You can't bargain with the truth
You can't bargain with the truth,
'cause whether you're right or wrong,
We're going to know what you've done,
we're gonna see where you belong -- in the end.
(..)
You can't bargain with the truth
'Cause whether you're rich or you're poor
You're going to meet at the same door;
You're going to know the real score - in the end
(...)
You can't bargain with the truth;
'Cause if the world you chose
No further than your nose
Will be where the doors will close- in the end
Yusuf Islam
"Heaven/ In the End"
in: An other Cup; 2006
Die Accademia degli Incogniti, jene freigeistige Brutstätte im Venedig des 17. Jahhrunderts, die für die Operngeschichte so entscheidende Impulse lieferte, hielt ihre Versammlungen icognito ab: Ihre Mitglieder trafen sich mit Masken, damit kein äusserliches Rangzeichen, kein Vorurteil aus Standesdünkel den Austausch von Gedanken beeinträchtigen möge. Doch dieser Impuls zur Abscheidung des Akzidentellen ist, wie monotheiistische Apologeten zurecht betonen, in der Idee des Gottesvolks, das vor seinen Richter und Vater tritt, schon viel früher in der Geschichte der Menschen aufgetaucht. Ewige Unparteilichkeit paart sich mit dem gewaltigen Pathos der Wahrheit - das ist die Gemeinsamkeit der Scientific Communite mit dem Volk Gottes, das ist der Kern ihres gemeinsamen (und immer wieder auch wechselseitigen) Gesangs, der fordernd und kraftvoll sich in der Welt Gehör verschafft. Vor den Gott der WAHRHEIT wird man nur aufgrund seiner Nase zitiert. Die WAHRHEIT wird von allen konkreten Zufälligkeiten entkleidet; äusserliche Merkmale wie z.B. die wirtschaftlichen Verhältnisse desjenigen, der sie ausspricht, sind für ihre Existenz nicht wichtig. Es ist für das Erleben dieser zwingenden Kraft zweitrangig, ob das Urteil jetzt oder in einer fernen Zukunft gefällt wird, ob der jenseitige Raum seines Ausspruchs sich in der Abstraktion eines zum Ende gekommenen idealen DIskurses oder in der Begegnung mit dem Torwächter des paradisischen Glücks konstituiert.
Der Konflikt zwischen den ideologischen Verteidigern der Evolutionsbiologie und den Kreationisten interessiert mich unter anderem deshalb immer wieder. Er macht deutlich, daß hinter ihren jeweiligen Schildern, Speeren und Helmen ein Banner getragen wird, dessen Gestaltung und Symbolik große Ähnlichkeiten aufweist. Mancher weiß das zwar und nimmt das "Verschleierte Weltbild zu Kassel" (FAZ 04.11.07) in Kauf, weil er im Kreationismus die grössere Gefahr sieht. (Kostprobe für das Kasseler Weltbild gefällig? Dann einfach mal nachfragen , was eine Arbeitsgemeinschaft zur Evolutionsbiologie qua wissenschaftlichen Auftrag und der so neutralen Orientierung an wissenschaftlichen Methoden dazu qualifiziert, in ihren News vom 11. Januar sich über christliche Gläubige lustig zumachen, die in New Jersey vermeinen, "in einem Baumstamm das Antlitz der Heiligen Jungfrau Maria erkannt zu haben" ? "Inzwischen pilgern Heerscharen von Menschen zu der "Heiligen Stätte", beten, legen Blumen und Kerzen nieder und kleideten den Baumstaum sogar ein." Nein, so was aber auch. Der Evolutionsbiologe, dein Wald-und Wiesenfachmann für "Höhepunkte des Irrationalen". Die Kommentierung religiöser Erlebnisse durch ihn, da hat die Scientific Community drauf gewartet. )
Diejenigen, die nur hinter vorgehaltener Hand die Nase rümpfen, sollten ruhig einmal überdenken, wie oft in der Geschichte die Strategie, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben, schon schief ging. Seid Ihr wirklich sicher, dass die Treibjagd nach dem "Aufräumen" beim Lehrstuhl zur biodynamischen Landwirtschaft in Kassel (den Ihr ja auch nicht wegen der elitären Sedimente der Anthroposophie leiden könnt) halt macht? Dass anderes, was Ihr im Rahmen einer unverkürzt verstandenen Vernunft gegenüber einem einseitigen Wissenschaftskonzept gerechtfertigt seht, von den Freunden eben dieses einseitigen Wissenschaftsverständnisses respektiert werden wird?
Das prophetische Charisma der unbestechlichen Wahrheitsritter ist eine dermaßen geschichtlich wirksame Kraft, dass wir ihre Fähigkeit zur Verführung niemals unterschätzen dürfen. Manchmal weiß ich nicht, ob die Renaissance der Götter nur eine Episode aus den 70er und 80er war. Zu früh gefreut? Ist nicht mit dem Aufkommen des religiösen Fundamentalismus und seiner (wissenschaftlichen) Widerstreiter der totgesagte Gott im Wahrheitssingular wiedergekehrt? Auf die Jünger der Aufklärung können wir uns jedenfalls nicht verlassen, wenn wir den Philosophenkönigen den Weg zum Thron versperren wollen. Sie sind Wackelkandidaten, wenn es um die Freiheit geht, denn ihre Nähe zum ewigen Licht können sie niemals verleugnen. Gerade in den Ländern, die am stärksten säkularisierenden Entwicklungen ausgesetzt waren, wird im Kampf gegen die fundamentalistische GottesWAHRHEIT die Kontrolle und Gängelung der Bürger ausgebaut, selbstverständlich unter Berufung auf die WAHRHEIT. Kein Zufall, denn die Antike war immer nur das weibliche Elternteil der Aufklärung. Und war sie nicht eigentlich immer nur eine Magd, in die sich einige große Denker verknallten - weil sie so hübsch beim Arbeiten anzusehen war, wenn sie dem Überleben SEINER Wahrheit dienstbar gemacht wurde?
'cause whether you're right or wrong,
We're going to know what you've done,
we're gonna see where you belong -- in the end.
(..)
You can't bargain with the truth
'Cause whether you're rich or you're poor
You're going to meet at the same door;
You're going to know the real score - in the end
(...)
You can't bargain with the truth;
'Cause if the world you chose
No further than your nose
Will be where the doors will close- in the end
Yusuf Islam
"Heaven/ In the End"
in: An other Cup; 2006
Die Accademia degli Incogniti, jene freigeistige Brutstätte im Venedig des 17. Jahhrunderts, die für die Operngeschichte so entscheidende Impulse lieferte, hielt ihre Versammlungen icognito ab: Ihre Mitglieder trafen sich mit Masken, damit kein äusserliches Rangzeichen, kein Vorurteil aus Standesdünkel den Austausch von Gedanken beeinträchtigen möge. Doch dieser Impuls zur Abscheidung des Akzidentellen ist, wie monotheiistische Apologeten zurecht betonen, in der Idee des Gottesvolks, das vor seinen Richter und Vater tritt, schon viel früher in der Geschichte der Menschen aufgetaucht. Ewige Unparteilichkeit paart sich mit dem gewaltigen Pathos der Wahrheit - das ist die Gemeinsamkeit der Scientific Communite mit dem Volk Gottes, das ist der Kern ihres gemeinsamen (und immer wieder auch wechselseitigen) Gesangs, der fordernd und kraftvoll sich in der Welt Gehör verschafft. Vor den Gott der WAHRHEIT wird man nur aufgrund seiner Nase zitiert. Die WAHRHEIT wird von allen konkreten Zufälligkeiten entkleidet; äusserliche Merkmale wie z.B. die wirtschaftlichen Verhältnisse desjenigen, der sie ausspricht, sind für ihre Existenz nicht wichtig. Es ist für das Erleben dieser zwingenden Kraft zweitrangig, ob das Urteil jetzt oder in einer fernen Zukunft gefällt wird, ob der jenseitige Raum seines Ausspruchs sich in der Abstraktion eines zum Ende gekommenen idealen DIskurses oder in der Begegnung mit dem Torwächter des paradisischen Glücks konstituiert.
Der Konflikt zwischen den ideologischen Verteidigern der Evolutionsbiologie und den Kreationisten interessiert mich unter anderem deshalb immer wieder. Er macht deutlich, daß hinter ihren jeweiligen Schildern, Speeren und Helmen ein Banner getragen wird, dessen Gestaltung und Symbolik große Ähnlichkeiten aufweist. Mancher weiß das zwar und nimmt das "Verschleierte Weltbild zu Kassel" (FAZ 04.11.07) in Kauf, weil er im Kreationismus die grössere Gefahr sieht. (Kostprobe für das Kasseler Weltbild gefällig? Dann einfach mal nachfragen , was eine Arbeitsgemeinschaft zur Evolutionsbiologie qua wissenschaftlichen Auftrag und der so neutralen Orientierung an wissenschaftlichen Methoden dazu qualifiziert, in ihren News vom 11. Januar sich über christliche Gläubige lustig zumachen, die in New Jersey vermeinen, "in einem Baumstamm das Antlitz der Heiligen Jungfrau Maria erkannt zu haben" ? "Inzwischen pilgern Heerscharen von Menschen zu der "Heiligen Stätte", beten, legen Blumen und Kerzen nieder und kleideten den Baumstaum sogar ein." Nein, so was aber auch. Der Evolutionsbiologe, dein Wald-und Wiesenfachmann für "Höhepunkte des Irrationalen". Die Kommentierung religiöser Erlebnisse durch ihn, da hat die Scientific Community drauf gewartet. )
Diejenigen, die nur hinter vorgehaltener Hand die Nase rümpfen, sollten ruhig einmal überdenken, wie oft in der Geschichte die Strategie, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben, schon schief ging. Seid Ihr wirklich sicher, dass die Treibjagd nach dem "Aufräumen" beim Lehrstuhl zur biodynamischen Landwirtschaft in Kassel (den Ihr ja auch nicht wegen der elitären Sedimente der Anthroposophie leiden könnt) halt macht? Dass anderes, was Ihr im Rahmen einer unverkürzt verstandenen Vernunft gegenüber einem einseitigen Wissenschaftskonzept gerechtfertigt seht, von den Freunden eben dieses einseitigen Wissenschaftsverständnisses respektiert werden wird?
Das prophetische Charisma der unbestechlichen Wahrheitsritter ist eine dermaßen geschichtlich wirksame Kraft, dass wir ihre Fähigkeit zur Verführung niemals unterschätzen dürfen. Manchmal weiß ich nicht, ob die Renaissance der Götter nur eine Episode aus den 70er und 80er war. Zu früh gefreut? Ist nicht mit dem Aufkommen des religiösen Fundamentalismus und seiner (wissenschaftlichen) Widerstreiter der totgesagte Gott im Wahrheitssingular wiedergekehrt? Auf die Jünger der Aufklärung können wir uns jedenfalls nicht verlassen, wenn wir den Philosophenkönigen den Weg zum Thron versperren wollen. Sie sind Wackelkandidaten, wenn es um die Freiheit geht, denn ihre Nähe zum ewigen Licht können sie niemals verleugnen. Gerade in den Ländern, die am stärksten säkularisierenden Entwicklungen ausgesetzt waren, wird im Kampf gegen die fundamentalistische GottesWAHRHEIT die Kontrolle und Gängelung der Bürger ausgebaut, selbstverständlich unter Berufung auf die WAHRHEIT. Kein Zufall, denn die Antike war immer nur das weibliche Elternteil der Aufklärung. Und war sie nicht eigentlich immer nur eine Magd, in die sich einige große Denker verknallten - weil sie so hübsch beim Arbeiten anzusehen war, wenn sie dem Überleben SEINER Wahrheit dienstbar gemacht wurde?
Julio Lambing - Do, Jan 25, 2007 - Zettelkasten: Traditionen







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