Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Jamba-Wissenschaftler und seriöse Diskutanten auf Axonas

Vor einiger Wochen sagte mir ein Unterstützer des Intelligent Design, dass die AG Evolutionsbiologie des Verband der deutschen Biologen (VdBiol) ein Geschenk Gottes sei, wenn es darum geht, in der Öffentlichkeit für die Sache des "Intelligent Design" Verständnis und Sympathie zu erwecken. Ich weiß nicht, ob diese Einschätzung allzu optimistisch ist, aber ganz falsch scheint sie nicht zu sein.

Im November 2006 hatte der kreationistische Wissenschaftler Dr. Reinhard Junker hier einen Gastbeitrag zu dem Thema veröffentlicht: "Sind Kreationismus und Intelligent Design „science stopper“?" in dem er darlegt, warum man diese Frage negativ beantworten sollte. Daraufhin hatte der Geschäftsführer der AG Evolutionsbiologie Martin Neukamm im Januar mit einer Replik reagiert. Heute morgen nun hat Reinhard Junker hier eine ausführliche Stellungnahme zu dieser Replik in den Kommentaren gepostet, die er zeitgleich auch auf einer eigenen Website veröffentlicht hat. Im Kontrast zu Martin Neukamm, der zwar dreist die Kommentarfunktion meines Weblogs benutzte, um einen Link auf seine Replik zu hinterlassen, aber zu feige war, auf seiner Website die hiesigen kritischen Postings zu verlinken, scheint mir Junker trotz eingestandener Zeitnot den dialogischen Stil von Blogs und die damit verbundene neue Öffentlichkeitsform mehr zu respektieren.

Und anders als Neukamm missbraucht er sie auch nicht. Ich hatte Junker zu dem ursprünglichen Gastbeitrag eingeladen, weil mir das oftmals in der Öffentlichkeit zu beobachtende kritiklose Herunterbeten der Behauptung, Kreationismus und Intelligent Design seien per se unwissenschaftlich ebenso auf die Nerven ging wie der Umstand, daß wissenschaftliche Kritiker der Evolutionstheorie, Kreationisten und Vertreter des Intelligent Design anscheinend auch mit unlauteren wissenschaftspolitschen Manövern aus dem öffentlichen Diskurs in Deutschland herausgedrückt werden. Ich bin kein Kreationist und misstraue der dahinter stehenden Gesinnung ausserordentlich. Aber so ähnlich wie wir heute aufpassen müssen, dass vermeintliche Verteidiger der Errungenschaften der Aufklärung im Kampf gegen islamistischen Fundamentalismus nicht selbst Freiheit und Pluralismus beeinträchtigen, so sollten wir auch bei wissenschaftlichen Auseindersetzungen darauf achten, daß wissenschaftliche Forschung zwar weltanschaulich motiviert, aber nicht ideologisch, sondern pluralistisch organisiert bleibt - auch dann wenn man sich gegen christliche Fundamentalisten zu Wehr setzt. Schaut man sich das Zurückdrängen bestimmter Fachrichtungen (Geisteswissenschaften) und wissenschaftlicher Schulen (marxistische z.B.) an, so können wir schon heute hinsichtlich des wissenschaftlichen Pluralismus beunruhigt sein. Ich hatte nun auch bei dem Biologenstreit den Eindruck, daß bei der Verteidigung der Evolutionstheorie gerade in der öffentlichen Auseinandersetzung Wissenschaftsideologen das Bild bestimmen, deren Scharfmacher-Rhetorik mir als quasireligiöse Adaption der wissenschaftstheoretischen Mission des Wiener Kreises anmuten. Wissenschaft hat das nicht nötig und solche Ideologen sind eine Gefahr für die Freiheit des Denkens.

Nur kurz nach Veröffentlichung von Junkers Gastbeitrag konnte ich meine Vermutung bestätigt sehen. Denn flugs wurde dieses Weblog von dem Gremium der Evolutionswissenschaftler zu einer "antievolutionistischen Homepage" und ich gar zum "Evolutionsgegner" erklärt. Irgendwann schnallte man dann aber, daß ich zumindest kein christlicher Fundamentalist sein kann und erklärte daraufhin, daß man mit mir "keinen Dialog anstrebe" (die seltsame Begründung kann mir hier begutachten). Das war lustig und ich habe mit Laune verbal auf dieses Gremium eingeprügelt - ein besserer Beleg, daß wir hier Leuten mit offenkundig ideologisierter Wahrnehmung die Verteidigung des wissenschatflichen Betriebs überlassen, schien mir kaum möglich. Bis ich feststellen musste, daß der Geschäftsführer der AG Evolutionsbiologie im Verband der deutschen Biologen unter dem Titel "Pain in the Ass" ein vermeintlich anonymes Posting hier absetzte, in dem meiner Person gegenüber mal so richtig vom Leder gezogen und die Sau rausgelassen wurde und auf sehr berechenbare Art stigmatisierende Klischees und Stereotypen zum Einsatz kamen, um an billige Ressentiments und Vorurteile zu appellieren. Sein Pech, dass es lediglich drei Klicks benötigte um ihn zu identifizieren. Martin Neukamm tanzte also hier den Jamba, wie man vielleicht unter Bloggern sagen würde. Kurz darauf schaltete sich der Mann unter seinen wirklichen Namen hier noch einmal in die Diskussion ein, tat so als wenn nichts gewesen wäre und unterstützte "ganz sachlich" die Argumentation von "Pain in the Ass".

Nach ein paar Recherchen stand fest: das war kein Einzelfall aus jenem akademischen Institut in München. Ich habe mir z.B. auf einer einschlägigen Diskussionsplattform zu einer ganzen Reihe von Diskussionsbeiträgen die immergleiche IP dieser Institution zeigen lassen, die sich hinter zig ganz unterschiedlichen Namen vermeintlicher Privatpersonen verbarg. Letztere teilweise auch noch mit wechselnden Ortsangaben ettikettiert - damit es wohl authentischer wirkt. Um das klarzustellen: Ich habe eigentlich gar nichts dagegen, wenn Autoren, Blogger und Forenschreiber anonym und unter wechselnden Pseudonymen posten und kommentieren. Furcht vor Repressionen, Diffamierungen oder auch Drohungen, wenn man über Betrügerfirmen, Rechtsradikale oder Sekten schreibt oder sich in Randgruppen der Gesellschaft bewegt, die ausgegrenzt werden, sind gute Gründe sich zu tarnen. Wer da Zwangsouting betreibt, der sollte zurecht zur Rechenschaft gezogen werden. Aber wenn solche Aktionen wie die von "Pain in the Ass" von einem Funktionär eines wissenschaftlichen Gremiums in Durchführung seiner Mission erfolgen, ist das was anderes, denn hier liegt eine fundamental assymetrisches Verhältnis zu dem Diskussionsgegenüber vor. Wenn so etwas seitens der AG Evolutionsbiologie des Verbandes der deutschen Biologen möglich ist, scheine ich mit meiner Kritik hinsichtlich der zweifelhaften Methoden ja nicht ganz falsch zu liegen.

Dennoch sollte man Martin Neukamm und die AG Evolutionsbiologie nicht dämonisieren. Von dem Autor Georg Menting, der - wenn ich das richtig verstanden habe - anscheinend ähnlich wie ich die Evolutionstheorie befürwortet, aber sich aufgrund seiner Kritik an ihren Verteidigern ebenfalls unseriöser Methoden seitens der AG Evolutionsbiologie ausgesetzt sieht, wird Martin Neukamms als "Bulldogge" des Evolutionsbiologen Ulrich Kutschera (der umtriebige Sprecher der AG Evolutionsbiologie) bezeichnet. Ich finde man sollte die Kirche im Dorf lassen: Da wird zwar aufgeregt und ängstlich-hysterisch verbellt, was fremd ist. Aber das erinnert doch eher an Havaneser, Mops oder Chihuahua.

Es schadet zudem auch nicht, einmal darauf hinzuweisen, daß es im Umkreis der AG Evolutionsbiologie auch anders geht. Mehrmals wurde mir von Kreationisten und Vertretern des Intelligent Design Thomas Waschke als jemand genannt, der "zwar hart, aber fair" sei. Ich möchte nicht verhehlen, daß ich seinen neuesten Beitrag "Warum Intelligent Design (ID) im Bereich der Naturwissenschaften derzeit keine Existenzberechtigung hat" mit Gewinn gelesen habe, auch wenn ich das Argument nicht teile, daß der Analagieschluß von Artefakten auf lebende Organismen als Argument gescheitert sei. (Aber letzteres ist eine andere Geschichte.) Was sich jedoch für mich durch den Aufsatz zu bestätigen scheint, ist meine Vermutung, daß mit Neukamms Replik auf Junkers Gastbeitrag ein geordneter Rückzug möglich ist, so daß auch ideologisierte Vertreter der Evolutionstheorie den Bunker überspannter Vorwürfe hinsichtlich der prinzipiellen Unseriösität des Intelligent Design und des Kreationismus verlassen können und so wissenschaftlicher Freiraum geschaffen wird. Selbstverständlich hat das nichts mit einer Preisgabe der Evolutionstheorie zu tun. Und das Abendland geht auch nicht unter, wenn man wissenschaftliche Toleranz übt.
Halligstorch (Gast) - Fr, Mrz 23, 2007

Gezielter Link auf Kutscheras Bulldogge

Nachfolgend ein etwas gezielterer Link auf die Textstelle, in der ich Neukamm als
"Kutscheras Bulldogge" bezeichnet habe:

http://www.kritische-naturgeschichte.de/Medien/Offener_Brief_AGEvobio.pdf

Da Neukamm (wie sein 'Herrchen') bei seinen Attacken gegen Andersdenkende
wenig Skrupel und Beißhemmung kennt, halte ich einen 'Kampfhund' schon für die
passende Metapher.

Beste Grüße

Halligstorch

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