Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Doch Dicker wenn Du mich fragst, hab ich da nix mit am Hut

Vorab: Also eigentlich, ganz eigentlich schreibe ich das Folgende nur aus Sympathie für die Aktion dieser musikalischen Herren:

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Sie ist für mich die Ohrwerdung von Gedanken, die ich seit dieser Diskussion mit mir herumtrage. Gedanken, die sich weniger mit Musik und dem Musikmarkt beschäftigen - ich bin kein Kenner des Musikmarktes und als Online-Magazin zu Musik, das ich gelegentlich lese, könnte ich nur dieses nennen - als mit sozialen Aspekten solcher kreativen Ausbrüche:

Neue Ära des Gate Keepers

Auch wenn manche Bloggerin das Ende des Gate Keepings durch Zeitungen und Zeitschriften vorraussagt, glaube ich nicht, daß Gate Keeping bereits ein absehbar obsoletes Modell wirtschaftlichen Handelns ist. Ich vermute im Gegenteil, daß seine große Zeit noch gar nicht angebrochen ist. Wir haben in den vergangenen Jahren, wie Jeremy Rifkin vor sechs Jahren es treffend beschrieb, Vorstufen dessen kennengelernt, was es heißt auf umfassende Weise "Access"/"Zugang" als leitendes Geschäftsmodell zu entwicklen: Zugang zu Leasingangeboten, sicheren Wohnvierteln, Home Communities, Erlebnisparks, Franchisemodellen, Saatgut, medizinischen Versorgungssystemen, Telekommunikation, Kontakt-, Job-, Wohnungs-, Liebes-, Handelsplattformen, touristischen Erlebnisclubs, Einkaufszentren, Film-, Musik und Sportwelten, Abenteuern in der Cyberworld etc. Überall können wir beobachten, wie neue lohnende Geschäftsmodelle entstanden sind, die auf Gewährung von Zugang und damit auf die kommerzielle Organisation dieses Zugangs durch Pförtner aufbauen. Jemand steht am Eingang dieser Welten und bestimmt, was ihre Angebote sind, wer eintreten und die Angebote nutzen darf und zu welchen finanziellen Konditionen der Zugang gewährt wird. Es braucht keine Phantasie sich die Vielfalt neuerer Entwicklungen vorzustellen, die im Rahmen dieses Trends hervorgebracht werden. Ein ganzes Universum an neuen Absatzmärkten entsteht.

"Im kommenden Zeitalter treten Netzwerke an die Stelle der Märkte, und aus dem Streben nach Eigentum wird Streben nach Zugang, nach Zugriff auf das, was diese Netzwerke zu bieten haben. Unternehmen und Verbraucher machen erste Schritte, den zentralen Mechanismus des neuzeitlichen Wirtschaftslebens auszuhebeln - den Tausch von Eigentum zwischen Verkäufern und Käufern auf Märkten. (...) Die Anbieter der neuen Ökonomie werden ihr Eigentum behalten, sie werden es verpachten und vermieten oder auch Zugangsgebühren, Abonnements- oder Mitgliedsbeiträge für seinen befristeten Gebrauch erheben.(...) Unternehmen sind in diesem Übergang vom Besitz zum Zugang schon ein Stück weit vorangekommen. In einem gnadenlosen Wettbewerb verkaufen sie ihren Grundbesitz, verschlanken ihr Inventar, leasen ihre Ausstattung und lagern ihre Aktivitäten aus; sie wollen sich von jeglichem immobilen Besitz befreien.(...) Auch Verbraucher orientieren sich um: Sie streben weniger nach dem Eigentum an einer Sache, denn nach ihrer Verfügbarkeit." (1)

"Wie Eigentumsbeziehungen sind auch Zugangsbeziehungen darauf angelegt, soziale Differenzierungen zu schaffen. Eigentum setzt den Unterschied zwischen denen , die besitzen, und denen, die mittellos sind; Zugang zwischen denen, die venetzt sind, und denen, die abgeschnitten bleiben. Eigentumsbeziehungen und Zugangsbeziehungen handeln also von Teilnahme und Ausschluss. Die Differenz zwischen denen, die haben, und denen die nicht haben, wird quantitativ daran gemessen, wieviel das Eigentum, das jemand besitzt, wert ist, und qaulitativ daran, wie groß die Macht und die Kontrolle sind, die jemand kraft seines Reichtums über die Arbeit anderer asuüben kann. Die Differenz zwischen denen, die drinnen stehen, und denen, die vor dem Tor bleiben, wird quantitativ daran gemessen, an wieviel Netzwerken jemand teilnimmt, und qualitativ daran, wie sehr jemandes Beziehungen und Verbindungen zu anderen eingebettet sind."(2)


Im Zentrum des Zugangs-Business steht die Konstruktion von Erlebniswelten, die mit der Entstehung der Film- und Musikindustrie vor 80 Jahren um atemberaubende Dimensionen bereichert wurden und deren Intensität in den letzten zwei Dekaden durch den Einsatz elektronischer Intelligenz nocheinmal enorm gesteigert wurde. Ironischerweise ist aufgrund der durch die Digitalisierung veränderten Veröffentlichungsmöglichkeiten und aufgrund der entsprechenden öffentlichen Auseinandersetzung über "Raubkopien" die Musik- und Filmwelt in den Brennpunkt der Diskussion gerutscht, wie durch Umstrukturierung von Zugang neue Geschäftsformen geschaffen werden können. Denn hier wird für viele Kunden erfahrbar, was den Unterschied ausmacht zwischen der alten, an klassischen Eigentumsbegriffen aufgebauten Ökonomie und der neuen Wirtschaft, die sich auf die Verwertung von Zugangsmöglichkeiten konzentriert. Jens Scholz erläuterte das vor ein paar Monaten mal an dem Streit über das neue Urheberrechtsgesetz:

"Schaut man sich die Charts an, findet man die Zielgruppe dieses Gesetzes: Die Jugendlichen zwischen 13 und 21. Die sollen und werden nun lernen, daß man nicht mehr ein Musikstück kauft, so wie wir von der Vorgängergeneration noch taten, sondern daß man nur noch eingeschränkte Nutzungsrechte erwirbt. Eingeschränkte Nutzungsrechte, die unmöglich Leuten zu erklären sind, die bislang nur eingeschränkte Vervielfältigungsrechte kannten. Aber die kommenden Konsumentengenerationen dazu zu konditionieren, das wird klappen. Immerhin haben wir ja auch eingeschränkte Vervielfältigungsrechte gefressen, die ein bis zwei Generationen zuvor ebenfalls unbekannt waren. Es soll sogar Zeiten gegeben haben, in denen Musiker die Lieder anderer Musiker gespielt hatten, ohne irgendwelchen Rechteinhabern dafür etwas abgeben zu müssen (...)"

Der Gate Keeper legt fest zu welchen Konditionen jemand Zugang zu dem Erlebnis erhält, ein bestimmtes Musikstück anzuhören. Es gibt kein Gut mehr, eine CD etwa, das erworben wird und mit dem man tun und lassen kann, was man will. Die neue Ökonomie gewährt die Möglichkeit ein Musikstück zu "nutzen" und diese Nutzung ist etwas anderes als Eigentum. Sie muß immer wieder neu erkauft werden, die Beziehung zwischen Kunde und Pförtner ist andauernd, permanent kontrollierbar und auch modifizierbar.

Strike Back - die Rückeroberung verloren geglaubten Terrains

Als René von einem Protagonisten dieser neuen Verwertungsinteressen abgemahnt worden war, gab es einige, die darauf hinwiesen, daß es doch im Internet schon längst alternative Strukturen jenseits der Musikindustrie gibt, auf die man setzen sollte. Solche Ermahnungen deuten die Bandbreite der möglichen ökonomischen Auseinandersetzung an:

Bloggen ist eine Auswucherung öffentlicher menschlicher Kommunikation, die das Gate Keeping Modell der traditionellen Massenmedien in Frage stellt. Es gibt Möglichkeiten Öffentlichkeit zu erreichen, ohne auf die Verwalter und Relevanzprüfer der Massenmedien zurückzugreifen. Die Kombination von unabhängiger Musikproduktion, Youtube und eigenen Veröffentlichungskanälen, wie es MC Winkel, Büro am Strand und Nilzburger vormachten, ist ein Beispiel für eine sich formierende, weitere Front gegen das Gate Keeping Modell. Selbst wenn es nur eine kleine Szene der Blogger erreicht: Hier werden tendenziell die Gate Keeper der Musikindustrie umgangen. Dabei ist gar nicht wichtig, ob hinter dem ganzen Spaß nicht doch der Wunsch stecken könnte, in die ganz normalen Verwertungsmaschinerie der Musikindustrie aufgenommen zu werden und Blogs lediglich als Werbemöglichkeit zu nutzen. Wichtig ist das Signal: Das sind die Vorboten einer neuen reichweitenstarken Musiköffentlichkeit, die kommerzielle Verwertung durch Gate Keeping ein eigenes Modell entgegenstellen. Ähnlich stufe ich auch Spreeblicks Radioaktion ein.

Natürlich ist es naheliegend, ähnliche Fronten überall dort vorauszusagen, wo sich in nonkommerziellen Netzwerken ähnlich wie bei Musik, Journalismus, Information (Wikipedia) kostenlose Bereitstellung von visuellen oder auditiv vermittelten Kulturwerken anbietet. Alles das, was jetzt Opfer einer Raubkopie sein kann, birgt in sich den Keim für eine alternative Welt, die ähnlich nonkommerziell sein kann wie die Welt des schnell geschriebenen Wortes in der Blogosphere: Fernsehen, Radio, Filme, Computerspiele, Bücher etc. Deshalb finde ich Jens Scholzens "We are Blog-Projekt" so interessant. Man erobert also Bereiche menschlichen Lebens, die durch die Kulturindustrie kommerzialisiert wurden, wieder zurück.

"Die Marktbeziehungen haben das Bestreben, das kulturelle Leben in warenförmige Fragmente kommerzieller Unterhaltung, gelebter Erfahrungen, bezahlter Vergnügungen und gehandelter Beziehungen zu verwandeln. Können sie darin nicht gezähmt werden, werden sie die kulturelle Sphäre verschlingen.(...) Kultur und Kommerz wieder auszubalancieren, ist die entscheidende Aufgabe für das kommende Zeitalter - und eine, die nachfolgende Generationen mit derselben Leidenschaft und Überzeugung angehen müssen, wie sie die heutige Generation in ihrem Bemühen, zu einer nachhaltigen Balance zwischem dem Haushalt Ökonomie der Natur und der des Menschen zu gelangen gezeigt, hat."(3)

Die Chance, die endlos um sich greifende Kommerzialisierung unseres Lebens durch solche Technologien ins Leere laufen zu lassen, stößt aber sofort weitere Fragen an: Was ist mit unserem Leben jenseits von Musik, Film, Text etc ? Spannend wird es bekanntlich dort, wo ein Virus die Artgrenze überschreitet. Bergen die neuen Technologien das Potential zu einer anderen Ökonomie auch für jene neuen "Access"-Branchen, die ich oben ebenfalls aufführte und die Dinge und Dienstleistungen betreffen, die sich nicht digital kopieren lassen (Tourismus, Leasing, Home Communities etc.) ? Wie könnte das gehen? Oder überfrachtet man dann jene neuen Technologien mit unzulässigen Erwartungen?

Und auch im Internet wird es wohl kommerzielle Pförtner geben, die sich niemals und für niemanden umgehen lassen: Jene Medien- und Telekommunikationsunternehmen, die überhaupt Zugang zur bunten Internetwelt gewähren, entweder indem sie ihn physisch durch Telefonkabel und DSL leisten oder indem sie die Plattformen bereitstellen, auf denen die neuen kostenlosen Kulturwerke plaziert werden. Sollten sie sich dafür entscheiden, das die Nutzung weitgehend kostenlos ist, so haben dennoch eine zentrale Verwertungsmöglichkeit: Umfassende und zwanghafte Werbung - überall dort, wo sie den User erreichen können. Wird der allumfassende Motor in diesen nonkommerziellen Sphären dann das Marketing sein? Schon jetzt ist Werbung wohl die lohnenste Verwertungsmethode in diesen Sphären, wie uns "Google AdSense" Verbreitung auf Blogs vor Augen führt.


Update 01.11.06:
Und das scheint mir eine schöne Illustration dessen zu sein, was Kampf um Gate Keeping 2.0 heißen wird: "Der Meta-Deal YouTube/Google"


(1) Jeremy Rifkin: "Access, Das Verschwinden des Eigentums"; Frankfurt/Main 2000; S.10 ff
(2) Jeremy Rifkin: "Access, Das Verschwinden des Eigentums"; Frankfurt/Main 2000; S. 239
(3) Jeremy Rifkin: "Access, Das Verschwinden des Eigentums"; Frankfurt/Main 2000; S. 358 ff.
mspro (Gast) - Di, Okt 31, 2006

Gratulation

Genau das ist der Hauptaspekt, der mich gerade beschäftigt. Sehr treffend beschrieben. Es sind ja alles keine Zukunftsphänomene. Das alles gibt es seit public domain und open source. Heute würde ich es Bloggen nennen. Aber womit genau haben wir es zu hier tun?

Es stellt sich hier die Frage, was das denn eigentlich für eine merkwürdige Ökonomie ist, die in ihrer Freigiebigkeit jedes Gatekeepertum aushebelt? Ist sie "nur" eine andere Ökonomie? Ist sie bereits jenseits der Ökonomie? Ich bin versucht das Ganze von der Gabe her zu denken, wie sie Marcel Mauss beobachtet hat. Und nach Marx. Stoßen wir bereits in Regionen vor, in denen keine Äquivalenz mehr vorherrscht? Oder krasser noch: Hat es eine Äquivalenz (Tauschwert, Gebrauchswert... "WERT" an sich) je in der propagierten Form gegeben? Oder waren das von Anfang an nur Hirngespinste zur Legitimation eines Gatekeepertums? Alles um eine abstrakte Größe heraufzubeschwören: Den "Wert"? So ähnlich, wie die Rechnung der Musikindustrie, die vorrechnet, dass jeder, der einen Song "illegal" herunterläd ihn ansonsten gekauft hätte und ihren Schaden so in Astronomische Summen katapultiert? Was sind das für ein "Werte", die sich durch DRM erst konstituieren werden müssen? Ist nicht das ganze System von hier aus neu zu überdenken? Begriffe wie Schuld, Wert, Äquivalenz, Gut, Tausch etc...
Die klassische Ökonomie versteht sich als die Wissenschaft des Haushalts mit knappen Gütern. Dass sie bei potentiell unbegrenzten Gütern also nicht funktioniert, liegt auf der Hand. Ökonomie heute wäre das aktive Begrenzen der Güter, ihrer eigenen Existenzberechtigung wegen. Das geht nur durch Gewalt. Ich frage mich aber ob das aber nicht nur ein letztes Aufbäumen kurz vor dem Tod ist. Ich denke es kann jetzt alles sehr schnell gehen.
Julio Lambing - Di, Okt 31, 2006

Danke für den Kommentar zum Nachdenken und den vielen guten Fragen.

Ist sie "nur" eine andere Ökonomie? Ist sie bereits jenseits der Ökonomie?

Habe ich mich auch gefragt. Es ist auf jeden Fall kein Kommerz mehr.

Hat es eine Äquivalenz (Tauschwert, Gebrauchswert... "WERT" an sich) je in der propagierten Form gegeben? Oder waren das von Anfang an nur Hirngespinste zur Legitimation eines Gatekeepertums? Alles um eine abstrakte Größe heraufzubeschwören: Den "Wert"?

Bin gerade begriffsstutzig. Ich behaupte ja, daß das Gate Keeper Prinzip in der oben beschriebenen Dimension eine neuen Sache ist. (Nicht, daß es nicht schon immer Dinge gab, bei denen der Zugang zu ihnen bezahlt werden musste. Das flächendeckende Prinzip der Nutzung entgegen des Eiegntums ist das neue. ) Das Äquivalenzprinzip in der von dir genannten Form ist doch aber bedeutet älter?

Ich denke es kann jetzt alles sehr schnell gehen.

Wenn sich die bei Open Source-Software, Nachrichten oder Musik gezeigte Destruktion überall dort wiederholen lässt, wo das zugangsorientierte Gate Keeper Prinzip das Eigentumsprinzip ablöst. Noch scheint mir die Frage aber nicht geklärt, ob das Virus übergreift.
mspro (Gast) - Di, Okt 31, 2006

zum Gatekeepertum: Du hast natürlich Recht. In der heutigen Form gibt es das noch nicht so lange. Aber ich denke seit geraumerzeit darüber in kulturhistorischen Zusammenhängen nach und bin auf die Idee gekommen, dass das Gatekeepertum seine Wurzeln in jeglicher Art der Priesterschaft hat. Es gibt seit dem verschiedene Arten, den Zugang zu begrenzen. Sie sind so manigfaltig, dass wohl kaum jemand dem Gatekeepertum völlig entkommt. Das ist quasi Strang 2 meiner Gedanken. Aber leider noch recht unfertig. Sonst hätte ich sie auch schon längst gebloggt. ;-)
Simon (Gast) - Mi, Nov 01, 2006

Vorweg mal ein Link:

http://www.cjr.org/issues/2006/5/Vaidhyanathan.asp

Wie immer sehr interessante Ausführungen. In vielen deiner Argumente stimmen wir überein, aber nicht, was die Zukunft des "Gatekeeping" angeht:

1. Ich denke, was die Zukunft der Musikindustrie angeht, werden die großen Musiklabels (Warner, EMI etc.) und die großen Verbreitungskanäle (MTV, Bravo, öffentlicher Rundfunk) ihre marktbeherrschende Stellung mittelfristig verlieren. Die Verbundkostenvorteile ("economies of scale") sind durch das Internet einfach zu gering geworden. Ich denke, sobald der Gesetzgeber aufhört, durch seine extrem Major-freundliche Gesetzgebung aufhört, den Wettbewerb zu Gunsten der großen Industrie zu verzerren, werden sich auch die Musikproduzenten durchsetzen, die bessere Qualität anbieten.

2. Was die Gatekeeper des Internet angeht, hast du in gewisser Weise Recht. Die Frage, inwieweit die Eigentümer der großen Verteilnetze ihre Macht ausnützen werden, um diejenigen, die die Transportleistungen nachfragen zu übervorteilen, stellt sich - Gerade jetzt auch wieder in Bezug auf Triple Play, also die Verbreitung von Fernsehen über das Internet.
Man sollte in diesem Zusammenhang allerdings nicht unterschätzen, dass die Kontrolle des Telefon-Kabelnetzes noch längst nicht die Kontrolle des gesamten Marktes bedeutet: Internet wird auch über Fernsehkabel, Satellit und drahtlose Übertragungstechniken (Richtfunk, UMTS, flächendeckendes WLAN) angeboten. Im Markt für Telekommunikationsleistungen herrscht im Moment ein so harter Wettbewerb, dass man in Szenekreisen vom "War of Platforms" spricht, und einige der großen Telcos, z.B. jüngst die Telecom Italia und die Telecom Austria, erwägen, ihre Festnetzkabelsparte komplett aufzugeben, weil sie einfach zu wenig Gewinn bringt.

Bei Fernsehen über Internet (IPTV) wurde lange Zeit befürchtet, dass die Deutsche Telekom ihre Netzkontrolle ausnützen könnte, um eigene Inhalte bevorzugt zu vermarkten und andere Fernsehsender vom Markt auszuschließen. Tatsächlich kam es genau anders herum: Die DTAG ist am Markt so schwach, dass sie jede Gelegenheit nutzt, um ihr Angebot aufzuwerten. Deswegen schließt sie Verträge mit jedem Inhalteanbieter ab, der sich dazu bereit erklärt.
Julio Lambing - Do, Nov 02, 2006

Hallo!

ad1) Das ist ja genau das, was ich für möglich halte ("weitere Front")

ad 2) Ja, die Hinweise finde ich gut. Man kann sich vorstellen, daß durch besondere Regulierungen, Marktverzerrungen etc., diejenigen, die ein natürliches Monopol besitzen (also die Netz-/Infrastrukturanbieter) dieses Monopol nicht ausnützen können. Allerdings glaube ich, daß der langfristige Trend klare Verhältnisse schaffen wird.

Beides spricht aber nicht dagegen, daß es nicht in vielfältigen anderen Bereichen die große Zeit des Gate Keeping erst anbrechen wird. Es sei denn es werden auch hier durch die Macht der Technologie oder durch andere Zwänge "Open Door" Verhältnisse geschaffen. Was zu beweisen wäre.
Den Link schaue ich mir noch an.

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