Selbstlose Menschen bei MacInytre
Bemerkenswert bei der aristotelischen Tugendkonzeption von MacInytre ist, dass sämtliche Tugenden fehlen, die nicht gemeinschaftsstabilisierend sind. Tugenden der christlichen Tradition erfüllen gemeinsam mit den Kardinaltugenden Gerechtigkeit, Tapferkeit, Weisheit, Mäßigung diesen Anspruch. Sow ie Nitzsche in seiner Konzeption (ausser als Zertrümmerer der Aufklärungsethik) keinen Platz hat, haben es auch keine aristokratischen Tugenden. Man könnte natürlich das praktisch überlegende und damit autonom handelnde Subjekt, das bei ihm eine zentrale Stellung einnimt, als Widerspiegelung einer aristokratischen Tugend begreifen, aber das scheint mir nicht überzeugend.
Julio Lambing - Sa, Jan 06, 2007 - Zettelkasten: Tugend
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Seit seit der Lektüre von Woyzeck...
"Ja, Herr Hauptmann, die Tugend - ich hab's noch nit so aus. Sehn Sie: wir gemeine Leut, das hat keine Tugend, es kommt nur so die Natur; aber wenn ich ein Herr wär und hätt' ein' Hut und eine Uhr und eine Anglaise und könnt' vornehm rede, ich wollt' schon tugendhaft sein. Es muß was Schönes sein um die Tugend, Herr Hauptmann. Aber ich bin ein armer Kerl!"
Ich finde da hat Büchner sehr schön den Pierre Bourdieu vorempfunden. Insofern wäre jede "Tugend" als "kulturelles Kapirtal" betrachtet eine aristokratische Tugend.