Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Fähigkeitenansatz als moderne Interpretation von Arendt

Der politische Raum als ein Raum des Handelns und der Vortrefflichkeit muß im Gegensatz zu Hannah Arendts Konzeption immer auch die Bedingungen im Blick haben, die das Handeln erst möglich machen. Diese Bedingungen werden in der Familienarbeit, in der Erziehung, dem Bildungswesen, der Urlaubs- und Lohngestaltung etc., den Formen, wie man sich Finanzierung und all den Gebieten, in den festgelegt wird, ob wir krank oder gesund sind, geschaffen. Politik beschäftigt sich also auch damit wie die die Fähigkeiten eines Menschen zur vollen Entfaltung gebracht werden können (1), wie die Bedingungen geschaffen werden können, daß Vortrefflichkeit sich ausbilden kann. Und doch tut sie das nicht im Modus des Herstellens. Wenn Seyla Benhabib konstatiert, daß "das Großziehen von Kindern und ihre Erziehung (...) weniger der Arbeit und eher dem Herstellen eines Werkes [gleicht]", (2) dann sagt dies einiges über das instrumentalistische Verhältnis aus, mit dem wir seit Urzeiten dem gegenüber treten, das zwar Person ist, aber in einem grundlegenden assymetrischen Kräfteverhältnis uns gegenüber steht. Auch in der Erziehung müssen wir die Personenhaftigkeit und die Person des Kindes selbst achten und mit ihm das Wagnis des Handelns eingehen. Allerdings ist ein Teil des Handelns immer ein sich in Bezug bringen zu dem Kind als zukünftige Person, dem wir Rechenschaft schulden. Ähnliches gilt für unser Verhältnis zu denjenigen Personen, deren zukünftige Person wir als Teil des Handelns berücksichtigen müssen, wenn wir Unternehmungen hinsichtlich der Bedingungen starten, die ihre Teilnahme an der politschen Sphäre sichern, um Vortrefflichkeit auszubilden.

(1) Martha C. Nussbaum: "Der aristotelische Sozialdemokratismus"; in Martha C. Nussbaum: "Gerechtigkeit oder das gute Leben"; Frankfurt a.M. 1999;
(2) Seyla Benhabib: "Hannah Arendt - Die melancholische Denkerin der Moderne"; Hamburg 1998; S. 219
T.Albert (Gast) - Di, Okt 24, 2006

Das Kind als Werk in Herstellung und nicht als Arbeit - da versteh ich jetzt weder den Arbeits- noch den Werkbegriff, noch die Vorstellung vom Objekt.
Julio Lambing - Di, Okt 24, 2006

Weiß jetzt nicht so genau, wie ich mit deine Bemerkung verstehen soll. Generelles Verständnisproblem?

In der feministischen Diskussion gibt es einen alten Strang, der sich mit einer Anwendung des Arbeitsbegriffs für Hausarbeit in patriachalischen Kulturen beschäftigt (z.B. wenn es um Fragen eines Familienlohns geht). Den griff Benhabib auf bei einer Diskussion der Arendtschen Unterscheidung von Handeln, Herstellen und Arbeit bzw. zwischen Politik und Gesellschaft. Sie sieht dabei anscheinend das Werk der Formung von Persönlichkeit ähnlich wie Foucault als Akt des Herstellens.

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