Die personelle Schattenhaftigkeit des Produktes einer Herstellens seiner selbst
Hannah Arendts Kritik am Herstellen noch einmal übertragen auf eine Kritik an der "Sorge um sich selbst" im Modus des Herstellens(1):
Diejenigen, die sich selbst als Kunstwerk herstellen, müssen zur intersubjektive Begutachtung und als Möglichkeit zur Korrektur und Verfeinerung eigener Bemühungen den anderen begegnen. Da sich ihr kunstwerkliches Bemühen in allem äussern muss, ist auch jede Begegnung mit den anderen immer ein ein Zurschaustellen eigener Kunstfertigkeit sowohl in der Ausübung als auch im Ergebnis. Ein ganzes soziales Universum an Produzenten, eine ästhetisierte Variante der Allgegenwart des Homo Faber entsteht. Diejenigen die sich auf einem solchen Begutachtungsmarkt zu Schau stellen (auch wenn sie nichts verkaufen - wobei der Selbstverkauf in den Zeiten der Selfmanagement-Strategien und der Allgegenwart des Fromm'schen "Manager-Charakters" eine interessante Spur wäre) ähneln darin den mittelalterlichen Schaumärkten, die die Isolierung des Handwerkes in seinem einsamen Auseinandersetzung mit dem Objekt in die Öffentliche Sichtbarkeit erhoben und ihm so ermöglichten, dass zumindest ein Schatten seiner Personalität sich in dem ausdrücken kann, was und wie er da sich mit den Dingen auseinandersetzt. Schatten deshalb, weil nur im Handeln die eigene Persönlichkeit voll aufleuchten kann.
Die Integrität einer Person kommt dadurch zustande, dass sie sich in Handlungen aktualisiert und artikuliert. Stolz "hält und erhält" diese Integrität. Stolz ist nur möglich in dem Vertrauen, dass das, wer jemand ist, das an Größe und Bedeutung übertrifft, was diese Person je geleistet hat oder leisten wird.
Diejenigen, die sich bereitfinden, auf das stolz zu sein, was man getan hat, werden zu Gefangenen ihrer eigenen Fähigkeiten. Es ist "nicht weniger bitter, vielleicht aber noch beschämender (...), der Sklave seiner selbst zu sein als der Diener eines anderen."
Die Eigengesetzlichkeiten des Herstellens erklären auch jenen unpolitischen (aber eben nicht wie ein oft vorgebrachtes Vorurteil bis heute meint bei Stoa, Epikuräer etc. diagnostizieren zu müssen: "antipolitischen") Zug der römischen "ars vivendi":
Zwar kann herstellende Tätigkeit, die im Modus der Absonderung verläuft, keinen autonom öffentlichen Bereich etablieren, in dem Menschen in ihrer Personenhaftigkeit, und nicht als Produzenten, in Erscheinung treten, aber sie bleibt doch mit diesem Erscheinungsraum in mannigfacher weise verbunden; zumindest verliert sie niemals den Bezug zu der Dingwelt, die als äusserer Rahmen auch den erscheingsraum umgibt und ihm gleichsam seine Substantialität sichert, das sie diese ja selbst herstellt. Die dem herstellen entsprechende Lebensfürhung mag daher unpolitisch sein, sie ist nicht antipolitsch. Antipolitsch ist nur das Arbeiten (...)"(2)
(1) Analog zu Textpassagen in "Vita Activa", Ende des 29. Kap. und Beginn des 30. Kap.; siehe: Hannah Arendt: "Vita activa oder Vom tätigen Leben"; München 2005; S. 266 - 270
(2) Hannah Arendt: "Vita activa oder Vom tätigen Leben"; München 2005; S. 270
Diejenigen, die sich selbst als Kunstwerk herstellen, müssen zur intersubjektive Begutachtung und als Möglichkeit zur Korrektur und Verfeinerung eigener Bemühungen den anderen begegnen. Da sich ihr kunstwerkliches Bemühen in allem äussern muss, ist auch jede Begegnung mit den anderen immer ein ein Zurschaustellen eigener Kunstfertigkeit sowohl in der Ausübung als auch im Ergebnis. Ein ganzes soziales Universum an Produzenten, eine ästhetisierte Variante der Allgegenwart des Homo Faber entsteht. Diejenigen die sich auf einem solchen Begutachtungsmarkt zu Schau stellen (auch wenn sie nichts verkaufen - wobei der Selbstverkauf in den Zeiten der Selfmanagement-Strategien und der Allgegenwart des Fromm'schen "Manager-Charakters" eine interessante Spur wäre) ähneln darin den mittelalterlichen Schaumärkten, die die Isolierung des Handwerkes in seinem einsamen Auseinandersetzung mit dem Objekt in die Öffentliche Sichtbarkeit erhoben und ihm so ermöglichten, dass zumindest ein Schatten seiner Personalität sich in dem ausdrücken kann, was und wie er da sich mit den Dingen auseinandersetzt. Schatten deshalb, weil nur im Handeln die eigene Persönlichkeit voll aufleuchten kann.
Die Integrität einer Person kommt dadurch zustande, dass sie sich in Handlungen aktualisiert und artikuliert. Stolz "hält und erhält" diese Integrität. Stolz ist nur möglich in dem Vertrauen, dass das, wer jemand ist, das an Größe und Bedeutung übertrifft, was diese Person je geleistet hat oder leisten wird.
Diejenigen, die sich bereitfinden, auf das stolz zu sein, was man getan hat, werden zu Gefangenen ihrer eigenen Fähigkeiten. Es ist "nicht weniger bitter, vielleicht aber noch beschämender (...), der Sklave seiner selbst zu sein als der Diener eines anderen."
Die Eigengesetzlichkeiten des Herstellens erklären auch jenen unpolitischen (aber eben nicht wie ein oft vorgebrachtes Vorurteil bis heute meint bei Stoa, Epikuräer etc. diagnostizieren zu müssen: "antipolitischen") Zug der römischen "ars vivendi":
Zwar kann herstellende Tätigkeit, die im Modus der Absonderung verläuft, keinen autonom öffentlichen Bereich etablieren, in dem Menschen in ihrer Personenhaftigkeit, und nicht als Produzenten, in Erscheinung treten, aber sie bleibt doch mit diesem Erscheinungsraum in mannigfacher weise verbunden; zumindest verliert sie niemals den Bezug zu der Dingwelt, die als äusserer Rahmen auch den erscheingsraum umgibt und ihm gleichsam seine Substantialität sichert, das sie diese ja selbst herstellt. Die dem herstellen entsprechende Lebensfürhung mag daher unpolitisch sein, sie ist nicht antipolitsch. Antipolitsch ist nur das Arbeiten (...)"(2)
(1) Analog zu Textpassagen in "Vita Activa", Ende des 29. Kap. und Beginn des 30. Kap.; siehe: Hannah Arendt: "Vita activa oder Vom tätigen Leben"; München 2005; S. 266 - 270
(2) Hannah Arendt: "Vita activa oder Vom tätigen Leben"; München 2005; S. 270
Julio Lambing - Sa, Sep 02, 2006 - Zettelkasten: Aesthetik der Existenz







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