Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Die Institutionen der Anders-Besser-Leben-Welt

Johannes Heimrath fragt im Editorial der jüngsten Ausgabe der "Kurskontakte":

"Nicht im Traum hätte ich gedacht, dass mich einmal der Gedanke an mangelnden zivilen Schutz beunruhigen könnte. Jetzt war er da, und ich brachte ihn in der Folge in einige Gesprächsrunden von Menschen ein, die ihre ganze Kraft für die Rettung der Welt einsetzen. Wer sorgt für unsere Sicherheit, wenn es ganz übel kommen sollte? Brauchen wir in einer katastrophal niederbrechenden Gesellschaft nicht eine Art kulturkreativer Polizei, die das Schlimmste verhütet?

Gesetzt, „wir“ bringen die friedliche Revolution zustande, die Gesellschaft organisiert sich neu nach lebensfördernden Werten, und die Staatsmacht nach heutigem Muster existiert so nicht mehr. Wer von „uns“ will dann die Aufgabe der Sicherheit übernehmen, wer von uns könnte das überhaupt? Ratlosigkeit war bisher die Antwort, Erstaunen, dass eine solche Frage quer durch die Bemühungen schießt, das Gute zu retten, eine Welt des Ausgleichs und der Liebe zu schaffen …

Könnte es sein, dass hier ein Versäumnis zutage tritt? Genügt es, an Engel oder die Wirksamkeit sozial-ökologischer Maßnahmen zu glauben oder naiv an das grundsätzlich Gute im Menschen? Was werden diejenigen tun, die – wenn es so kommt, wie ernstzunehmende Fachgremien befürchten – vor dem Hunger aus den Städten fliehen, dorthin, wo die neuen Gemeinschaften selbstversorgt Reigentänze aufführen und unverdrossen den integralen Geist einer globalen Menschheit herbeisingen?"


Ich finde die Passage nicht deshalb erwähnenswert, um das übliche Geplapper über die angebliche Naivität von Kommuneprojekten, Ausstiegsillusionen und Idylleszenarien des grün-alternativen oder ökospirituellen Milieus anzuheizen. Die meisten Beteiligten der von Joahnnes Heimrath angesprochenen Initiativen sind wesentlich politischer und engagierter in großen und kleinen Gemeinwohlangelegenheiten als die Herren und Damen, die dieses Geplapper anstimmen - das zum großen Teil ohnehin nur zur Besänftigung der Unruhe dient, daß es ein Leben jenseits des unindividuellen Lebensentwurfs gibt, den man mit Papa, Mama und den abertausenden Kollegen aus der Alterskohorte teilt. Ich zitiere sie auch nicht, weil ich die unterstellte Apokalyptik, die gerade in der kommunitären Szene sehr verbreitet ist, für realistisch halte. Die Passage ist interessant, weil das Milieu, für das die Zeitschriften der Kulturell-Kreativen Mediengruppe die Austauschplattform darstellen, seit einiger Zeit begonnen hat, die großen übergreifenden Entwürfe wie alternative Parlamentsformen, plebiszitäre Entscheidungsstrukturen, ökologisch orientierter Verbraucherschutz, Schwundgeld, Gemeinwohlökonomie und anderes, was sich so gut konzeptionieren lässt, mit den subsidiären Projekten zu konfrontieren, wie Tauschringe, lokale Solidargemeinschaften zur Gesundheitssfürsorge, Permakultur, kommunitäre Entscheidungsformen und anderes, was sich gut realisieren lässt. Egal wie simpel die Frage nach der "kulturell-kreativen Polizei" auch sein mag, sie verweist auf das zentrale Problem des Aufbaus von Institutionen und dem Verhältnis zwischen Gemeinschaften und dem modernen Staat. Bis jetzt kenne ich nur eine Debatte, die sich darum konstruktive Gedanken macht: die um den US-amerikanischen Kommunitarismus. Ein Projekt, das schon lange darauf wartet, realisert zu werden, wäre eine Übertragung der kommunitaristischen Vorschläge auf die deutschen Verhältnisse. Aber ich wiederhole mich..
Richard König (Gast) - Di, Okt 30, 2007

zivile Sicherheit?

Erst was persönliches: Julio Lambing - Abi `88 am HGT? Dann liebe Grüsse von Mister Grundstazdiskussion.
Zum Thema: ich glaube nicht an einen sanften Wandel; das Bewusstsein in der Welt ist nicht entwickelt genug, um die Lernherausfprderungen zu begreifen, die das Leben uns stellt ( ich weiss, Zähneknirschen bei der Formulierung). Des weiteren hat uns der 11. September gezeigt, dass die Welt inzwischen ein globales Dorf mit nur einem Brunnen geworden ist. Wird dieser Vergiftet, sterben alle. Wie viele Flugzeuge hätte es wohl noch gebraucht, bis die Aktienmärkte zusammengebrochen wären? Und dann ... . Auch arabische Terroristen lernen dazu. Mal sehen wann (nicht falls) ein entsprechend grosser Anschlag kommt.
Aber auch ohne Anschlag kommt der Wandel, oder träumt jemand von wasserstoffgetriebenen Flugzeugen oder Rapsöl-Dieselmotoren in Schiffen wenn in ca. 40 Jahren das Erdöl alle ist? (Ich bin 38, habe also durchaus Chancen das noch zu erleben.)
Die Lösung liegt in regionalen Strukturen, wie auch die Permakultur anregt (Bin kein Experte). Ich rechne grössenmässig mit Dorfgemeinschaften, in denen alle voneinander abhängig sind. Dies ist die beste Basis um sich nicht gegenseitig an den Hals zu gehen, und gleichzeitig gemeinsam die Sicherheit nach Aussen zu gewährleisten. (Bezüglich der Diskussion um Strassenkämpfe in Frankfurt und vorbereiteter Waffenarsenale möchte ich die damalige Diskussion nicht wiederholen. Wer weiss was kommt meidet die Städte. Und gegen eine Waffe im Schrank habe ich im Sinne der Eigenverantwortung auch nichts einzuwenden.)
Anderer Blickwinkel: Das Bedürfniss nach Sicherheit mag wohl ein Grundbedürfniss des Menschen sein, dennoch ist es eine Illusion! Keiner weiss, ob er morgen noch lebt, die Sonne morgen nochmals aufgehen wird, oder ob das Universum beschliesst (Zähneknirschen?) einfach nicht mehr zu sein. Somit reduziert sich die Frage nach ziviler Sicherheit letztlich auf die eigene Todesangst. Überwinden wir sie, wird vieles leichter. Auch einzusehen, dass, wie man an vielen Tierarten sehen kann, das Leben nicht viel vom Überleben eines bestimmten Individiums zu halten scheint. Es geht vielmehr ums Überleben der Art. Somit ist die Frage nach ziviler Sicherheit ohnehin vom Tisch, und ich rede nicht von Selektion!
Übrigens bin ich kein Katastrophenapostel. Ich betrachte das was vor uns liegt nicht als solch, sondern als Notwendigkeit (Not-wendig!). Auch Angst ist weder mein Antrieb, noch meine Verkaufsmasche. Das was kommt ist wie ein Winter. Wenn es Herbst wird, spürt man ihn kommen, man weiss um seine Funktion und ist vorbereitet. Darüberhinaus freut man sich bereits auf den neuen Frühling, denn auch den ahnt man bereits voraus. Nochmals Grüsse, Richard
Richard König (Gast) - Di, Okt 30, 2007

Nochmal zur zivilen Sicherheit

Die Welt retten? Wozu, ist sie denn so schön? Wie wäre es stattdessen mit der Rettung der Erde? Wäre das nicht wichtiger? Und freudvoller? Ich glaube schon!

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