Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Buchmesse: elektronische Medien, Gemeinschaften

1. Die Nachfolger der Intellektuellen foppen, immer noch gut:

"So sind sie also einer jener vollverkabelten Menschen?" [Origineller ironischer Vorstoß]

Freundlich lächend: "Ja." Ich begründe es mit meiner Tätigkeit. [Man sieht dem Gegenüber die innere Regung an, aber auch die Höflichkeit das Urteil für sich zu behalten.]

[Es folgen die üblichen Absätze um den Wert des Buches, die Rückzugsmöglichkeiten jenseits der Datenströme etc. Intellektuelle etc. sind halt berechenbar.]

Und dann: "Würden Sie etwa Hegel auf dem Bildschirm lesen?"

"Aber selbstverständlich." [Eine kleine Lüge, ich finde Hegel gerade echt nicht interessant, sorry. Ich würde ihn gar nicht lesen. Aber meine Göttin, man ahnt ja bereits wo die Frage hinführt. Und es wäre nicht anders als wenn ich ihm erzähle, was ich als Klolektüre mag.]

Das war's dann. Die Unterhaltung plätschert noch etwas weiter. Immer dann, wenn Vorurteile über neue Medien bestätigt werden, hellt sich das Gesicht des Gegenübers auf. Ansonsten stiehlt sich der Blick bereits gelangweilt von dannen.

2. Die schrägen Vögel sind immer noch die spannensten

Am 26. September gab es in der Frankfurter Rundschau eine Besprechung eine sneuen Aufsatzbandes von MacInytre. Er endete, wenn ich mich recht erinnere mit eine Seufzer, warum die Kritik an der Moderne mit einem vormoderen Ansatz erfolgen muß. Ja die Freiheit des Denkens ist manchmal gar nicht nett.

In Deutschland, wo die die kulturelle Bräsigkeit der Linken ja erstmal auch einen Foucault ins Lager der reaktionären Menschheitsfeinde abschieben musste, konnte ja auch ein christlicher Moralist, der die modernen liberalen Kulturen kritisiert und Aristoteles gegen Kant ausspeilte nur ein Menschheitsfeind sein, der den Neu-Nazis die intellektuellen Konzepte liefert. So ist hier das Lager der Geistarbeiter, das heimlich immer noch denkt, daß der Geist links steht. Die Konservativen schnallten es schneller (so ist das mit dem Geist, der "links steht"), dass jemand, der Marx mit Aquinos kombiniert und den modernen Staat für gescheitert hält, nicht so Recht in die Agenda passt, vor allem wenn er keine Lust hat, die Überlegenheit westlicher Zivilsation über andere Kulturkreise auszurufen - etwas wo sich Rechte und Linke ja immer einig waren. (Das war ja schon an den Postmodernen das Widerliche: Immer dieses nervige Gerede vom "Ethnozentrismus." Wo doch jeder weiß, daß in Europa die universellen Weisheiten menschlicher Rationalität gefunden wurden.)

Zurück zum Rezensenten, die typische Reaktion: die Kritik an den herrschenden Zuständen aus dieser seltsamen aristotelischen Sicht, da kann man sich mittlerweile mit anfreunden. Aber die Ausarbeitung des Alternativkonzepts, da rümpft der Rezensent die Nase, die findet man hier in Deutschland nicht überzeugend, die kann das kritische Milieu, das schon längst nach Arriviertheit strebt, gar nicht plausibel finden. Aber so ist das mit Subkulturen. Deren Realität scheert sich recht wenig darum, ob sich das Fussvolk der Kulturarbeiter die Entdeckungen der feinfühligen Scouts als überzeugende gesamtkulturellen Alternative vorstellen kann.

Einige der Akteure, die in MacInytres Ansatz passen, konnte ich auf der Buchmesse mal wieder treffen. Erfrischend, ich mag sie immer noch. Menschen, die unbeirrt ihre Alternativkonzepte umsetzen, Stein auf Steine setzen. Frauen und Männer mit Kraft, die zäh dabei bleiben angesichts des allgegenwärtigen Zynismus, der Weltverbesserer trifft. Herzlichkeit, die mit offenen Karten spielt und keine doppelten Böden einbaut. Mir immer noch lieber als die coolen Kritiker, die sich abgesehen von ihren politischen Wortschwallen und dem Lesen von Agamben in nichts von dem Mainstream unterscheiden, den sie vorgeben zu "bekämpfen". Aber sich selbst feiern.

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