Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Ich blieb so gerne Antievolutionist

Shit, beinahe hätte es geklappt.

Da veröffentliche ich also auf "Axonas - ein Versuch" den Gastbeitrag eines kreationistischen Wissenschaftlers, aufgrund dessen sich der Geschäftsführer der AG Evolutionsbiologie des Verbands deutscher Biologen - VdBiol genötigt fühlt, eine ausführliche Erwiderung in Netz zu stellen. (Selbst wenn sie auch mildere Geister in ihren Reihen zählen mag, so kann man doch sagen, daß besagte AG der Öffentlichkeit als äusserst umtriebige und einflussreiche Front-Organisation aktiver Anti-Kreationisten bekannt ist.)

Und prompt wird dieses Weblog im Newsticker der Homepage der AG Evolutionsbiologie als "antievolutionistische Homepage" bezeichnet:

Diskussionsbeitrag: Das Methodeninventar in der Ursprungsforschung. Was spricht für Intelligent Design?

Der Kreationist Reinhard Junker hat für eine antievolutionistische Homepage einen Gastbeitrag verfasst, der sich mit der Wissenschaftlichkeit des Kreationismus und der "Intelligent-Design-Theorie" auseinandersetzt. Darin wird der Versuch unternommen, Wissenschaft so zu definieren, als sei der Verweis auf transnaturale und teleologische Wirkfaktoren prinzipiell mit wissenschaftlichen Grundsätzen vereinbar, ja sogar erforderlich, will man sich nicht dem Vorwurf aussetzen, eine voreingenommene, dogmatisch-naturalistische Wissenschaft zu betreiben. In dem Text werden zwei Hauptargumente präsentiert, die schon deshalb eine nähere Betrachtung wert sind, weil sie in dieser oder ähnlicher Form immer wiederkehren. Auf sie soll im Folgenden eingegangen werden.

(19.01.07)


Also selbst solche meiner christlichen Leser, die ein bisschen langsam im Verständnis sind, schnallen ja irgendwie, was meine Haltung zu der Frage ist. Sicher, ich halte die weltanschauliche Geladenheit der Evolutionsbiologie für ein FAKTUM, das nur ein Hornochse übersehen kann (um mal den den Jargon der Wahrheitsarroganz von einigen ideologisierte Verteidiger der Evolutionstheorie nachzuäffen). Sicher auch, daß ich der Neigung von wissenschaftlichen Majoriäten mit miesen und irrationalen Tricks häretische Strömungen aus dem öffentlichen und wissenschaftlichen Diskurs rauszudrücken, so gut wie nie leiden kann. Aber wie zum Henker rechtfertigt das eine Einordnung meinerseits als "antievolutionistisch" (was ja hier nur meinen kann: "Gegner der auf Darwin fussenden biologischen Evolutionstheorie")?
Leute (sprich: "Anhänger der Evolutionstheorie mit ähnlichen Gewohnheiten"), wer so erstmal in Fronten einteilt - und sei es auch nur aus Schludrigkeit und weil man nicht so genau hingeschaut hat -, der ist mit seinem wissenschaftlichem Stammhirn mentalitätsgeschichtlich im Kalten Krieg hängengeblieben.

(Ich wäre ja auch bereit darüber zu diskutieren, ob ich eine antievolutionistische Auffassung in einigen Bereichen des Lebens vertrete, vorausgesetzt die Wortverwendung ist einigermaßen geklärt - ich hab's ja bekanntlich nicht so mit dem Fortschrittsglauben. Aber mit ein wenig Sauerstoff im Gehirn sollte man doch in der Lage sein, das von einer Gegnerschaft zu dem übergreifenden Theoriegebäude der Evolutionsbiologen, wie sie dessen ideologisierten Verteidiger verstehen, zu differenzieren.)

Aber leider, leider:
Leider ist der Kreationist Reinhard Junker wesentlich differenzierter als seine Kontrahent Neukamm und deshalb hat er umgehend die Evolutionsbiologen für die entsprechende "Schubladisierung" meinerseits kritisiert. Der VdBiol hat daraufhin in dem Newseintrag das "antievolutionistisch" reuig gestrichen. So komme ich nicht in den Genuss als Antievolutionist ge(t)adelt zu werden und deshalb verirren sich auch wohl nicht irgendwelche Hanseln auf dieses Weblog, die in missionarischem Eifer dem vermeintlichen Feind der Wissenschaft Paroli bieten möchten. Einer Lust am verbalen Prügeln von Sonntagslesern kann ich also nicht fröhnen. Gut für die Evolutionsbiologen, weniger gut für meinen Spassfaktor.

Vielleicht aber doch auch ein Fingerzeig Gottes (wenn auch unklar welches). Die Erfahrung zeigt immer wieder: Das Argumentieren mit Fundamentalisten jedweder Coleur und Ideologie hat nur einen geringen Erkennntiswert. Einen eigenen Erkenntnisfortschritt kann man meistens trotz des vielen Aufwands nicht verzeichnen. Dann sich doch besser inspirierenden Gesprächspartnern zuwenden. (Die Erwiderung von Neukamm hat mich aber insofern gefreut, als sie für besagte Kampftruppe den Pfad für einen geordneten Rückzug aus ideologischer Verbarrikadierung aufzuzeigen vermag. Dazu ein andermal mehr. Ich muss ja auch immer noch auf Mspro anregende Reaktion eingehen.)

Und was, liebe Evolutionsbiologen, die Zuschreibung von Prädikaten hinsichtlich meines Blogs angeht - jetzt wirkt der Text ja irgendwie kastriert - , schreibt doch einfach :

"Ein Weblog, auf dem jemand öffentlich über dies und das nachdenkt und eine Freude an Polymythologie, Polytheismus und Pluralismus in Wissenschaft und Kultur hat"*

Zur Erklärung: Das hat alles irgendwie mit freiem Denken und Atmen zu tun. Ist jetzt nicht so Euer Thema, wir hatten es ja damit schonmal.

(*Spezifizierung zu letzterem hier.)

[Fortsetzung gibt's dann hier. ]
nerone (Gast) - Mi, Jan 24, 2007

ReAnti ProTanti

Lieber Herr Lambing,

wieso werden inhaltliche Differenzen nicht auch inhaltlich argumentiert? Warum bedienen sich die Biologen, Physiker, Historiker, Kommunisten und Brauchtumwahrer nicht ihrer ureigensten Werkzeuge? Gibt es denn keine Argument für eine Evolution (beispielsweise)? Kann man nicht auf die inhaltlichen Differenzen eingehen, ohne in diese Antagonismen zu verfallen? Ist das eigene Argument so schwach, dass es unter Schlagworten begraben wird?

"wer so erstmal in Fronten einteilt - und sei es auch nur aus Schludrigkeit und weil man nicht so genau hingeschaut hat -, der ist mit seinem wissenschaftlichem Stammhirn mentalitätsgeschichtlich im Kalten Krieg hängengeblieben."

So steht es bei Ihnen oben im Beitrag. Für die Beobachter solcherart geführter Dispute bleibt am Ende wenig an inhaltlichen Argumenten hängen sondern lediglich die Schlagworte. Wenn es den "Biologen" um eine didaktische Auseinandersetzung mit den kritisierten Kreationisten ginge (was ich prinzipiell begrüßen würde, weil das genau der Ton ist, mit dem Kreationisten versuchen die Gesellschaft zu erreichen), dann wäre der Gewinn ungleich größer. So aber kann man Ihrem Fazit folgen und sagen 1:0 für Herrn Junker. Das ist einer mit dem man sich gerne noch mal unterhalten möchte.

Auf dem Feld, auf dem ich mich ab arbeite legen mir die "Kritiker" einige Brocken hin, die meist den Blick auf die berechtigten Inhalte der Kritik versperren. Letztlich scheint alles auf eine mediale Wirksamkeit hin formuliert. Provokation ersetzt Diskurs. Diktat die Vielschichtigkeit menschlichen Geistes (mal idealistisch gesprochen).

So oder ähnlich
Julio Lambing - Mi, Jan 24, 2007

Generell teile ich deine Einschätzung, wie unsouverän die Haltung des evolutionsbiologischen Lagers ist. Weltanschauliche Bindung hin- oder her, aber das Agitieren von so etwas wie der AG Evolutionsbiologie und ihrer Protagonisten hat ja was Peinliches für jeden Wissenschaftler, insofern er sich dieser alten Idee der "respublica litterarum" verpflichtet fühlt.

Aber Wissenschaft ist meistens unsouverän. Ihre ganze Geschichte ist begleitet von Machtkämpfen, strategischen Zügen, Propaganda, verschleierter weltanschaulicher Stimuli und auch institutionellen Eingriffen. Das spricht nicht gegen die Wissenschaft, sie funktioniert ja. All diese Dinge waren und sind nicht verzerrend für den Wissenschaftsbetrieb, sondern konstitutiv und haben wissenschaftliche Wahrheit erst erzeugt. Problematisch wird es z.B. dann, wenn diese Prozesse ideologisch verschleiert werden. (Die Kreationisten unterscheiden sich ja an diesem Punkt nur dadurch, daß sie recht offen ihre ideologische Einflüsse offenlegen. Das ist ihre Kraft, macht sie aber auch zur leichten Beute, wenn man den Diskurs richtig hinkriegt.) Oder wenn man das Gefühl bekommt, das in einem demokratisch strukturierten Raum eine Strömung andere ungebührlich platt macht.

In diesem Fall muss man dem Herrn Neukamm aber schon zugestehen, daß er in seinem Text Argumente benutzt und auch nachgedacht hat. Das ist vom Niveau schon besser als so manches was man sonst so an Geschwätz von den antikreationistischen AgitProp-Aktivisten hört. Vor allem bietet er zwischen den Zeilen seinen Leuten einen Weg an, aus dem ideologischen Bunker wieder raus zu kommen. (Ob ihm das bewusst ist, weiß ich allerdings nicht.) Das ist auch nötig, weil sich mittlerweile die ersten Stimmen jenseits des kreationistischen Lagers regen, die feststellen, daß das nicht alles so koscher ist, was da die AG Evolutionsbiologie und vergleichbare Kohorten so verzapfen und wie sie vorgehen. Der vor 10 Wochen erschienene Artikel von Patrick Bahners in der Frankfurter Allgemeinen ("Das verschleierte Weltbild zu Kassel - Die hessische Kultusministerin und der Biologenverband streiten um Evolution und Schöpfung"; 4. 11. 06) war ein Beispiel für solche Unruhe. Er endet mit dem Satz: "In dieser Sache steht die Ministerin auf Seiten der Aufklärung, und ihre Kritiker reden dogmatisch." Ich will darauf aber nocheinmal extra eingehen, wenn ich Zeit übrig habe, aber derzeit fehlt mir die einfach, weil ich seit Wochen an was anderem arbeite.

Ich habe diese Geschichte mit der kurzzeitigen und dann zurückgenommenen Etikettierung nur erwähnt, um zu zeigen, in welcher Richtung den Jungs immer wieder der Stift zuckt und wie sie roboterhaft in Schemas denken: Wenn auf diesem Weblog die Ideologen der Evolutionsbiologie kritisiert werden, muss das ein "antievolutionistische Homepage" sein.

Nebenbei: wenn die Jungs und Mädels der AG Evolutionsbiologie Mumm hätten, dann wären sie wenigstens so souverän und würden in der Newsmeldung direkt auf das Weblog verlinken, anstatt jetzt etwas merkwürdig kastriert zu schreiben: "Der Evolutionsgegner Reinhard Junker hat für eine Homepage einen Gastbeitrag verfasst, der sich...." (Das ist ähnlich sinnarm wie die Bemerkung, daß dieser oder jener Forscher in einer Zeitschrift einen Gastbeitrag verfasst hat.)

Aber so ist das mit der Angst vor und der Unbeholfenheit angesichts von Weblogs und der neuen Meinungsfreiheit.
M. Neukamm (Gast) - So, Jan 28, 2007

Werter Nerone,

Sie sprechen mir aus dem Herzen! Dieser "Julio Lambing" ist offenbar unfähig, gegen meinen Beitrag zu argumentieren und weiß sich daher nicht anders zu helfen, als wüste Philippika zu schreiben. Er versteht wohl nur diese Sprache:

http://www.evolutionsbiologen.de/lambing.html
Rüdiger Sünner (Gast) - Mo, Jan 29, 2007

Mythos und Wissenschaft

Ich las die Beiträge von Junker, Lambing und Neukamm und wundere mich über die nun entstandene Gereiztheit der Diskussion. Als Nicht-Biologe kann ich mich nicht an Diskussionen darüber beteiligen, ob der "Rotationsmotor" des Darmbakteriums Escherichia coli wegen seiner "irreduziblen Komplexität" nun von "intelligentem design" oder nur durch zufällige Mutation/ Selektion entstanden ist. Weder Junker noch Neukamm geben übrigens für die jeweilige Position zwingende und ausführliche Gründe an. Aber eine freie Diskussion darüber muss jenseits von Diffamierungen möglich sein. Man kann die Diskussion vielleicht auf eine andere Ebene bringen, indem man fragt, welche Rolle Intuition, Metaphysik, Spiritualität, Mythos bei der Theoriebildung in der Wissenschaft überhaupt spielen. Martin Neukamm behauptet, dass teleologische und "transnaturale" Annahmen die Forschung eher hemmen als stimulieren. Stimmt das überhaupt? Warum schrieb Einstein, "dass die kosmische Religiosität die stärkste und edelste Triebfeder wissenschaftlicher Forschung ist".
Bereits der Domherr Kopernikus war davon bestimmt: Er wandte sich heliozentrischen Ideen u.a. deshalb zu, weil er als Christ nicht glauben wollte, dass der "Sündenpfuhl" der Erde in ruhiger Majestät stillstehen sollte, während die Sonne als Sinnbild Gottes im Weltall umherläuft. Kepler trug den antiken Mythos der Sphärenharmonie an seine astronomischen Beobachtungen heran und entdeckte so die elliptischen Bahnen der Planeten (die eben in Ellipsen "schöner klingen", weil sie mit den Zahlenverhältnissen bestimmter Intervalle übereinstimmen). Für Isaac Newton war es völlig normal, neben seinen empirischen Forschungen auch die Bibel, hermetische Schriften, die Kabbala und die Alchemie zu konsultieren, um die geheimnisvollen Kräfte von "Licht" und "Schwerkraft" besser zu verstehen. Und Ernst Haeckel näherte sich dem Geheimnis des Lebendigen auch als Zeichner, sprach von "Zell-Seelen" und "Gott-Natur" im Innersten der überwältigend schönen Formen von Radiolarien und sonstigen Einzellern. Selbst Darwin nannte sich einen "Theisten" und fühlte sich gezwungen, "sich nach einer ersten Ursache umzusehen, die im Besitze eines, dem des Menschen in gewissem Grade analogen Intellektes ist." Auch Max Planck, Werner Heistenberg, Erwin Schrödinger, Carl Friedrich von Weizsäcker und andere Pioniere der modernen Physik kannten noch nicht den dogmatischen und reduzierten Begriff von "Rationalität" und "Wissenschaft", wie er heute oft in den akademischen Debatten auftaucht. Ist es also nicht umgekehrt: Tragen metapyhische Spekulationen, religiöse Empfindungen, mythologische und ästhetische Visionen nicht zuweilen auch zu Paradigmenwechseln und wissenschaftlichen Revolutionen bei? Und muss das Forschungsfeld daher nicht diesbezüglich sehr offen bleiben und auch nicht bestätigte Hypothesen lange stehenlassen können? Ist dadurch gleich die "Aufklärung" bedroht und "okkulten" Machenschaften Tür und Tor geöffnet? Welche Ängste werden hervorgerufen, wenn Anthroposophen in Kassel in Ruhe untersuchen wollen, warum Möhren unter Mondlichteinwirkung tatsächlich besser wachsen? Oder Vertreter des "Intelligent design", die nicht immer gleich fundamentalistische Kreationisten sein müssen, die Arbeitshypothese eines "Planes" aufrechterhalten? Woher kommt das Übermass an Häme, Gereiztheit, Aggression, Abgrenzungsverhalten? Wir haben es bei dieser Diskussion nicht mit Neo-Nazis oder Kinderschändern zu tun, sondern mit (oft) intelligenten Menschen, die dem immer noch nicht entschleierten Geheimnis der Natur näherkommen wollen. Interessant die Fixierung der Evolutionsbiologen auf den "intelligenten Designer" und "Planer", wobei doch - ohne Personifizierung - von "design" die Rede ist. Spielt da eine unbewusste Rebellion gegen einen als übermächtig empfundenen Vatergott mit hinein, ein 100 Jahre nach Nietzsches Tod nochmal wiederholter Mord an einem gefürchteten und alles vorherbestimmenden Patriarchen? "Intelligent design" ist offener, hat zunächst einmal Platz für alle möglichen weiteren Deutungen, etwa im Sinne der "kosmischen Religiosität" eines Albert Einstein, der 1930 in seinem Aufsatz "Religion und Wissenschaft" schrieb: "Welch ein tiefer Glaube an die Vernunft des Weltenbaues und welche Sehnsucht nach dem Begreifen wenn auch nur eines geringen Abglanzes der in dieser Welt geoffenbarten Vernunft musste in Kepler und Newton lebendig sein, dass sie den Mechanismus der Himmelsmechanik in der einsamen Arbeit vieler Jahre entwickeln konnten. Wer die wissenschaftliche Forschung in der Hauptsache nur aus ihren praktischen Auswirkungen kennt, kommt leicht zu einer ganz unzutreffenden Auffassung vom Geisteszustand der Männer, welche - umgeben von skeptischen Zeitgenossen - Gleichgesinnten die Wege gewiesen haben."
nerone (Gast) - Di, Jan 30, 2007

Diskurs der Wissenschaft

Ich folge der Diskussion seit mir dieser Herr ""Julio Lambing"" erstmals eine gewissen Kenntnis dessen vermittelt, was Kreationisten oder ID'ler inhaltlich tatsächlich behaupten oder worin sie sich unterscheiden. Dankenswerterweise hat Lambing hierfür Herrn Junker eingeladen einen Beitrag zu schreiben. Neben der angenommenen Motivation dieser Kreise oder deren weltanschaulichen Background (die einzigen medial plakatierten Beiträge zu diesen Theorien) stand als Gegenargument allein der so genannte gesunde Menschenverstand und die Annahme die Evolutionstheorie sei in ihrer Gültigkeit eh unumstößlich, schließlich haben wir das ja in der Schule so gelernt. Das es in der Auseinandersetzung mit Kreationisten und ID'lern einen anderen Weg gibt, als den durch die Medien vorgezeichneten, ist erfrischend. Und Notwendig. Der "Common Sense" weist an seinen Rändern starke Errosionserscheinungen auf. Der Beliebigkeit gesellschaftlicher Wahrnehmungen wird schwerlich ausschließlich mit Abgrenzung zu begegnen sein.
Es ist sicherlich allzeit notwendig über die Motivation von Theorien informiert zu sein. Allerdings genügt nicht die Kenntnis der Motivation für eine argumentative Auseinandersetzung. (Ich glaube hier liegt auch der Sprengstoff für die Diskussion. Lambing weist, wie ich finde zu Recht darauf hin, dass durch die Etikettierung "Anti-Evolutionist" eine Stigmatisierung stattfindet, die zwar eine Abgrenzung ermöglicht. Mehr aber auch nicht! Wenn die angenommene Haltung der einen Seite nur sein kann, sie richte sich ausschließlich gegen die andere -darin allein liege ihre Motivation- so wird man schwerlich andere inhaltliche Argumente suchen)

Ich halte den argumentativen Grundton von Herrn Neukamm tatsächlich für sehr wertvoll. Er könnte in der Art als Replik auf Junkers Text (zumal er hinsichtlich Herrn Lambing Korrekturen vornahm) durchaus auch hier auf Axonas veröffentlicht werden (nur so ein Vorschlag). Er geht sehr nahe am Text Junkers in die Gegenrede und stellt, wie ich finde, deutlich die Probleme der ID-Theorie dar. Zu befürchten bleibt allerdings ,dass die Evolutionstheorie wie jede anderen Theorien auch, nicht darum herum kommen werden ihre Positionen gegenüber anderen Theorien, deren Kontext religiöse, esoterische oder teleologische Traditionen haben, immer wieder zu belegen.

Ich kann auch Herrn Sünners Text folgen der in den Schlusssätzen Albert Einstein zu Wort kommen lässt. Sie zeigten etwas auf, dass im heutigen Diskurs fehlt. Die Bindung an eine übergeordnete Instanz. Die Wissenschaft hat sich scheinbar im Verlauf der Jahrhunderte weitestgehend davon gelöst. Sie scheint sich selbst genug und entwickelt aus sich heraus eine Moral der Vernunft, deren Eckdaten sie beschreibt (wissenschaftliches Vorgehen etc.) Die Komplexität und Differenzierung wissenschaftlicher Erkenntnisse erlaubt es kaum noch eine nachvollziehbares Bild der Welt dar zu stellen. (Wie hieß noch mal der Japaner und was hatte der behauptet? Gut wurde aufgedeckt, aber er war ja nicht der Einzige.) Dennoch verlangen die vielfältigen Theorien von der Gesellschaft, durch die die Wissenschaft getragen wird blinden Gehorsam (polemisch), schließlich ist der komplexe Vorgang schon mal im Labor (Paradies?) bewiesen worden. Ich sage es mal so: Wer nicht die Mittel hat Wahrscheinliches vom Möglichem zu unterscheiden hat immer auch die Wahl sich dem Möglichen zuzuwenden. Das Mögliche unterliegt natürlich vielfältigen Einflüssen, darunter das Wahrscheinliche. So unterliegt mitunter auch ein wohlbestätigte Theorie dem Einfluss einer pluralen Gesellschaft. Das ist für mich die Erkenntnisachse um deren Willen man Diskurse führen muss, die Zugänglichkeiten ermöglichen für jene, die Mögliches GLAUBEN. Letztlich ist das ja der Weg, der sehr modern von den Kreationisten und ID'lern gegangen wird. Sie versuchen einer Welt, die materialistisch sozialisiert ist, in einer Sprache die sozusagen "Common Sense" ist und dann auch noch entlang verinnerlichter Schlagwörter einen Weg zurück in eine spirituelle Betrachtung des Lebens und der Welt zu vermitteln. (War das einiger Massen wertfrei?)

Neukamms Aufgabe ist es sicherlich einzuwenden und Aufmerksam zu machen, welche Werkzeuge und Erkenntnisse der Evolutionstheorie zu Grunde liegen. Sollte ID tatsächlich die Evolutionstheorie in Frage stellen wollen (das geht an Herrn Junker), so müsste sie positive Beweise für die eigene Theorie aus einer Forschung heraus erbringen. Ich bin gespannt ob sie in der Lage sein wird solche Versuchsanordnugen überhaupt zu entwickeln. Dann erst ist es ihr möglich den Vergleich an zu treten. Herrn Neukamms Zielgruppe sollte sich vielleicht um die erweitern, die eher zum ID oder dem Kreationismus tendieren. Ihnen verständlich machen, dass Schöpfung und Evolution womöglich verschieden Koordinaten sind aus unterschiedlichen Systemen und nicht zwingend einander ausschließen, ist eine spannende Aufgabe, der sich auch die katholische Kirche stellt.

Lambings Aufgabe ist es vielleicht auf den totalitären Gestus und auf Wahrheitsmonopole aufmerksam zu machen, in einer Welt die kaum noch Homogenität aufweist. Lambings Bekenntnis zum Pluralismus ist nicht eine Fürsprache zu einem Relativismus, sondern fordert, so wie ich es hier lese, Toleranz und Respekt ein und wendet sich explizit gegen Stigmatisierungen jedweder Art.

Herr Sünner weist mit seinem Beitrag auf eine so ganz und gar unwissenschaftliche menschliche Eigenschaft hin. Der Notwendigkeit nach Inhalten "über uns". Egal welches Label sie tragen mögen, sie sind nicht selten Antrieb für menschliches Forschen und Handeln. Sie (die Inhalte) sind immer auch die ethischen und moralischen Grenzpunkte für das jeweilige Handeln. Und sie schließen den Impuls wissenschaftlichen Forschens nicht aus.

Meine Aufgabe ist viel bescheidener. Ich lese nur...

Danke für die Anregung

So oder ähnlich

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