Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Kosmopolitischer Sinn des Multikulturalismus

Eurozine hat einen Artikel von Per Wirtén über das richtige Verständnis des Konzepts Multikulturalismus verfasst. Anhand der US-amerikanischen Auseinandersetzung in den Dekaden des letzten Jahrhunderts, wie die protestantische Mehrheitsgesellschaft mit den neuen katholischen Einwanderer aus Süd- und Osteuropa umgehen sollte, stellt er zwei Ansätze zur Integration bzw. zum Verhältnis von Immigranten vor.

Die erste Lösung nennt Per Wirtén Pluralismus:
"The first answer was formulated by sociologist Horace Kallen in a series of articles in the second decade of the twentieth century: the US as cultural pluralism in practice, a nation of many nations. The resulting metaphor was a mosaic, with the various migrant cultures representing small pieces that combined to form a larger whole. Kallen thought it was the State's task to protect each individual culture and he detested the melting pot standardisation. He began using the word "hyphenates" to describe Americans who were Italian-American, Jewish-American, or Anglo-American, for example."

Er sieht die Schwäche des Pluralismus darin, daß er die Menschen auf ihre Herkunft festnagelt.
"It is open wide to criticism of enclaves and tolerance of a culture of introversion and violence (towards women, children, homosexuals, bisexuals, and transsexuals). Pluralism recognises that a multicultural society is an inevitable fact, but offers no policy that can combine diversity with justice and equality. It offers peace of mind for each piece of the mosaic, but no provision for change, dynamics, or adaptability. Pluralism gets bogged down in culture. In the word "culture"."

Für Wirtén nagelt der "Pluralismus" die Menschen auf ihre Geschichte, manifestiert in ihrer Ethnie, Rasse oder Kultur fest. Er bietet nichts für jene an, die die Grenzen überwinden wollen. Und kommt zu dem Schluß, daß dieses Konzept mit jenem einer rücksdichtslosen Assimilationspolitik (der Idee des Schmelztiegels") mehr gemeinsamen hat, als man denkt.
"In actual fact, the mosaic structure of pluralism is founded on the same race philosophy as the melting pot model and hostility towards immigrants: the notion that homogeneous national groups and separate individuals are happiest in the safe community of the group."


Das zweite Konzept nennt Wirtén Kosmopolitismus. Er erläutert es im erwähnten US-amerikanischen Kontext an der Ansicht des Soziologen Randolph Bourne, daß es nicht Aufgabe des Staates sein kann Gemeinschaften von Minoritäten zu schützen noch sie einen Schmelztiegel zu zwingen. Sondern: "Its task is to keep the passageways between the pieces of the mosaic open to everybody."
"A cosmopolitan nation is not held together by a common culture, ethnicity, or even a shared history. Sweden is not a country for Swedishness, but for the people who live here. French philosopher Catherine Audard writes: "The nation is not determined by virtue of the past, through culture or tradition, it is continuously created afresh through citizens' tacit connection to its political institutions and [political] basic values: the nation, as Ernest Renan said in his celebrated description, is 'a daily plebiscite'."

The glue that holds the cosmopolitan society together is politics. In other words, having shared problems that need to be resolved democratically. And by this I mean politics as Hannah Arendt described it: the discussion created where people meet to resolve common issues. We call this the public sphere or the public arenas. It is in these discussions, founded on the idea of democracy and equal rights, that the cosmopolitan order takes shape. It is not a simple answer to all the conflicts raging in the city, but it is a framework for resolving them. This is what Jürgen Habermas ingeniously termed "constitutional patriotism" – people feel a sense of solidarity with a nation's laws, freedoms and rights, rather than its ties of kinship or cultural history.

Access to this discussion, to the publicity, requires an end to discrimination and exclusion. Having publicity and politics as the sole requisites of the community means that cosmopolitan society cannot accept the exclusion of anyone; it presupposes inclusion and, thereby, equal rights for everybody. Otherwise it ceases to function."


Das steht in Kontinutität zu Per Wirténs genereller Verteidigung des Kosmopolitismus "als Parole der Gegenwart für ein Weltbürgertum der Zukunft". Der Ansatz hat den Vorteil, daß er die Idee der Kulturnation überwinden will, mit dem Linke wie Rechte sich in Europa das Gehirn zugedröhnt haben - auch und gerade jene, die sich hier "multikulturalistisch" nennen. Ob das Erbe des kantianischen Universalismus, der eine neue Identität durch einen weltgeschichtlichen Reifungsprozess der Rationalität schaffen möchte, auch in diesem Konzept seine Spuren hinterlässt, werde ich mir in ein paar Tagen anschauen. Und ob es wirklich Gemeisnchaftskonzepten aus dem Umfeld des Kommunitarismus widerspricht, wie man ja schnell erst einmal vermuten kann.

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Aber nun nicht genug , da natürlich die Mitarbeiterzahl...
Ano (anonym) - Do, Sep 25, 2008
URL noch ...
http://de.youtube.com/user /Anabell39 Viele Grüße...
Anabell (anonym) - Di, Sep 23, 2008
"Neu-Heidentum"
Ich habe mit großem Interesse Deinen Text gelesen. Kompliment...
Anabell (anonym) - Di, Sep 23, 2008
"So langsam kann man...
"So langsam kann man sich dem Thema vielleicht entziehen....
Julio Lambing - Mo, Sep 22, 2008
schön
dich wieder auf Axonas zu lesen. Ich habe mich ja...
nerone (anonym) - So, Sep 21, 2008

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