Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Wieviel Wasser läuft noch den Gletscher entlang?

Mancher erinnert sich noch an den SPIEGEL-Artikel über Klimahysterie. Da war ja auch die Rede davon, dass das alles mit dem durch den Klimawandel bedingten Anstieg des Meeresspiegels nicht so schlimm sei, wie lange angenommen.

Vielleicht ist diese Meinung als Kontrastmittel hilfreich:

"Eine Tabelle im jüngsten IPCC-Bericht erweckte für manche Beobachter den Eindruck, der Weltklimarat schätze den höchstmöglichen Meeresspiegelanstieg in diesem Jahrhundert deutlich tiefer ein als im letzten IPCC-Bericht des Jahres 2001.

Da dies für viele Millionen von Menschen - gerade auch in Entwicklungsländern - existenziell wichtig ist, sollten hier keine Missverständnisse entstehen.

Von Entwarnung kann keine Rede sein. Zwar wird der in der entsprechenden Tabelle angegebene Höchstwert recht deutlich reduziert. Aber dies geschieht vor allem deshalb, weil die große Unbekannte im Hintergrund - mögliche sich selbst beschleunigende Eisverluste in Grönland und der Westantarktis - in der Abschätzung in der Tabelle nicht mehr berücksichtigt wird. Grund für die Nichtberücksichtigung ist, dass die Wissenschaft noch nicht voll versteht, ob und wie die beobachteten, vorher nicht erwarteten Beschleunigungsprozesse des Gletscherflusses weitergehen oder sich gar steigern. Es wird darauf verwiesen, dass dessen Beitrag durchaus so hoch sein kann, wie im Jahr 2001 als Höchstwert angenommen wurde, aber auch kleiner oder größer. Die neuesten Studien weisen eher in eine ungewünschte Richtung. Es mehren sich die Anzeichen, dass Grönland und auch die Westantarktis mehr zum Meerespiegelanstieg beitragen als sowohl 2001 als auch 2007 vom IPCC angenommen. Die Antarktis, von der der IPCC noch annimmt, dass sie während des ganzen Jahrhunderts keinen Beitrag zum Meerespiegelanstieg leistet, tut dies nach den neuesten Abschätzungen vermutlich bereits jetzt. Das passt zu den nunmehr ausgewerteten - allerdings noch nicht signifikanten - Beobachtungsdaten, die zeigen, dass der Meeresspiegelanstieg 50 Prozent höher ist als in den Modellen. "


Also alles nicht so einfach. Es wird noch einiges Wasser den Gletscher entlang laufen, bis wir mehr wissen. Zu sagen, daß es nur ein Rinnsal sein wird, scheint aber voreilig.

Mehr Material hier.

(Der übliche Disclaimer was ich mit dem Thema zu tun habe und warum ich kein neutraler Beobachter bin, siehe z.B. hier oder hier - jeweils ganz unten.)
biologe (Gast) - Mi, Jul 11, 2007

Grönlands Gletscher

Da ich hin und wieder beruflich mit Klimaforschern zu tun habe, kann ich bestätigen: Ganz so einfach, wie es in den Massenmedien dargestellt ist, verhält es sich nicht (womit ich bei Ihnen offene Türen einrenne, bei "meinen" Schul- und Betriebsausflugsgruppen jedoch nicht). Dabei denke ich nicht einmal an "Klimaskeptiker" und "Erwärmungsleugner", die es ja immer noch gibt, sondern an naive Darstellungen, die vermuten lassen, wir hätten den Thermostaten der Erde gefunden und bräuchten "nur" den CO2 Ausstoß reduzieren, damit "das Wetter wieder normal" wird.

Zu Grönland: vor einige Wochen ging eine interessante Meldung durch die (biologische) Fachpresse: Dänische Wissenschaftler hatten auf dem südgrönländischen Inlandeis DNS-Spuren von Nadelbäumen und Insekten bei Bohrungen unter einer zwei Kilometer dicken Eisschicht identifiziert.
Wenn ihre Datierung stimmt, dass die Funde tatsächlich 450.000 und nicht 125.000 Jahre alt sind, würde das bedeuten, dass die daraufliegende Eisschicht während der Eem-Warmzeit nicht vollständig geschmolzen ist. Das würde bedeuten, dass der Eisschild Grönland sehr viel "robuster" gegen ein wärmeres Klima ist, als heute allgemein angenommen wird. Andererseits ist eine Altersbestimmung zu wenig, um die bisherigen Ergebnisse der Klimatologen zu widerlegen.

In Ihrem Artikel beziehen Sie sich sicherlich auf die Meldungen, die diesen Februar durch die Presse gingen, dass der Gletscherfluss auf dem grönländischen Festland hat sich beschleunigt hat. Die Gletscher im Süden Grönlands kalben heuer häufiger und entlassen etwa doppelt so viel Eis ins Meer wie noch vor fünf Jahren. Der vorausgesagte Anstieg des Meeresspiegels aufgrund der globalen Erwärmung könnte demnach deutlich unterschätzt worden sein.

Im - scheinbaren - Widerspruch hierzu veröffentlichten Ende
letzten Jahres norwegische Forscher einen Bericht, dass der Eispanzer Grönlands wächst: Greenland's ice cap has thickened slightly in recent years despite wide predictions of a thaw triggered by global warming. Recent growth in the interior regions of the Greenland Ice Sheet is reported by a Norwegian-led team of climate scientists. The growth is estimated to be about 6 cm per year during the study period, 1992-2003. Quelle: Recent ice sheet growth in the interior of Greenland http://www.bjerknes.uib.no/pages.asp?kat=2&id=170&lang=2
Der scheinbare Widerspruch ergibt sich meines Erachtens daraus, dass die Studie der Universität Kansas, auf der die Pressemeldungen bezogen, den Gletscherfluß im Süden Grönlands untersuchten, die norwegische Studie hingegen vor allem den Norden Grönlands untersuchte. Mir ist ja auch bekannt, dass die Temperaturen im Inneren der Antarktis seit 1957 nicht zugenommen bzw. leicht abgenommen haben, hingegen auf der weiter nördlich gelegenen Antarktischen Halbinsel eine rapide Temperaturzunahme und drastische Eisverluste beobachtet wurden.

Was folgt daraus? Vermutlich die Erkenntnis, dass wir uns vernüftigerweise auf das "schlimmere" Szenario einrichten sollten - allerdings mit "kühlem Kopf": es wäre meines Erachtens fatal, nun zwecks CO2 Ersparnis verstärkt auf Kernenergie zu setzen, oder nach dem Motto: "ist eh alles kaputt" auf die Reduzierung des CO2-Ausstoßes zu verzichten. Ich neige, aufgrund eigener Studien an Jahresringen von im Moor konservierten Holz, der Annahme von Dr. Hans von Storch zu, dass zur Zeit "natürliche" und "menschengemachte" Erderwärmung prozyklisch verlaufen - dass es also auch ohne anthropogene Einflüsse eine Erwärmung geben würde. Eigentlich ein Anlass erst recht nicht "zu heizen", aber offenkundig für einige "Experten" Anlass, die Bedeutung der anthropogenen klimarelevanten Gase herunterzuspielen. Übrigens erhärten unsere Baumring-Ergebnisse die Existenz eines früh- bis hochmittelalterlichen Klimaoptimums mit Temperaturen über den heutigen Werte bei deutlich höheren Niederschlagsmengen, und legen außerdem nahe, dass da Klima in Mitteleuropa weitaus instabiler und damit "gefährdeter" ist, als bisher angenommen wurde. Die "Kleine Eiszeit" war nach unseren (bisher unveröffentlichten) Daten keine durchgehende "Kaltzeit", sondern eine Zeit der Wetterextreme. Aber ich fürchte, das ist zu kompliziert für "Spiegel"-Redakteure - und auch zu kompliziert für "Life Earth" Konzerte. Von Al Gores Dokumentarfilm "An Inconvinient Truth" war ich auch etwas enttäuscht. Wenngleich es irgendwo schon logisch ist, der PR von Exxon oder "unserer" Braunkohle AG in ähnlichem Stil zu kontern.

Sie fragen sich vielleicht, wieso ich mit dem "Klimakram" ankomme - und mit Tatsachen, mit denen Sie wahrscheinlich längst vertraut sind. Einfach deshalb, weil ich über dieses Thema und eine Google-Suche auf Ihr Blog gestoßen bin. Außerdem wollte ich den Streit um Heidentum, Intelligent Design, Wissenschaftstheorie usw. erst einmal ruhen lassen. Ich schätze Ihre Ehrlichkeit, mit der Sie einräumen, dass Sie kein "neutraler Beobachter" sind.

Trackback URL:
http://axonas.twoday.net/stories/4025947/modTrackback

Praxis der Aphrodisia

Spiegel

Herzlich willkommen. Sie sind nicht angemeldet. Sie können dennoch einen Kommentar abgeben.

Die Startseite finden Sie hier.


Kontakt und RSS

Sie erreichen mich über diese Emailadresse.


Creative Commons License

kostenloser Counter


Neue Feeds!

Zeigt den Feed an.


Translation Google:

See this page in English Voir cette page en francais

Zettelkasten

AXONAS - ein Versuch... - von Julio Lambing

Poly-Generation

Ikaros
Flugschreibers Tauchgang
Silvanus
Herbarium
Que quieres en la vida?
eben hier auf dem schornstein will ich sein
The hidden units
uruhia magma cascara quinene
Sonnentempel
Akolyten desselben

Suche

 

Trivia

Online seit 1793 Tagen
Zuletzt aktualisiert: Fr, 30.10.2009

kostenloser Counter

Listed on BlogShares

Credits

vi knallgrau GmbH

powered by Antville powered by Helma

sorua enabled

twoday.net AGB

Praxis der Aphrodisia