Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Warum die Google-Löschung kein Einzelfall ist

Nun ist es zwei Wochen her, daß ich zum erstenmal meine Anfrage an Google gestellt habe, warum mein Artikel bei den Stichwörter Easydentic, Adhersis, Protection One oder Eurotec GmbH aus den deutschen Suchergebnissen gelöscht wird. Letzte Woche hatte ich die Frage an Google wiederholt. Bisher habe ich keine Antwort erhalten. Das Murksblog vermutet, daß bereits ein Anwaltsschreiben zur Google-Löschung genügt und verweist auf einen aufschlußreichen Artikel bei heise online ("Suchmaschinenbetreiber wollen keine 'ungesetzlichen Richter' sein", 12.09.2006), der von einem gemeinsam Aufruf der Suchmaschienenbetreiber berichtet, die unklare Rechtsituation in Deutschland zu beenden:

"Suchmaschinen werden in einem zunehmenden Maße mit der Entscheidung in Anspruch genommen, ob einzelner Inhalte im Internet auffindbar und zugänglich sein sollten oder nicht", monieren die Anbieter. Sie sähen sich dabei angesichts der sehr weitgehenden zivilrechtlichen (Störer-) Haftung dazu gezwungen, bereits von der Mitteilung einer rein behaupteten Rechtsverletzung einzelne Suchtreffer aus ihren Ergebnislisten zu löschen. Diese Situation machten sich "zahlreiche Akteure" durch bewusstes Abmahnen missliebiger Inhalte etwa von Konkurrenten zunutze. Die Praxis zeige, dass hinter den angeblichen Rechtsverstößen häufig seriöse und vollkommen legale Inhalte steckten."

Entsprechend laufen derzeit Bemühungen, im Dialog mit der Politik den Gesetzgeber dazu zu drängen, die Situation zu klären. Ich kann durchaus Verständnis für die Suchmaschienenbetreiber aufbringen, die sich auf die schwierige Rechtssituation in Deutschland berufen. Und auch den Hinweis jener wohlwollenden Stimmen anerkennen, daß zumindest Google die manuelle Manipulation der eigenen Suchergebnisses ansatzweise transparent macht. Aber was soll man davon halten, daß Google auch nach zwei Wochen nicht auf entsprechende Anfragen reagiert?

Hier zeigt sich wieder einmal, wie wertvoll eine kritische Öffentlichkeit jenseits der konventionellen Massenmedien ist, für die solche Dinge unterhalb der Aufmerksamkeitsschwelle liegen. Sie sichert den Informationsfluß, den problematische Firmen zu unterbinden suchen. Bis auf eine Zeitschrift in den Niederlanden und das Magazin eines Berufsverbandes in Belgien weiß ich von keinem Printmedium, das über Unternehmen des von mir untersuchten Firmennetzes kritisch berichtet hätte. Dadurch aber, daß eine ganze Reihe an Weblogs über die Löschung der Suchergebnisse oder den Artikel selbst berichtet haben, wurde nun Aufmerksamkeit für die Thematik geschaffen. Der betroffene Text wurde bereits mehr als 1700 mal gelesen. (Vielen Dank an die betreffenden Blogger für das Aufgreifen des Themas und ein Schulterklopfen an denjenigen, der auf die Idee mit der Google-Löschung kam.) Sich als Teil einer kritischen Öffentlichkeit zu begreifen, hat natürlich auch für mich Konsequenzen: Ich halte es weiterhin sehr wohl für möglich, daß mir bei den Recherchen oder bei meinen Schlüssen Fehler unterlaufen sind und bin deshalb für Kritik an den Texten, die mit plausiblen Argumenten unterfüttert ist, durchhaus offen. Denn mir geht es immer noch um fundierte Rede und Gegenrede.

Die erhöhte Aufmerksamkeit über die Aktivitäten der hier besprochenen Firmen ist nicht die einzige Konsequenz des Versuchs, meinen kritischen Bericht über problematische Aktivitäten in der Sicherheitsbranche aus der öffentlichen Wahrnehmung zu drängen. Ich hatte in dem Artikel ja massive Zweifel an der moralischen Integrität des Geschäftsgebarens von Easydentic und anderen geäussert - ich hoffe mit vielfältigen, stichhaltigen Belegen und einsichtigen Argumenten. Die letzten Ereignisse nun scheinen meine Beobachtungen eher zu bestätigen als zu erschüttern.

Denn die Praxis der Zensur von kritischen Internet-Berichten von betroffenen Kunden über die von mir untersuchten Firmen der PARFIP-Familie ist nicht untypisch. Da verschwindet einfach zuviel. Ob Niederlande, Frankreich oder Deutschland - ein Muster:
  • Schon bei Euroweb fiel der bemerkenswerte Umgang mit Kritik auf. Euroweb erreichte, daß mehrere Foren kritische Beiträge löschten (siehe auch hier). Das Unternehmen bedrängte den Blogger Jens Scholz wegen dessen kritischen Bemerkungen und versuchte den User Holznagel daran zu hindern, auf Anfragen Betroffenenberichte über das Unternehmen zu versenden. Zuletzt versuchte Euroweb nach Bericht von Anna Kühne die renegate Ex-Kundin dazu zu bringen, sich so zu verhalten, als ob "die Euroweb Internet GmbH überhaupt nicht existieren würde".

  • Auch bei kritischen Berichten über Adhersis (Teil der RISC Group) wurde auf dem Forum Administrator durch externe Intervention Beiträge gelöscht. Auf dem französischen Anleger Forum Boursorama wird die wirtschaftliche Entwicklung der RISC Group, die seit Ende Oktober mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten und exorbitant hohen Kursverlusten konfrontiert wurde, von den Anleger heiß diskutiert. Doch auch hier bin ich auf einen Beitrag des Users Strapir gestoßen, der sich kritisch mit den Geschäftspraktiken des Adhersis-Vertriebs beschäftigte und flugs gelöscht wurde. ("Pour les incréduls, je vous invite à prendre au hasard dans Paris dans un immeuble où il y a pas mal de société : vous entrer vous demander à rencontrer de suite un décisionnaire et vous lui dite que vous représenté adhersis.")
    Es erstaunt deshalb nicht, wenn die Google-Suchergebnisse zu meinem Artikel zur Sicherheitsbranche gleich auch in Bezug auf Adhersis zensiert werden.

  • Auf den französischen Achaland-Foren konnte man das sukzessive Zusammenstreichen von Threads beobachten, auf denen eine Vielzahl an Kunden über die Firmen PARFIP oder Cortix berichteten. (Die Achaland-Foren wurde aufgrund von Klagen diverser Firmen schließlich geschlossen.)

  • Bei Proximedia gab es nicht nur verschwundene Forenbeiträge, sondern gleich eine ganze Website ("Stop Proximedia"), die wenige Tage nach ihrem Start wieder dicht gemacht werden musste.

  • Und auch bei easydentic bin ich nicht der einzige Fall: Auf einem französischen Anlegerforum verschwanden ebenso Beiträge ("Bravo la censure, Messieurs d'Easydentic", "Pour le Webmaster", "desolant") wie in dem deutschen Kijiji-Forum.
Manchmal machen die Firmen direkt Druck, manchmal sind die Forenbetreiber schon vorher eingeschüchtert und löschen im vorauseilendem Gehorsam. So wurde einem User die Löschung eines kritischen Beitrags zu Easydentic auf einem großem deutschen Forum mit den Worten begründet:
Ich musste leider Dein Posting entfernen, da sich in der Vergangenheit die Firma und die Rechtsanwälte der Firma beschwert haben. So sind uns die Hände gebunden und können keine derartigen Threads mehr zulassen.
Eigentlich eine ideale Situation für einschlägig bekannte Firmen, wenn kritische Artikel aus Angst vor Repressalien bereits vorab gelöscht werden. Mal sehen, wie weit die betreffenden Firmen damit kommen, wenn sie diese Situation ausnutzen wollen.

Update 4.10.06:
So langsam faß ich mir dann doch an den Kopf!


Was wollt ihr denn alles aus Google wegzensiert haben, meine Herren?
Denn anscheinend ist der Artikel neben den Stichwörtern Easydentic, Adhersis, Protection One oder Eurotec GmbH auch für die Schlagworte "Euroweb Marketing" und "Euroweb Asset" bei den deutschen Google-Suchergebnissen gelöscht worden. Da will also jemand wirklich gründlich sein. "Hey", möchte man dann den Urhebern der Google-Zensur zurufen, "es gibt noch viele Wörter in dem Artikel, da kann man noch viel mehr Suchbegriffe löschen!"

Und wenn man dann tatsächlich die Probe aufs Exempel macht, gibt es ganz seltsame Effekte. Zum Beispiel, wenn man nach den (Ex-)Euroweb-Geschäftsleuten Daniel Fantzscher, Rüdiger Bues, Dieter Haberland, den Easydentic-Top-Managern Patrick Fornas, Torsten Clausen, Jean-Christoph Penne, Frank Jürgens, Herve Mangonaux, Pascal Launay oder den Firmen Tyco International, Westar Energy Group, RISC-Group, Artys und Compagnie Européenne de Télésécurité sucht. Überall taucht der Satz auf: "Aus Rechtsgründen hat Google 1 Ergebnis(se) von dieser Seite entfernt. Weitere Informationen über diese Rechtsgründe finden Sie unter ChillingEffects.org." Selbst vor dem Schlagwort "Biometrie" oder der Adresse der Hamburger Easydentic Niederlassung "Heidenkampsweg 66 20097 Hamburg" scheint man nicht halt machen zu wollen. Die Haupt-URL ist aber jeweils noch vorhanden, es scheint als würden lediglich hin- und wieder diverse Neben-URLs gelöscht worden sein. Ist das jetzt ein nette Geste von Google Deutschland, weil man den aufmerksamen Leser dazu bewegen möchte, besser die unzensierte, internationale Variante von Google zu nutzen? Das wäre ja löblich. Oder klappt das mit der Zensur noch nicht so richtig? Ich wäre dankbar, wenn ein Kenner dieser Materie hier weiterhelfen könnte.


Update 06.10.06: Merkwürdige Dinge geschehen bei Google.de... Mein Artikel taucht anscheinend unter einem der Stichwörter wieder auf ("Easydentic"), dafür verschwinden jetzt wohl Beiträge von anderen Bloggern, die über die Zensur berichteten und gerade erst ganz oben im Such-Ranking waren. Merkwürdig, merkwürdig. Würde mich freuen, wenn das jemand verifizieren könnte.

Update 31.10.2006: Zu früh gefreut. Die Zensur ist anscheinend wieder voll in Kraft: Auch wenn andere Artikel rund um die Zensur angezeigt werden, ist der unbequeme Artikel selbst wieder aus den Suchergebnissen gelöscht. Dies könnte mit der nachträglichen Veröffentlichung des anwaltlichen Schreibens an Google zu tun haben. Auf jeden Fall ist jetzt bestätigt, daß Easydentic die Zensur veranlasst hat.
Artikel zu dem Firmennetzwerk, um das es geht

"Weil sie einzigartig sind..." - Sicherheitstechnologie in den Händen eines obskuren Geschäftsmilieus?
Neue Erkenntnisse um die Firmen Easydentic, Adhersis, Compagnie Européenne de Télésécurité (CET), Eurotec, Euroweb Marketing und Euroweb Asset Managing

Wenn die Butterbrote den Souverän satt gemacht haben
Heinrich Heine, die Blogger und der Riese hinter Euroweb
(Recherchen über die europäischen Aktivitäten der Firmen PARFIP und PROXIMEDIA)

"Insbesondere bevorzugen wir Bewerber von Euroweb"
In welcher Beziehung stehen die Beschwerden über die Adhersis AG zu denen über die Euroweb Internet GmbH?

PROXIMEDIA - wiederholt sich Geschichte? Nun, manchmal vielleicht schon
Recherchen über die Firmen PROXIMEDIA Deutschland, PROXimedia Service und Euroweb Internet GmbH

"Ich sah keinen Grund für Mißtrauen und unterschrieb."
Ein Erfahrungsbericht eines Betroffenen

Euroweb - eine Spurensuche
Die Ankündigung einer Textreihe und mir wichtige Vorbemerkungen
rene (Gast) - Mi, Okt 04, 2006

mit den stichwörtern hat das weniger zu tun, denke ich...

die haben einfach diese eine URL als zensiert geflagt (sprich: häkchen gemacht) und damit taucht die URL bei allen Suchergebnissen nicht auf... da kannst du auch "und" eingeben plus deine site und da wird stehen... "1 Suchergebnis" entfernt...
Julio Lambing - Mi, Okt 04, 2006

Das mit der generellen Kennzeichnung der URL http://axonas.twoday.net/stories/2527087/ klingt plausibel. Das würde auch erklären, warum bei manchen Suchbegriffen die URL trotz Kennzeichnung weiter auftaucht. Der Zusatz "Aus Rechtsgründen hat Google 1 Ergebnis(se) von dieser Seite entfernt. Weitere Informationen über diese Rechtsgründe finden Sie unter ChillingEffects.org." wäre dann ein irreführender Automatismus.

Das ganze wirkt aber nicht so, als ob sie mit dem Thema adäquat umgehen. Wie wäre es mit der folgenden Formulierung:

"Aus öffentlich nicht einsehbaren Gründen hat Google entschieden, bei anderen Suchvorgängen ein hier aufgeführtes Suchergebnis aus der Auflistung zu entfernen. Wir haben aber das Problem im Griff."
mspro (Gast) - Mi, Okt 04, 2006

Wenn du dein Einverständnis gibst, dann mirrore ich den/die Artikel. Und vielleicht ja noch ein paar andere Blogger. Mal sehen, was Google dann macht... ?
Tina (Gast) - Fr, Okt 06, 2006

Der Markt ein Feld

--- und der Kunde/Leser ist oftmals nicht der König, sondern befindet sich in erheblicher Distanz zum Machtpol ... ich lese Deine Beiträge mit Vergnügen und Interesse.

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