Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Zwölferspiel

"Vom 11. Jahrhundert an sprechen eine Reihe lateinischer und volkssprachlicher Texte aus ganz Europa - Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland, England, Skandinavien - von Erscheinungen des 'Wütenden Heeres' (Wütischend Heer, Mesnie furieuse, Mesnie Hellequin, exercitus antiquus), auch 'Wilde Jagd' (Chasse sauvage, Wild Hunt, Chasse Arthur) genannt. In ihnen wird die Schar der Toten erkannt; manchmal präziser: die Schar der zur Unzeit Gestorbenen - in der Schlacht getötete Soldaten, ungetaufte Kinder. An ihrer Spitze finden sich wechselende mythische (Herlechinus, Wotan, Odin, Artus usw.) oder mythisierte Gestalten (Dietrich von Bern)."(1)

Diese Erscheinungen wurden mit den Zwölften, den zwölf Tagen zwischen Heiligabend und dem 6. Januar in Verbindung gebracht, von denen man annahm, daß an ihnen die Toten umherzogen. Es ist plausibel, dass diese "Rauhnächte" eine Schaltfunktion zwischen einem lunaren Kalender (354 Tage) und einem solaren Kalender (365 Tage) wahrgenommen haben.(2) Gelegentlich verschmolz diese Tradition mit jenen Überlieferungssträngen, die von Gelehrten, Richtern und Inquisitoren als Berichte über die Sabbattreffen einer um 1375 entstandenen neue nova secta identifiziert wurden, bei denen Frauen auf Besenstilen und Tieren zu grausamen Riten mit dem Teufel reisten: Die Gute Dame, Gute Herrin, die an den Quatembern zum "Spiel" der Bona Societas einlud, war als Hekate, Diana (Epona) auch eine Göttin, die mit den Toten in Verbindung stand. Beda Venerabilis erwähnt in einer seiner Studien über die Zeit, daß im heidnischen Britannien die Weihnacht "modranicht" (Nacht der Mütter) genannt wurde, was eine von vielen Spuren der Hexenfeste zu den keltischen Matronae herstellt, die - wenn wir den Bekundungen der ihnen gewidmeten Votivinschriften glauben - oft sinnlich konkret wahrgenommen wurden.

Ob in der Nacht des St. Germain das wilde Totenheer durch die Eifel zog, weiß ich nicht, niemand von uns hat nachgeschaut. Für mich war es aber eine Schaltzeit, eine Auszeit von der Welt der Arbeit und Planung, eine Rückzugsort, wenn rechts und links Granaten aus dem Reich der Notwendigkeiten einschlagen. Ich nutzte diese Zeit zwischen den Zeiten um in einer Guten Gesellschaft von 12 Menschen einem freien Spiel der Zukunft Raum zu geben.

Ein öffentlicher Dank an alle Mitspielerinnen. Ganz besonders für das schweigendmachende Performance von Oire Tereto (wenn etwas ein zeitgenössisches Paradigma eines magisch-poetischen Handelns ist, dann solches), den Turmbau, die kollektive Landkarte, die Matronenbesuche - und die Kürbissuppe, deren Welt (und deren Wert wiederum) ich durchaus zu verstehen lernte.

(1) Carlo Ginzburg: "Hexensabbat - Entzifferung einer nächtlichen Geschichte"; Berlin 2005; S. 117
(2) J. Loth: "Les douze jours supplémentaires (Gourdezioù) des Bretons et les douze jours des Germains et des Indous."; in Revue Celtique, 24, 1903, S. 310-312

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