Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Lasst uns doch von den Biologen die Unis säubern: jetzt kommen die Anthros dran

Es ist ja eine sehr seltsame Angelegenheit, wenn ausgerechnet Leute wie ich sich für Toleranz gegenüber Kreationismus und Intelligent Design einsetzen müssen*. Das Gefühl des Alleinseins wird nur wenig gedämpft, wenn man weiß, daß Publizisten wie Rüdiger Sünner sich ähnlich fühlen müssen. Man könnte ja jetzt die Frage stellen, warum eigentlich nicht viel mehr Christen in dieser Frage für Toleranz plädieren, wir haben ja schließlich genug davon. Ich glaube die Antwort ist simpel: Christen glauben wie die ideologisierten Anti-Kreationisten an die großgeschriebene WAHRHEIT - auch im Wissenschafts- und Schulbetrieb. Sie haben diese Wahrheit bereits gefunden, die WAHRHEIT ruft sich jetzt eben "Evolutionstheorie", die Welt ist in Ordnung, keine Verwirrung, keine Verirrung. Denn sonst, das ahnen diese Christen ganz genau, blühen uns irgendwann tatsächlich noch Astrologen an den Unis oder noch schlimmer vielleicht: Anthroposophen.

Damit sind wir bei Stichwort: Ähnlich merkwürdig wie der Umstand, daß eine absurde Hetze mich zur Kreationisten-Verteidigung nötigt, sind Entwicklungen, angesichts derer ich mich auch noch für Anthroposophie einsetzen muß. Abgesehen von der biographischen Marginalität, daß Steiner sich für eine Reinkarnation von Aristoteles hielt, schätze ich Anthros ähnlich wie Christen aus dem einen Grund, daß sie nach meinen Erfahrungen ein gut etabliertes, funktionierendes Alternativmilieu mit hohen sozialverantwortlichen Ansprüchen und funktionierender Solidarität aufgebaut haben. Zudem habe ich Respekt vor dem reichen Kulturleben, dass die Szene sich geschaffen hat. Die gnostische Ideologie finde ich allerdings bis in ihre Grundfesten hinein verquast, gemeingefährlich elitär und körperfeindlich. Das bedingungslose Steiner-Groupy-Verhalten, das man bei jener Sorte an blassgrauen, über den Boden schlurfenden Jüngern erfahren kann, wenn man auch nur ein Jota am durchgeistigten Werk des Vordenkers kritisiert, ist übelkeitserregend. Und kein römisch-katholischer Ritus kommt gegen das salbungsvolle "Und deinen Geist erfülle er" einer anthroposophsichen Christengemeinschaft an.

Doch scheint es nun, daß unsere hier des öfteren schon besprochenen Ideologen aus den Mainstream-Biowissenschaften und ihre anti-esoterischen Hilfstruppen nun auch noch die Anthroposophie als Bedrohung der Wissenschaft ausgemacht haben. Gerade will man wohl eine Deutschlandoffensive starten, um auch noch den letzten Anti-Materialisten aus den biowissenschaftlichen Institutionen zu drängen. Nicht anders kann ich mir zumindest den Spiegel-Online Artikel vom 23. 11. 2006 erklären, der in gewohnter Boulevard-Manier okkulte Umtriebe (!!!!!) an einer Agrarfachhochschule ausgemacht hat - gemeint ist dort eine Stiftungsprofessur, die dem biodynamischen Landwirtschaft gewidmet ist. Dabei ist eigentlich nebensächlich, daß die Leserin gleich in den ersten Zeilen von der Autorin Rafaela von Bredowan mit solch abgedroschenen Wortgeklapper malträtiert wird , dass man sich fragt, ob man für den Spiegel Geld sammeln soll, damit er solchen "Profischreibern" mal kundige Schreibtrainer besorgen kann, die in einem Schnellkurs den Blick für billige Schreibe schärfen:

"Kuschelbauern auf dem Astralacker

Sie glauben an Homöopathie, Wiedergeburt und kosmische Energien: An der Uni Kassel lehren anthroposophische Landwirte ihre esoterische Weltsicht - Tür an Tür mit ernsthaften Wissenschaftlern. Kritiker fürchten um den Ruf der Uni. Die Kuschelbauern lesen Kälber-Horoskope"
.

Denn schaut man sich an, wie der Artikel aufgebaut ist und wer da wie zur Sprache kommt, dann ist es leicht, die offensichtliche wissenschaftspolitische Agenda in jenen aktuellen Kontext zustellen, den Jens Heisterkamp beschreibt:
"(...) Den hinter diesem Artikel stehenden Kritikern geht es ganz offensichtlich darum, das in Europa bisher einmalige Projekt eines Lehrstuhls für die von Rudolf Steiner begründete biologisch-dynamische Wirtschaftsweise an der renommierten landwirtschaftlichen Universität Kassel-Witzenhausen zu Fall zu bringen.

Im März 2005 erst war an dieser führenden Forschungs- und Lehranstalt für ökologischen Landbau in Deutschland eine Stiftungsprofessur für biologisch-dynamische Landwirtschaft eingerichtet worden. Wie bei Stiftungsprofessuren üblich, wird das Projekt zunächst weitgehend von privater Seite, in diesem Fall von mehreren Stiftungen sowie der Biosupermarktkette Alnatura, finanziert. Als erster Professor wurde der ausgewiesene niederländische Agrarexperte Ton Baars auf den neu geschaffenen Lehrstuhl berufen, dem selbst der Spiegel attestiert, „die harte Prüfung der Berufungskommission bestanden“ zu haben. (...) In fünf Jahren jedoch steht eine Übernahme des Lehrstuhls durch das Land Hessen in Aussicht – dann wäre die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise dauerhaft auf einem von insgesamt 19 Lehrstühlen in Witzenhausen präsent.
Dagegen laufen nun offenbar bestimmte Kräfte innerhalb und außerhalb der Hochschule Witzenhausen Sturm. Einer der externen Kritiker, auf den sich der Spiegel-Bericht als Gewährsmann beruft, ist dabei der Molekulargenetiker Professor Hans Jörg Jacobsen, der Steiner als einen „durchgedrehten Säulenheiligen“ diffamiert. Jacobsen ist vormaliger Präsident des Verbands Deutscher Biologen, eines Lobbyverbandes, der sich unter anderem für die Freigabe gentechnischer Landwirtschaft in Deutschland stark macht und auf seiner Website mit exzellenten Kontakten zu Pharma- und Chemiekonzernen wirbt. Eine besondere Spezialität des Verbandes Deutscher Biologen ist außerdem die ideologische Absicherung darwinistischen Gedankengutes, das in jüngster Zeit verschiedentlich auch von Fachwissenschaftlern kritisch hinterfragt wurde. Jacobsen und insbesondere sein Kasseler Biologie-Kollege Professor Ulrich Kutschera führen beispielsweise seit Monaten im Namen ihres Verbandes eine offenbar auf Entlassung abzielende Kampagne gegen einen Angehörigen des Kölner Max-Planck-Instituts, der als Genetiker die Zufalls-Theorie Darwins in Zweifel gezogen hatte. Kutschera hatte hier u.a. mit tendenziösen Veröffentlichungen in Fachzeitschriften gedroht, um das Institut in Verruf zu bringen (info3 berichtete in Ausgabe 3/2006)."


Es steckt also Methode dahinter und so darf getrost bezweifelt werden, daß Rafaela von Bredowan ähnich wie der aufrechte Anti-Demeter-Streiter Peter Treue ("Blut und Bohnen", FAZ vom 13. März 2002) irgendwann auch Demeterkekse verkauft. Denn In Kassel, da ist man konsequent: Man will nicht die Kreationisten, man will nicht die Anthroposophen. Ich bin mir sicher, da kommen noch ein paar Richtungen hinzu, wenn man schon beim Aufräumen ist. Die Wirtschaftswissenschaftler haben doch in den letzten Jahren vorgeführt, wie man Häresien von den Lehrpulten drängt (vor allem diesen etatistische oder sozialistische Schund). Da kann die Biologie doch von lernen, nicht wahr? Man muss sich nur überlegen, wer sonst noch alles angeblicher Unwissenschaftlichkeit überführt werden kann. Bevorzugt Kritiker etablierter Theorien bieten sich da an - notfalls vergleicht man ihre Kritik einfach mit der Auschwitzlüge und schwafelt was von unbezweifelbaren Fakten.

*was auch diesem pfiffigen Leser auffiel

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