Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Individualismus und Staatsmacht

Das Achselzucken des "Selber Schuld", wenn es um unfaire Vertriebsmethoden geht, mag von Berufsantikapitalisten als "Laissez Faire"-Attitüde begriffen werden, die marktwirtschaftliche Freiheiten über die Bedürfnisse eines intakten Soziallebens stellt. Aber das stimmt natürlich nicht. Es ist eine Haltung, die marktwirtschaftliche Aktivitäten beeinträchtigt. Und zudem, so paradox es klingen mag, scheint sie mir mit einer Haltung in Verbindung zu stehen, die das Ausufern staatlicher Kompetenzen fördert [Randbemerkung: Mal sehen, wie lange AXONAS als "linksliberales Blog" gelistet wird ;-) ]:

"Die Menschen reißen sich immer nur mühsam von ihren Privatgeschäften los, um sich den Aufgaben der Gemeinschaft zu widmen; von Natur aus neigen sie dazu, diese Sorge dem einzig sichtbaren und dauernden Repäsentanten der kollektiven Interessen zu überlassen: dem Staat. Sie haben aber nicht nur von Natur keinen Sinn für die Beschäftigung mit den öffentlichen Aufgaben, oft fehlt ihnen auch die Zeit dazu. Das private Leben ist in den demokratsichen Zeiten so rege, so bewegt und so angefüllt mit Hoffen und Wirken, dass dem einzelnen kaum noch Kraft und Muße für das politische Leben bleibt.(...)

Da in den Zeiten der Gleichheit keiner verpflichtet ist, seinesgleichen zu unterstützen, da aber auch keiner berechtigt ist, von seinesgleichen eine große Hilfe zu erwarten, ist jeder so frei wie schwach.(...) Seine Unabhängigkeit erfüllt ihn gegenüber seinesgleichen mit Selbstvertrauen und Stolz, seine Schwäche dagegen läßt ihn dann und wann das Bedürfnis nach fremder Hilfe verspüren, die er von niemand erwarten darf, da alle machtlos und gleichgültig sind. In seiner Notlage lenkt er seine Blicke ganz natürlich auf jenes gewaltige Wesen, das sich allein aus der allgemeinen Niedrigkeit erhebt. Auf dieses Wesen verweisen ihn seine Bedürfnisse und vor allem seine Wünsche ohne Unterlaß; dieses Wesen hält er schließlich für die einzige und unentbehrliche Stütze seiner individuellen Schwäche. (..)

Die demokratischen Zeiten sind Zeiten der Versuche, Neuerungen und Wagnisse. Immer sind eine Menge Menschen in schwierige oder neuartige Unterenhmen verwickelt, die sie für sich durchführen, ohne sich um ihresgleichen zu kümmern. Diese Menschen geben - als allgemeinen Grundsatz - wohl zu, die öffentliche Gewalt dürfe sich nicht in die Privatgeschäfte einmischen; jeder von ihnen hofft aber, sie werde gerade ihm in seinem besonderen Geschäft helfen, und jeder sucht die Unterstützung der Regierung für sich zu gewinnen, während er sie doch sonst überall ausschalten will.

Da eine Menge Menschen gleichzeitig diese besondere Einstellung in den verschiedensten Dingen an den Tag legt, breitet sich der Machtbereich der Zentralgewalt unmerklich nach allen Seiten aus, obgleich jeder einzelne ihn einschränken will."


Alexis DeTocqueville: "Demokratie in Amerika": Band 2, Kapitel 4, Teil 3:
"That the Sentiments of Democratic Nations Accord with their Opinions in Leading them to Concentrate Political Power."

zitiert nach: Alexis DeTocqueville: "Demokratie in Amerika"; Hersg. v. J.P. Mayer; Frankfurt a.M. 1956; S. 182 -184
Dr. Dean (Gast) - Mo, Apr 24, 2006

Immer noch linksliberal

Der "LL-Wert" steigt sogar an! (abhängig davon, welche Antworten auf diese Problematik gesucht und gefunden werden).

Erstens, die Anfälligkeit demokratischer Ordnungen für organisierte und wohlprogagierte Sonderinteressen ist ein diskussionswürdiges, ja, drängendes Thema, sogar bis hin zum Vorwurf der Lähmung individueller Gestaltungskräfte und -freiheiten auf Kosten eines deformiert wuchernden Staatsganzen. Vier Stichworte: Agrarsubventionen. Rüstungswucherungen. Steuer- und Abgabenlast. Bürokratielast.

Ein zweites Thema ist die Deformierbarkeit der Öffentlichkeiten, einmal der breiten Öffentlichkeit (manipulierbar z.B. durch Medienübermacht und Stigmatisierungsstrategien), und dann von den Fach- und Entscheideröffentlichkeiten (z.B. über Lobbyismus, Seilschaften und Verkrustungen). Hier finden wir entscheidende Schwach- und Angriffspunkte demokratischer Ordnungen.

Das dritte Thema ist das Verhältnis zwischen den voreilig bequemen Individuen und dem demokratischen Willensbildungsprozess an sich, was auch zu Problemstellungen führen kann, wie sie DeTecqueville anspricht bzw. andeutet.

Die Frage ist überdies, ob alternativ vorstellbare Ordnungen von diesen Problemstellungen verschont sind, oder stärker betroffen. Und nicht zuletzt bleibt es eine offene Frage, auf welche Problemstellungen sich die Öffentlichkeiten in der Demokratie richten. M.E. kann gehofft werden, dass hier eher als in alternativen Ordnungen die richtigen Fragen gefunden werden - und Antworten gefunden werden.

Die Hoffnung auf eine autoritative Superlösung oder einer von oben geführten Fachleuteregierung hat sich in der menschlichen Geschichte noch nicht erfüllt. Ungeachtet dessen neige ich ein wenig dem antik-griechischen Geschichtsbild vom Wechsel der Ordnungsformen zu, also einem gewissen Geschichtspessimismus.

Im Übrigen gibt es auch in "der" Demokratie eine Vielzahl alternativer Gestaltungsformen, auch und gerade in Bezug auf die Organisierung des demokratischen Prozesses selbst. Insofern erscheinen mir die Anmerkungen von Alexis DeToqueville zwar hübsch und anregend formuliert zu sein, und doch von einer gewissen Kurzschlüssigkeit durchdrungen.
Julio Lambing - Mi, Apr 26, 2006

Die, die auf der richtigen Seite stehen

Vorab: Ich habe in meiner letzten Antwort einfach das "Du" benutzt, weil du mir irgendwie durch Lektüre verschiedener Postings vertraut vorkamst. Mit deiner Erlaubnis würde ich dabei bleiben.

Meine amüsierte Formulierung war nicht darauf bezogen, dass ich mit einer kleinen Tocqueville-Remineszenz deine Zuschreibung ins Wanken bringen wollte - zumal wenn du zu deinem Kriterienkreis auch "demokratische Vorlieben" zählst. Sie bezog sich mehr auf eine von mir gepflegte bestimmte generelle Argumentationslinie, in der solche ja sehr bekannten und gängigen Passagen nur ein Baustein sind.

Mir ist es ansonsten gleich, wie man dieses Weblog einstuft. Ich bin mir nur nicht sicher, ob deine geheime Alchemie, aus der heraus du ermittelst, wem dieses Prädikat zukommt, nicht immer schon alle die einschliesst, die auf der richtigen Seite stehen - die, die "die Guten" sind (in christlicher, nicht in antiker Wortverwendung). Denn es gibt in der Tradition der Aufklärung durchaus eine starke Neigung, sich selbst in einer historischen Linie zu sehen mit allen Gerechten, Freiheitsliebenden, Aufrechten dieser Welt, die seit Anbeginn der Moderne existiert haben. Gerade Linke neigen dazu. So werden solche Begriff wie "links" oder auch "linksliberal" schnell tautologisch, weil inhaltsgleich mit "gerecht", "gut", "milde", "aufrecht" usw. - und damit inhaltsdünn. Es erinnert mich an den Versuch von Christen (oder auch von Humanisten), noch fast jede religiöse (bei Humanisten: lebensfreundliche) Regung unter ihr Banner zu ziehen.

Viele die so eingemeinden, lassen dann gerne für die anderen nur noch die unattraktiven Prädikate übrig: diese sind dann nicht mit den Segnungen der "Linksliberalen", "Humanisten" etc ausgestattet, sondern tendenziell platt, xenophob, autoritär usw. ( - natürlich maßvoll formuliert, man will ja nicht undifferenziert erscheinen; denn zum "gut sein" gehört selbstverständlich auch das "differenziert sein"). Man bleibt so von dem Unbill verschont, den anderen, den wirklich anderen zuzubilligen, dass auch sie trotz aller Gegnerschaft auf Seiten der "Guten" stehen - von Ausnahmen abgesehen. Extra ecclesiam nulla salus.
Da muss man sich nicht drüber echauffieren: Ich kann den strategischen Wert durchaus verstehen, auf den Traditionen mit solchen begrifflichen Manövern im Kampf um kulturelle Hegemonie abzielen. Sowas ist in der Geschichte der geistigen Auseinandersetzungen mehr oder weniger zwangsläufig. Würde ich auch so machen, wenn ich da Aktien drin hätte.

Nicht, dass ich dir persönlich - gleichsam als Agent solcher kulturellen Ansprüche - das oben Skizzierte unterstellen möchte. Das sind nur meine ersten unwillkürlichen Gedanken, die mir dazu einfallen. Denn es könnte ja auch langsam Zeit sein, darüber nachzudenken, ob diese Begrifflichkeiten wie "links" oder "linksliberal" noch was taugen. Wörter wie "neoliberal" oder "neokonservativ" sind ja auch schon das höchst unklare Produkt eines Streits um politisch wertvolle Begriffsbesetzungen. Sie alle lasten wie Bleigewichte auf der theoretischen Diskussion und machen die Debatte so langweilig und abgestanden. Für neue Konzepte, die in der Lebenspraxis als auch in politischen und theoretischen Submilieus kultiviert werden, bleibt damit kein Raum mehr. Ob z.B. deine Konzepte und Vorschläge wirklich in diese Begrifflichkeiten passen, könnte ja vielleicht eine aus solchen Überlegungen folgende interessante Frage sein - zu deren Beantwortung ich aber mangels geringer Kenntnis sicherlich nicht geeignet bin.

Julio

PS: Der Gipfel der eigenen Heiligsprechung als die "Wahren Edlen Guten" scheint mir übrigens dort erreicht, wo selbst die Abneigung vor Zuschreibung einer politische Schule als Kennzeichen der "Linksliberalen" herhalten muss: "Yes, we are all different!".
Dr. Dean (Gast) - Do, Apr 27, 2006

LL Wert steigt (zunächst) weiter an

Derweil: Sofern man Linksliberalismus überhaupt präzis zu fassen bekommt (mit Liberalismus scheint es etwas einfacher zu sein...), dann wundert es nicht, wenn der Betroffene zappelt, sich wehrt und sich ob dieser ganzen Einengungen lieber abseits stellt, - mithin sein individuelles "Yes, i am all different" zelebriert. Das gehört nämlich ein Stück weit dazu.

Gut erkannt, Julio, und gleich am eigenen Exempel geradezu idealtypisch dargestellt.

Wer sagt eigentlich, dass sich hinter einer aufgeklebten Etikette nicht mehr differenzieren lässt, wer kann sagen, dass das mitunter deutlich spürbare Bleigewicht einer politischen Frontstellung zwangsläufig in den Verlust von Diskursfähigkeit mündet? Was Du meinst, wenn du das umschreibst, was Dich anwidert, das sind die Plattheiten von Leuten, die sich linksliberal nennen, oder schlimmer noch, Denk- und Diskursverbote.

Da schüttelt es dich. Auch, weil es das muss.

Aber wie ein Aal in der Reuse kannst du dem von mir großzügig verteilten Etikett nicht mehr entkommen, wenn Du z.B. solche Dinge schreibst:
Derjenige, der individuelles marktwirtschaftliches Handeln aus anthropologischen Erwägungen oder schlichter menschlicher Erfahrung für begrüßenswert hält und dennoch alarmierende Entwicklungen des „Kapitalismus“ ausmacht, kommt schnell in eine Zwickmühle, wenn er nach Lösungen sucht, die das Letztgenannte in den Griff bekommen will.
Du bist hiermit (und mit anderen Statements) als Linksliberaler quasi enttarnt. Keine Widerrede!

Ob du nun aus der angesprochenen Zwickmühle nun mit einem angewandten Ordoliberalismus entkommst, wird man sehen. Der gewählte Weg mach einigen Unterschied. Solange aber bleibt das Etikett haften, und ehrlich, Du wirst es im Gegensatz zum angesprochenen Aal ziemlich schwer haben, es wieder loszuwerden, denn dir fehlt es ihm Gegensatz zu ihm am rettenden Schleim.

(okay: manchmal sind meine Sprachbilder, ähem, gewöhnungsbedürftig)
Dr. Dean (Gast) - Sa, Mai 06, 2006

Wenn ich es mir Deine Antwort nochmal durchlese und durchdenke, muss ich sagen, dass mir Deine Kritik an der von mir betriebenen Zuschreibung zunehmend plausibel erscheint.

Denn die von mir gewählte Trennlinie, die relativ stark einem simplen "links-rechts-Schema" folgt, also einer Nähe zu bestimmten gesellschaftlichen Gruppen, die ist im Fall von Axonas fragwürdig, und dies auch, soweit ich erkenne, weil seitens Axonas an dieser Frontlinie nicht das geringste Interesse besteht.

Das sind sozusagen "keine Aktien" drin.

Was - unter Vorbehalt - das Etikett m.E. rechtfertigt, ist aber unabhängig von dieser Frontlinie, unabhängig von Interessen, die mit der Erringung von Diskurshegemonie zusammen hängen, nämlich ein gewisser geistiger Kern, bei dem ich mir indes nicht völlig sicher bin, ob ich ihn richtig erkannt habe.

IIch meine, dass einmal bei Axonas eine bestimmte gesellschaftlich-philosophische Grundhaltung gesehen werden kann, und diese könnte man - grob formuliert - in einem Raum zwischen Fairnessideal und Liberalismus stellen. Das wäre ja schon fast der ganze Linksliberalismus...

Wichtiger ist (mir) der Blick bei Axonas auf ökomische Verhältnisse, wo ich diese Verortung ebenfalls finde. Es ist hier eben kein simples "der Markt darf alles", es ist aber auch kein Sozialdemokratismus.

Im Übrigen teile ich Deine Beobachtung semantischer Strategien (übrigens: auch in meinem Fall ;-)), und auch Deine Bewertung, dass mit diesen semantischen Strategien und dem daraus entstehenden Begriffsnebel der Diskurs sehr oft erschwert wird.

Im Fall des von mir promoteten Begriffspärchens "linksliberal vs rechtsliberal" hoffe ich allerdings darauf, dass dies notwendig ist, nicht als politische Strategie im Rahmen eines Lagerdenkens, sondern, dass damit für den Liberalismus - wie auch für die Debatte - ein zusätzlicher Freiheitsgrad angeregt wird.

Denn:

Wenn ich mir anschaue, wofür heutzutage der schöne Begriff der Freheit eingesetzt wird (z.B. für eine im Kern autoritative Außenpolitik) oder für ein sogar repressiv-parteiliches Verständnis von Ökonomie, dann finde ich es wichtig zu betonen, dass es zum rechtsliberalen Einheitsbrei Alternativen gibt.

Vielleicht bin ich hier zu sentimental, aber der Begriff Liberalismus ist mit zu wichtig, um ihn einer einzelnen gesellschaftlichen Gruppe zu überlassen.

(Aktien im Nennwert zu je 1 € werden daher von mir an geeignete Inhaber zum Vorzugspreis ausgegeben)

Im Übrigen hoffe ich auf Dein Verständnis, trotz aller Befürchtung, vereinnahmt zu werden.
Julio Lambing - So, Mai 07, 2006

Das Verständnis vereinnahmt zu werden

Hallo Dr. Dean,

deiner Feststellung, dass du dir bei dem geistigen Kern von "AXONAS -ein Versuch" nicht sicher bist, ob du ihn richtig erkannt hast, kann ich mich anschliessen. Das geht mir genauso.

Für dein Anliegen, für den Liberalismus und die politische Debatte zusätzlichen Handlungsraum zu gewinnen und begriffliche Zuschreibungen zurückzuerobern, habe ich tatsächlich Verständnis. Es ist in Fragen der Meta-Politik bekanntlich nicht leicht zu entscheiden, wann man auf die Schwerkraft einer politischen Tradition setzen soll, der man durch Begriffsbesetzungen zu einem Revival verhelfen möchte und wann man neue "Schulen" ausruft. Sowas muss man - Binsenweisheit - im Einzelfall entscheiden. Zum einen anhand der Ressourcen, die das alte oder das neue Lager theoretisch und auch personell vorhalten kann. Zum anderen auch anhand der Frage, ob die reaktivierten Begriffsbesetzungen immer grössere Relativierungen, Sonderklauseln etc. erfahren und so ihre analytische Schärfe und auch ihre theoretische Fruchtbarkeit verlieren.

Klassenbildung durch Begriffe sollte aber in jedem Fall hinreichend differenziert sein, um nicht nur in langweiligen dualen Einteilungen zu landen. Meine Erfahrung ist, dass noch lange nicht jeder, der auf Fairness Wert legt und zugleich Freiheit schätzt, treffend als Linksliberaler beschrieben wäre. Selbst dann, wenn er sich selbst gerne so sähe, weil er sich dem Lager der "Guten Edlen Wahren" zurechnen möchte. Und wenn es um Kritik an ökonomischen Verhältnissen geht, dann fallen mir jenseits einer Haltung à la "der-Markt-darf-alles" (was wörtlich genommen ohnehin so gut wie niemand vertritt) auf der einen Seite, Sozialdemokratie (oder Sozialismus; je nach Gusto) auf der anderen Seite und Linksliberalismus als vermeintlich Vermittelndes noch eine ganze Menge mehr Schulen und Positionen ein.

Aufzuzeigen, dass es im liberalen Lager zum "rechtsliberalen Einheitsbrei" Alternativen gibt, ist meines Erachtens ein sehr wichtiges Unterfangen, das dem politischen Biotop in Zeiten einer erneuten Versuchung zur geistigen Monokultur nur gut tut. Dass man dazu das eigene Lager aufwertet, in dem man es durch diverse angebliche Partner und Unterstützer etwas vergrössert, ist verständlich. Aufgrund eines emphatischen Wahrheitsbegriffs krankt ja das westdeutsche linke Lager im Gegensatz zum rechten ohnehin daran, dass der Spaltungspilz ganz schnell politische Handlungsunfähigkeit verursacht.

In Fragen der Ökologie eines politischen Biotops bin ich dennoch skeptisch, wenn die Enkel der Aufklärung jene vereinnehmenden Erzählungen anstimmen. Sie taugen erfahrungsgemäß immer wieder als Vorbereitung jener Ausschlussmechanismen, mit denen man geistige und intellektuelle Milieus jeglicher Couleur planieren will. Auch wenn mit der Zeit die menschliche Kreativität unverdrossen aufs Neue wunderliche Pflanzen durch die Ritzen des weltanschaulichen Betons schiebt, so ist der Verlust an Leben dennoch beklagenswert. (Das könnte man fast ein Plädoyer für Graswurzeln nennen, wenn nicht auch deren arrivierte Vertreter mit der lebensweltlichen Vielfalt jenseits ihrer Lieblingsgewächse Probleme hätten.)

Mir scheint, was deine politische Kapitalaufstockung unter Bloggern angeht, kannst du ja aufgrund der Resonanz auf jeden Fall zufrieden sein. Wenn es dir hilft, dein liberales Terrain zu beleben, wird es ja nicht das schlechteste Unterfangen gewesen sein.

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