Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Eine persönliche Heldin

Ich möchte heute einen jener Menschen vorstellen, die für mich zu den wirklichen Helden gehören. Eine Personifizierung von Kampfeswillen, wie er in seiner eigenartigen Mischung aus Verletzlichkeit und Zähigkeit nur Frauen eigen ist.

Es geht um jene Frau, die die eigentliche Aufklärungsarbeit hinsichtlich der Machenschaften der Firma Euroweb Internet GmbH geleistet hat. Die in vielen Nächten all die Informationen zusammengetragen hat, die hier im April über das dubiose Firmennetzwerk veröffentlicht wurden. Die das Angebot zu einem "finanziellen Entgegenkommen" der Firma mit einem einfachen Satz ins Nirvana laufen ließ: "Nicht, wenn das heisst, dass ich meine Erfahrungen mit der Firma Euroweb nicht mehr öffentlich mitteilen darf". Die Frau heisst Berna Kühne.

Seitdem ich im April 2006 über mehrere Tage hinweg die Recherchen über Euroweb veröffentlicht hatte, war mir allzu personalisiertes Lob über diese Artikelserie immer unangenehm. Denn all die umfangreichen Recherchen, der Großteil der entscheidenden Hinweise stammten nicht von mir, sondern von Berna Kühne. Ohne sie hätte es die Artikel gar nicht gegeben. Ihr gebührt also eigentlich das Lob: Sie hatte in detektivischer Kleinarbeit all die Handelsregisterauszüge und Zeugenaussagen besorgt, die lockere Firmenfamilie rund um PARFIP in seinen feinen Verästelungen bis nach Frankreich und in die Niederlande verfolgt, weitere Betroffene ausfindig gemacht und miteinander vernetzt. Mir oblag es nur, die auf Dutzenden von Seiten festgehaltenen Erkenntnisse nachzuprüfen, sie hier und da zu korrigieren, ein paar Telefonate zu führen und aus dem Ganzen entsprechende Texte zu schustern. Berna konnte aufgrund privater Rücksichtnahmen diese Recherchen nicht veröffentlichen. Deshalb tat ich es als Unbetroffener, der nichts zu befürchten hatte.

Wer Berna verstehen will, sollte sie wie ich an einem Herbstabend in der Dämmerung kennenlernen: Niemand im Nebel zu sehen, der vom Tal hochstieg (vielleicht eine Silhouette dort hinten) - aber eine seltsam flirrende Stimme, die durch den Nebel schneidet und die "Merseburger Zaubersprüche" singt, leicht schräg, spröde, irgendwie slawisch (eine Kultur, die sie sehr schätzt). Sie kann auch Johannespassion oder Oper - und Musisches macht sie nicht nur mit ihrer Stimme, sondern auch mit ihren Händen, selbst wenn Handarbeiten heutzutage als "Alt-Oma-Kunst" verpönt sind. Bernas Leidenschaft sind die schönen Künste - wie Musik, Schreiben, Kunsthandwerk. An schrägen Subkulturen und Milieus jenseits der Mehrparteienwohnhaushühnerställe oder Freilandhuhndoppelhaushälften hat sie einiges gesehen. Das hat sie nicht zynisch gemacht, sondern ihr eher ein Gefühl für Verantwortung gegeben. Gelegenheiten, zähe leidenschaftliche Unnachgiebigkeit zu lernen, hat das Leben ihr ausreichend geboten. Gutmütig war sie immer schon.

Sie selbst ist - natürlich - Betroffene bei Euroweb. Sie hatte als einfache Kleingewerbetreibende in naiver Gutgläubigkeit drei Langzeitverträge unterschrieben, die mit der jetzt so oft schon beschriebenen, typischen Verkaufsmasche an den Mann oder die Frau gebracht werden. Ihre Geschichte muss hier nicht genauer geschildert werden, sie unterscheidet sich nicht wesentlich von den anderen. Aber was einen Unterschied machte, war Bernas Wille, die eigene Geschichte nicht nur als Privatsache zu sehen, sondern als Beispiel einer öffentlich zu verhandelnden Angelegenheit. Sie unterschied sich in der Hartnäckigkeit, mit der sie sich auf die Fährte der Firma Euroweb setzte, auch wenn sie dafür massive finanzielle Nachteile in Kauf nehmen musste. Sie unterschied sich in der Bereitschaft, dort weiterzumachen, wo andere Kunden sich - aus durchaus verständlichen Gründen - darauf konzentrierten, möglichst mit nur einem blauen Augen aus der Sache wieder rauszukommen und das ganze dann zu vergessen.

Berna Kühne ließ sich verklagen. Sie verlor den Rechtsstreit in der ersten Instanz, Stichwort Urkundenprozess. Sie ging in die Revision, denn ihr Gerechtigkeitsgefühl sagte ihr, dass diese Firma nicht so leicht siegen darf. Ihre Situation war nicht von Pappe, und manche Wendung hätte sie vorher nicht für möglich gehalten: Der Emailverteiler betroffener Kunden, die sich organisieren wollten, wurde durch einen "Maulwurf" unterwandert (von wem lassen wir hier offen, der Leser kann das schon selbst erahnen). Sie selbst wurde mit fehlinformierten Gerichtsvollziehern konfrontiert, die während des noch laufenden Prozesses (z.B. noch vor Urteilsverkündung der ersten Instanz) mehrfach zur Zwangsvollstreckung auf sie angesetzt worden waren. Und der Rechtsanwalt von Euroweb besorgte sich unter falscher Emailadresse von der Gruppe zusammengetragenes Aufklärungsmaterial, um dann den Versuch zu unternehmen, die Verbreitung dieser Unterlagen durch ein Gericht verbieten zu lassen.

Berna blieb zäh und ließ sich nicht beirren. Wenn es also jemanden gibt, auf den die Firma Euroweb richtig sauer sein kann, dann Berna Kühne.

Warum ich das schreibe?

Weil am Montag in Berlin um 12 Uhr mittags Bernas Berufungsprozess gegen Euroweb stattfindet. Und wenn jemand aus dem Kundenkreis von Euroweb es verdient hat, dass sein Prozess Beachtung findet, dann Berna Kühne.

Ich wünsche dir auf jeden Fall alles nur erdenkliche Gute. Und wie es auch immer ausgeht - denk daran:

SIE werden sich auf ewig in den Arsch beißen, sich je mit dir angelegt zu haben.

Berliner Kammergericht

04.09.2006
12.00 Uhr

Elßholzstr. 30-33, 10781 Berlin
(Eingang Kleistpark)

III. Stock Raum 336
Geschäftszeichen 23 U 104/05
Rechtsstreit: Kühne gegen Euroweb Internet GmbH

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"Ich sah keinen Grund für Mißtrauen und unterschrieb."
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Die Ankündigung einer Textreihe und mir wichtige Vorbemerkungen
Dr. Dean (anonym) - Fr, Sep 01, 2006

Viel Glück und Erfolg, Berna!
A.Enk (anonym) - So, Sep 03, 2006

viel Glück und Erfolg sowie hungrige, gewiefte Anwälte/ innen

Aus ganzem Herzen wünsche Ihnen Frau Kühne und den noch unzählig Betroffenen viel Glück und Erfolg sowie hungrige, gewiefte Anwälte/ innen und Richter / innen, die erkennen was wirklich läuft.


Mit besten wünschen,
aus dem schönen Franken
A. Enk

Naja HEISE war vor(!) dem Termin ja auch noch zuversichtlich ...

Mit freundlichen Grüßen



Günter Frhr.v.Gravenreuth
Julio Lambing - Mo, Sep 04, 2006

Der Kommentar, der wohl auf einen verlorenen Prozess des Heise-Verlags in Hamburg (?) anspielt, scheint mir zynisch zu sein. Sehr wahrscheinlich werde ich ihn demnächst löschen. Die juristische Erfolgsbilanz der Euroweb, Proximedia und PARFIP-Unternehmen ist europaweit bekannt, zudem hier und anderswo oft genug geschildert worden. Ich empfinde es als geschmacklos, in der Wunde des allgegenwärtigen Ohnmachtsgefühls der betroffenen Kunden auch noch zu bohren - wer auch immer der betreffende Rechtsanwalt sein mag, der hier meint, so etwas sagen zu müssen.

Oder habe ich etwas mitverstanden?
Roman Schwarz (anonym) - Mo, Sep 04, 2006

Wie ging der Prozeß am 04.09.2006 aus

Mich würde interessieren, wie der Prozeß am heutigen Tag in Berlin ausging!?
Julio Lambing - Di, Sep 05, 2006

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AXONAS - ein Versuch... - von Julio Lambing

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....schaut mal hier nach...
....schaut mal hier nach - Herr Fratscher will demnach...
Paul (anonym) - Mi Jul 1, 11:59
bei uns wurden mündliche...
Hallo, Euroweb hat per Kaltacquise bei uns vorgesprochen. Der...
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