Romantik als Zwilling des Rationalismus
"Im 19. Jahrhundert brach die Romantik nie mit dem Rationalismus; sie war vielmehr sein Spiegelbild. Descartes hob die Fähigkeit zu formaler Rationalität und logsicher Kalkulation als das spezifisch "Geistige" in der menschlichen Natur auf Kosten der Gefühlserfahrung in den Himmel, die ein bedauerliches Nebenprodukt unserer Körpernatur sei. Seit Worsworth oder Goethe kippten die romantischen Dichter und Romanschriftsteller auf die andere Seite: ein allein von der kalkulierten Vernunft beherrschtes menschliches Leben ist kaum lebenswert, edel ist die Bereitschaft, sich tiefen Gefühlen zu überlassen. Das ist keine Position, die den Dualismus des 17. Jahrhunderts transzendiert, sondern sie akzeptiert ihn und schlägt sich nur bei jeder Dichotomie auf die andere Seite."
Stephen Toulmin: "Kosmopolis - Die unerkannten Aufgaben der Modern"; Frankfurt a.M. 1994, S. 238-239
Etwas zu einfach diese Gegenüberstellung,wenn man sie mit den Anliegen romantischer Vordenker wie Hölderlin oder Novalis vergleicht, aber im Kern stimmt es: Nicht nur, daß es diese klischeehafte Variante der Romantik gibt. Sondern auch dort, wo nur der Anspruch auf ganzheitliche Intergration von Gefühl und Vernunft, von Poesie und Sachverwaltung, von Kultur und Natur erhoben wird, wird der Dualismus des 17. Jahrhunderts nicht transzendiert. Er wird nur verwaltet. Gute Gründe, die Romantik nicht als ideengeschichtlicher Ausfluß ausgleichender Gerechtigkeit zu verstehen. Und gute Gründe der heute immer noch vielbeschworenen Ganzheitlichkeit mißtrauisch gegenüberzustehen. Ein Analogie um das deutlich zu machen: Wer den Dualismus von religiösem versus säkularem Fundamentalismus ganzheitlich integrieren will, ändert nichts an dem allen intoleranten Ideologien gemeinsamen Wahrheitskonzept.
Stephen Toulmin: "Kosmopolis - Die unerkannten Aufgaben der Modern"; Frankfurt a.M. 1994, S. 238-239
Etwas zu einfach diese Gegenüberstellung,wenn man sie mit den Anliegen romantischer Vordenker wie Hölderlin oder Novalis vergleicht, aber im Kern stimmt es: Nicht nur, daß es diese klischeehafte Variante der Romantik gibt. Sondern auch dort, wo nur der Anspruch auf ganzheitliche Intergration von Gefühl und Vernunft, von Poesie und Sachverwaltung, von Kultur und Natur erhoben wird, wird der Dualismus des 17. Jahrhunderts nicht transzendiert. Er wird nur verwaltet. Gute Gründe, die Romantik nicht als ideengeschichtlicher Ausfluß ausgleichender Gerechtigkeit zu verstehen. Und gute Gründe der heute immer noch vielbeschworenen Ganzheitlichkeit mißtrauisch gegenüberzustehen. Ein Analogie um das deutlich zu machen: Wer den Dualismus von religiösem versus säkularem Fundamentalismus ganzheitlich integrieren will, ändert nichts an dem allen intoleranten Ideologien gemeinsamen Wahrheitskonzept.
Julio Lambing - Mi, Nov 14, 2007 - Zettelkasten: Wassermannzeitalter







als wäre die reine logik dem menschlichen wesen gemäß, als könne man sich von irrationaler unvernunft leiten lassen, sich dem fantastischen, anstatt dem realen hingeben.
rationalität und romantik sind keine gegensätze, sondern ergänzen sich. eine rose ist nicht nur eine pflanze der gattung XYZ, sondern ausserdem noch schön. ganz widerspruchsfrei.
Selbstverständlich ergänzen sich Rationalismus und Romantik - als Irrläufer menschlicher Lebensweise vom selber Kaliber. Keiner von beiden, weder allein noch ganzheitlich fusioniert, taugen dazu eine Rose zu beschreiben.