Notiz: Die Auflösung von Nationaldiskursen und Hannah Arendts Second Chance
Aus einem taz-Interview mit Idith Zerta:
Sie haben mit Moshe Zuckermann einen Band herausgegeben, der sich mit Arendt befasst, kürzlich gab es eine Konferenz über Arendt in Tel Aviv. Kommt sie also zum ersten Mal in Israel in Mode?
Der israelische Nationalstaat befindet sich in einem Prozess des Zerfalls in einzelne Teile. Der große nationale Diskurs, das große zionistische Narrativ à la Ben Gurion existiert nicht mehr. Heute besteht die israelische Gesellschaft aus vielen großen Minderheiten. Eine einheitliche Gesellschaft mit einer einheitlichen Erinnerungskultur gibt es nicht mehr. Das ermöglicht die Entstehung einer Vielzahl von Diskursen, auch alternativen. Hinzu kommt die Generationsfrage. Meine Studenten haben keine offene Rechnung mit dieser Frau.
Kann man von einer Arendt-Renaissance in Israel sprechen?
Nein, Arendt ist Minderheitengeschmack. Aber es gibt heute in Israel Menschen, die ihre Fragen nutzen, um das zionistische Narrativ in einem radikal kritischen Licht zu betrachten.
"Hannah Arendt wird in Israel gehasst"; Interview von Tsafrir Cohen mit Idith Zerta; die tageszeitung vom 14.10.2006, S. 12 (Sonderseiten zum 100. Geburtstag von Hannah Arendt)
Sie haben mit Moshe Zuckermann einen Band herausgegeben, der sich mit Arendt befasst, kürzlich gab es eine Konferenz über Arendt in Tel Aviv. Kommt sie also zum ersten Mal in Israel in Mode?
Der israelische Nationalstaat befindet sich in einem Prozess des Zerfalls in einzelne Teile. Der große nationale Diskurs, das große zionistische Narrativ à la Ben Gurion existiert nicht mehr. Heute besteht die israelische Gesellschaft aus vielen großen Minderheiten. Eine einheitliche Gesellschaft mit einer einheitlichen Erinnerungskultur gibt es nicht mehr. Das ermöglicht die Entstehung einer Vielzahl von Diskursen, auch alternativen. Hinzu kommt die Generationsfrage. Meine Studenten haben keine offene Rechnung mit dieser Frau.
Kann man von einer Arendt-Renaissance in Israel sprechen?
Nein, Arendt ist Minderheitengeschmack. Aber es gibt heute in Israel Menschen, die ihre Fragen nutzen, um das zionistische Narrativ in einem radikal kritischen Licht zu betrachten.
"Hannah Arendt wird in Israel gehasst"; Interview von Tsafrir Cohen mit Idith Zerta; die tageszeitung vom 14.10.2006, S. 12 (Sonderseiten zum 100. Geburtstag von Hannah Arendt)
Julio Lambing - Fr, Okt 20, 2006 - Zettelkasten: Das System







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