Inakzeptable Zweifel: Ankündigung eines Gastbeitrages
"Es ist inakzeptabel, die Evolution als Faktum in Frage zu stellen."
Mit diesem Satz wird Ulrich Kutschera, Vizepräsident des Verbandes Deutscher Biologen und Deutschlands bekanntester Anti-Kreationist, derzeit häufig zititert. Und für mich war er der letzte Anstoß morgen einen Gastbeitrag zu veröffentlichen, der einen derjenigen zu Wort kommen lässt, deren öffentlicher Zweifel nicht geduldet wird - abgesehen vielleicht davon, wenn der Betreffende sich fürderhin nur in der Betstube oder dem Privatzimmer zu diesen Dingen äußern würde.
Der obige Satz wurde in dieser Form unzählige Male in deutschen Zeitungen wiederholt. Weitgehend unwidersprochen. Und diese kritiklose hunderfache Reproduktion spricht für die Macht und den Einfluß des dahinter stehenden gleichgescheitelten Denkens: Der Zweifel gilt jetzt als "inakzeptabel". Der Zweifel! Als wäre nicht gerade er jenes Korrektiv, das dem bissigen, manchmal verzweifelten, leidenschaftlichen Glauben an eine Idee/Theorie als besänftigende Schwester an die Seite gestellt wäre, um Wissenschaft kreativ und bedächtig zugleich zu machen. Doch der Kampf gegen Kreationistinnen verführt anscheinend eine nicht kleine Gruppe an Wissenschaftsideologinnen dazu, unsere Denken und Forschen stramm auf Linie bringen zu wollen.
Ich bin ein Freund des freien Denkens und Forschens, ich schätze Vielfalt in Wissenschaft und Bildung und ich kann Gleichgescheitelte, die unter dem Deckmantel der "Wissenschaftlichkeit" unliebsame Konkurrenten ausschalten wollen, nicht leiden. Auch häretische wissenschaftliche Schulen wie Kreationismus und ID-Theorien haben das Recht, daß man sich rational mit ihnen auseinandersetzt. Der morgen erscheinende Gastbeitrag von Reinhard Junker wird sich mit der oft kolportierten und zentralen Behauptung der Anti-Kreationisten auseinandersetzen, dass Kreationismus per se wissenschaftsfeindlich sei.
Reinhard Junker war ursprünglich Gymnasiallehrer für Biologie und Mathematik und promovierte in Theologie über theistische Evolutionsvorstellungen. Er ist ist Geschäftsführer der Studiengemeinschaft Wort und Wissen, nach meiner Kenntnis Deutschlands führender kreationistischer Think Tank, der in Kooperation mit dem Internetportal genesisnet eine Gruppe an (Molekular-)Biologen, Physikern, Mathematikern, Historikern, Chemikern und Theologen zur christlich motivierten Kritik an der Evolutionstheorie versammelt hat.
Auch wenn ich in Einzelheiten nicht mit den von ihm vorgebrachten Argumenten übereinstimme: Die generelle Grundrichtung seiner Darlegung, warum es ungerechtfertigt ist, dieser neuen Forschungsrichtung die Wissenschaftlichkeit abzusprechen, finde ich überzeugend.
Es bleibt selbstverständlich den Leserinnen überlassen, ob sie das ähnlich sehen. Ich werde ihnen bestimmt nicht mitteilen, dass es "inakzeptabel" ist, die dort vorgetragene Argumentation "in Frage zu stellen". Wir sind ja hier nicht bei Evolutionstheoretikern mit sektoiden Verhaltensauffälligkeiten, sondern unter rationalen Menschen.
Mit diesem Satz wird Ulrich Kutschera, Vizepräsident des Verbandes Deutscher Biologen und Deutschlands bekanntester Anti-Kreationist, derzeit häufig zititert. Und für mich war er der letzte Anstoß morgen einen Gastbeitrag zu veröffentlichen, der einen derjenigen zu Wort kommen lässt, deren öffentlicher Zweifel nicht geduldet wird - abgesehen vielleicht davon, wenn der Betreffende sich fürderhin nur in der Betstube oder dem Privatzimmer zu diesen Dingen äußern würde.
Der obige Satz wurde in dieser Form unzählige Male in deutschen Zeitungen wiederholt. Weitgehend unwidersprochen. Und diese kritiklose hunderfache Reproduktion spricht für die Macht und den Einfluß des dahinter stehenden gleichgescheitelten Denkens: Der Zweifel gilt jetzt als "inakzeptabel". Der Zweifel! Als wäre nicht gerade er jenes Korrektiv, das dem bissigen, manchmal verzweifelten, leidenschaftlichen Glauben an eine Idee/Theorie als besänftigende Schwester an die Seite gestellt wäre, um Wissenschaft kreativ und bedächtig zugleich zu machen. Doch der Kampf gegen Kreationistinnen verführt anscheinend eine nicht kleine Gruppe an Wissenschaftsideologinnen dazu, unsere Denken und Forschen stramm auf Linie bringen zu wollen.
Ich bin ein Freund des freien Denkens und Forschens, ich schätze Vielfalt in Wissenschaft und Bildung und ich kann Gleichgescheitelte, die unter dem Deckmantel der "Wissenschaftlichkeit" unliebsame Konkurrenten ausschalten wollen, nicht leiden. Auch häretische wissenschaftliche Schulen wie Kreationismus und ID-Theorien haben das Recht, daß man sich rational mit ihnen auseinandersetzt. Der morgen erscheinende Gastbeitrag von Reinhard Junker wird sich mit der oft kolportierten und zentralen Behauptung der Anti-Kreationisten auseinandersetzen, dass Kreationismus per se wissenschaftsfeindlich sei.
Reinhard Junker war ursprünglich Gymnasiallehrer für Biologie und Mathematik und promovierte in Theologie über theistische Evolutionsvorstellungen. Er ist ist Geschäftsführer der Studiengemeinschaft Wort und Wissen, nach meiner Kenntnis Deutschlands führender kreationistischer Think Tank, der in Kooperation mit dem Internetportal genesisnet eine Gruppe an (Molekular-)Biologen, Physikern, Mathematikern, Historikern, Chemikern und Theologen zur christlich motivierten Kritik an der Evolutionstheorie versammelt hat.
Auch wenn ich in Einzelheiten nicht mit den von ihm vorgebrachten Argumenten übereinstimme: Die generelle Grundrichtung seiner Darlegung, warum es ungerechtfertigt ist, dieser neuen Forschungsrichtung die Wissenschaftlichkeit abzusprechen, finde ich überzeugend.
Es bleibt selbstverständlich den Leserinnen überlassen, ob sie das ähnlich sehen. Ich werde ihnen bestimmt nicht mitteilen, dass es "inakzeptabel" ist, die dort vorgetragene Argumentation "in Frage zu stellen". Wir sind ja hier nicht bei Evolutionstheoretikern mit sektoiden Verhaltensauffälligkeiten, sondern unter rationalen Menschen.
Julio Lambing - Mi, Nov 08, 2006 - Zettelkasten: Wissenschaft
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Vielleicht sind Kreationsmus und ID-Theorien nur die Eisbrecher sind, die veraltete Forschungsbarrieren aus dem Weg räumen? Wer könnte garantiert ausschließen, daß durch ihre Ideen eine neue fruchtbare und kreative wissenschaftlichen Erforschung der Entstehung des Lebens angestoßen wird? Wer hat jene Gottvater-Position, daß er jetzt schon zweifelsfrei weiß, daß sie nicht eine Bereicherung unserer wissenschaftlichen Forschung sein können?
Ob Kreationisten gefährlich sein können? Nun ich traue Kreationisten nicht weit über den Weg, was eine an Freiheit und Toleranz orientierte Forschung angeht. Mehr noch: ich glaube, daß die gesamte geistige Strömung, die hinter Kreationismus und Intelligent Design steht, einem gedeihlichen Leben entgegensteht. Aber das begründet keine Sippenhaft für wissenschaftliche Debatten. Man sollte zudem ruhig auch differenzieren zwischen fanatischen WAHRHEITS-Vertretern und christlich motivierten Wissenschaftlern, die den Wert des Pluralismus zu schätzen wissen. Das sollte man ja auch bei Evolutionstheoretikern tun.
Und mir ist es lieber, daß die dahinter stehende Familie an monotheistischen Traditionen und Weltanschauungen in eine Kultur der Freiheit und Toleranz eingebunden wird anstatt sie unfair und irrational zu behandeln. Die Einübung in eine geteilte soziale Praxis, Toleranz für unterschiedliche Auffassungen zu entwickeln und der Hybris zu entsagen, daß man die eigene Wahrheit anderen aufzwingen darf, ist immer noch eine der besten Wege, Traditionen auf ein gedeihliches Miteinander einzuschwören.
Neben der Frage des Wahrheitskonzepts des ihn leitenden Weltbildes (die göttliche WARHRHEIT) sind für mich bestimmte ethische und soziale Konsequenzen des Kreationismus diskussionswürdig. Ich vermeine eine autoritäre und patriachalische Bilderwelt hinter kreationistischen Wissenschaftsschulen zu sehen (z.B. der allmächtige gutherzige Schöpfer-Monarch) und ich würde mich sehr freuen, wenn wir darüber in der Öffentlichkeit ausgiebig reden würden anstatt die Scheindebatte angeblicher Unwissenschaftlichkeit zu führen. Dann könnten wir nämlich auch gleich die Bilderwelt der Evolutionstheorie auseinandernehmen. Wollen wir wirklich solche Theorien zur Entstehung menschlichen Lebens wie diese beide Forschungsschulen? Haben wir die lebensweltlichen, politischen und sozialen Auswirkungen dieser biologischen Theorien bedacht? Wie würde z.B. eine Theorie aussehen, die sich von der Bilderwelt der Natalität leiten lassen würde? Wie eine, die von animistischen Konzepten ausgeht? Können wir da wirklich nicht wählen?