Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Keine Muse für die Lebenskunst

Es gibt für die techne tou biou kein Muse. Sie wäre auch arbeitslos. Um die Bilderwelt von Ranke-Graves zu benutzen:

"The original Muse, or Mountain-goddess, whom the pre-Classical Greeks worshipped on Olympus, Helicon, Parnassus and elsewhere dit not, of course, appear by candellight in a poet's attic and guide his pen; the Muse-trance was a collective one induced at set lunar festivals. The Goddess roder her devotees very much as the voodoo gods of Haiti now ride theirs: causing them to chant and dance ecstatically; though first, no doubt, the tribal poet felt called upon to invoke the Goddess ceremoniously , and provide a ballad refrain - which is still a tribal poet's task in the South Cameroons and other remote perts of West Africa. In Greece by the eighth century B.C., invovacation of the Muse had become a formality - a claim that Sons of Homer could entrance listeners with the harp in a palace courtyard as effectiveley as when stamp of foot and clap of hand beat out the Doddess's dance rhythms on the slopes of a mountain."(1)

"It is difficult to discuss the Muse concept in historic terms. Let me begin by saying that a deity must remain an idle abstraction, unless he or she has (to employ West African terms) a sunsum as well as a kra-kra meaing supernatural power, sunsum meaning an agreed personality. A sunsum becomes so notabel the the devotee "ridden" by, say the goddess Ntoa or the god Odomankoma, uses certain traditional gestures, tones and mannerism at once recognized as deity's own." (2)
S.58 ff.

"The personall Muse, then, should inspire a poet with her own certitude; in return, he should acknowledge her divine kra; though loving her as a woman with a sunsum of her own. There is no cabalistic or occult element in such poet-Muse relationships, however difficult they may be to achieve and maintain." (3)


Man kann sich noch vorstellen, wie auch derjenige, der Rhetorik betreibt, jener Kunst die noch am engsten mit dem politischen Leben und damit mit dem Handeln verknüpft ist, eine Ekstase durch Kalliope oder Polyhymnia erfasst. Aber was sollte das heißen, dass die Göttin denjenigen reitet, der Lebenskunst betreibt? Wo sollte bei der Stoa die Inspiration, die Ekstase zu finden sein - lassen wir mal eine bestimmte Sorte masochistischer Lust als Opfer, dass sich seiner "inneren Erhebung" über die Umstände bewusst wird, aussen vor?

Was sich einer Muse zuordnen lässt ist Kunst und jeder Kunst lässt sich eine Muse zuordnen. Das edle Leben gehört da nicht rein, die techne gibt es nicht. Es gibt eine Praxis - das Leben selbst

Fußnoten:
(1) Robert Graves; Oxford Adresses on Poetry;Cassel & coimpany LTD; London;1962; S.57
(2) Robert Graves; Oxford Adresses on Poetry;Cassel & coimpany LTD; London;1962; S.58
(3) Robert Graves; Oxford Adresses on Poetry;Cassel & coimpany LTD; London;1962; S.78

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