Das teuerste und aufwendigste für 99,- DM (rund 50,- EUR). Dass sollte sich mit der Kundenübernahme bekanntlich ändern.

Und Amin El Gendi? Laut telefonischer Auskunft der Anwaltskammer wurde die Anwaltskanzlei El Gendi & Berger im Dezember 2001 in Düsseldorf angemeldet. Man blieb jedoch im Kontakt: Die Euroweb Internet GmbH richtete der Kanzlei im Januar 2002 eine Domain ein und zeichnet seither für den Webauftritt der genannten Kanzlei verantwortlich. El Gendi, jetzt bekannt als Rechtsvertretung der Firma Euroweb Internet GmbH, übernahm nicht nur die rechtliche Vertretung eben jener Firma. Wie es der Zufall so will, taucht er auch in den Rechtsstreitigkeiten der PARFIP Deutschland GmbH auf: Nachdem diese in ihrem Rechtsstreit gegen die widerspenstige Schreinerei Enk ein abschlägiges Urteil des Amtsgerichts Fürth kassieren musste, vertrat El Gendi das Unternehmen bei den Bemühungen, eine Berufung des Urteils anzustreben. (Das Urteil kann bei Herrn Lorbeer von der Handwerkskammer Chemnitz angefordert werden.)

Im Mai 2002 ließ Herr Preuß seine Euroweb Internet GmbH bei der Düsseldorfer Handwerkskammer eintragen. Ob erst dann begonnen wurde, per Telefonanruf bei potentiellen Kunden Termine für die Außendienstmitarbeiter zu vereinbaren, ist unklar. Mir liegen Verträge mit Kundennummern im Dreißiger-Bereich vor, für die im Juni 2002 Kunden angerufen worden waren. Es handele sich um ein neues Unternehmen in der Internetbranche, das sich auf dem Markt etablieren wolle und dafür Referenzkunden zu Sonderkonditionen suche, geben die Betroffenen den Erstkontakt wieder.

Merkwürdige Firmenverflechtungen

Doch zurück zur PROXIMEDIA Deutschland GmbH, für die Herr Preuß ja offenbar immer noch in irgendeiner Form tätig war (dazu gebe man bei denic "proximedia-kunden.de" ein und schaue sich die personelle und Firmenverpflechtung an). Bereits mehrere Monate vor deren Insolvenzmeldung wurde am 08.07.2002 eine weitere Firma ins Handelsregister des AG Düsseldorf eingetragen. Ihr Name klang ganz ähnlich: PROXimedia Service GmbH. Laut Handelsregister-Auszug beschäftigte diese Firma 2005 18 Mitarbeiter und machte 2003 einen Jahresumsatz von 1,3 Mio EUR.


Graphik Firmenvernetzung PARFIP und Proximedia

Wer jetzt naheliegenderweise denkt, hier handele es sich einfach um eine neue Tochter der oben erwähnten belgischen proximedia S.A., schon des Namens wegen und weil ja auch hier das Proximedia-Haus als Logo verwendet wird, der irrt sich. Denn es steht zwar PROXimedia drauf, es ist aber laut Handelsregisterauszug PARFIP drin, und zwar zu 100%! Die PROXimedia Service GmbH ist eine 100%ige Tochter der PARFIP Deutschland GmbH, und ihr Geschäftsführer heißt: Christoph Preuß.

Wie durch eine glückliche Fügung war die PROXimedia Service GmbH rechtzeitig zur Stelle, um die Kunden der insolventen PROXIMEDIA Deutschland zu übernehmen, und übernahm laut denic und wayback machine auch die Domain proximedia.de.

Nun muß man mit seiner Zeit ja haushalten, wenn man Geschäftsführer in zwei expandierenden Unternehmen gleichzeitig ist. Vielleicht deswegen residieren die Euroweb Internet GmbH und die PROXimedia Service GmbH an derselben Adresse und teilen sich sogar dieselbe Telefonzentrale (0211-30129-0). Laut Firmenregister der IHK Düsseldorf nimmt die Euroweb Internet GmbH ganz offiziell die Post für die PROXimedia Service GmbH an.

Und jetzt?

Das war es. Das Ganze ist, wie gesagt, keine große Geschichte. Wir wissen dennoch nicht, wen wir alles damit aufschrecken. Nach wie vor würden wir uns freuen, wenn Blogger oder Journalisten eigene Recherchen über die deutschen PROXIMEDIA-Firmen anstellen würden und die oben genannten Details überprüfen. Es gibt Menschen in Deutschland, die können darüber Romane erzählen, man muss sich nur auf die Suche machen.

Schon bald wird es eine weitere Geschichte geben. Sie wird sich mit den wütenden Beschwerden und der scharfen Kritik beschäftigen, die Betroffene über ihrer Meinung nach aggressive Vertriebsstrategien und Langzeit-Kundenverträge der auf Datensicherheit von mittelständischen Unternehmen spezialisierten Adhersis AG äussern. Und um anwaltliche Interventionen und gelöschte kritische Beiträge in diesem Zusammenhang. Und sie wird sich damit beschäftigen, in welchem Kontext dabei die Firmennamen Euroweb Internet GmbH und PARFIP Deutschland GmbH auftauchen. Vielleicht findet es der eine oder die andere ja interessant.

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Auch ich bin auf Euroweb herreingefallen vor 2 tagen...
M1994 - So, Aug 17, 2008
Das ist ja ein Ding...
...daß so eine hervorragende Firma wie Euroweb...
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