Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Wahrheiten rund um Stöckchen - "Warum bloggst du?"

Ich tue mich normalerweise schon schwer mit diesen Fragebogenaktionen, da ich unsere Geständniskultur für ein billiges und geschmackloses Unterfangen halte, die Sphinx des menschlichen Lebens zu einem Persönlichkeitsprofil unserer sozialen Aktenordnerwelt kleinzuschreiben. Das Geheimnis des eigenen Wesens löscht man zwar damit nicht aus, aber im Versuch durch Geständnis Nähe herzustellen, domestiziert man sich zum berechenbaren Milchvieh: Sie wissen alles, was wird und war. Und hier ist Beginn, und das Ende ist dort. Das Leben in Reih und Glied ist der einzige, wenn auch hohe Preis, den man für diese Befreiung durch Beichte zahlt, denn die Selbstaufklärung des Menschen klärt glücklicherweise nicht auf: Bekanntlich sind authentische Selbstauskünfte oft die schlimmsten Verräter an der Wahrheit. Die Selbstcharakterisierung als Knilch mit knilchigen Eigenheiten hat selten was mit der Realität zu tun. „Wir können nicht einfach umhergehen und uns zeigen, wie wir sind. Was wir sind, ist nicht wichtig.“ (H. Arendt)

Die soziale Seite von „social software“ macht es da nicht besser. Wenn man schon aus Respekt und Freude am Menschen nicht verbal in den eindringt, mit dem man das Bett teilt, warum sollte man es mit jener tun, die uns nur über den Bildschirm entgegenflimmert? Alles so deutlich auszusprechen, aus seinem Leben Haus und Hund zu machen, ruft meistens nur schreckliche Missverständnisse hervor – erst recht wenn es im Internet passiert. Wer mich wegen dem mag, was ich gestehe, vor der graut mir.

Aber das konnte dieser engagierte Blogwissenschaftler ja nicht wissen, der mir vorgestern wohlwollend und freundlicherweise diese Fragen zuspielte - ein Umstand, von dem ich mich durchaus geehrt fühle. Glücklicherweise ist die Selbstauskunft bei diesem Stöckchen sehr beschränkt. Und bis auf die erste Frage auch nicht intim – und diese habe ich oben, in dem schwarzen Kasten schon beantwortet. Vielleicht ist nach knapp 600 Tagen Existenz eine knappe Einführung in "Axonas - ein Versuch" auch mal ganz gut.

Sehr interessant an dieser Aktion finde ich übrigens die Tracking-Idee des Urhebers, die bisher veröffentlichte Baumstruktur ist bemerkenswert. Die erstaunlich schnelle Verbreitung des Fragebogens hat mich verblüfft. (Leider ist das Tracking beim fleissigen Stöckchenwerfen irgendwo wohl vor die Hunde gegangen – zumindest in meinem Pfad.) Die nette Spielerei ist es allein schon wert, ein Beichtopfer zu bringen.

Warum bloggst du?

Ich weiß nicht, ob ich „blogge“. Ich betreibe einen öffentlichen Zettelkasten, in dem ich Textentwürfe, Notizen, Exzerpte und Zitate sammle. Das was das Bloggen für viele ausmacht – also Persönliches zu thematisieren, Nachrichten weiterverbreiten oder auf etwas aufmerksam zu machen - ist für mich eher uninteressant. Das gilt auch - man möge es mir verzeihen - für jene meiner "bekannteren" Beiträge, die aktuelle Themen der deutschen Blogger-Communite aufgegriffen haben. Die letzteren sind zumeist aus Solidarität entstanden oder einem Gefühl der persönlichen Verpflichtung, entweder Menschen gegenüber, deren Wohlergehen mir wichtig war oder um meinen Teil der Unterstützung für jene neue, merkwürdigen Struktur von Internetöffentlichkeit zu leisten, von der ich auch profitiere. Auch in diesem Fall lasse ich aber Themen einfliessen, für die "Axonas - ein Versuch" ursprünglich gedacht war.

Axonas ist ein Essay im buchstäblichen Sinne, ein Versuch, ein bestimmtes fragmentarisches Räsonieren und die gedankliche Vorbereitung von Projekten öffentlich zu betreiben. Essay in Progress. Die Themen und Projekte, auf die ich eigentlich abziele, sind ausgesprochen randständig, das was der Leserin konventionell und vertraut wirken mag, sind für mich in der Regel nur Präliminarien. Jenes Auditorium, dass die Kombination dieser Themen nachvollziehen und einen übergreifenden (und dann ganz klar obskuren) Sinn abgewinnen kann, ist das, was mich interessiert und für die Axonas auch gedacht ist. Der öffentliche Charakter soll testen, wer jenseits eines gewissen Kreises von Gesprächspartnern und Gleichgesinnten noch an diesem Sinn interessiert ist. Insofern dient es auch als eines von mehreren schemenhaften Leuchtfeuern einer kleinen Enklave. Selbstverständlich erläutere ich den eben angesprochenen Sinn nicht.

Seit wann bloggst du?

Seit Anfang 2002 habe ich diese Technologie sporadisch genutzt, seit dem 11. Dezember 2004 betreibe ich „Axonas – ein Versuch“.

Selbstprotrait

Ist in Auftrag gegeben und folgt noch.

Warum lesen deine Leserinnen deinen Blog?

Man könnte denken, dass sei bei 40-50 Leser pro Tag überschaubar, aber das täuscht.
Etwa 10 suchen die hiesige Website aufgrund des Themenkomplexes "Euroweb", "Adhersis", "Parfip" auf. Wenn diese Besucher über Suchmaschienen kommen, tauchen die Firmennamen bemerkenswert oft in Kombination mit Wörter wie "Vertragsauflösung" oder "Betrug" auf. Dann tauchen eine ganz Reihe Leute (vielleicht ein weiteres Fünftel) auf, weil sie Suchbegriffen folgen, die intellektuelle oder akademische Recherchen verraten. Schließlich gibt es einen kleinen Kreis an Gesprächspartnerinnen, mit denen ich in engerem oder weiterem Austausch über die hiesigen Themen stehe. Axonas erfüllt hier genau seinen oben im schwarzen Kasten genannten Zweck eines Buchstabengartens. Auf dem Tag umgerechnet (es erscheinen hier ja nicht soviel Texte/Notizen pro Monat) ist die Anzahl jedoch vernachlässigenswert..

Bei all den anderen 27 Leserinnen, also rund der Hälfte, ist mir vollkommen schleierhaft, warum sie hier vorbeischauen. Ich glaube, ich will es auch gar nicht wissen. Wer das Hohelied der Dunkelheit anpreist, sollte nicht selbst den Strahler auspacken. Und eine anfragende Ansprache an meine Leser, warum sie eben hier lesen, fände ich ebenso aufdringlich wie eine Frage an mich, warum ich Beiträge von „Eurozine“ lese.

Welche war die letzte Suchanfrage, über die jemand auf Deine Seite kam?

isis und osiris kult christentum

Welcher Deiner Blog-Einträge bekam zu Unrecht zu wenig Aufmerksamkeit?

Schwierig die Beantwortung. Die Frage verführt dazu Uneitelkeit vorzutäuschen: „Alle meine Beiträge haben genug Aufmerk.....“ „ich bin zufrieden, so wie es ...“ „...schreibe hauptsächlich für mich und ein paar Hanseln und Greteln

Letzteres stimmt zwar, klingt aber auch nach pastoraler Bescheidenheit. Ich lasse das also und bekenne: Ich hätte mich gefreut, wenn der Kommentar zu Habermasens Angst vor den unangenehmen Folgen des Internet ("Das aufrechte Röcheln einer untergehenden Zunft") mehr gelesen worden wäre. Nicht, weil mir Habermas am Herzen liegen würde. Sondern weil der Text mir eine gute Möglichkeit schien, ein paar potentielle Missverständnisse hinsichtlich meiner Handlungsweise auszuräumen.

Dein aktuelles Lieblings-Blog?

Einen Lieblingsblog zu benennen wäre ähnlich unsinnig wie wenn ich einen Lieblingskinostar benennen sollte: Manche schaut man gerne an, manche bewundert man ob ihrer Kunst , aber insgesamt kennt man diese Welt nicht gut genug, um sich zu verlieben. Aber ein Lieblingsblogroll kann ich nennen, eigentlich sogar zwei: das von ronsens und jenes von pjaer.


Welches Blog hast Du zuletzt gelesen?

Vigilien und die Weltauskunftei – parallel, beide mit Genuss

Wie viele Feeds hast du gerade im Moment abonniert?

Drei: Eurozine, First Things und HR2 der Tag.

An welche drei Blogs schickst du das Stöckchen weiter und warum?

An die Lammhüterin vom Agnellus Blog, dem Weltherrscher und der gescheiten Wetterdistel. Der letzteren, weil ich ihr und ihrem discordianischen Gefolge für eine einstmalige, freundliche Hilfsaktion noch einen Fragebogen schulde. Vielleicht schreibt sie ja dann mal wieder was. Dem mittleren, weil ihm Fragebogen nichts ausmachen und er Anerkennung für sein Standhalten beim Einfall ganzer Scharen von Zeugen Jehovas auf seinem Blog verdient. Die erstere, da sie schon aus professionellen Gründen eine intime Kennerin der ältesten Beicht- und Bekenntniskultur ist und um ihr zu signalisieren, dass man sich über neue Blogeinträge von ihr freut.

Zur Zeit bemüht man sich, den Missing Links des Stammbaums einen Platz zuzuweisen. Sobald ich dann selbst eine "Tracking-ID" bekomme habe (Gebrauchsanleitung hier), werde ich sie Euch dreien weiterleiten.

Trackback URL:
http://axonas.twoday.net/stories/2458431/modTrackback

Praxis der Aphrodisia

Spiegel

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