Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Dieses Weblog: Was Pluralismus heisst - und was nicht

Auch auf diesem Blog wie auf vielen anderem tauchen hin- und wieder Leute auf, die es als ganz ungerecht empfinden, wenn sie von den Hausherren mitgeteilt bekommen, was die jeweiligen hauseigenen Spielregeln, Vorstellungen und Anforderungen sind und dementsprechend von einem Kommentar ausgeschlossen werden. Es sind diejenigen, die den Sinn von Blogs als Artikulation nicht begriffen haben - und damit auch nicht den Sinn von Öffentlichkeit.

Ich hatte ja gehofft, daß sich durch die Einübung in die Gewohnheiten in die Blogosphere erläuternde Worte erübrigen. Anscheinend ist dem nicht so und deshalb hier eine Klarstellung:

"AXONAS - ein Versuch" ist kein Forum, das alle zu Wort kommen lässt. Es wäre ein grober Irrtum anzunehmen, daß dieses Blog pluralistisch verfasst sei, denn sei Autor ist nicht schizophren. Dieses Blog drückt eine einzige Stimme - meine Stimme* - in einem öffentlichen Raum aus, der seinerseits pluralistisch verfasst ist.

"Denn wiewohl die gemeinsame Welt den allen gemeinsamen Versammlungsort bereitstellt, so nehmen doch alle, die hier zusammenkommen, jeweils verschiedene Plätze in ihr ein, und die Position des einen kann mit der eines anderen in ihr sowenig zusammenfallen, wie die Position zweier Gegenstände. Das von Anderen Gesehen- und Gehört werden erhält seine Bedeutsamkeit von der Tatsache, daß ein jeder von einer anderen Position aus sieht und hört."**

Ein eigenes Weblog nimmt eine Position im Raum ein. Es hindert aber nie jemand anderes daran, daß diese andere in ihrem eigenem Blog ihre Meinung kundtut oder dort das Diskussionsniveau wählt, das ihr das liebste ist. Der öffentliche Raum der Blogosphere lässt Myriaden an Stimmen zu.

Ein ähnlicher Pluralismus gilt auch für Traditionen. Ich plädiere nicht dafür, daß Traditionen, religiöse Strömungen und wissenschaftliche Schulen (seien dies nun das Christen, Evolutionstheoretiker, Ufologen, Popperianer, polymorph perverse Venusanbeter, Kreationisten, etc.) sich für die jeweils anderen Traditionen, Schulen oder Strömungen öffnen und ihnen ein Forum zu bieten. Das können sie machen oder sein lassen, denn das ist eine Frage der eigenen Abwägung. Kein Christ kann verpflichtet werden, in seiner Bibel mehr oder weniger dümmliche Ergänzungen des Sceptical Inquirer abzudrucken.

Aber in einem öffentlichen Raum, der nicht nur durch öffentliche Gelder finanziert wird, sondern auch den Anspruch hat nicht nur eine einzige Bevölkerungsgruppe, sondern die Allgemeinheit zu bedienen und zu repäsentieren, müssen wir immer wieder darauf achten, daß einige Traditionen nicht sektenartig ihre Wahrheit durchsetzen. Wer die Leugnung der eigenen Lieblingstheorie mit der Leugnung von Auschwitz gleichsetzt und durch diese Hybris motiviert dazu schreitet, wissenschaftliche Forschungsfreiheit zu beschränken der ist eine Gefahr für die Demokratie. Wir sollten nicht vergessen, daß die abendländische Demokratie ihre Wurzeln in polytheistischen Kulturen hatte: Wer geübt ist anzuerkennen, dass es mehrere Götter gibt, der hat ein ganz anderes Verhältnis zur Wahrheit. Und er versteht einiges von der menschlichen Tiefe und Vielschichtigkeit: Nicht umsonst bedeuten uns die Dramen von Sophokles und Aischylos so viel.

*und denjenigen, denen ich Zugang gewähre und damit meine Stimme leihe
**Hannah Arendt: "Vita activa oder Vom tätigen Leben"; München 2005; S. 71
marco jansen (Gast) - Di, Dez 05, 2006

Das ist mal so eine Feststellung...

... die ich so nie hätte Ausdrücken können.

"Wir sollten nicht vergessen, daß die abendländische Demokratie ihre Wurzeln in polytheistischen Kulturen hatte: Wer geübt ist anzuerkennen, dass es mehrere Götter gibt, der hat ein ganz anderes Verhältnis zur Wahrheit. Und er versteht einiges von der menschlichen Tiefe und Vielschichtigkeit: Nicht umsonst bedeuten uns die Dramen von Sophokles und Aischylos so viel."

Überhaupt gefällt mir Ihre Seite außerordentlich gut. Ihre Inhalte verlangen mehr Zeit, las ich gerade aufbringen kann, aber ich bin froh diesen Artikel gelesen zu haben. Ich bin wegen eines anderen zu Ihnen gestoßen. Da geht es um Ihre untypischen aber beherzten Eingriff in eine Debatte um Anthroposophie.

Da es mir derzeit auch darum geht, da die Waldorfpädagogik und die Anthroposophie generell unter verschiedenen Verdachtsmomente angeklagt werden, sah ich mich genötigt das Studium über Inhalte und Grundlagen zu vertiefen - so weit möglich ohne den ganzen Steiner lesen zu müssen. Meine Verbindung zu der Thematik ist, wie kann es anders sein, die Schule meiner Kinder.
Und damit wären wir bei dem Verhältnis zur Wahrheit, das sie so trefflich in dem Verständnis der polytheistischen Grundlagen der abendländischen Kulturen verorten: An der Schule meiner Kinder und im Kontakt mit der Anthroposophie finde ich alles Mögliche, von der Hingabe zu sozialen Themen und Verantwortung, über innovative pädagogische Ansätze, bis hin zu den Möglichkeiten Gesundheit (also Medizin) anders zu betrachten, als es die Naturwissenschaft vorgibt.
Dennoch muss man hingucken wo andere anderes sehen. Mein Problem wird sein: Gelingt mir der Spagat? Mir fehlt leider die Klarheit und Eindeutigkeit von mir behaupten zu können ich sei nicht schizophren. Zuweilen gelingt es mir nur allzu gut zwei Perspektiven als Richtig zu beurteilen. Was dann?

Nochmals Danke für den Blog,
ich freue mich auf die Lektüre,
mit freundlichen Grüßen

marco jansen

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