Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

"Weil Sie einzigartig sind..." - Sicherheitstechnologie in den Händen eines obskuren Geschäftsmilieus?

Neue Erkenntnisse um die Firmen Easydentic, Adhersis, Compagnie Européenne de Télésécurité (CET), Eurotec, Euroweb Marketing und Euroweb Asset Managing.

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Personen, die sich geprellt fühlen und Anwälte suchen, die das Thema kennen, sollten hier (Link folgen) mal nachschauen.

Einleitende Bemerkung 02.10. 2006:
Google hat die URL dieses Artikels für die Firmennamen "Easydentic", "Protection One”, “Adhersis” und “Eurotec GmbH" aus den Suchergebnissen gelöscht - ohne Angaben von Gründen. Es ist davon auszugehen, daß diese Löschung durch diejenigen veranlasst wurde, die von ihr profitieren. Der Vorgang ist kein Einzelfall: Bei dem von mir beschriebenen Firmennetzwerk kann europaweit ein vergleichbarer Umgang mit Berichten, die das Vertriebs- und Geschäftsgebaren der Firmen kritisieren, beobachtet werden. Mehr zu diesem gestörten Verhältnis zu Kritik kann man hier erfahren.
Update 17.10.2006: Nachdem diverse Blogs über das Phänomen berichtet haben, wurde anscheinend die Google-Zensur zumindest partiell rückgängig gemacht. Dennoch bleiben ungeklärte Fragen.
Update 31.10.2006: Zu früh gefreut. Die Zensur ist anscheinend wieder voll in Kraft: Auch wenn andere Artikel rund um die Zensur angezeigt werden, ist dieser Artikel wieder aus den Suchergebnissen gelöscht. Dies könnte mit der nachträglichen Veröffentlichung des anwaltlichen Schreibens an Google zu tun haben. Auf jeden Fall ist jetzt bestätigt, daß Easydentic die Zensur veranlasst hat.

Kennen Sie Easydentic? Nein? Sie meinen es klingt nach Zahnhygiene, Zungenbürste und ähnlichem. Ganz falsch. "Dentic" das kommt von Identic. "easy" kommt von easy. Das ist ein Firmenname: "Leicht die Identität feststellen". Es geht um Biometrie, Erkennungstechnologie. Sie meinen, als Name klingt das billig, irgendwie nach Mittelstandsmarketing, wo man pseudoenglisch flott sein will? Sie haben Unrecht. Die Firma ist nicht billig. Sie verkauft schweineteure Apparaturen. Sie haben Recht, das hat auch mit Mittelstand zu tun - mit miesem Mittelstand, unterständigem Mittelstand, unanständigem Mittelstand. Doch machen wir weiter, lassen Sie mich auch noch "Protection One" erwähnen. Klingt irgendwie nach einer rosafeuchten Kondommarke, könnte man denken. Nach eiweißfarbenen Automaten, die sich in Kleinnettesheim, Kleinrammelsdorf, Hackpfüffel in der Bierschwemme, Bierbörse, Alten Post neben dem Pissoir zum Ziehen anbieten? Protection One ist ein Unternehmen, das Alarmanlagen, Überwachungstechnologie vertreibt. Und bevor wir jetzt darüber philosophieren, ob uns der Firmenname Adhersis an eine fiese Geschlechtskrankheit erinnert, sag ich Ihnen, warum es mir mit den folgenden Zeilen geht:

Ich hatte hier vor mehr als einem Vierteljahr Recherchen über eine unangenehme Firmenfamilie veröffentlicht, die unter solchen Namen wie Proximedia, Adhersis, Euroweb, PARFIP etc. in ganz Europa agiert. Diese Firmenfamilie fiel dadurch auf, dass ihre Mitglieder eine bemerkenswerte Umtriebigkeit an den Tag legen, negative Berichterstattung von Kunden im Internet zu unterbinden. Die Ähnlichkeit der Vorwürfe, die Kunden europaweit über diese Firmen erhoben, war frappierend. Die Vorwürfe drehen sich um jahrelange Verträge, die man in überrumpelnden Situationen abschließt, um extrem hohe monatliche Gebühren, die nach Aussagen dieser Kunden jährlich im voraus gezahlt werden sollen, um im Internet veröffentlichte Kritik der Kunden, die mit juristischem Druck unterbunden wurde. Die geschäftlichen Verschränkungen, die personelle Kontinuität und unternehmerische Kooperationen machten deutlich, dass diese Ähnlichkeit der Vorwürfe nicht zufällig war. Alle genannten Unternehmen gruppierten sich um eine merkwürdige Leasinggesellschaft namens PARFIP. PARFIP genoss das privilegierte Recht, Kundenverträge der besagten Firmen zu übernehmen und dann die Forderungen, die sich aus auffällig langjährigen Vertragsbindungen ergeben, einzutreiben. Es handelte sich um jene Kundenverträge, von denen sich im Internet Berichte betroffener Kunden häuften, dass diese Verträge nicht selten unter Verwendung zweifelhafter Methoden aufgedrängt worden waren.

Mittlerweile konnte ich durch eine ganze Reihe an Tippgebern neue Erkenntnisse sammeln, die auf Geschäftstätigkeiten im sensiblen Bereich der Sicherheitstechnologie hinweisen. Sie kulminieren in der Schlussfolgerung, dass das Geschäftsmilieu, das hier auffällig geworden ist, eine Plattform, wenn nicht sogar den Ursprung in dieser Branche hat. Aber auch, dass hier keine zentrale Steuerung, keine wirtschaftliche Verschwörung oder dergleichen vorliegt, sondern eben die Herausbildung einer Szene, die von einer Erosion ethischer Sensibiltiät und Fairnessprinzipien gekennzeichnet ist. Wenn dies der Fall ist, dann scheint mir die Frage berechtigt, ob gerade die Präsenz dieser Szene im Bereich der Sicherheitstechnologie uns gut tut. Wem wollen wir unsere Sicherheit anvertrauen?

Der zentrale Hinweis erreichte mich dabei bereits vor drei Monaten. Man gab mir den Tip, dass ein Teil der Geschäftsrepräsentanten der vor einigen Monaten hier besprochenen Firmen sich aus dem ehemaligen Vertriebsnetz der Firma "Tyco International" rekrutieren würde, ein Mischkonzern, der unter anderem eine Konzernsparte im Bereich Sicherheitstechnologie führt und aufgrund einer aggressiven Aufkaufstrategie in diesem Segment zu den Weltmarktführern gehört. Das Unternehmen, das mehr als 200.000 Menschen beschäftigt, ist durch Management-Skandale und den Vorwurf der Steuerflucht in den letzten Jahren erschüttert worden. Und in der Tat fand ich Hinweise, dass der Vertrieb von Alarmanlagen oft wohl jenem Stil entsprach, der in den Recherchen über das Firmennetz PARFIP-Adhersis-Euroweb an allen Ecken und Enden auftauchte. Auch über die 1997 erworbene Tyco-Tochter ADT, die im Sicherheitsmarkt aktiv ist, finden sich im Netz immer wieder Hinweise, die den oben erwähnten Klagen zumindest ähneln. Ich erinnerte mich zudem daran, dass in Internet-Foren und Zeitschriftenartikel, in denen Kunden sich über die Firma PARFIP beklagten, ebenfalls Alarmanlagenanbieter (z.B. "Artys") genannt wurden.

Biometrie: Rasanter Aktiengewinn mit Big Brother für den kleinen Unternehmer

Vor kurzem machte man mich dann auf die Firma Easydentic aufmerksam. Nach einer ersten Begriffsstutzigkeit - mir war dieses Unternehmen bereits vor Monaten über den Weg gelaufen, ohne dass ich es einordnen konnte - zündete es schließlich.

Was macht die Firma Easydentic AG ? Das Unternehmen ist die deutsche Tochter einer gleichnamigen französischen Holding, die wie gesagt biometrische Erkennungsdienste für mittelständische Firmen anbietet - ein Angebot, das in Zeiten terroristischer Bedrohung und Sicherheitshysterie durchaus von gewisser Brisanz ist. Man wirbt in Anspielung auf individuelle Erkennungsmerkmale mit dem sinnigen Spruch: "Weil Sie einzigartig sind...". Die französische Muttergesellschaft wurde im April 2004 gegründet, 2005 kamen die Töchter in Belgien, Spanien und Deutschland hinzu. Der Verwaltungsrat des Unternehmens und auch der eingesetzte Top-Manager Pascal Launay haben eine tadellose Biographie.

Easydentic hat sich über eine Platzierung auf dem freien französischen Aktienmarkt (marché libre) Ende Dezember 2005 mit frischen Kapital versorgt. Es gilt als eines der ersten, die auf diesem Markt in großem Stil aktiv geworden sind. Angeblich ist das Unternehmen sehr erfolgreich, auch in Deutschland. Laut diversen Stellenangeboten, in denen das Unternehmen sich anpreist, verfügt es in Deutschland bereits über "einen Kundenstamm von über 1.000 klein- und mittelständischen Unternehmen". Das Unternehmen hat große Expansionspläne, man plant Niederlassungen in den Niederlanden, Großbritannien, Polen und Tschechien. Auch auf dem Finanzmarkt ist man erfolgreich: Lag der Kurs der Aktie im Januar 2006 noch bei 35 EUR, so konnte es diesen Wert bis Mai 2006 auf 110 EUR verdreifachen. Seitdem musste das Unternehmen allerdings einen schleichenden Kursverlust auf mittlerweile 80 Euro hinnehmen.

Doch die Easydentic AG zog nicht nur die Aufmerksamkeit des französischen Kapitalmarktes auf sich, sondern aufgrund der Brisanz biometrischer Überwachungsmethoden auch die der Zivilgesellschaft. Es erstaunt nicht, dass das Unternehmen in Vorwürfen von NGOs im Zusammenhang mit Tendenzen zum Überwachungsstaat in Verbindung gebracht wird: 2005 wurde das Gepäckunternehmen Effia Services, eine Tochter der französischen Bahngesellschaft SNCF, für den französischen Big Brother Award in der Kategorie Unternehmen nominiert, ein Preis, der gemeinsam von der Nichtregierungsorganisation Privacy International und weiteren NGOs vergeben wird. Ein übergeordnetes Gericht in Paris hatte Effia gemeinsam mit seinem Dienstleister Easydentic die Installation von biometrischen Überwachungsmethoden untersagt, denen sich die Angestellten des Unternehmens unterziehen sollten.

Aufschlussreich war, daß ich nicht lange suchen musste, um festzustellen, dass auch im Fall Easydentic auf französischen Anlegerforen ganz schnell Beiträge gelöscht wurden, die allzu kritische Informationen über "cette société et ses pratiques" veröffentlichten - manchmal ein Vorgang von nur wenigen Stunden. Massive Zweifel an der Seriosität des Unternehmens werden dann entsprechend nur verklausuliert geäußert. (An dieser Stelle muss ich dem Firmennetzwerk, über das bisher hier berichtet wurde, meinen Respekt für seine Schlagkraft zollen. Immer wieder, auch jetzt noch, verschwinden auch auf großen öffentlichen Foren ganze Threads – z.B. zur RISC Group oder zu PARFIP, in denen Dutzende an kritische Beiträgen über die Geschäftspraktiken veröffentlicht wurden.)

Und schnell finden sich auch Verbindungen zu jener Unternehmensfamilie rund um PARFIP, die ich in anderen Texten schon besprochen habe. In diesem Fall laufen sie über die Firma Adhersis, jenem französischem Unternehmen der sogenannten "RISC-Group", das europaweit kleinen und mittelständischen Unternehmen Datensicherungslösungen verkauft und vor einigen Monaten hier ausführlich wegen problematischem Geschäftsgebaren und Vertriebsstil vorgestellt wurde:

Gründer und "président directeur général" der französischen Muttergesellschaft von Easydentic ist Patrick Fornas. Fornas, wohnhaft in Aix en Provence, war Präsident der französischen Adhersis und musste anscheinend nach Meinungsverschiedenheiten über ein Konsolidierungsprogramm das Unternehmen im September 2003 verlassen. In einem Papier (vom 12. Dezember 2005), mit dem ein Finanzunternehmen eine Kapitalerhöhung von Easydentic für Investoren schmackhaft machte, wird seine Rolle aufgehübscht:

"Ensuite il entre chez Adhersis en juin 2000 et prend la direction commerciale avec la volonté de créer un réseau de vente directe (septembre 2000). Il procède à une augmentation de capital de 4.5M€ au quatrième trimestre 2000. Patrick Fornas décide de s’adosser à Risk Technologie au quatrième trimestre 2001 afin de pérenniser le développement d’Adhersis. Patrick Fornas quitte Adhersis en octobre 2002 à la fin de son lock-up."

Eine illustre Führungsspitze sucht neue Geschäftsfelder

Doch das ist nicht die einzige Verbindung zu Adhersis: Nachdem man im März/April 2005 von einem üblichen Anbieter eine Vorratsgesellschaft erworben hatte, wurde als Vorstandsvorsitzender der Easydentic AG Hervé Mangonaux eingesetzt, der schon bei der deutschen Adhersis AG Vorstand war. Er verließ das Unternehmen im Frühjahr 2005. Kaufmännischer Vorstand wurde Torsten Clausen, nach Aussage verschiedener Informanten einst leitender Vertriebler bei Adhersis ("Ah, der Porsche-Fahrer", meinte einer.). Jean-Christoph Penne, laut Impressum der Easydentic AG Deutschland deren Aufsichtsratvorsitzender, war internationaler Director von Adhersis SA, bevor er 2003 Patrick Fornas als Generaldirektor ersetzte. Bis Frühjahr 2005 führte er als Vorstandsvorsitzender auch die deutsche Adhersis AG. Als Ansprechpartner für potentielle Vertriebspartner und Key Account Manager wird auf der Website der Easydentic AG angegeben: "Herr Frank Jürgens, Königsallee 14, 40212 Düsseldorf". Frank Jürgens hatte im technischen Bereich der Adhersis AG leitende Funktionen inne. Ein Informant konstatierte trocken, dass anscheinend fast das ganze organisatorische Herz der deutschen Adhersis bei Easydentic eine neue Bleibe gefunden habe - und wohl auch Hoffnungen in das Unternehmen setzt: Gemäß einem Finanzbericht der Gruppe (datiert auf den 9. Dezember 2005) besitzt Mangonauy 18% an der deutschen Easydentic AG, Clausen und Penne je 14% am Aktienkapital. Die restlichen 54% liegen bei der französischen Mutter. Die drei waren schon bei der deutschen Adhersis AG die einzigen Investoren neben der französischen Muttergesellschaft gewesen.

Der Vertrieb von biometrischen Lösungen ist diesem Personal nicht unbekannt. Schon bei Adhersis wurden hin und wieder biometrische Utensilen mitvertrieben, mit wechselhaftem Erfolg. Und ein Teil des Personals hatte bereits vorher Erfahrung mit Sicherheitstechnologie gesammelt - doch davon später. Erst einmal soll hier die Verbindungen zu dieser merkwürdigen Firmenfamilie weiter aufgedröselt werden: Laut der denic (Stand 9. August 2006) wird die deutsche Domain des Unternehmens Easydentic wird von der Euroweb Internet GmbH des Christoph Preuss betreut, jenem Unternehmen, das durch den dummen Versuch, den kritischen Blogger Jens Scholz zum Schweigen zu bringen, erst die Aufmerksamkeit auf die PARFIP-Firmenfamilie gelenkt hat. Dass Key Accounter Frank Jürgens als Kontaktadresse in Düsseldorf eine Anschrift angibt, in der sich auch der Sitz der PARFIP Deutschland GmbH befindet, ist ebensowenig Zufall. Denn sowohl in Deutschland als auch in Frankreich arbeitet die Easydentic mit der PARFIP-Gruppe zusammen, nach dem altbewährten Muster: Man verkauft die Verträge an das Unternehmen und überlässt ihm das Geldeintreiben. Allerdings arbeitet man auch mit anderen französischen Leasing-Gesellschaften zusammen. Im Juli 2005 hat man zudem ein Abkommen mit Finanzierungsgesellschaften von General Electric Capital und Siemens abgeschlossen.

Die Zusammenarbeit mit PARFIP ist auch sinnvoll: Denn das Geschäftsgebaren der Easydentic ähnelt verblüffend jenem, das wir von Euroweb und den anderen Unternehmen der PARFIP-Gruppe kennen. Das Geschäfskonzept ist in der erwähnten Finanzanalyse für Investoren wie folgt erläutert: Die Kundenverträge haben eine Laufzeit von 48 Monaten und werden stillschweigend um 12 Monate verlängert, wenn sie nicht von den Kunden drei Monate vor Ablauf per Einschreiben mit Empfangsbestätigung gekündigt werden. Die Verträge werden an eine der oben genannten Leasinggesellschaften abgetreten und an ihrem Fälligkeitsdatum von diesen zurückgekauft. Das Geschäftsmodel ermöglicht durch die Auszahlungen der Leasinggesellschaften ein schnelles Wachstum der Verkäufe und die Finanzierung der Akqusitionskosten von neuen Kunden. Am Fälligkeitsdatum eines Kundenvertrags verfügt Easydentic über zwei Optionen: Entweder kann die biometrische Erkennungsanlage für lediglich 1 bis 1,5 Euro von der Leasinggesellschaft zurückgekauft und so der Kundenvertrag von Easydentric wieder übernommen werden. (Da Easydentic mit einer durchschnittliche Lebensdauer der Produkte von 10 Jahren rechnet, ein gutes Geschäft.) Oder die biometrische Anlage wird durch eine neue Technologie ausgetauscht und dieser Austausch wird wieder durch die Zusammenarbeit mit einer Leasinggesellschaft für eine Dauer von 48 Monaten finanziert.

"Ihr Geburtsjahr sollte zwischen 1970 und 1985 liegen"

Wie es um das Vertriebsverhalten selbst bestellt ist, ist noch unklar. Aber: Unter Gesichtspunkten des Vertrauens liegt die Beweislast beim Unternehmen. Denn die unguten Berichte, die im Internet über die Vertriebspraktiken von Adhersis aufgetaucht sind, sind eine schwere Hypothek. Die deutsche Easydentic sucht derzeit im grösseren Stil und mittels einer ganzen Reihe an Stellenangeboten Vertriebspersonal. Es sieht ganz so aus, als ob bestimmte Strukturen der jungen deutschen Dependance erst noch aufgebaut werden. Bemerkenswert ist dabei, dass das Vertriebspersonal recht jung sein soll, wie ein Stellenangebot auf einer deutsch-französischen Jobbörse fordert: "Ihr Geburtsjahr sollte zwischen 1970 und 1985 liegen." Gleichlautenden Aussagen zum gewünschtem Bewerberprofil finden sich auch in diesen Stellenangeboten, die am 5. August 2006 für die Orte Frankfurt (Neu Isenburg), München und Stuttgart veröffentlicht wurden.

Einen ersten Einblick in die Vertriebsphilosophie scheint dieses Stellenangebot vom 10. August 2006 zu geben, in dem ab sofort eine freie Stelle für Telefonmarketing offeriert wird:

"Stellenangebot für Call-Center-Agent/in - Stellenangebot in Hamburg Vollzeit 1 freie Stelle

Aufgaben: Sehr wichtig - Erstgespräche bei Neukunden führen; Firmenadressen über das Internet heraussuchen; Termine für den Außendienst abstimmen. Kenntnisse/ Fähigkeiten: Erfahrung im Erstkontakt bei Neukunden bzw. Erstgespräche, Erfahrung in der Terminabstimmung, Firmenadressen heraussuchen über das Internet (z. B. klicktel?) selbständiges Arbeiten, ordentlich. Das Beschäftigungsverhältnis ist auf Vollzeit ausgerichtet. Zur Eignungsfeststellung wird ggf. vorweg ein Praktikum oder eine Anstellung auf 400, - Euro-Basis erwartet. Bewerbungen bitte ausschließlich schriftlich an: Easydentic AG Hamburg z.Hd. Herrn Schütt Heidenkampsweg 66 20097 Hamburg"

Kenner der Tücken des Telefonmarketings werden an einer solchen Beschreibung ihre Freude haben. Sie lässt den unguten Verdacht an eine bestimmte Sorte von wettbewerbswidriger Kaltakquise aufkommen, die schon im Fall Proximedia eine Handwerkskammer aktiv werden ließ. Der Verdacht wird noch bestärkt, wenn man sich die eindeutige Vergangenheit des Firmenchefs von Easydentic, Patrick Fornas, anschaut. Er ist schon seit 18 Jahren im Business rund um Sicherheit tätig. Bereits seit 1988 war er am Aufbau eines Unternehmen im Bereich der Alarmanlagen- und Überwachungstechnologie beteiligt, der Compagnie Européenne de Télésécurité (CET). Im Laufe der Zeit rückte er in Schlüsselstellungen auf. Nach einem anonymen Tippgeber soll auch der kaufmännische Vorstand der deutschen Sektion von Easydentic, Torsten Clausen, einst bei der Compagnie Européenne de Télésécurité (CET) beschäftigt gewesen sein ("Easydentic vertreibt auch Alarmanlagen, wie seinerzeit CET! Auch bei CET war Thorsten Clausen! Das Prinzip ist immer das Gleiche, daher ist auch das Vertriebssystem nicht anders!"), allerdings konnte ich dies bisher nicht durch eine zweite unabhängige Quelle verifizieren.

Es wundert nicht, dass auch dieses Unternehmen, das Verträge im Bereich der Fernüberwachung abschloß, im Internet eine Spur an Konflikten mit Kunden hinter sich herzieht, die ein altbekanntes Muster bezeugen. Das illustriert nicht nur ein Urteil des französischem Kassationsgerichts zum Verbraucherschutz bei Haustürgeschäften, in dem ein Unternehmen gegen die Compagnie Européenne de Télésécurité (CET) prozessierte (siehe hier N° 327.- Protection des consommateurs). Im Januar 2002 berichtete die Berufsorganisation der belgischen Selbstständigen über die windigen Vertriebspraktiken, mit der die C.E.T. Benelux Fernüberwachungsanlagen in Belgien vertrieb. Das ganze mit allen üblichen Ingredienzen: Angeblich wurden Referenzkunden gesucht, der Verkäufer drängte, das Ergebnis waren Verträge mit 4 Jahren Laufzeit und hohen monatlichen Raten, unnachgiebiger Geldeintreiber war das Unternehmen PARFIP. Aufschlussreich ist auch ein Gerichtsprozess vom vergangenen Jahr, in dem die französische Verbrauchschutzorgansation (Union fédérale des consommateurs - UFC) gegen das Unternehmen klagte: Der Hintergrund des Konflikts war die Forderung nach Abschaffung mißbräuchlicher Klauseln in Kundenverträgen.

Eine bemerkenswerte ethische Vertikale von einer Konzernspitze nach unten

Doch Patrick Fornas hatte mit diesem letzten Konflikten nichts mehr zu tun. Die Compagnie Européenne de Télésécurité (CET) wurde 1998 mitsamt den Kundenstöcken in Deutschland, Belgien und der Schweiz an das Sicherheitsunternehmen Protection One verkauft - bei einer beachtlichen Wertsteigerung des Unternehmens. Fornas blieb dem neuen Besitzer in führender Funktion noch zwei Jahre treu, bevor er das Unternehmen im Jahr 2000 verließ. Protection One ist ebenfalls ein Unternehmen aus der Sicherheitsbranche. Das Unternehmen hatte bis zu seiner Zerschlagung mehr als 1,6 Millionen Kunden in Europa und den USA und war für seinen aggressiven Expansionsdrang durch Firmenaufkäufe bekannt. 1998 war es selbst in den Besitz der Westar Energy Group, ein Energieunternehmen aus Kansas, gekommen und besaß einen europäischen (Frankreich, Belgien, Schweiz, Deutschland) wie US-amerikanischen Zweig. Allein in Europa wurden 800 Mitarbeiter beschäftigt und ein Umsatz von 74 Millionen EUR generiert. Aufgrund von enormen Finanzschwierigkeiten und im Rahmen eines öffentlichen Skandals um persönliche Bereicherung und Kompetenzmißbrauch des oberen Managements von Westar Energy, musste Protection One veräußert werden. Die Zeitungen berichteten über das Missmanagement teilweise im Tagestakt. Westar CEO David Wittig und Vice President Doug Lake wurden im Frühjahr 2006 zu 18 bzw. 15 Jahren Haft verurteilt. Hinzu kamen schwere Vorwürfe hinsichtlich der Bestechung von vier republikanischen Kongress-Mitgliedern und einem Senator. Zu dem ebenfalls in Skandale verwickelten Konzern "Tyco International" bestand in der Sicherheitsbranche ein Konkurrenzverhältnis (ursprünglich versuchte Westar Energy die Sicherheitsfirma ADT zu kaufen, aber Tyco setzte sich durch), andererseits gab es auch geschäftliche Kooperationen.

Protection One hatte trotz starker Marktpräsenz dem Mutterkonzern enorme Verluste eingefahren. Ein interner Bericht stellte es als mehr oder weniger bankrott dar. Um die Mutter Westar Energy zu konsolidieren, wurde das Tochterunternehmen 2003/2004 aufgespalten und verkauft - in Europa unter Mithilfe der ABN Amro. Ein Teil des Unternehmens ging an das Management selbst. Entsprechend dezentral ist die Struktur jetzt. Die deutsche Dependance wurde laut Website "1997 vom jetzigen geschäftsführenden Gesellschafter als Tochter der gleichnamigen französischen Muttergesellschaft gegründet. Heute ist Protection One ein rein deutsches Unternehmen." Die französische Protection One wurde 2006 in "Générale de Protection" umgetauft. Die Schweizer Variante wurde von der Securitas-Gruppe übernommen. Alle einstigen Tochterunternehmen können eine beachtliche Anzahl an Markenunternehmen als Referenzkunden nennen.

Wer danach fragt, ob nicht nur bei der französischen oder belgischen Compagnie Européenne de Télésécurité (CET) / Protection One ein obskures Geschäftsgebaren zu finden ist, der liegt richtig. Auch wenn mir von dem deutschen und schweizerischen Zweig bisher nichts negatives bekannt geworden ist (und das sollte man nicht kleinreden!), so findet man zumindest in den USA schnell Kundenberichte, die an europäische Abzockmethoden erinnern:
  • "Lots of people have and are getting home alarms these days. Here's a piece of advice before your sign up for service with Protection One: Don't. (...) Knowing the economics of the call center business, each alarm call probably costs around $5 to handle. The rest is profit. (..) The other little secret is that they make it extremely difficult to change alarm services, both through onerous contracts (and crappy service when you want to cancel); and through alarm systems which are designed to be very difficult or impossible to reprogram."
    "Protection One", Posting am 15. December 2003 auf dem Weblog "Dispatches from the frozen north"

  • - "I feel they deliberately use complicated process is to rip off consumers. I called in last year in Dec 05 asking to cancel the service. All the agent told me was that my contract was still in effect. I would need to call back after it expired to cancel the service. Ok, then I called back a couple months ago and the agent told me that the contract automatically renewed already. So I had to pay a penalty eqv to 3 months services. It was very upsetting that even though your company understood my intention to cancel the contract, you renew my contract. And the cancellation fee was out of being reasonable. (...) Today, I checked on my credit card, I’m still being billed. So I called in again. The agent told me that I would need to write this letter to cancel it even though they have verified my identity. But then the address for the cancellation letter was for the central office and not local office. There seems to be no way to cancel it without paying any penalty. I found this process was not fail to consumers and Protection One uses this tactic to delay the cancellation and hence charge more service fee."
    "Watch out for Protection One ripping you off", Posting am 1. Juli 2006 auf dem Forum von "king5.com"
Dennoch mag es voreilig sein, Protection One als Ganzes mit dem Gebaren der französischen Tochter Compagnie Européenne de Télésécurité (CET) in Verbindung zu bringen, das doch um einiges auffälliger war. War die giftige Eröffnung zu Anfang dieses Artikels in seinem Fall nicht doch ungerechtfertigt? Aber hier zählt die Frage der Glaubwürdigkeit. Protection One war auf einer aggressiven Einkaufstour, als es sich das französische Unternehmen 1998 einverleibte. Unter den Auspizien der Westar Energy wurden etwa 750.000 Kunden in diesem Jahr durch diverse Firmenaufkäufe übernommen. Aber welches Geschäftsverständnis steckt dahinter, wenn man Firmen wie die Compagnie Européenne de Télésécurité (CET) akquiriert? Welches Verständnis von personellen Standards, wenn das Spitzenpersonal der CET inklusive Patrick Fornas übernommen wird? Dass Berichte über die jeweiligen Machenschaften nicht lange recherchiert werden müssen, weist darauf hin, dass die negativen Seiten billigend in Kauf genommen wurden. Jede Due Diligence hätte es an den Tag gebracht (und das geschah vermutlich auch).

Und es passt ins Bild - auch wenn man sich vor allzu kruden Schlüssen hüten muss, wenn man Skandale an der Firmenspitze, wie sie bei Westar Energy auftauchten, mit dem Einzelgeschäft von Firmentöchter und Einzelsparten in Verbindung bringt. Wenn ein Vorstandschef eines Konzerns in krumme Geschäfte verwickelt ist, heisst das nicht, dass dies auch für jede Firmendivision gilt. Zumal das Unternehmen Protection One bei Westar Energy nur wenige Jahre Teil des Konzerns gewesen ist. Doch die agressive Einkaufstour durch Protection One wurde mit Geld von Westar Energy bezahlt. Wieder schwer zu glauben, dass über die Schattenseiten des Akquiseobjekts CET nichts bekannt gewesen seinn soll, wenn selbst die Konzernspitze von Westar in der Sache Protection One nach Europa flog. Ist es eine abwegige Vermutung, dass eine betrügerische Konzernspitze sich nicht dran stört, wenn für schnelle Expansionspläne auch der Bodensatz der Branche aufgekauft wird?

Die Frage, ob in solchen Konstellationen nicht zusammengefunden hat, was zusammengehört, scheint deshalb doch berechtigt. Ihre positive Beantwortung würde aber heißen, dass es bemerkenswert große Kraftfelder von unethischen Geschäftsstilen gibt, die unter unser aller Augen Anschluss an ähnlich ausgerichtete suchen. Finden die richtigen zusammen - z.B. in einer Branche - warum soll dann nicht eine grössere ökonomische Macht entstehen, die auch das Mainstream-Geschäftsleben mit wirklichem Abschaum versaut?

Ein ganzes Sicherheitsmilieu mit abgezocktem Geschäftsverständnis?

Halten wir kurz inne, um den letzten Gedanken auch von einer anderen Seite noch einmal zu beleuchten: Erst gab es eine Compagnie Européenne de Télésécurité (CET), dann Protection One (beides Alarmanlagen und Fernüberwachung), dann Adhersis (Datensicherung), dann Easydentic (biometrische Erkennungsdienste). Hinzu kommt die Firma Artys und der (allerdings unbewiesene) Hinweis, dass ein Teil der Szene sich ursprünglich in der Vertriebsstrukturen der Firma Tyco International kennengelernt habe. Fragt man Kenner des Marktes, dann scheint schikanöses Geschäftsverhalten auf dem Alarmanlagen-Markt durchaus verbreitet zu sein. (Oder wie es ein Kommentator ausdrückt: "EVERY alarm company operates the same way".) Hinzu kommen, wie schon einmal anhand des PARFIP-Netzwerks erläutert, Firmen, die Internet-Dienstleistungen, Kaffeemaschienen, Registrierkassen etc. vertreiben.

Was sich hier also abzeichnet, ist keine großartige Verschwörung weniger Firmen, keine Mafia - sondern eine Szene. Ein transnationales Geschäftsmilieu (hier zufällig verdichtet im französischen und belgischen Raum), das sich bereits vor knapp 20 Jahren konstituierte, also deutlich länger am Werke ist, als die ursprünglich für uns interessante Euroweb Internet GmbH. In dieser Szene sind Profis am Werk, mit langjähriger Erfahrung, die immer wieder auch jungen, aufstiegshungrigen Männern wie z.B. einem Christoph Preuss oder einem Amin El-Gendi (der berüchtigte Rechtsanwalt der Euroweb-Firmenfamilie) ein Modell geben, wie man zu richtig gutem Geld kommen kann. Profis, die nun ihrerseits junge Männer suchen, die sich durchbeißen und die die aufgrund der offenkundigen Geschäftsproblematik hohe Fluktuation an Vertriebspersonal durchstehen können, um dann am Geschäftemachen partizipieren zu können. In dieser Szene hat man die Chancen erkannt, die die Kombination einer auf Kleingewerbekunden abzielenden, aggressiven Vertriebsstrategie mit langjährigen Knebelverträgen und Leasingfinanzierung bietet. Es ist ein Milieu, das eine hervorragende Studie dafür abgibt, wie bestimmte Vorstellungen kaufmännischer Moral sich im Erosionsprozess befinden.

Es winken die schnittig wirkenden Autos, die glatten Frauen und der Besuch von Diskotheken, wo selbst die Türsteher stolz auf teure Uhren sind. Ein kurzes Aufseufzen, ein tiefes Einatmen: "Erfolgreich." - bevor schon wieder das nagende Gefühl einsetzt, dass doch noch mehr drin ist. Was macht es dann schon, wenn die ein oder andere seriöse Geschäftsfrau über einen die Nase rümpft? Und selbst wenn der Mainstream der Geschäftswelt zu allzu offensichtlicher Schäbigkeit Distanz hält, ganz so fremd ist dieses Milieu der alltäglichen Geschäftsmoral auch nicht mehr. Wie sonst können Firmen wie ABN Amro, GE Capital oder Siemens in einem solchen Umfeld Finanzgeschäfte tätigen? Wie sonst können Firmen, die einen solchen Ruf genießen wie jene der PARFIP-Familie, überhaupt mehr oder weniger ungestört ihren Aktivitäten nachgehen?

Vergleicihbares ist auch auf der Alltagsebene erfahrbar. Immer wieder bin ich verblüfft, wie locker im Management kleine Schäbigkeiten zugegeben oder als anekdotisches Lob eigener Cleverness zum Besten gereicht werden. ("Sicher, tricksen tut doch ein jeder, hat der Schröder auch gemacht.", grinst es einen an.) "Ehrenwerter Kaufmann", das ist in einer bestimmten Altersklasse ein Begriff im Konfirmandenanzug geworden, den man allenfalls mal beim Empfang des Rotary-Club mit ernsten Gesicht runterbrabbelt. Dass der Begriff seine klare scheidende Bedeutung, seinen semantischen Gehalt verloren hat, merkt man schon daran, dass auch das hier besprochene Abzocker-Milieu sich allen Ernstes selbst für ehrenwert hält. Ganz aufrichtig. Ein Bedeutungsverlust, der Sinn macht, wenn es als neuer alter Realismus gepriesen wird, dass die Bevölkerung mittlerweile den egoistischen Kampf aller gegen alle als unbestrittene Ausgangsbasis des menschlichen Daseins akzeptiert hat. Der mit der Rede des "Selber Schuld" korrespondiert, wenn jemand in harten Zeiten von hoher Arbeitslosigkeit und grassierender Verarmung zu blöd ist damit umzugehen, dass die Sitten im Geschäftsalltag rauher werden.

Und noch eine Anmerkung halte ich für wichtig: Selbstverständlich will kein Geschäftsmann langfristig Teil einer Szene sein, die einen bestimmten geschäftlichen Konsens verlässt. Man weiß ganz genau, dass man keinen Zugang zu der wirklich feinen reichen Welt hat, in der man immer noch darauf achtet, dass man nicht mit allzu offenkundigen Schäbigkeiten Geld macht. Ein treibender, nagender Ehrgeiz, manchmal auch nur die nackte Gier, kann solche Ansprüche zwar vorübergehend vergessen machen, aber Ziel ist immer, den Makel abzuschütteln, im Mainstream anzukommen. Sind genügend finanzielle Mittel angehäuft, dann will man da hin, wo man von den angesehenen Leuten angesehen wird, dann will man dazugehören und auch die einstigen geschäftlichen Grobheiten vergessen machen. Dieses Interesse an einer die eigene Historie vergessenden Seriösität gilt erst recht auch für diejenigen Unternehmen, die Kundenstämme von jenen übernehmen, die sie mit ethisch nicht einwandfreien Methoden aufgebaut haben: Über keinen der europäischen Ableger der "Protection One" finden sich noch Berichte über rabiates Vertriebsvorgehen. Das könnte zwar die übliche Vertuschung sein - ich glaube aber, es ist Prinzip. Man ist angekommen.

Und dann doch noch mal ganz direkt eine "Euro"-Firma im Sicherheitsmarkt

Beachtenswert ist, dass das Milieu, dem wir hier auf der Spur sind, in dem sensiblen Markt der Sicherheitstechnologie Wurzeln geschlagen hat oder vielleicht sogar dort seinen Ursprung hat. Die Präsenz in diesem Geschäftszweig wird um so markanter, wenn man auch noch feststellen kann, dass nicht nur jemand aus der PARFIP-Familie, sondern auch das engere Euroweb-Milieu selbst in diesem Geschäft seine Finger im Spiel hat. Denn man kann ja der Frage nachgehen, was eigentlich die anderen Personen machen, die im Lauf der Recherchen der letzten Monate hier ewähnt wurden. Denn es gab es z.B. Daniel Fratzscher, ehemals Geschäftsführer der PROXIMEDIA Deutschland GmbH oder Dieter Haberland, Miteigentümer der Euroweb GmbH. Schon im April dies Jahres bin ich durch diese Namen auf weitere Spuren gestoßen (Recherchestand 24. April 2006):

Daniel Fratzscher wurde gemeinsam mit Dieter Haberland sowohl Geschäftsführer als auch Mitgesellschafter in der im Juni 2003 gegründeten Eurotec GmbH. Haberland schied im November 2004 als Geschäftsführer aus, blieb aber Gesellschafter.

Die Namensähnlichkeit ist selbstverständlich kein Zufall. Sicher, es gibt eine ganze Reihe an Firmen, die unter dem Namen Eurotec firmieren und nichts mit dem "Euroweb Familie" zu tun haben. Aber bei unserer Eurotec findet man nicht nur im Internet gelegentlich die Schreibweise €urotec GmbH, die wir schon von der €uroweb Internet GmbH kennen, nein die beiden Firmen teilen sich tatsächlich die Anschrift (Neumannstraße 2, 40235 Düsseldorf) und die Telefonnummer . Auch die Vertriebsrepräsentanzen hängen zusammen: In Hannover findet man die gleiche Anschrift. In Merseburg ebenfalls. Die Website ist natürlich auch von der Firma €uroweb erstellt worden: In früheren Zeiten (z.B. 2004) fand sich auf der Website der berühmte (und mittlerweile auch schon berüchtigte) Hinweis: „powered by euroweb“.

Die Eurotec GmbH hat sich, wie alle anderen Mitglieder der hier diskutierten Firmennetzes, nach eigener Aussage auf "kleine oder mittelständische Unternehmen" spezialisiert. Das Unternehmen verkauft ähnlich wie die Compagnie Européenne de Télésécurité (CET) und Protection One Alarmanlagen mit entsprechender Betreuung.

Natürlich darf das einen nicht zu ungerechten Verdächtigungen veranlassen: Nirgendwo im Netz sind bis jetzt ähnliche Klagen über Eurotec GmbH aufgetaucht wie man sie von der Euroweb Internet GmbH kennt. Auch zu der Vertragsgestaltung ist nichts bekannt, z.B. ob das Unternehmen in Vertragsklauseln die Übertragung des Vertrags an Finanzierungsdienstleister (wie z.B. PARFIP) vorsieht. Aber ein anonymer Tippgeber behauptete schon vor drei Monaten in einem Kommentar: "Die nutzen sogar den gleichen Vertriebsleitfaden, nur halt für Alarmanlagen... Und diese Alarmanlagen sind auchr richtig teuer und es gibt natürlich auch hier nur Partnerschaften keine Kaufkunden...". Man ist angesichts der Geschäftshistorie versucht, ihm zu glauben, handfeste Berichte liegen über diese Firma aber bisher nicht vor.

Allerdings findet sich in den Stellengesuchen der Adhersis AG bei Jobpilot, Backinjob und Sozialhilfe 24.de der folgende Text (Anzeigen vom 24.03.2006):

„Für den Ausbau unserer Niederlassung in der Region Frankfurt, Düsseldorf, Dresden, Hamburg und Stuttgart suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt Außendienstmitarbeiter/ innen, die Erfahrung im Direktvertrieb besitzen. Branchenkenntnisse sind nicht erforderlich, Quereinsteiger mit dem nötigen Biss sind wilkommen. Insbesondere bevorzugen wir Bewerber aus folgenden Unternehmen: Amway, AWD, Bertelsmann, Brockhaus, Canon, DV AG, EMG, Eurolease, Eurotec, Euroweb, Elektro Lux, Xerox etc.“

Sollten sich die Eurotec-Vertriebsmitarbeiter durch eine ähnliche "Effizienz" auszeichnen, die man denen der Euroweb Internet GmbH nachsagt? Und die sich auch bei den anderen Firmen rund um PARFIP finden lässt?

Hier liegt auch begründet, warum meine Besorgnis über diese Durchdringung der Sicherheitsbranche durch obskure Gestalten weiterhin hoch ist: Denn natürlich kann man mich angesichts der Entwicklung von Compagnie Européenne de Télésécurité/Protection One fragen: "Was wollen Sie denn noch monieren? Sie geben ja selbst zu, dass diese Firmen seriös geworden sind. Und gegen den Patrick Fornas haben Sie doch auch nichts Greifbares mehr vorzubringen?" . Meine Antwort: Mag sein. Aber selbst wenn: Das Managementteam rund um die Eurotec/Euroweb-Familie (man denke an Daniel Fratzscher, Christoph Preuss und den Anwalt Amin El-Gendi) ist eben noch nicht angekommen. Kein Konzern hat ihre Firmen gekauft, es gibt keine Börsenplatzierung, keine Bank ist im Verwaltungsrat. Man ist nicht nur 1-2 Dekaden Jahre jünger als solche Leute wie Patrick Fornas oder Jean-Christoph Penne, man liegt auch im wirtschaftlichen Erfolg um 15 Jahre zurück. Man ist noch mittendrin im Aufstieg. Was liegt näher als sich an die alten Rezepte und Stile des oben besprochenen Geschäftsmilieus zu halten? Dass sie darin in der Vergangenheit nicht zimperlich waren, kann in der bisherigen Geschichte von Euroweb ausführlich studiert werden. Man lehnt sich nicht weit aus dem Fenster, wenn man solchen Erfolgshunger auch den dynamischen Herren Hervé Mangonaux und Torsten Clausen von der deutschen Easydentic unterstellt.

Das Misstrauen ist also berechtigt: Dass sich ausgerechnet im sensiblen Bereich der Sicherheitstechnologie dieses Geschäftsmilieu festgesetzt zu haben scheint, ist nichts, was Vertrauen erweckend ist. Denn in diesem Milieu werden wir mit ganz hoher Wahrscheinlichkeit keine Menschen entdecken, die sich durch besondere Sensibiliät hinsichtlich der Frage auszeichnen, ab welchem Einsatz Überwachungstechnologien die Freiheit des Menschen zum Ersticken bringen. Der Werbeslogan "Weil Sie einzigartig sind..." macht auch die Brisanz der Frage deutlich, wem man da den Zugriff auf eine Technik bezüglich menschlicher Einzigartigkeit erlauben will. Ob man zudem diesem Milieu da, wo es wirklich darauf ankommt, die eigene Sicherheit anvertrauen sollte, scheint mir ebenfalls überdenkenswert. Ich - und das ist jetzt eine ganz persönliche Einschätzung - würde derzeit keine der Firmen, die diesem Milieu zuzuordnen sind, auch nur mit spitzen Fingern anfassen wollen.

Kleiner Zusatz - Weitere Firmen aus dem Euroweb Netz: Die "Euroweb Marketing GmbH" und die "Euroweb Asset-Management GmbH"

Was das Geschäft mit Sicherheitstechnologie angeht, bin ich nun am Ende meiner Präsentation von neuen Rechercheergebnissen rund um das Firmennetz von Euroweb, PARFIP, Adhersis und Proximedia. Aber weil wir gerade bei Firmen aus dem Euroweb-Umfeld sind:

Daniel Fratzscher hat das Geschäft mit dem Vertrieb von Internet-Produkten ohnehin nicht richtig sein lassen können. Nachdem er im Herbst 2001 die PROXIMEDIA Deutschland GmbH verlassen hatte, gründete er bereits im Januar 2002 die Euroweb Marketing & Vertriebs GmbH. Sie residiert ausnahmsweise nicht in Düsseldorf, sondern ist in der Ostendstrasse 25 in 12459 Berlin sesshaft (Stand 24. April 2006). Fratzscher ist sowohl Geschäftsführer als auch einziger Gesellschafter des Unternehmens. Der Geschäftszweck des Unternehmens ist laut Handelsregisterauszug „der Vertrieb von Software-, Hardwareprodukten und Dienstleistungen jeglicher Art, Vermarktung von Datenbanken und Informationssystemen, Vertrieb multimedialer Anwendungen sowie Beratung und Erbringen von Dienstleistungen im Software-, Hardware- und Multimediabereich.“

Das Unternehmen hat selbstverständlich griffigere Formulierungen als dieses Bürokratendeutsch: „Durch Komplettpakete erhalten unsere Kunden - schnell und unkompliziert - einen professionellen Internetauftritt. Darüber hinaus bieten wir Lösungen in den Bereichen E-Commerce, E-Consulting, E-Education und E-Marketing.“ heisst es in diesem Firmenverzeichnis, als Website wird http://www.euro-web.net angegeben, als Emailadresse eine Infoadresse von Euroweb (Stand 24. April 2006). Als Ansprechpartner wird der uns jetzt schon bekannte Dieter Haberland aufgeführt - obwohl er keine Anteile an der Firma hält. Auch in der Nürnberger Vertriebsrepäsentanz wird zwar die Euroweb Marketing & Vertriebs GmbH genannt, aber Website und Emailadresse der Euroweb Internet GmbH angegeben.

Eine Frage stellt sich dadurch: Wieso muss eine weitere Firma gegründet werden, die anscheinend Euroweb Produkte vertreibt und auch nach ihr benannt ist, aber einen ganz anderen Gesellschafter, einen anderen Geschäftsführer und eine andere Adresse hat als die Euroweb Internet GmbH?

Jetzt hören wir auf - na ja, fast: Man kann ja auch noch mit Anlagen wirtschaften. Deshalb hat Daniel Fratzscher am gleichen Tag als er die Eurotec GmbH gründete auch noch die Euroweb Asset-Management GmbH ins Leben gerufen. Geschäftszweck ist „die Verwaltung von Assets jeglicher Art, sowie die Beratung und das Einbringen von Dienstleistungen“. Geschäftsführer ist er selbst, er hält aber nur 33% des Kapitals. Mehrheitseigentümer ist ein Rüdiger Bues. Geschäftsadresse des Unternehmens ist – und das sollte uns jetzt nicht mehr erstaunen - die Neumannstrasse 2 in Düsseldorf, also die Anschrift der Euroweb Internet GmbH. Die Telefonnummer ist ebenfalls die gleiche (Stand 24. April 2006). Aber auch noch einmal hier, um voreiligen Verdächtigungen vorzubeugen: Komplexe Firmenvernetzungen sind an sich kein Anlass zu Verdacht. Es ist nichts Schlimmes daran, sich die gleiche Firmenanschrift zu teilen.

Doch wer weiß, mit welchen neuen Unternehmungen Deutschland in den nächsten Monaten noch beglückt werden wird, und was neue und alte Tippgeber noch so zu bieten haben.

PS: Bei denjenigen, die sich daran stoßen, dass dieser Text Passagen enthält, die fast identisch sind mit einigen Kommentaren zu den bisherigen Artikel, bitte ich um Nachsicht. Mir schien es angesichts der Fülle der Hinweise wichtig, diese Informationen aus den langwierigen Diskussionen herauszuholen und hier den interessierten Leser noch einmal vorzustellen.

Update 15.08.2006: Und prompt findet Kollege Scholz in einen Kommentar beim Lawblog den Bericht, dass Euroweb vermutlich wohl weiter macht wie gehabt: "Mich rief die Tage jemand an. Euroweb sucht für Ihre Referenz list Unternehmen..."
Andere Beiträge zu dem Thema:


Euroweb und Viscomp - Von alten und neuen Spielwiesen

Eine Auferstehung von den Toten - nun mit Suchmaschinen-Optimierung und Google-Optimierung

"Weil Sie einzigartig sind..." - Sicherheitstechnologie in den Händen eines obskuren Geschäftsmilieus?
Neue Erkenntnisse um die Firmen Easydentic, Adhersis, Compagnie Européenne de Télésécurité (CET), Eurotec, Euroweb Marketing und Euroweb Asset Managing

Wenn die Butterbrote den Souverän satt gemacht haben
Heinrich Heine, die Blogger und der Riese hinter Euroweb
(Recherchen über die europäischen Aktivitäten der Firmen PARFIP und PROXIMEDIA)

"Insbesondere bevorzugen wir Bewerber von Euroweb"
In welcher Beziehung stehen die Beschwerden über die Adhersis AG zu denen über die Euroweb Internet GmbH?

PROXIMEDIA - wiederholt sich Geschichte? Nun, manchmal vielleicht schon
Recherchen über die Firmen PROXIMEDIA Deutschland, PROXimedia Service und Euroweb Internet GmbH

"Ich sah keinen Grund für Mißtrauen und unterschrieb."
Ein Erfahrungsbericht eines Betroffenen

Euroweb - eine Spurensuche
Die Ankündigung einer Textreihe und mir wichtige Vorbemerkungen

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