Zeitfordernde Aufbauprozesse
"Eine höhere Beschleunigung begünstigt im Wettlauf der insgesamt möglichen Prozesse immer die ungehindert schnell ablaufenden Abbauprozesse gegenüber den zeitfordernden Aufbauprozessen und bei diesen wieder die Reproduktionsprozesse gegenüber der Neuproduktion, der Innovation, dem eigentlich Kreativen." (1)
Und weil dass eine ganz fundamentale Erfahrung ist, die Dürr da beschreibt, bin ich so skeptisch gegenüber all den Jägern, die nur bei der zerreißenden Kritik so versiert sind und die nur loben können, was in den Mainstream passt - wobei im Zeitalter der Wohlunterscheidung es ihnen natürlich wichtig ist, ihre eigenen Idiosynkrasien und Hobbys als höchst originell und Beweis von Individualität herauszustellen.
Und deswegen traue ich all jenen Ritter der Polemik (es ist ja als Ausweis schöpferischer Kompetenz mittlerweile ausreichend geworden, sich als Polemisierer profiliert zu haben) nicht über den Weg, die so gut im Aufzeigen all dessen sind, was nicht stimmt, wenn neuartige Initiativen, Projekte, Schöpfungen etc. versuchen ihre Form zu finden: "Mal ehrlich, der Embryo sieht irgendwie ja echt häßlich aus und sehen kann der auch nicht. Und dann das Gerede, dass er Zeit braucht. Kann er ja haben - aber wieso gleich neun Monate? Irgendwann muss der sich dochmal der Wirklichkeit stellen."
Mein Eindruck ist tatsächlich, dass in unserer gehobenen Mittelschicht, die über eine mittelmäßige Presse die Öffentlichkeit mitprägt, eine Kultur von Zyniker sich etabliert hat, die aus Frust, das wahre Leben im falschen nicht finden zu können, dem wilden, bunten, frechen Leben so voller Dünkel gegenüber steht. Aber vielleicht ist es auch genau diese Generation, die, wenn sie in einem Jahrzehnt ins Rentenalter kommt, einen neuen Anlauf unternehmen wird, ihre alten Träume doch neue Geltung zu verschaffen. Meint zumindest ein Freund von mir, der dieser Generation angehört.
Und um selbst was Positives zu sagen, wünsche ich all denjenigen, die Neues probieren, sei es in Kunst oder Lebensgestaltung oder Wirtschaft möglichst viel Aufmunterung , einen langem Atem und Zuversicht - auch wenn vieles in ihren Projekten vielleicht noch recht unvollkommen ist und das persönlich auch schmerzt.
(1) Hans-Peter Dürr: "Struktur, Wertschöpfung und Nachhaltigkeit"; S. 64; in: Heinrich, Michael, Messner, Dirk (Hrsg.): "Globalisierung und Perspektiven linker Politik - Festschrift für Elmar Altvater zum 60. Geburtstag"; Münster 1998; zitiert nach Elmar Altvater: "Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen - Eine radikale Kapitalismuskritik; Münster 2006; S. 74
Und weil dass eine ganz fundamentale Erfahrung ist, die Dürr da beschreibt, bin ich so skeptisch gegenüber all den Jägern, die nur bei der zerreißenden Kritik so versiert sind und die nur loben können, was in den Mainstream passt - wobei im Zeitalter der Wohlunterscheidung es ihnen natürlich wichtig ist, ihre eigenen Idiosynkrasien und Hobbys als höchst originell und Beweis von Individualität herauszustellen.
Und deswegen traue ich all jenen Ritter der Polemik (es ist ja als Ausweis schöpferischer Kompetenz mittlerweile ausreichend geworden, sich als Polemisierer profiliert zu haben) nicht über den Weg, die so gut im Aufzeigen all dessen sind, was nicht stimmt, wenn neuartige Initiativen, Projekte, Schöpfungen etc. versuchen ihre Form zu finden: "Mal ehrlich, der Embryo sieht irgendwie ja echt häßlich aus und sehen kann der auch nicht. Und dann das Gerede, dass er Zeit braucht. Kann er ja haben - aber wieso gleich neun Monate? Irgendwann muss der sich dochmal der Wirklichkeit stellen."
Mein Eindruck ist tatsächlich, dass in unserer gehobenen Mittelschicht, die über eine mittelmäßige Presse die Öffentlichkeit mitprägt, eine Kultur von Zyniker sich etabliert hat, die aus Frust, das wahre Leben im falschen nicht finden zu können, dem wilden, bunten, frechen Leben so voller Dünkel gegenüber steht. Aber vielleicht ist es auch genau diese Generation, die, wenn sie in einem Jahrzehnt ins Rentenalter kommt, einen neuen Anlauf unternehmen wird, ihre alten Träume doch neue Geltung zu verschaffen. Meint zumindest ein Freund von mir, der dieser Generation angehört.
Und um selbst was Positives zu sagen, wünsche ich all denjenigen, die Neues probieren, sei es in Kunst oder Lebensgestaltung oder Wirtschaft möglichst viel Aufmunterung , einen langem Atem und Zuversicht - auch wenn vieles in ihren Projekten vielleicht noch recht unvollkommen ist und das persönlich auch schmerzt.
(1) Hans-Peter Dürr: "Struktur, Wertschöpfung und Nachhaltigkeit"; S. 64; in: Heinrich, Michael, Messner, Dirk (Hrsg.): "Globalisierung und Perspektiven linker Politik - Festschrift für Elmar Altvater zum 60. Geburtstag"; Münster 1998; zitiert nach Elmar Altvater: "Das Ende des Kapitalismus, wie wir ihn kennen - Eine radikale Kapitalismuskritik; Münster 2006; S. 74
Julio Lambing - Do, Jun 01, 2006 - Zettelkasten: Omphalos
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Ganz wichtige Überlegungen, finde ich.
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