Axonas ist ein Zettelkasten, der Notizen, Exzerpte und Zitate aufbewahrt. Weder stellen die Notizen meine abschließenden Gedanken dar noch drücken die gesammelten Exzerpte und Zitate unbedingt meine Meinung aus.

Als öffentlich begehbarer Buchstabengarten ist dieser Zettelkasten zugleich Bestandteil eines Austauschs an Gedanken und Ideen, den ich mit einigen Menschen pflege. Er ist ein Hilfsmittel im Wechselspiel von Rede und Widerrede und den Nutzen und die Grenzen eines solchen Buchstabengartens hat Sokrates in Platons Phaedros treffend beschrieben.

Gastfreundschaft

Anscheinend ist Zeit für eine sportive Tätigkeit. Schon bei meiner Ankunft hatte ich Gelegenheit, in einem Pool, der direkt am Strand lag, ins Abendrot zu schwimmen: Ich wollte trotz Übermüdung nach 24 stündiger Anreise im Wachszustand den Kreislauf in Schwung bringen und so eine ortsübliche Einschlafzeit zu haben. Die klischeehafte Romantik unter Palmen mit dezenter Musik und Beleuchtung half ganz gut: ich hielt dann noch 3 Stunden durch.

Auch tagsüber gibt's Gelegenheiten: Das Hotel Grand Hyatt, in dem sie sogenannten "Side Events" (also Informationsveranstaltungen mit Vorträgen, Diskussionen etc. neben den offiziellen Verhandlungen) stattfinden, ist per Fußmarsch etwa 15 Minuten vom Verhandlungszentrum entfernt. Schnelles Gehen rächt sich bei der Luftfeuchtigkeit und der Temperatur sofort. Der Shuttle Bus fährt etwas spärlich. Aber an diversen Ecken gibt es Stände der UN, an denen man unkompliziert Fahrräder ausleihen kann. Ganz neue, quitschgelbe Mountain-Bikes mit Gangschaltung. Sie werden an einem Stand ausgeliehen und an an einem anderen am zielort wieder abgegeben. Nette Idee. Mein Fahrkünste auf der ersten Tour repäsentierten sicher nicht die deutsche Radsport-Tradition : beladen mit einer unahndlichen Laptop-Tasche voller Dokumente, etwas unsicher neben den Bussen und Jeeps herfahrend, der Fahrstil doch eher ... sagen wir mal "südostasiatisch" ist, der Linksverkehr half auch nicht unbedingt, den Überblick zu behalten und der Lenker stellte sich mit der Zeit quer zur Achse. Ein abrupte Bremsmanöver, als Fußgänger querten gab Anlaß, meinen Gleichgewichtssinn ausgiebig zu testen, an dem Fahrrad fehlt die Klingel - zumindest fand ich keine in der gebotenen Geschwindigkeit.

Die fehlende Fahrradklingel könnte durch als Beispiel für die Mentalität im Lande taugen. Bei meiner ersten Spaziergang auf dem Strandweg vor zwei Tagen fiel mir auf, daß die balinesischen Fahrradfahrer keine Klingel betätigten. Jedes Mal war erst ein leises Räuspern wenn nötig auch weiteres deutlich lauteres Hustren oder dergleichen zuhören. Nur dann wenn wir trampeligen Europäer partout nicht kapieren wollten, daß da jemand hinter uns sich über einen Schritt zur Seite freuen würde, gab es eine kurze Anrede oder ein freundliches Rufen auf balinesisch.

Auf den Straßen sind viele Motorradfahrer unterwegs, hauptsächlich jüngere. Auch die motorisierte Polizei nutzt Zweiräder. Angesichts des Fahrstils mancher Busse und Jeeps fürchtet man auf den breiten Avenus ernsthaft um das Leben dieser Zeiradfahrer. Ein Mitglied einer Wirtschafts-NGO meinte allerdings, wir sollten uns keine Sorgen machen: Wer hier entlang fahre, habe seine Fähigkeit im Survival of the Fittest bereits bewiesen.

Die Straßen sind gesäumt mit Polizisten in braunen Uniformen, die mit schweren Gewehren bewaffnet sind. Dann gibt es an jeder Ecke Dutzende Polizisten in weißblauen Uniformen, Sicherheitspersonal in schwarzen Uniformen, all das zusätzlich zu den UN-Sicherheitskräften in Dunkelblau. Wie im Dienstleistungsbereich macht sich auch hier die Wirtschaftsweise eines Landes deutlich, in der Arbeit zu den billigsten Gütern gehört. So wie es in den Hotels Dutzende an Bediensteten gibt, die in allen Aspekten helfen, tragen, fahren, servieren, wechseln, beraten, reinigen etc. so gibt es auch überall ganze Gruppen an (sehr freundlichen) Sicherheitskräften, die kontrollieren, Gepäck checken, Verkehr regeln, beobachten oder Auskunft geben. Die Straßen sind gesäumt mit einer Vielzahl an Fahnen und Plakaten, die die UN-Klimakonferenz ankündigen. Überhaupt ist die Präsenz der COP 13 ("Thirteen Conference of Parties" - damit sind die Verhandlungsparteien, also Staaten gemeint) bemerkenswert. Das Flughafenpersonal war detailliert infomiert und unvorbereitet, in einer Vielzahl an Hotels stehen kleine Informationsstände über die Konferenz, jeder Kellner oder Barkeeper, den ich bis jetzt traf, kann ein Wort zur Konferenz oder sogar zum "see level rise" etc. sagen. Im Umfeld des Verhandlungsgelände stehen Ständer mit kostenlosen Ausleihschirmen, um den kurzen, aber manchmal heftigen Regenschauer - es ist Regenzeit hier - effektiv zu begegnen. Im Vergleich zu der Klimakonferenz in Mailand vor 4 Jahren, als das Berlusconi-Regime sein Desinteresse an Klimafragen beredt zur Schau stellte und nichtmals die Taxifahrer informiert waren, was das ist und daß da überhaupt so etwas ist wie eine riesige UN-Verhandlungsrunde in der Stadt, ist es schon bemerkenswert wie sich ein armes Land wie Indonesien als Gastgeber präsentiert.

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Praxis der Aphrodisia

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