Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

"Wie heißen Sie denn wirklich???"*

(* Eine Frage, auf die ich jetzt auch keine Antwort wußte.)

Gestern abend gab es ein Telefonat mit Herrn Preuß, Geschäftsführer der Euroweb Internet GmbH. 45 Minuten hatte ich ihm zugebilligt, 75 Minuten räumte ich dann ein, um ihm einfach die Gelegenheit zum Dialog zu geben. Anlass waren die umfangreichen Recherchen über Euroweb und die mit diesem Unternehmen in Verbindung stehenden Firmen, die hier veröffentlicht wurden. Neben mir nahm noch ein Freund, der über gute Kenntnisse hinsichtlich des Internet-Geschäfts in seinen unterschiedlichen Dimensionen verfügt, an dem Gespräch teil. Herr Preuß kündigte von seiner Seite aus keine Zuhörer an.

Herr Preuß stellte mir nochmal ausführlich seinen Standpunkt dar, der sich nach meinem Gefühl nicht von dem unterschied, was er auch anderen Bloggern schon mitgeteilt hatte. Auf einige meiner ihm schriftlich vorab gestellten Fragen ging er ein. Er gebrauchte desöfteren das Wort "Pamphlet" für meine Texte, ich gewann aber nicht den Eindruck, daß er mir auf Nachfrage stichhaltige Belege für eine Vielzahl an Fehlern nennen konnte (bis auf eine von ihm mißverstandene Graphik), die gemäß seiner pauschalen Abqualifizierung in den Texten vorkommen. Ich versicherte ihm dennoch, daß ich für Korrekturen von Rechercheergebnissen jederzeit offen bin. Was die von mir gestellten Fragen betrifft, gab es zwei interessante Informationen, deren Auswertung noch aussteht.

Mir meinerseits war wichtig, einem mittelständigen Unternehmer, der beteuert, dass er sich selbstverständlich bemühe, Mißstände seiner Firma in den Griff zu bekommen, trotz gewisser Skepsis mit dem notwendigen Wohlwollen und entsprechenden Hilfestellungen gegenüber zu treten. Dennoch konnte das Gespräch die Differenzen nicht überwinden. Leider konnte Herr Preuß nicht für mich überzeugend die Diskrepanz erklären, die zwischen jenen Berichten von Kunden liegt, die immer wieder Blogger darüber unterrichten, dass ihnen kostenlose Referenzwebsiten angeboten wurden, und seiner Darstellung, daß solche fragwürdigen Methoden - abgesehen von unkontrollierbaren Ausnahmen bei Vertriebsmitarbeitern - nicht passieren würden. Auch andere Diskrepanzen zwischen Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung blieben für mich ungeklärt.

Ob Herr Preuß wirklich realisiert hat, daß er ein Glaubwürdigkeitsproblem und kein Kommunikationsproblem in der kritischen Öffentlichkeit hat, weiß ich nicht. Letztendlich konnte er nicht für mich glaubwürdig die entscheidenden Vorwürfe ausser Kraft setzen, die sich aus einer Vielzahl an Kundenberichten ergibt: die moralisch fragwürdigen Methoden, mit denen immer wieder Langzeitverträge abgeschlossen und entsprechende Zahlungsverpflichtungen eingetrieben werden, und den Umgang mit Kunden, die sich übers Ohr gehauen fühlen. Eine Lernbereitschaft spürte ich nicht.

Zwei subjektive Eindrücke aus dem Gespräch möchte ich noch erwähnen:

Zum einen konnte ich mich im ganzen Verlauf des Telefonats des Gefühls nicht erwehren, dass ich irgendwie gar nicht der eigentliche Adressat des Gesprächs war, gleichsam so als würde sich Herr Preuß in seinen Monologen, Reaktionen und Fragen mehr an jemand anderes als an mich wenden.

Zum anderen entwickelte er in dem Telefonat ein ausgesprochen hartnäckiges Interesse an meinem Leben. Er wollte wissen, wo ich wohne, für wen ich arbeite, nannte mir eine Firma und merkwürdige Details, zweifelte die Korrektheit meines Namens an und schien sich auch Gedanken über meine persönliche Befindlichkeit zu machen. So was macht ausgesprochen misstrauisch, ich musste ihn in seinem Anliegen enttäuschen, was ihn ganz offenkundig nicht zufrieden stellte. Allerdings bestätigte mich der Stil seines Auftretens in meinem Rat, daß Blogger und Journalisten erst einmal eher zurückhaltend mit persönlichen Informationen über sich sein sollten.

Es war kein leichtes Gespräch. Leider gelang es mir im Verlauf des Telefonats nicht durchgängig, in der gebotenen Nachsicht auf den offensiven Tonfall und die diversen - aus meiner Sicht auch recht merkwürdigen - Unterstellungen hinsichtlich meiner Motivation zu reagieren. Die Agilität, Schärfe und der stellenweise inquisitorische Tonfall, die ich immer wieder wahrnahm, schienen mir nicht zu der in herzerweichenden Worten vermittelteten Klage zu passen, wie hier ein unbescholtenes Unternehmen durch falsche Berichterstattung heimgesucht worden sei und wie das doch die Mitarbeiter des Unternehmens, die mit soviel Herzblut engagiert sind, verunsichert habe. Mir blieben im Nachhinein erhebliche Zweifel, ob hier die Bereitschaft existiert, die öffentlich geäusserte Kritik wirklich ernstzunehmen.

Das Gespräch endete damit, das wir auch in Zukunft in Kontakt bleiben wollen. Ich versicherte meine Dialogbereitschaft und versprach ihm, positive Änderungen in seinen Geschäftspraktiken, sofern sie mir bekannt werden und glaubwürdig erscheinen, in meiner Einschätzung seines Unternehmens aufzunehmen.
nerone (Gast) - Do, Jan 11, 2007

Schattenboxen

Es ist beruhigend zu sehen, dass Mittelständler mit Rechtsanwälten im Rücken nervös werden, wenn Sie ihre Gegner nicht einschätzen können. Ich stelle mir vor wie Herr Preuß an seinem teuren Glastisch mit diesen modernen Edelstahlkonstruktionen darunter, in seinem Büro mit Blick auf den Rhein sitzt und unruhig auf dem teuren Vitrastuhl hin und her rutscht. Vielleicht sitzt er ja anfangs noch jovial zurückgelehnt, das Telefon zwischen Ohr und Schulter eingeklemmt, fängt aber bald das kippeln an und sitzt schließlich aufrecht, oder leicht vorgebeugt sogar, wie eine Raubtier das zum Sprung ansetzen will, um... Ja wozu eigentlich?

Obwohl an anderer Stelle beschrieben, fragt man sich dennoch nach der Motivation, vor allem diesen langwierigen Prozess zu begleiten und wie der Bericht zeigt, sich Drohungen auszusetzen. Denn zwischen den Zeilen ist zu lesen, dass Herr Preuß, so er den Namen und und und seiner Gegner kennt, nicht zögern würde gegen sie vor zu gehen. Vielleicht war "Lambing" genau hierfür die Variabel in dem Gespräch. Die Message geht an all jene, die sich mit Herrn Preuß einlassen.

Mich würden die Unterstellungen bezüglich Herrn Lambing Motivation interessieren. Unterstellungen sind ja meist nicht weit hergeholt. Sie sagen viel mehr über den aus, der sie äußert, als über den Adressaten.

Also Herr Lambing:
Kompliment für den den langen Atem! Wer AXONAS mal quer gelesen hat, wird sicherlich zustimmen, dass der Fall Euroweb hervorragend in diesen Kontext passt. Es kann als Beispiel für eine angewandte Philosophie der Ethik und Moral verstanden werden. Das ist der Bereich in dem sie sich bewegen und wahrscheinlich auch Teil Ihrer Motivation.
Insider (Gast) - Mo, Jul 20, 2009

Clevere Geschäftspraktiken und das Resultat

Herr Lambing hat fleißig recherchiert und eine Lawine von bloggs losgetreten- bzw. Fakten geliefert, die m. E. der EW auch geschadet haben.
Doch regiert in der -ach so demokratische Budesrepublik- das Gesetz des Profits und das entsprechende Macht-Beziehungsgeflecht, um es schön zu verpacken. Dafür gibts dann Preise und Medienaufmerksamkeit! und deutsche Gesetze...

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