Spott über andere Kulturen
Spott ist aber auch die Waffe der Intoleranten, die aus einem Gefühl von intellektueller Überheblichkeit die „Rückständigkeit“ anderer Traditionen lächerlich machen. Wie viele dumme Witze gab es über den „primitiven“ Glauben der „Wilden“. Paul Feyerabend schildert in „Erkenntnis für freie Menschen“ (Frankfurt a.M. 1980, S. 144), wie Xenophanes sich über den Polytheismus lustig macht:
"Die Äthiopier bilden ihre Götter schwarz und stumpfnasig, die Thraker blauäugig und rothaarig... Wenn Kühe, Pferde und Löwen Hände hätten und damit malen könnten, dann würden die Pferde pferdeähnliche und die Kuh kuhförmige Göttergestalten schaffen."
Xenophanes setzt an diese Stelle den einen, universalistischen Gott (für Feyerabend ein unmenschliches Monstrum):
Einen Gott gibt es, weder an Gestalt noch an Gedanken den Sterblichen ähnlich. Immer bleibt er an derselben Stelle und ohne Bewegung. Nicht geziemt sich’s für ihn, zu wandeln hierhin und dorthin, denn ohne Mühsal lenkt er das All durch die Kraft seines Geistes.
Feyerabend stellt diesem intoleranten intellektuellen Monotheismus den toleranten Polytheismus gegenüber und zitiert jene berühmte Passage von Herodot:
Als Dareios König war, ließ er einmal alle Griechen seiner Umgebung zu sich rufen und fragte sie, um welchen Lohn sie bereit wären, die Leichen ihrer Väter zu verspeisen. Die aber antworteten, sie würden das um keinen Preis tun. Darauf rief Dareios die indischen Kalatier, die Leichen der Eltern essen und fragte sie in Anwesenheit der Griechen – durch einen Dolmetscher erfuhren sie, was er sagte - , um welchen Preis sie ihre verstorbenen Väter verbrennen möchten. Sie schrieen laut auf und baten ihn inständig, solche gottlosen Worte zu lassen. So steht es mit den Sitten der Völker, und Pindar hat meiner Meinung nach Recht, wenn er sagt, die Sitte sei aller Wesen König.
Herodot, Buch III, 38
Für Herodot bedeutet dies aber nicht, dass man sich aus Überlegenheit über die fremden Sitten lustig machen darf. Mit dem persischen Herrscher Kambyses, der nach den ihm vorliegenden Berichten Tempel zerstörte und die Bräuche unterworfener Völker verhöhnte, geht er hart ins Gericht. Für ihn muss eine solche Person den Verstand verloren haben:
Mir ist es ganz klar, daß Kambyses wahnsinnig war. Er hätte sonst die fremden Gottheiten und Gebräuche nicht verhöhnt. Denn wenn man an alle Völker der Erde die Aufforderung ergehen ließe, sich unter all den verschiedenen Sitten die vorzüglichsten auszuwählen, so würde jedes, nachdem es alle geprüft, die seinigen allen anderen vorziehen. So sehr ist jedes Volk überzeugt, daß seine Lebensformen die besten sind. Wie kann daher ein Mensch mit gesunden Sinnen über solche Dinge spotten!
Herodot, Buch III, 38
(Herodot sitzt hier vermutlich babylonischer Propaganda auf, denn die Forschung ist sich anscheinend darüber einig, dass Kambyses ähnlich tolerant gegenüber fremden Kulten war wie sein Vater Kyros II.)
"Die Äthiopier bilden ihre Götter schwarz und stumpfnasig, die Thraker blauäugig und rothaarig... Wenn Kühe, Pferde und Löwen Hände hätten und damit malen könnten, dann würden die Pferde pferdeähnliche und die Kuh kuhförmige Göttergestalten schaffen."
Xenophanes setzt an diese Stelle den einen, universalistischen Gott (für Feyerabend ein unmenschliches Monstrum):
Einen Gott gibt es, weder an Gestalt noch an Gedanken den Sterblichen ähnlich. Immer bleibt er an derselben Stelle und ohne Bewegung. Nicht geziemt sich’s für ihn, zu wandeln hierhin und dorthin, denn ohne Mühsal lenkt er das All durch die Kraft seines Geistes.
Feyerabend stellt diesem intoleranten intellektuellen Monotheismus den toleranten Polytheismus gegenüber und zitiert jene berühmte Passage von Herodot:
Als Dareios König war, ließ er einmal alle Griechen seiner Umgebung zu sich rufen und fragte sie, um welchen Lohn sie bereit wären, die Leichen ihrer Väter zu verspeisen. Die aber antworteten, sie würden das um keinen Preis tun. Darauf rief Dareios die indischen Kalatier, die Leichen der Eltern essen und fragte sie in Anwesenheit der Griechen – durch einen Dolmetscher erfuhren sie, was er sagte - , um welchen Preis sie ihre verstorbenen Väter verbrennen möchten. Sie schrieen laut auf und baten ihn inständig, solche gottlosen Worte zu lassen. So steht es mit den Sitten der Völker, und Pindar hat meiner Meinung nach Recht, wenn er sagt, die Sitte sei aller Wesen König.
Herodot, Buch III, 38
Für Herodot bedeutet dies aber nicht, dass man sich aus Überlegenheit über die fremden Sitten lustig machen darf. Mit dem persischen Herrscher Kambyses, der nach den ihm vorliegenden Berichten Tempel zerstörte und die Bräuche unterworfener Völker verhöhnte, geht er hart ins Gericht. Für ihn muss eine solche Person den Verstand verloren haben:
Mir ist es ganz klar, daß Kambyses wahnsinnig war. Er hätte sonst die fremden Gottheiten und Gebräuche nicht verhöhnt. Denn wenn man an alle Völker der Erde die Aufforderung ergehen ließe, sich unter all den verschiedenen Sitten die vorzüglichsten auszuwählen, so würde jedes, nachdem es alle geprüft, die seinigen allen anderen vorziehen. So sehr ist jedes Volk überzeugt, daß seine Lebensformen die besten sind. Wie kann daher ein Mensch mit gesunden Sinnen über solche Dinge spotten!
Herodot, Buch III, 38
(Herodot sitzt hier vermutlich babylonischer Propaganda auf, denn die Forschung ist sich anscheinend darüber einig, dass Kambyses ähnlich tolerant gegenüber fremden Kulten war wie sein Vater Kyros II.)
Lambing - Fr, Dez 17, 2004 - Zettelkasten: Traditionen







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