Nur jeder zweite Deutsche glaubt, daß "eine höhere Macht" die Erde erschaffen hat
Ich bin in dem Blogtalk mit dem Weltherrscher ja nocheinmal auf meine wiederholte Kritik an stumpfsinnigen Nachplappern von Vorurteilen angesprochen worden. Ein Beispiel, das ich dafür immer wieder benutze, ist das kollektive Gejaule, wenn alle paar Monate die Bedrohung durch christliche Kreationisten beschworen wird.
Was wäre, wenn Journalistinnen das kritische Denken wirklich wertschätzen und anwenden würden, wenn mal wieder das Thema Kreationismus medial aufbereitet wird? Was wäre, wenn sie in diesen Dingen nicht nur Nachschwätzer von wissenschaftsideologischen Strömungen wären, die auf andere ideologische Bewegungen (wie z.B. Kreationisten) mit ähnlicher Selbstverblendung reagieren? Dann, ja dann könnte unter einem Absatz wie dem folgenden
Ehemalige Schüler und Lehrer der Privatschule in Gießen melden sich in der Dokumentation zu Wort: "Der Lehrer hat gesagt, dass er an die Schöpfungstheorie glaubt, und dadurch wurden wir in unserer Meinungsbildung schon beeinflusst", beschreibt etwa der frühere Francke-Schüler Jakobus Gäth im Film seine Erfahrungen an der Schule, "wir haben uns eher dazu bewogen gefühlt, an die Schöpfungslehre zu glauben. Denn was der Biologielehrer denkt, das wird schon richtig sein".
der Gedanke stehen: "Solche Schilderungen lassen einen über die Frage nachdenken, ob Lehrer nicht auch bei einem persönlichen Bekenntnis zur Evolutionsbiologie die Meinung der Schüler deutlich beeinflussen."
Und der Absatz
Auch am staatlichen Liebig-Gymnasium in Gießen gibt es offenbar Verfechter der bibeltreuen Lehre: Biologie-Lehrer Wolfgang Meyer nennt sich selbst einen "Anhänger der Schöpfungstheorie". Es sei wichtig, seinen Schülern den Ansatz im Unterricht beizubringen, damit sie lernen, "dass die Aussagen, wie sie in den Schulbüchern stehen, durchaus hinterfragt werden können".
könnte mit den wertenden Worten ergänzt werden: "Eigentlich löblich, wenn bereits Kindern in der Schule das kritisches Hinterfragen von einflußreichen wissenschaftlichen Theorien vermittelt wird." Aber solches findet sich selbstverständlich nicht in dem vermeintlich nüchternen Artikel von Britta Mersch, der gestern auf Spiegel Online über einer ARTE -Filmreportage berichtete, die den Einfluß von Kreationisten auf deutsche Schulen unter die Lupe nimmt.
Es gibt gute Gründe jenen zu misstrauen, die uns so engagiert vor den dubiosen Umtrieben der Kreationisten warnen, denn viele von ihnen vertreten ein Konzept von WAHRER Lehre und deren vermeintlicher Bedrohung, das sich nur wenig von dem fundamentalistischer Christen unterscheidet. Ein einfaches Experiment macht das deutlich: Man vertausche in dem Text von Britta Mersch einfach die Positionen zwischen Evolutionisten und Kreationisten und stelle sich vor, er sei in einer Kultur entstanden, die von rigiden Christen dominiert würde.
Es wäre dann ein Text, der nach Erwähnung von allerlei säkularen Umtrieben im fernen Amerika beschreibt, wie Atheisten ihren hiesigen Einfluss schon so weit ausgedehnt haben, daß tatsächlich an zwei Schulen in Deutschland die Schöpfungslehre kritisch hinterfragt wird. Er würde darüber berichten, dass bereits ein Schulbuch existiert, das von atheistischen Wissenschaftlern erarbeitet wurde und die Schüler zum kritischem Hinterfragen ermuntern möchte. Die dahinter stehende Wissenschaftlergruppe bezeichnet die Schöpfungstheorie als "weltanschauliche, auf unbeweisbaren Annahmen beruhende Gesamtdeutung"; die Kritik daran gehöre in den Biologieunterricht. Und es gibt irgendwo in Deutschland sogar einen pensionierten Physikprofessor, der unterstützt dieses Buch und verschenkt es an Schulleiter. Doch der christliche Wissenschaftler Kutschera, der die Umtriebe der Atheisten schon lange beobachtet, hat glücklicherweise nach Eingaben bei den Kultusministern die Versicherung erhalten, dass solcherlei nicht auf die Schulbuchlisten kommt.
Aber die Atheisten sind auf dem Vormarsch, wie unser inversierter Text uns aufklären würde: Nur noch 70 Prozent der Deutschen glauben, dass der Mensch nicht vom Affen abstammt! Nur jeder zweite Deutsche glaubt, daß "eine höhere Macht" die Erde und das Leben auf ihr geschaffen hat. Optimale Bedingungen also für Evolutionisten. Die Filmemacher zeigen in ihrer Dokumentation, wie gerade junge Menschen auf Seminaren oder Kongressen von den Ideen der Evolutionisten angezogen werden. "Wir haben einige junge Menschen gesprochen, die ganz beseelt aus diesen mehrstündigen Seminaren herauskamen und sagten: 'Das war so toll, jetzt habe ich wirklich neue Erkenntnisse'", erzählt Frank Papenbrook. Die Jugendlichen seien nach diesen Veranstaltungen überzeugt gewesen, dass die Erde Millionen Jahre alt sei und der Grand Canyon Produkt einer tektonischen Verschiebung!
All das stände in dem Text. Es würde uns schaudern, wenn wir ihn lesen würden, es würde uns schaudern bei dem Text und angesichts der Kultur, die er fraglos repräsentiert. Denn unter Gedankenfreiheit stellen wir uns etwas anderes vor.
Was wäre, wenn Journalistinnen das kritische Denken wirklich wertschätzen und anwenden würden, wenn mal wieder das Thema Kreationismus medial aufbereitet wird? Was wäre, wenn sie in diesen Dingen nicht nur Nachschwätzer von wissenschaftsideologischen Strömungen wären, die auf andere ideologische Bewegungen (wie z.B. Kreationisten) mit ähnlicher Selbstverblendung reagieren? Dann, ja dann könnte unter einem Absatz wie dem folgenden
Ehemalige Schüler und Lehrer der Privatschule in Gießen melden sich in der Dokumentation zu Wort: "Der Lehrer hat gesagt, dass er an die Schöpfungstheorie glaubt, und dadurch wurden wir in unserer Meinungsbildung schon beeinflusst", beschreibt etwa der frühere Francke-Schüler Jakobus Gäth im Film seine Erfahrungen an der Schule, "wir haben uns eher dazu bewogen gefühlt, an die Schöpfungslehre zu glauben. Denn was der Biologielehrer denkt, das wird schon richtig sein".
der Gedanke stehen: "Solche Schilderungen lassen einen über die Frage nachdenken, ob Lehrer nicht auch bei einem persönlichen Bekenntnis zur Evolutionsbiologie die Meinung der Schüler deutlich beeinflussen."
Und der Absatz
Auch am staatlichen Liebig-Gymnasium in Gießen gibt es offenbar Verfechter der bibeltreuen Lehre: Biologie-Lehrer Wolfgang Meyer nennt sich selbst einen "Anhänger der Schöpfungstheorie". Es sei wichtig, seinen Schülern den Ansatz im Unterricht beizubringen, damit sie lernen, "dass die Aussagen, wie sie in den Schulbüchern stehen, durchaus hinterfragt werden können".
könnte mit den wertenden Worten ergänzt werden: "Eigentlich löblich, wenn bereits Kindern in der Schule das kritisches Hinterfragen von einflußreichen wissenschaftlichen Theorien vermittelt wird." Aber solches findet sich selbstverständlich nicht in dem vermeintlich nüchternen Artikel von Britta Mersch, der gestern auf Spiegel Online über einer ARTE -Filmreportage berichtete, die den Einfluß von Kreationisten auf deutsche Schulen unter die Lupe nimmt.
Es gibt gute Gründe jenen zu misstrauen, die uns so engagiert vor den dubiosen Umtrieben der Kreationisten warnen, denn viele von ihnen vertreten ein Konzept von WAHRER Lehre und deren vermeintlicher Bedrohung, das sich nur wenig von dem fundamentalistischer Christen unterscheidet. Ein einfaches Experiment macht das deutlich: Man vertausche in dem Text von Britta Mersch einfach die Positionen zwischen Evolutionisten und Kreationisten und stelle sich vor, er sei in einer Kultur entstanden, die von rigiden Christen dominiert würde.
Es wäre dann ein Text, der nach Erwähnung von allerlei säkularen Umtrieben im fernen Amerika beschreibt, wie Atheisten ihren hiesigen Einfluss schon so weit ausgedehnt haben, daß tatsächlich an zwei Schulen in Deutschland die Schöpfungslehre kritisch hinterfragt wird. Er würde darüber berichten, dass bereits ein Schulbuch existiert, das von atheistischen Wissenschaftlern erarbeitet wurde und die Schüler zum kritischem Hinterfragen ermuntern möchte. Die dahinter stehende Wissenschaftlergruppe bezeichnet die Schöpfungstheorie als "weltanschauliche, auf unbeweisbaren Annahmen beruhende Gesamtdeutung"; die Kritik daran gehöre in den Biologieunterricht. Und es gibt irgendwo in Deutschland sogar einen pensionierten Physikprofessor, der unterstützt dieses Buch und verschenkt es an Schulleiter. Doch der christliche Wissenschaftler Kutschera, der die Umtriebe der Atheisten schon lange beobachtet, hat glücklicherweise nach Eingaben bei den Kultusministern die Versicherung erhalten, dass solcherlei nicht auf die Schulbuchlisten kommt.
Aber die Atheisten sind auf dem Vormarsch, wie unser inversierter Text uns aufklären würde: Nur noch 70 Prozent der Deutschen glauben, dass der Mensch nicht vom Affen abstammt! Nur jeder zweite Deutsche glaubt, daß "eine höhere Macht" die Erde und das Leben auf ihr geschaffen hat. Optimale Bedingungen also für Evolutionisten. Die Filmemacher zeigen in ihrer Dokumentation, wie gerade junge Menschen auf Seminaren oder Kongressen von den Ideen der Evolutionisten angezogen werden. "Wir haben einige junge Menschen gesprochen, die ganz beseelt aus diesen mehrstündigen Seminaren herauskamen und sagten: 'Das war so toll, jetzt habe ich wirklich neue Erkenntnisse'", erzählt Frank Papenbrook. Die Jugendlichen seien nach diesen Veranstaltungen überzeugt gewesen, dass die Erde Millionen Jahre alt sei und der Grand Canyon Produkt einer tektonischen Verschiebung!
All das stände in dem Text. Es würde uns schaudern, wenn wir ihn lesen würden, es würde uns schaudern bei dem Text und angesichts der Kultur, die er fraglos repräsentiert. Denn unter Gedankenfreiheit stellen wir uns etwas anderes vor.
Julio Lambing - Mi, Sep 20, 2006 - Zettelkasten: Wissenschaft







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